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Stuttgart

Hauptstadt (seit 1952) des dt. Bundeslandes Baden-Württemberg und des Regierungsbez. S. 2011 573'104 Einwohner. S. wird im HochMA erstmals urkundlich bezeugt und fiel um 1245 durch Heirat an die Gf. von Württemberg. Im SpätMA wurde S. Residenzstadt der Hzg. von Württemberg, ab 1806 Hauptstadt des Königreichs Württemberg, ab 1918 der Republik Württemberg.

S. stand seit der Eröffnung der Univ. Basel 1460 (sechs Immatrikulationen von Stuttgartern bis 1476) vermehrt in Kontakt mit der heutigen Nordwest- und Nordostschweiz. Im 16. und 17. Jh. promovierten viele Stuttgarter an der medizin. und jurist. Fakultät der Univ. Basel. Während der frühen Neuzeit hielten sich Schweizer in polit. Diensten (Niklaus von Wyle), als Künstler oder als Erzieher in S. auf. Der württemberg. Hof unterhielt in der Regierungszeit Hzg. Karl Eugens (1737-93) Beziehungen zu Berner Patriziern. Mit 69 Schülern bildeten die Schweizer nach den Franzosen die grösste ausländ. Gruppe an der 1770 im Schloss Solitude gegr., 1775 nach S. verlegten und 1781 von Ks. Joseph II. zur Universität erhobenen Hohen Karlsschule. Für schweiz. Handwerksgesellen war S. oft Zwischenstation, und Gelehrte wie Albrecht von Haller standen in der 2. Hälfte des 18. Jh. in Briefkontakt mit ihresgleichen in S.

Nach 1800 gewann S. als Ausbildungsstätte für Schweizer Fachleute in Handel und Gewerbe (Bau- und Verlagswesen) sowie für Bildhauer an Bedeutung. An der seit 1862 bestehenden techn. Hochschule studierten viele Schweizer Architektur. Stuttgarter, z.B. Friedrich-Theodor Vischer, unterrichteten im 19. und 20. Jh. an Schweizer Universitäten und Schweizer an der Univ. S. 1875 wurde in S. das Schweizer Konsulat eröffnet (seit 1957 Generalkonsulat), 1877 der dortige Schweizer Verein gegründet. Seit dem letzten Viertel des 19. Jh. besuchten Schweizer die Stuttgarter Kunstgewerbeschule sowie die Akad. der bildenden Künste, an der 1913-39 der Basler Heinrich Altherr lehrte.

Bis zu Beginn des 20. Jh. wurden Lederwaren aus S. in die Schweiz importiert, später Wirtschafts- und Handelsbeziehungen in zahlreichen Branchen intensiviert und leitende Stellen in Stuttgarter Spitälern von Schweizer Ärzten besetzt. Am Bau der Ausstellungssiedlung Weissenhof (1927) war der Architekt Le Corbusier beteiligt. Nach Hitlers Machtergreifung war in S. eine Auslandschweizergruppe der Nationalen Front etabliert. Im Panoramaheim, in dem nach Deutschland entwichene Schweizer für die Waffen-SS angeworben wurden, wurde auch Spionage gegen die Schweiz betrieben. 1942-44 stand es unter der Leitung von Benno Heinrich Schäppi. Während der NS-Herrschaft flohen mehrmals in S. ansässige Juden in die Schweiz. 1940 wurde von der Schweiz aus eine Fluglinie nach S. eingerichtet. Schweizer Hilfsorganisationen versorgten die Stuttgarter Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg mit Nahrungsmitteln und Kleidern.

Schon vor dem Krieg gab es rege Kontakte, die durch Sportanlässe, Ausstellungen über Schweizer Kunst und durch Vorträge zustande kamen. 1949 wurde von einem schweiz. Patronatskomitee unter der Leitung von Bundesrat Philipp Etter und einem Stuttgarter Ehrenausschuss eine Schweizer Woche organisiert, u.a. mit Ausstellungen von Werken aus Schweizer Besitz der von den Nationalsozialisten verfemten Moderne. Seit 1958 bezieht S. Trinkwasser aus dem Bodensee. 1900 fuhren erstmals Fernverkehrszüge von S. über Schaffhausen bis nach Zürich. Die 1996 fertiggestellte Autobahn begünstigt die Beziehungen der Schweiz zur süddt. Metropole in sämtl. Wirtschaftsbereichen, v.a. im Tourismus. 1986 wurde in S. ein Schweizer Verkehrsbüro eröffnet. 2010 hatte S. rund 78'500 Übernachtungen von Schweizern zu verzeichnen, welche die grösste Gruppe ausländ. Besucher des Stuttgarter Weihnachtsmarkts bilden. Seit den 1970er Jahren leben konstant zwischen 500 und 600 Schweizer, meist im erwerbsfähigen Alter, in S.

Quellen und Literatur

  • Chronik der Stadt S., 1899-
  • W. Gebhardt, Die Schüler der Hohen Karlsschule, 2011, 584
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