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Thonon

Ausschnitt aus der südorientierten Karte des bernischen Staatsgebiets. Kolorierter Kupferstich von Thomas Schöpf, 1578 (Zentralbibliothek Zürich, Abteilung Karten und Panoramen).
Ausschnitt aus der südorientierten Karte des bernischen Staatsgebiets. Kolorierter Kupferstich von Thomas Schöpf, 1578 (Zentralbibliothek Zürich, Abteilung Karten und Panoramen). […]

Gem. im franz. Dep. Haute-Savoie, Hauptstadt des Arrondissements, am Südufer des Genfersees. 1656 2'325 Einw.; 1789 3'000; 1861 4'918; 1921 8'042; 1946 13'181; 1982 27'040; 2008 32'824. Seeufersiedlungen aus dem Jungneolithikum und der Bronzezeit. Die ursprüngl. Siedlung wurde offenbar in der älteren Eisenzeit verlassen. Ab der Latènezeit entwickelte sich der Flecken auf einer der Terrassen zwischen dem Genfersee und dem Hinterland. In röm. Zeit bestand er aus einem rund 10 ha grossen röm. Vicus. T. war ein Etappenort an der Strecke Genf-Saint-Maurice und verfügte über einen örtl. Markt, von dem auch die elf 1959, 1972, 1975 und 1976 auf dem Gemeindegebiet gefundenen Töpferöfen zeugen. 1268 stattete Philipp I. von Savoyen T. mit dem Stadtrecht aus. 20 Jahre später löste T. Allinges als Zentrum der Kastlanei ab. Im 15. Jh. wurde die Stadt zum Hauptsitz der Gf., später Hzg. von Savoyen. Nach der glanzvollen Epoche Amadeus' VIII., der das siebentürmige Schloss Ripaille bauen liess, und seines Sohns Ludwig (1391-1465) begann der Niedergang. T. wurde 1536 von Bern erobert, trat zur Reformation über und diente fortan als Landvogteisitz. Nach der Ratifizierung des Lausanner Vertrags von 1564 wurde T. 1567 an den Hzg. Emanuel Philibert zurückgegeben. Die Hauptstadt des savoy. Chablais behauptete sich mit einer Mission des hl. Franz von Sales und des Kapuzinerordens (1594-98) gegenüber Genf als Hochburg der Gegenreformation. 1602 wurde als Stützpunkt der kath. Wiedereroberung die Sainte-Maison errichtet, die eine Gemeinschaft von säkularen Priestern, eine Kapuzinermission, ein Kollegium und ein Lernzentrum für die neuen Konvertiten beherbergte. T. war Verwaltungszentrum der Provinz und Marktort einer landwirtschaftlich schwachen Region. Die Kleinstadt, deren Bevölkerung sich aus Ordensleuten, Magistraten und Handwerkern zusammensetzte, wuchs nur langsam. Auch die Annexion Savoyens durch Frankreich 1860 beschleunigte die Entwicklung kaum. Erst unter dem Einfluss des Fremdenverkehrs erlebte die Stadt einen Aufschwung. 1912 wurde in T. die erste Hotelfachschule Frankreichs gegründet. Als sich ab 1954 Industriebetriebe ansiedelten, verdoppelte sich die Einwohnerzahl in kurzer Zeit. Im Zug der Stadterweiterung wurden die alten Quartiere teilweise zerstört. Erhalten blieb das ehem. Kloster Maria Heimsuchung, das in ein Kulturzentrum umgewandelt wurde.

Quellen und Literatur

  • M. Constant, L'établissement de la maison de Savoie au sud du Léman: la châtellenie d'Allinges-T. (XIIe siècle-1536), 1972
  • H. Baud, J.-Y. Mariotte, Le Chablais, 1980, 59-124
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