de fr it

Montafon

Zum österr. Bundesland Vorarlberg gehörendes, südöstlich zum Rätikon-Gebirge und zum bündner. Prättigau verlaufendes Seitental. Im M., das zum Walgau (Vallis Drusianae) und zu Niederrätien gehörte, hielten sich röm. Tradition und rätorom. Sprache bis Ausgang des MA. Die Ersterwähnung als Ferraires im um die Mitte des 9. Jh. datierenden Churrät. Reichsgutsurbar weist das Tal als Gegend der Erzgruben und Schmelzöfen aus; acht Öfen (fornaces) sind erwähnt. Der erst um 1100 auftauchende Name M. (gebildet aus mons/munt und tofus/tovun) bedeutet Bergtal mit vielen Tobeln. Der Bergbau spielte auch im SpätMA noch eine wichtige Rolle, v.a. die Silberminen in Bartholomäberg/Kristberg; 1319 ist von argentifodina seu mons dictus Montafune die Rede. Erst im Hoch- und SpätMA wurde das Tal durch freie rätorom. Rodungsbauern dichter besiedelt. Seit dem 15. Jh. liessen sich einzelne Walsersippen v.a. im Silbertal nieder. Ab der Mitte des 16. Jh. führte eine starke Germanisierungsbewegung langsam zum Verschwinden des Rätoromanischen. Um 1500 bestanden enge Verbindungen zum Prättigau und Engadin. Die Reformation des Prättigaus erfolgte weitgehend durch den Montafoner Prediger Jacob Spreiter. Der lebhafte Pass- und Handelsverkehr (Vieh, Wein und Salz) wickelte sich hauptsächlich über das Schlappiner Joch (2202 m) und die Fuorcla Vermunt (2798 m) ab. Schwabenkrieg und religiöse Verschiedenheit führten zu teilweiser Entfremdung und Streitigkeiten. 1621 fiel der österr. Oberst Erhard Brion über das Schlappiner Joch ins Prättigau ein; weitere Invasionen kaiserl. Truppen folgten 1622. 1799 stiess der kaiserl. General Friedrich von Hotze vom M. ins bündner. Gebiet vor. Das M. gehörte mit dem südl. Vorarlberg (Capitulum Drusianum) vom FrühMA bis 1808 zum Bistum Chur. Im 19. Jh. exportierte das M. Käse und Butter sowie menschl. Arbeitskraft (Mäher, Hirten und Knechte) nach Graubünden.

Quellen und Literatur

  • H. und W. Flaig, M., 1982
Weblinks
Weitere Links
e-LIR
Normdateien
GND
Systematik
Umwelt / Tal