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Varese

Stadt in der Lombardei, Hauptort der gleichnamigen Provinz, entstanden in der Nähe des antiken Verkehrswegs, der von Castelseprio über Ponte Tresa und den Monte Ceneri zum Lukmanierpass und nach Chur führte. Deutsch früher Väris, französisch Varèse. 2015 80'559 Einwohner.

Politisch-administrativ teilte Varese im Früh- und Hochmittelalter das Schicksal des Verwaltungsgebiets (iudiciaria) bzw. der Grafschaft (comitatus) Seprio, ab dem Spätmittelalter jenes des Herzogtums Mailand. Zur Eidgenossenschaft pflegte die Stadt enge Beziehungen. Vor allem die heutigen Tessiner Gebiete versorgten sich auf dem ab 1068 erwähnten Stadtmarkt mit Getreide und anderen Lebensmitteln, während aus der Eidgenossenschaft hauptsächlich Vieh ausgeführt wurde, das im Oktober auf dem Vareser Jahrmarkt verkauft wurde. Während der Mailänderkriege besetzten und plünderten eidgenössische Truppen wiederholt 1510-1512 die Stadt und ihre Umgebung. Der Ewige Frieden von 1516 beendete schliesslich den Konflikt zwischen den eidgenössischen Orten und dem französischen König Franz I., wobei die Eidgenossen ihre Ansprüche auf das Herzogtum Mailand fallen liessen. Sie behielten jedoch die ennetbirgischen Vogteien. Dadurch rückte die Region Varese von der Peripherie zum Grenzland des Staats Mailand auf.

In der Gegenreformation wurde 1604-1698 auf dem Hügel Velate der Sacro Monte von Varese geschaffen, der eindrucksvollste seiner Art im Alpenbogen, der auch zahlreiche Pilger aus dem Tessin anzog. An den Bauarbeiten beteiligte sich unter anderen der Stuckateur Francesco Silva aus Morbio Inferiore. Im Sommer 1752 beherbergte Varese die österreichischen und eidgenössischen Verhandlungsdelegationen, welche die Grenzen zwischen der Lombardei und der Eidgenossenschaft genauer festlegen sollten. Deren Unklarheit hatte zu langwierigen territorialen Streitigkeiten geführt und den Kampf gegen den weitverbreiteten Schmuggel in der Grenzregion behindert. Die Verhandlungen mündeten in den Vertrag von Varese. Seither blieb die schweizerisch-italienische Grenze praktisch unverändert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gründeten Schweizer Unternehmer in der Region Varese Textilindustrien, vor allem Baumwollspinnereien. Die Baumwollspinnerei Cantoni, eines der grössten italienischen Unternehmen der Branche, die in Castellanza in der Provinz Varese eine Fabrik besass, wurde von mehreren Mitgliedern der Schweizer Familien Soldini und Jucker geleitet. 1922 eröffnete Suchard in Varese eine Filiale. 1935 wurde das Collegium Helveticum von Mailand nach Venegono bei Varese verlegt. Nach dem Waffenstillstand der italienischen Armee vom 8. September 1943 trafen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz über 5000 militärische und zivile Flüchtlinge aus der Region Varese ein. In der Nachkriegszeit nahm die Zahl der in der Provinz Varese wohnhaften Grenzgänger stark zu. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellten sie die grösste Gruppe; 2015 betrug deren Zahl 26'319, von insgesamt 62'714 im Kanton Tessin tätigen Grenzgängern. Zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit riefen unter anderen der Kanton Tessin und die italienischen Provinzen Como und Varese 1995 die Arbeitsgemeinschaft Regio Insubrica ins Leben. 2011 wurde eine von der Tilo SA betriebene, direkte Eisenbahnverbindung zwischen Bellinzona und dem Flughafen Mailand Malpensa (Provinz Varese) via Luino und Gallarate, 2017 das Eisenbahnteilstück Stabio-Arcisate eröffnet. Dadurch beschleunigte und verflüssigte sich der öffentliche Verkehr von der Schweiz über Lugano und Mendrisio nach Varese und zum Flughafen Malpensa erheblich.

Quellen und Literatur

  • Borri, Luigi: Complemento del trattato di Varese dell'anno 1752, 1895.
  • Bonnant, Georges et al.: Svizzeri in Italia, 1848-1972, 1972.
  • Ambrosoli, Luigi: Varese, storia millenaria, 2002.
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Endonyme/Exonyme
Väris (deutsch nicht mehr gebräuchlich)
Varese (italienisch)
Varèse (französisch)

Zitiervorschlag

Viganò, Marino: "Varese", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.04.2020, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007137/2020-04-28/, konsultiert am 23.07.2021.