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Hirsau

830 gründeten Bf. Noting von Vercelli (Piemont) und Erlafried (vermutlich Vorfahren der späteren Gf. von Calw) das adlige Eigenkloster H. im Schwarzwald. Nachdem dieses bis zum Ende des 10. Jh. abgegangen war, wurde es von Gf. Adalbert von Calw ab 1059 neu errichtet. Der Konvent kam aus Einsiedeln. Die Abtei entwickelte sich erst durch den 1069 berufenen Abt Wilhelm aus St. Emmeram in Regensburg zu einem polit.-geistigen Zentrum (auch "deutsches Cluny" genannt). Wilhelm erhielt 1075 von Kg. Heinrich IV. die Privilegien der freien Abt- und Vogtwahl. Letztere wurde aber so eingeschränkt, dass sie nur innerhalb der Stifterfamilie durchgeführt werden konnte. Der Einfluss H.s beruhte auf den Hirsauer Konstitutionen. Es gelang H., mehr als 120 Klöster zu gründen oder zu reformieren. Hingegen schuf es keinen Klosterverband. Das während des Investiturstreits wichtigste Zentrum der gregorian. Partei übte mit seinem Neubau der Klostergebäude und der Kirche St. Peter und Paul (1082-91) zudem eine architekton. Vorbildfunktion aus. Auch das Scriptorium und die im Umkreis der Hirsauer Reform entstehende geistl. Literatur zeigen die bedeutende Stellung des Klosters. Da H. die Vogteirechte der Stifterfamilie nicht gewann und auf Abt Wilhelm unbedeutendere Äbte folgten, verlor das Kloster v.a. ab Mitte des 13. Jh. an Bedeutung. Im 15. Jh. schloss sich H. zuerst der Melker Reform, 1458 der Bursfelder Kongregation an. Dies führte zu einer kurzen zweiten Blütezeit des Klosters, wie sich in der Bautätigkeit und in literar. Werken - etwa von Johannes Trithemius - zeigt. Ab Mitte des 15. Jh. prägten die aus der württemberg. Ehrbarkeit stammenden Mönche den Konvent. 1535 löste Hzg. Ulrich das Kloster auf. Zwischenzeitlich wieder besetzt, wurde es 1556 zur evang. Klosterschule.

Quellen und Literatur

  • H. Jakobs, Die Hirsauer, 1961
  • K. Schreiner, Sozial- und standesgeschichtl. Unters. zu den Benediktinerkonventen im östl. Schwarzwald, 1964
  • Germania Benedictina 5, 1975, 281-303
  • LexMA 5, 35
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