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Rheinbund

R. bezeichnet den 1806-13 bestehenden Zusammenschluss von zunächst 16 dt. Fürsten, den Napoleon I. veranlasst hatte, um die franz. Vorherrschaft in Mitteleuropa zu konsolidieren. Direkte Folge davon war das Ende des Heiligen Römischen Reiches, das 1806 mit dem Rücktritt Ks. Franz II. besiegelt wurde. Im 1. Rheinbund (1658-68) hatten dt. Reichsfürsten und Frankreich eine Allianz geschlossen, um den Westfäl. Frieden zu sichern und Frankreich vor Spanien zu schützen.

Die Rheinbundstaaten waren verpflichtet, Frankreich hohe Militärkontingente zu stellen. Sie erfuhren im Gegenzug Rangerhöhungen - Baden zum Grossherzogtum, Württemberg und Bayern zu Königreichen - und z.T. beträchtl. Gebietserweiterungen. Bis 1811 traten dem R. weitere 20 dt. Staaten bei, darunter Liechtenstein, nicht jedoch Österreich, Preussen, Braunschweig und Kurhessen.

Die Eidgenossenschaft war ab 1803 durch die franz. Garantie der Mediationsverfassung, durch Militärkapitulation und Defensivallianz eng an Frankreich gebunden. Infolge der Gebietserweiterungen der franz. Alliierten, die unter Napoleons Protektorat standen, war die Schweiz als einzige Republik inmitten von monarchisch strukturierten Staaten wirtschaftlich und politisch vollkommen isoliert. In den ersten Entwürfen zur Rheinbundakte war ein Beitritt der Schweiz vorgesehen, ohne dass diese offiziell konsultiert worden wäre. Er hätte ihr nur Nachteile gebracht: eine Offensiv- statt der Defensivallianz, höhere Militärausgaben, Zwangsrekrutierung, Aufgabe der Neutralität und des grössten Teils staatl. Eigenständigkeit.

Bei der Unterzeichnung der Akte 1806 war keine Rede mehr von einem Schweizer Beitritt, obwohl Napoleon dies im Vorfeld angedroht hatte. Die zu erwartenden Komplikationen erschienen ihm zu gross und der Nutzen zu gering. Im Frieden von Wien (1809) machte er auch die Hoffnung Badens auf eine Gebietserweiterung zu Lasten der Schweiz zunichte.

Quellen und Literatur

  • E. Guillon, Napoléon et la Suisse, 1803-1815, 1910
  • G. Steiner, «R. und "Königreich Helvetien", 1805-1807», in BZGA 18, 1919, 1-159
  • Dictionnaire Napoléon, hg. von J. Tulard, 1989, 457-463
  • F. Bluche, Dictionnaire du Grand Siècle, 1990, 1337
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