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Stühlingen

Stadt im Wutachtal an der Schweizer Grenze im Landkreis Waldshut (Baden-Württemberg). 1093 comes de Stülinga. 2009 5'141 Einw. Grabfunde bezeugen, dass die Gegend bereits im 2. Jt. v.Chr. besiedelt war (Glockenbecherkultur). Später folgten Kelten, Römer und Alemannen. 1093 ist S. erstmals als Adelssitz belegt und Zentrum einer Landgrafschaft, ab 1172 unter den Gf. von Küssenberg, 1251-1582 unter den Gf. von Lupfen, ab 1639 unter den Gf., dann den Fürsten von Fürstenberg. Im Schwabenkrieg wurde S. 1499 von den Eidgenossen belagert und zerstört. Der Anschluss von Schaffhausen an die Eidgenossenschaft machte die Wutach 1501 zur Grenze. Ein Streit um ein Kondominium von Schaffhausen und S. im sog. Hostizland wurde 1839 beigelegt. Um 1600-33 und erneut 1672-1743 ist in S. eine jüd. Gemeinde mit Synagoge nachgewiesen. Die Fürstenberger wiesen die Juden 1743 aus. Ein Teil (Fam. Bloch und Weil) wanderte ins Surbtal aus, andere liessen sich am südl. Oberrhein nieder, wo einige den Familiennamen Schweizer annahmen. Im April 1945 übertraten 5'125 Flüchtlinge in Oberwiesen die Grenze, um in der Schweiz Asyl zu beantragen. Im 19. Jh. und 20. Jh. stärkte die Industrialisierung die Beziehungen zwischen den Ländern. Schweizer Investoren gründeten in S. u.a. eine Zwirnerei und einen Golfplatz. Schüler aus S. besuchten in Schleitheim die Mittelschule. Zu heftigen Diskussionen in S. führte der Kauf von Feldern im Ort durch Schweizer Landwirte.

Quellen und Literatur

  • B. Rosenthal, Heimatgesch. der bad. Juden seit ihrem geschichtl. Auftreten bis zur Gegenwart, 1927, 74 f., 171-183
  • R. Wais, Die Herren von Lupfen, Landgf. zu S., 1961
  • G. Häusler, S., 1966
  • H. Oka, Der Bauernkrieg in der Landgrafschaft S. und seine Vorgesch. seit der Mitte des 15. Jh., 1998
  • J. Binner-Schwarz, Von Gemeinsamkeit und Vielfalt, Ms., 2000, (Stadtverwaltung S.)
  • «S. und Schleitheim», in Schaffhauser Mgz., 2003, Nr. 3
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