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EdgarWoog

24.4.1898 Liestal, 20.6.1973 Zürich, israelitisch, später konfessionslos, von Basel und Zürich. Sohn des Henri Woog, Kaufmanns, und der Juliette geborene Braunschweig. 1) 1935 Klawdia Petrowna Nasarowa, sowjetische Staatsangehörige, 2) 1940 Lydia Scherer, Tochter des Karl Wendelin Scherer, Lithografen, und der Louisa Sophie geborene Aeschbach. Nach dem Besuch der Schulen in Basel begann Edgar Woog eine kaufmännische Lehre in Hamburg, die er 1914 abbrechen musste. Zurück in Basel absolvierte er einen Kurs für Bibliothekswesen. 1918 trat er in die Sozialdemokratische Partei (SP) ein. Ab 1920 machte er in Mexiko eine Ausbildung zum Bibliothekar, gründete unter dem Pseudonym Alfred Stirner die Kommunistische Partei (KP) Mexikos mit und beteiligte sich an deren Aufbau. 1921 bzw. 1922 war er Delegierter am dritten und vierten Kongress der Dritten oder Kommunistischen Internationale. 1922-1935 arbeitete Woog für die Dritte Internationale, so ab 1922 für das Exekutivkomitee und ab 1924 für die Internationale Kontroll-Kommission. Bis 1927 hielt er sich vor allem in Moskau auf, dann wechselte er 1928 als Sekretär des Westeuropäischen Büros nach Berlin, danach war er in Spanien und Moskau tätig.

1935 kehrte er nach Zürich zurück, wo er eine Buchhandlung eröffnete. 1936 gehörte er dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei (KP) Schweiz an. Er beteiligte sich 1936-1937 an der Organisation der Freiwilligen für die Spanische Republik, worauf 1938-1939 Verurteilung und Haft wegen Werbung für fremde Kriegsdienste folgten. Nach dem Verbot der KP Schweiz 1940 wurde Woog mehrmals wegen illegaler kommunistischer Tätigkeit verhaftet. 1944 gründete er die Partei der Arbeit (PdA) mit und gehörte der Parteileitung an. Er wirkte 1946-1949 als Stadtrat in Zürich (Bauamt I), 1949-1968 als Generalsekrektär der PdA, 1950 als Gemeinderat und 1947-1955 als Nationalrat. Woog blieb trotz Kritik an den Verbrechen Stalins stets ein überzeugter Kommunist. Er wurde 1947 als Stadtrat wegen Veruntreuung von Spendengeldern verhaftet und 1949 verurteilt; die anschliessende Amtsenthebung erfolgte im Zeichen des Kalten Krieges aus politischen Gründen.

Quellen und Literatur

  • Vorwärts, 28.6.1973 (Nachruf); 4.7.1974.
  • Farner, Martha et al.«Niemals vergessen!» Betroffene berichten über die Auswirkungen der Ungarn-Ereignisse 1956 in der Schweiz, 1976, S. 55-62.
  • Stettler, Peter: Die Kommunistische Partei der Schweiz, 1921-1931. Ein Beitrag zur schweizerischen Parteiforschung und zur Geschichte der schweizerischen Arbeiterbewegung im Rahmen der Kommunistischen Internationale, 1980, S. 512.
  • Tages-Anzeiger, 21.8.1992.
  • Huber, Peter: Stalins Schatten in der Schweiz. Schweizer Kommunisten in Moskau. Verteidiger und Gefangene der Komintern, 1994.
  • Studer, Brigitte: Un parti sous influence. Le Parti communiste suisse, une section de l'Internationale, 1931 à 1939, 1994.
  • Häsler, Alfred A.: Einen Baum pflanzen. Gelebte Zeitgeschichte, 1996, S. 179-190.
Weblinks
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Kurzinformationen
Variante(n)
Ekki (Übername)
Alfred Stirner (Pseudonym)
Lebensdaten ∗︎ 24.4.1898 ✝︎ 20.6.1973

Zitiervorschlag

Bürgi, Markus: "Woog, Edgar", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.02.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/006763/2021-02-22/, konsultiert am 18.06.2021.