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Oberschwaben

Der Landschaftsbegriff O. leitet sich aus der 1274 entstandenen Reichslandvogtei O. her, die das Gebiet zwischen Donau, Bodensee und Alpenrand, Schwarzwald und Lech und damit auch das Allgäu umfasste. Seit dem 19. Jh. ist der Begriff O. auf den zwischen 1806 und 1810 württembergisch gewordenen Teil des alten O. reduziert (Württemberg).

Herrschaftl.-polit. Beziehungen zwischen O. und dem schweiz. Raum bestanden bereits im FrühMA: Im 8. Jh. verfügte das Kloster St. Gallen über umfangreichen Besitz im südl. O. (z.B. um Wangen im Allgäu; Herrschaft Neuravensburg bis 1803). Von 1331 bis zur Mitte des 15. Jh. bildeten die Bodenseestädte unterschiedl. Bündnisse, in denen neben Konstanz und den meisten oberschwäb. Reichsstädten zeitweilig auch Zürich, St. Gallen und Schaffhausen vertreten waren (Schwäbischer Städtebund). Nach 1815 ging von der republikan. Schweiz eine gewisse polit. Ausstrahlung auf O. aus, auch wegen der vergleichsweise freien Presse. Gegenseitige Besuche von Lieder- und Schützenfesten festigten die Kontakte. Als Folge der gescheiterten Revolution von 1848-49 kamen polit. Flüchtlinge aus O. in die Schweiz.

Wirtschaftlich waren die Nordostschweiz und O. ab dem HochMA miteinander verbunden, als beide Räume eine einzige grosse Textilgewerbelandschaft (Leinwand- und Barchentproduktion) bildeten. Ab dem 15. Jh. existierten auch gemeinsame Handelsorganisationen (z.B. die Ravensburger Gesellschaft mit europaweiten Beziehungen). Nach dem Dreissigjährigen Krieg wurde nur noch wenig Textilhandel zwischen O. und den eidg. Orten betrieben. Letztere importierten Garn, Rohleinwand und Strümpfe aus O.

Umfangreiche Getreideeinfuhren aus O. über den Bodensee in die dicht bevölkerte Nordostschweiz wurden bereits im MA getätigt, am ausgeprägtesten waren sie ca. 1650-1850. Im 19. Jh. ermöglichten schweiz. Kapital und Know-how zahlreiche Fabrikgründungen in O. (in der Textilindustrie und im Maschinenbau). Schon im 18. Jh. wurden Kinder aus den Gebirgs- und Agrarkantonen (Graubünden, beide Appenzell, St. Gallen) als Saisonarbeiter auf oberschwäb. Bauernhöfen beschäftigt. Im 19. Jh. nahm die Schwabengängerei zu. Bis 1914 wurden auf Kindermärkten in Ravensburg, Friedrichshafen, Tettnang und andernorts zahlreiche Kinder verdungen.

Die Handelsstrasse von O. über Graubünden in die Lombardei begünstigte auch kulturelle Beziehungen: Davon zeugen zahlreiche spätgot. Flügelaltäre, welche oberschwäb. Künstler für Bündner Kirchen im 15. und frühen 16. Jh. schufen (im Vorderrheintal und seinen Seitentälern, im Oberhalbstein, in Chur der Hochaltar der Kathedrale).

Quellen und Literatur

  • O. Beitr. zur Gesch. und Kultur, hg. von P. Eitel, E.L. Kuhn, 1995
  • O., hg. von H.-G. Wehling, 1995
  • P. Blickle, O. Politik als Kultur einer dt. Geschichtslandschaft, 1996.
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