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Vorarlberg

Österreichisches Bundesland mit einer Fläche von 2601 km2 und einer 107 km langen gemeinsamen Grenze mit der Schweiz. 2010 370'552 Einwohner.

Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung. Unter Verwendung des von Emil Baumann gestalteten Briefkopfs der Vereinigung Pro Vorarlberg gedruckt bei Lips in Bern, 1919 (Schweizerische Nationalbibliothek).
Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung. Unter Verwendung des von Emil Baumann gestalteten Briefkopfs der Vereinigung Pro Vorarlberg gedruckt bei Lips in Bern, 1919 (Schweizerische Nationalbibliothek). […]

Nachdem die Römer 15 v.Chr. den Alpenraum erobert hatten, wurde auch Vorarlberg Teil der Provinz Raetia bzw. ab dem 4. Jahrhundert n.Chr. von Raetia prima mit der Hauptstadt Chur. Durch den Vertrag von Verdun gelangte es 843 an das ostfränkische Reich. Unter den Grafen von Bregenz bzw. ab 1200 von Montfort blieb die enge Verbindung mit Churrätien lebendig (der Süden des Landes gehörte bis 1816 zum Bistum Chur). Die noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Flurnamen fortlebende romanische Sprache wurde jedoch unter anderem wegen der Städtegründungen im 13. Jahrhundert und der Einwanderung der Walser ab 1300 immer mehr zurückgedrängt. Die Territorien der in mehrere Linien aufgeteilten Grafen von Montfort gingen ab dem späten 14. Jahrhundert an die Herzöge von Österreich über, wodurch Vorarlberg in den habsburgisch-eidgenössischen Konflikt hineingeriet. Obschon sich die meisten Vorarlberger Städte und Gerichte 1405-1408 am Bund ob dem See beteiligten und das Gebiet 1417-1436 eine Pfandschaft der Grafen von Toggenburg war, gelangte es anschliessend wieder an die Habsburger. Im Lauf des 15. Jahrhunderts entwickelte sich der Rhein zu einer Grenze, deren Bedeutung sich nach der Reformation durch die konfessionellen Gegensätze noch akzentuierte. Im Schwabenkrieg 1499 siegten die Eidgenossen in den Schlachten bei Hard und Frastanz gegen die Österreicher. Während des Dreissigjährigen Kriegs 1618-1648 bemühte sich Österreich vergeblich um die Rekatholisierung Graubündens. Spanien erwog, Vorarlberg im Tausch gegen das Veltlin anzubieten. Während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714) plante Österreich 1702 den Verkauf des Landes an die Fürstäbte von St. Gallen, Einsiedeln und Kempten. Auch Napoleon bot der Schweiz 1809 einen Anschluss Vorarlbergs an, um die Eidgenossen aus ihrer Neutralität zu locken.

Vom 18. Jahrhundert an arbeitete ein erheblicher Teil der Bevölkerung Vorarlbergs für Schweizer Textilunternehmer. Im 19. Jahrhundert kamen mehrere Initiativen zur Industrialisierung des Landes aus der Schweiz, die mit Vorarlberg ab ca. 1870 durch zahlreiche Brücken verbunden war (1867 Au-Lustenau, 1870 St. Margrethen-Höchst und Meiningen-Oberriet). Ab 1872 bestanden auch die Eisenbahnbrücken zwischen Lustenau und St. Margrethen bzw. Buchs und Feldkirch. Die internationale Rheinregulierung, die in enger Zusammenarbeit mit der Schweiz erfolgte, erzielte ab 1892 Erfolge in der lange Zeit vergeblichen Bekämpfung von Überschwemmungen (sogenannte Rheinnot). Nach der Unabhängigkeitserklärung Österreichs im November 1918 sprachen sich rund 80% der Stimmberechtigten Vorarlbergs am 11. Mai 1919 für die Aufnahme von Verhandlungen mit der Schweiz über einen möglichen Beitritt aus. Während der Bündner Bundesrat Felix Calonder das Ansinnen befürwortete, stellte sich Edmund Schulthess vor allem aus wirtschaftlichen Erwägungen dagegen. Der Bundesrat gelangte vorerst zu keinem Entschluss. In der Schweiz waren die Meinungen geteilt, denn die Westschweiz und ein Teil der Reformierten sahen durch eine Aufnahme Vorarlbergs die sprachpolitische und konfessionelle Balance in Gefahr. Schliesslich hielt der Bundesrat am Status quo fest, behielt sich aber vor, im Fall einer unerwarteten Auflösung Österreichs auf seinen Entscheid zurückzukommen. Die Friedensverträge von 1919 beendeten die Separationsbestrebungen, da die alliierten Sieger des Ersten Weltkriegs einen selbstständigen demokratischen Staat Österreich wünschten. In der Weltwirtschaftskrise 1929-1932 knüpfte die Schweiz, die schon im Ersten Weltkrieg Hilfe geleistet hatte, ihr Hilfsangebot an die Bedingung, Vorarlberg müsse (zum Schutz der Ostschweizer Textilindustrie) einen Teil seiner mechanischen Webstühle zerstören. Der Vertragabschluss kam 1933 zustande. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich die Beziehungen zwischen der Schweiz und Vorarlberg positiv; zahlreiche Grenzgänger aus Vorarlberg arbeiten in der Schweiz. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts besteht zwischen den Ostschweizer Kantonen und Vorarlberg hauptsächlich im Rahmen der Arge-Alp (seit 1972) und der Euregio Bodensee eine enge Zusammenarbeit.

Quellen und Literatur

  • DDS 7/II, 8, 10
  • B. Bilgeri, Gesch. Vorarlbergs, 5 Bde., 1971-87
  • "Eidgenossen helft euren Brüdern in der Not!", 1990
  • Forsch. zur Gesch. Vorarlbergs, NF, 1995-
  • "Kt. Übrig", Ausstellungskat. Bregenz, 2008
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Karl Heinz Burmeister: "Vorarlberg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.07.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007141/2013-07-30/, konsultiert am 05.03.2024.