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Wangen im Allgäu

Ehemalige Herrschaft der Fürstabtei St. Gallen, ab 1286 Reichsstadt, im westlichen Allgäu (Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg) gelegen. 1900 ca. 1880 Einwohner; 2010 27'461.

Die 815 in einer St. Galler Schenkungsurkunde erwähnte Siedlung Zu den Wangun wurde im 9. Jahrhundert zum Mittelpunkt eines geschlossenen klösterlichen Herrschaftsgebiets mit Niedergericht und wohl im 12. Jahrhundert auch Marktrecht. Auf Initiative des St. Galler Abts Ulrich von Sax erhielt Wangen 1213 von Kaiser Friedrich II. das Stadtrecht. Als Reichsstadt erreichte sie im 14. Jahrhundert weitgehende Autonomie. Unter dem aus Wangen gebürtigen St. Galler Fürstabt Ulrich Rösch fiel auch der Huldigungsakt, während die verbliebenen grund- und lehensherrlichen Rechte von Neuravensburg wahrgenommen wurden. 1608 verzichtete die Fürstabtei St. Gallen, die auch das Patronat innegehabt hatte, auf letzte Rechte und überliess die in der Reformation katholisch gebliebene Stadt dem dortigen Magistrat. Neben das ursprüngliche Martins-Patrozinium der Kirche von Wangen traten die St. Galler Heiligen Gallus (nach 835) und Magnus von Füssen (nach 900). 1802 kam Wangen an Bayern, 1810 an Württemberg. Wangen verdankt seine Industrialisierung im 19. Jahrhundert schweizerischem Kapital: 1863 eröffneten die Schaffhauser Textilindustriellen Eduard Widmer und Johannes Blattmann die Baumwollspinnerei Wangen im Allgäu, die bis zu ihrem Konkurs 1992 ein wichtiger Arbeitgeber blieb. 1881 gründete der Basler Ingenieur Alphons Simonius in Sigmanns (Gemeinde Wangen im Allgäu) die Zellulosefabrik Wangen im Allgäu.

Quellen und Literatur

  • A. Schneider, Wangen im Allgäu, 2001
  • O. Beck, Wangen im Allgäu, 22002
  • A. Knoepfli, «Eine Schaffhauser Gründung im Allgäu», in SchBeitr. 78, 2004, 239-298
  • O. Beck, Wangen im Allgäu: Kath. Stadtpfarrkirche St. Martin, Gallus und Magnus, Spitalkirche Hl. Geist, Rochuskapelle und St. Wolfgang, 32009
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Zitiervorschlag

Franz Xaver Bischof: "Wangen im Allgäu", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.12.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007143/2014-12-27/, konsultiert am 19.04.2024.