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Johann ConradFischer

14.9.1773 Schaffhausen, 26.12.1854 Schaffhausen, ref., von Schaffhausen. Sohn des Johann Conrad (->). 1797 Catharina von Waldkirch, Tochter des Beat Wilhelm von Waldkirch. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Schaffhausen trat F. bei seinem Vater in die Lehre als Kupferschmied und Feuerspritzenmacher. 1792 begab er sich auf die Wanderschaft, die ihn nach Deutschland, Skandinavien und England führte. Nach seiner Rückkehr nach Schaffhausen (1794) übernahm F. 1797 das väterl. Geschäft. 1802 erwarb er im ausserhalb der Stadt gelegenen Mühlental eine ehem. Mühle und richtete dort eine kleine Giesserei für Glocken und Feuerspritzen ein. Um 1806 gelang ihm als einem der Ersten auf dem Kontinent die Herstellung des sog. Tiegelgussstahls. Eine Einladung des franz. Innenministeriums, sich in Frankreich niederzulassen, schlug F. aus. Er begann, den Gussstahl mit anderen Metallen zu legieren. 1807 entstand ein niedrig legierter Manganstahl, 1814 der sog. gelbe Stahl mit Kupferbeigabe, 1819 eine Silberstahllegierung und 1823 ein Stahl mit Chromzusatz. Der 1824 mit Nickelbeigabe gewonnene Meteorstahl brachte F. Bestellungen aus Österreich, Frankreich, Deutschland und England. 1827 gelang ihm die Herstellung des Tempergusses (schmiedbares Gusseisen). Seine letzte Legierung war ein Gussstahl mit einem Drittel Kupfergehalt; F. bezeichnete ihn als Fischer-Metall. Dessen Markteinführung für Eisenbahn-Achsbüchsen konnte F. nicht mehr erleben. Zum schon früh weit gestreuten Kundenkreis gehörte ab 1809 die Uhrenindustrie im franz. Jura. An eine eigene Verarbeitung des gewonnenen Stahls ausser für die Feilenhauerei dachte F. nicht. Zeitlebens blieb er dem patriarchalisch geführten Kleinbetrieb treu. Er war mehr Erfinder als Unternehmer. Dafür half er 1819 beim Aufbau einer Stahlfabrik in La Roche bei Montbéliard (Franche-Comté) und schloss später Lizenzverträge mit Firmen in London und Lüttich. Da damals einzig Österreich über eine gute Patentgesetzgebung verfügte, liess F. nahezu alle seine Erfindungen in Wien patentieren. In Österreich richtete er auch Stahlgiessereien ein: 1827 in Hainfeld, 1833 in Traisen, 1839 in Salzburg. Seine Gründertätigkeit lag ganz im Dienste der Existenzsicherung seiner Söhne Georg (->), Berthold (->) und Wilhelm, denen er die Leitung der neuen Unternehmen übertrug. Nach seinen ersten Erfolgen und der Aufhebung der Kontinentalsperre unternahm F. 1814 eine Studienreise nach England, deren Eindrücke er in einem Tagebuch veröffentlichte. Mit krit. Geist beobachtete er auf seiner Reise durch Mittelengland jene später als industrielle Revolution bezeichnete Umwälzung der Wirtschaft. Weitere Reisen nach England, Frankreich, Deutschland und Österreich folgten; die Tagebücher sind lebendige Zeugnisse zur industriellen und technikgeschichtl. Entwicklung in Europa. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse stellte F. auch seiner Vaterstadt zur Verfügung: 1797-98 Mitglied des Kl. Rates, 1801-51 Bergwerksadministrator für die Ausbeutung der Bohnerzgruben, 1828-46 Grossrat, 1831 Tagsatzungsgesandter, 1831-35 erster Stadtpräs. Schaffhausens, bis 1847 Mitglied des Stadtparlamentes. In kompetenter Weise äusserte er sich in der Presse zu aktuellen Themen wie Eisenbahnbau, Münzhoheit, Zollproblemen und Verfassungsrevision. In F.s Leben wechselten kleinbürgerl. Enge und europ. Weite. Von 1817 bis zu seinem Tode war er Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft der Schweiz. Er besass sowohl in der Schweiz als in vielen europ. Ländern zahlreiche Freunde, mit denen er im Briefwechsel stand. F. gehört zu den markantesten Persönlichkeiten Schaffhausens im 19. Jh.

Quellen und Literatur

  • Tagebücher, hg. von K. Schib, 1951
  • H. Boesch, «Die Unternehmungen von J.C. Fischer», in Njbl. der Naturforschenden Ges. Schaffhausen 4, 1952
  • K. Schib, R. Gnade, Johann Conrad F., 1773-1854, 1954
  • W.O. Henderson, J.C. Fischer and his Diary of Industrial England, 1814-51, 1966
  • A. Knoepfli, «Mit Eisen- und Stahlguss zum Erfolg», in Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik 74, 2002, 9-28
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