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Florenz

Hauptort der Toskana am Arno. Im 2. Jh. v.Chr. gegründet, wurde F. von Caesar zur Kolonie erhoben und ab dem 4. Jh. n.Chr. Bischofssitz, unter fränk. Herrschaft Grafensitz. Ab dem 12. Jh. stieg F. zur einflussreichen Handels- und dann auch Finanzmacht auf. Die 1321 gegründete Universität zog auch viele Studenten aus der Schweiz an. Im ausgehenden 15. und frühen 16. Jh. erreichte F. unter den Medici einen Höhepunkt als Zentrum des Humanismus und der bildenden Künste. Nach der Habsburger Herrschaft (1737-1859) trat F. dem Königreich Italien bei und fungierte 1865-70 als dessen Hauptstadt. 2002 ca. 377'000 Einw.

Vom 13. Jh. an besuchten Kaufleute aus F. die Genfer Messen. Im 15. Jh. entstand in Genf die Filiale der Medici-Bank. Anfänglich noch abhängig vom Hauptsitz in F. und von der Vertretung in Rom, arbeitete sie ab 1431 selbstständig. Ihre Entwicklung prägten die Direktoren Giovanni Benci, Ruggieri della Casa und Francesco Sassetti, unter denen sie das Zentrum für den Handel zwischen Italien und dem Westen Europas wurde. Sie diente als Schaltstelle für den Kapitaltransfer und übernahm die Aufgabe, in Form eines Clearing House den Finanzausgleich in Europa zu steuern. Francesco Sassetti trat als Geldgeber u.a. für die Stadt Genf auf und liess dort verschieden religiöse Bauten errichten. Die Compagnia Medici di Ginevra unterstützte die ab 1457 in finanzielle Schwierigkeiten geratene Stadt auch mit Krediten. Erkenntnisse über die Geschäfte der Florentiner Bankiers und Kaufleute können aus drei überlieferten Rechnungsbüchern gewonnen werden. Aus dem "Libro giallo di Ginevra" der Compagnia Della Casa & Guadagni, das als Quellenedition vorliegt, geht u.a. hervor, dass wollene und andere Stoffe an Kaufleute aus Freiburg und St. Gallen verkauft und solche wiederum von diesen erworben wurden. Die Medici-Bank unterhielt auch eine Niederlassung in Basel, die Handelsbeziehungen mit Freiburg und mit Luzern pflegte. Weitere Florentiner Familien wie die Pazzi oder die Baroncelli gründeten ebenfalls Niederlassungen in Genf. Angehörige der beiden Familien, die sich in Avignon angesiedelt hatten, besuchten regelmässig die Genfer Messen. Die Pazzi behielten ihre Niederlassung in Genf auch nach 1465 bei, als die meisten florentin. Banquiers die Stadt schon verlassen hatten, um sich in Lyon zu etablieren.

Ref. Anhänger des aus F. stammenden Petrus Martyr Vermigli wanderten während der 1540er Jahre nach Genf aus. Vermigli, ein enger Freund des Reformators Heinrich Bullinger, wurde 1556 an die Hohe Schule in Zürich berufen. Er publizierte seine Schriften in den beiden Zürcher Druckereien Froschauer sowie Gessner und Wyssenbach.

1552 erfasste der vom franz. Kg. Heinrich II. ausgelöste Krieg die Toskana und Cosimo I. von F. versuchte, mit den Eidgenossen Verbindung aufzunehmen. Giacomo Ferrari - oder Jakob Schmid - aus Lugano leitete die Verhandlungen auf schweiz. Seite. Das Ziel von F. war es, sein Nachrichtennetz auszubauen und v.a. zu verhindern, dass Frankreich Söldner gegen F. anwerben konnte. Dieser Versuch scheiterte noch, aber 1554 riet der Urner Walter Roll Cosimo in einem Gutachten, wie er mit den Eidgenossen in Beziehung treten solle. Über den Kontakt zu Roll gelang es dem Fürsten schliesslich, die Bewegungen der schweiz. Söldner abzuschätzen.

Im 17. Jh. emigrierten versch. Tessiner Familien v.a. aus dem Locarnese nach F., um dort als sog. Dekorationsmaler (pittori d'ornato) zu arbeiten. Die Emigration erfasste primär männl. Familienmitglieder, die jedes Jahr in der kalten Jahreszeit in ihre Dörfer zurückkehrten. Antonio Ciseri erhielt als Nachkomme einer dieser Familien im 19. Jh. an der Akademie in F. eine Ausbildung und erfüllte Auftragsarbeiten sowohl in F. als auch im Tessin.

Während der Restauration lebte der Genfer Jean Pierre Vieusseux in F. Als Herausgeber der Zeitschrift "Antologia" verbreitete er liberales Gedankengut in Italien. Mit Vieusseux befreundet waren die ebenfalls in F. lebenden Genfer Bankiers Jean-Gabriel Eynard und Jean-Pierre Gonin. Auch die Genfer Miniaturkünstler Abraham Constantin und Salomon Guillaume Counis hatten sich in F. niedergelassen. Der Genfer Historiker Jean Charles Léonard Simonde de Sismondi - Autor der "Histoire des républiques italiennes du Moyen Age" und Freund von Vieusseux - hielt sich regelmässig in der Nähe von F. auf.

Im späten 19. Jh. siedelten sich einige schweiz. Unternehmer in F. an. Sie beschäftigten sich mit der Herstellung und dem Export von Hüten aus Stroh und anderen Materialien. 1875 war Alois Weber mit diesem Ziel nach F. gekommen. Die Familie Bruggisser aus Wohlen errichtete dort ebenfalls eine Hutfabrik. Im letzten Drittel des 19. Jh. wurden die Banken Lacombe, Bosio & Co. (1868) und Steinhäuslin gegründet. Charles Alexandre Steinhäuslin wurde 1897, zwei Jahre nach der Gründung des Konsulats, Honorarkonsul der Schweiz in F. In den 1880er Jahren übernahm die Schweizer Hoteliersfamilie Kraft das Florentiner Hotel Italia. Bis 1972 befanden sich drei Hotels in F. im Besitz der Familie, darunter das traditionsreiche Hotel Kraft.

Im 19. Jh. entstanden auch einige schweiz. Vereine und Institutionen in F. 1860 wurde die schweiz. Gesellschaft Amicizia und 1875 die Società svizzera di beneficenza gegründet. Die 1930 ins Leben gerufene Associazione scuola svizzera dient der Unterstützung der seit 1838 bestehenden Schweizer Schule.

Quellen und Literatur

  • Svizzeri in Italia, 1939, (Neudr. 1969)
  • M. Cassandro, Il Libro giallo di Ginevra della compagnia florentina di Antonio Della Casa e Simone Guadagni 1453-1454, 1976
  • E. Walder, Der Condottiere Walter von Roll von Uri und die Beziehungen zwischen der Innerschweiz und Italien in der Wende zur Gegenreformation 1551-1561, 1948
  • J.-F. Bergier, Genève et l'économie européenne de la Renaissance, 1963
  • G. Bonnant, Svizzeri in Italia, 1848-1972, 1972
  • J.-F. Bergier, «Lettres genevoises des Medici, 1425-1475», in Studi in memoria di Federigo Melis" 3, 1978, 279-310
  • R. Broggini, Un emigrante locarnese: Antonio Ciseri (1821-91), o.J.
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