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BesançonErzdiözese

Bereits im 4. Jahrhundert wurde Besançon Bischofssitz (spätestens ab 7. Jh. Sitz des Metropoliten). Zu Besançon gehörten die Civitates Equestris (Nyon), Aventicum (Avenches) und Basiliensium (Basel). Die Diözesangrenzen waren lange Zeit unbestimmt. Das Kloster Saint-Maurice erhielt bei seiner Gründung im Jahre 515 Besitzungen in der Diözese Besançon. Bekannt ist auch, dass die Ajoie um 700 zur Diözese gehörte. Vom 8. Jahrhundert an standen die Grenzen in groben Zügen fest. 888 nahm Theodoricus, Erzbischof von Besançon, mit seinem Suffragan, Bischof Hieronimus von Lausanne, an der Gründung des Königreichs Burgund teil, dessen Grenzen mit jenen der Kirchenprovinz Besançon zusammenfielen. Verschiedentlich wurden die Grenzen verändert: Im 12. Jahrhundert kamen Saint-Ursanne und die Freiberge zur Diözese Basel. Das Verhältnis von Besançon zur Diözese Lausanne war stets enger als zu den übrigen Bistümern der Erzdiözese. Der Erzbischof besass Güter am Genfersee, in Cully, Riex und Lutry, die er bis 1246 innehatte, überdies Rechte in Nyon, die er 1272 Philipp I. von Savoyen abtrat. Aus Besançon kamen im 12. Jahrhundert zwei Bischöfe von Lausanne: Guy de Maligny und Landri de Durnes. In umgekehrter Richtung wurde Gérard de Rougemont, gewählter Bischof von Lausanne 1221, noch vor seinem Amtsantritt am Genfersee, Erzbischof von Besançon. 1312 sandte der Papst den Bischof von Genf nach Besançon, um Skandale, die den Erzbischofssitz in Verruf gebracht hatten, zu beenden. Bis ins 16. Jahrhundert nahmen die Suffraganbischöfe regelmässig an den erzbischöflichen Synoden in Besançon teil, und einige liessen sich hier auch weihen.

In der Reformationszeit suchten die Bischöfe der Erzdiözese Besançon Hilfe bei ihrem Erzbischof: Der Bischof von Lausanne musste seine Stadt verlassen und war in mehreren Orten, vorwiegend aber in Besançon, im Exil. Im 17. Jahrhundert ging er mit dem Einverständnis seines Erzbischofs nach Freiburg. Der Fürstbischof von Basel fand Zuflucht in Pruntrut, das zur Diözese Besançon gehörte. Diese eigenartige Situation dauerte zwei Jahrhunderte an, bis 1779 und 1780 Verträge mit dem französischen König abgeschlossen wurden, in denen dem Basler Fürstbischof die geistliche Gerichtsbarkeit über die Ajoie übertragen und im Gegenzug der Diözese Besançon rund zwei Dutzend Pfarreien an der Grenze zum Elsass zugesprochen wurden.

Während der Französischen Revolution starb 1792 Erzbischof Raymond de Durfort im Solothurner Exil. Danach bildete sich eine eigentliche Exilregierung der Diözese Besançon in der Schweiz um den Bischof von Lausanne, Bernard Emmanuel von Lenzburg, der zu seiner Unterstützung ein Dutzend Generalvikare ernannte. Monsignore de Chaffoy, ab 1777 Generalvikar von Besançon, gründete Ende 1792 in Cressier bei Neuenburg eine Vereinigung emigrierter Priester: In der Revolutionszeit wurden 59 Priester aus der Freigrafschaft Burgund in Freiburg geweiht. Nach dem Tod von Bernard Emmanuel von Lenzburg, 1795, wurde die Verwaltung der Diözese Besançon Franz Xaver von Neveu anvertraut, dem Bischof von Basel, der damals in Konstanz residierte und 1798 einen Hirtenbrief an die Mitglieder seiner Diözese Besançon richtete. Im Konkordat von 1801 erhielt Besançon die Rechte als Erzbischofssitz zurück. Allerdings verliessen die Diözesen Basel und Lausanne endgültig die Kirchenprovinz Besançon. Gleichzeitig wurden die Pfarreien des Dekanats Saint-Guillaume (Jougne, Les Hôpitaux, Les Longevilles) im französischen Departement Doubs von der Diözese Lausanne abgetrennt und derjenigen von Besançon angegliedert. Als 1806 das Fürstentum Neuenburg an Frankreich kam, bestimmte Papst Pius VII., dass die geistliche Gerichtsbarkeit dem Erzbischof von Besançon zustehen solle. Sie wurde 1814 dem Bischof von Lausanne zurückgegeben. 1819 schliesslich wurde Le Cerneux-Péquignot von der Diözese Besançon abgelöst und in die Diözese Lausanne eingegliedert.

Quellen und Literatur

  • HS I/1; I/4
  • M. Rey, Les diocèses de Besançon et de Saint-Claude, 1977
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Jean Courtieu: "Besançon (Erzdiözese)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.02.2011, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007014/2011-02-02/, konsultiert am 19.05.2022.