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Tiengen

Stadt in Baden-Württemberg, nahe an der Mündung der Wutach in den Rhein gelegen, seit 1975 Teil der Gr. Kreisstadt Waldshut-T. Zwischen 858 und 867 Tuoingen. 2010 Waldshut-T. 23'013 Einw. (Teilort T. 8'428). Von den Frh. von Krenkingen zunächst als Marktsiedlung (1229 forum) auf Eigengut gegründet, wurde T. vor 1242 zur Stadt (civitas). Zwischen 1245 und 1251 fiel der Ort an das Bistum Konstanz, 1262 wurde er vom Bf. von Konstanz an Heinrich von Krenkingen übergeben. 1413 wurde T. mitsamt der ab ca. 1275 belegten, auch in das Schweizer Mittelland hineinwirkenden Münzstätte von den Krenkingen an das Bistum Konstanz zurückgegeben, das die Stadt weiterhin als Pfand und Lehen vergab. Lehensträger war u.a. 1444 Bilgeri von Heudorf, ein erklärter Feind Schaffhausens und der Eidgenossen. Letztere besetzten T. 1468 im Zuge des Waldshuterkriegs. Im Schwabenkrieg von 1499 wurde T. von den Eidgenossen erneut besetzt und auch zerstört. 1482-1687 gehörte T. den Gf. von Sulz, danach den Fürsten von Schwarzenberg. 1806 ging es an das Grossherzogtum Baden über. Die Eröffnung der Bahnlinie Waldshut-Schaffhausen erfolgte 1863. Seit 1910 besteht in T. eine wichtige Niederlassung des Tabakwarenunternehmens Villiger. Zu Beginn des 21. Jh. pendelte rund ein Viertel der Beschäftigten als Grenzgänger in die Schweiz.

Ab 1555 lebte in T. eine kleine jüd. Gemeinde, die im 16. Jh. eine Druckerei und ab 1793 eine eigene Synagoge besass und mit den Juden des Aargauer Surbtals bis 1803 einen Rabbinatsbezirk bildete. Um 1825 machten die Juden 12% der Gesamtbevölkerung aus. In der Reichspogromnacht am 9.11.1938 zerstörten Nationalsozialisten aus dem Ort jüd. Geschäfte, schändeten den jüd. Friedhof und beschädigten die Synagoge schwer. Alle männl. Juden wurden ins Konzentrationslager Dachau deportiert.

Quellen und Literatur

  • D. Petri, Die Tiengener Juden, 21984
  • H. Voellner, T., 1987
  • J. Hahn, Erinnerungen und Zeugnisse jüd. Gesch. in Baden-Württemberg, 1988, 557-559
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