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Gressoney

Das Dorf am Lys, hinten im Tal von Gressoney der Monte Rosa. Stich aus dem Werk La Vallée d'Aoste von Edouard Aubert, erschienen in Paris 1860 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Das Dorf am Lys, hinten im Tal von Gressoney der Monte Rosa. Stich aus dem Werk La Vallée d'Aoste von Edouard Aubert, erschienen in Paris 1860 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).

Kur- und Wintersportgebiet in der Region Aostatal, am Fusse des Monte Rosa gelegen, bestehend aus den Gem. G.-Saint-Jean (2001 790 Einw.) und G.-La-Trinité (2001 296 Einw.). Chrescheneye, Greschoney. Das 35 km lange G.-Tal (auch Lystal genannt) ist ein Seitental des Aostatals. Es wurde ab 1289 von den Walsern besiedelt und stellt die grösste Walserkolonie Italiens dar. Während des ganzen MA liessen sich Letztere in unbewohnten Tälern und Orten nieder und führten dort ihren Oberwalliser Dialekt und ihre Sitten und Bräuche ein. G. ist somit eine ital. Ortschaft, die einen franz. Namen trägt und in der deutsch gesprochen wird. Diese sprachl. Vielfalt hinterliess unmittelbare Spuren in den Familiennamen ihrer Einwohner. So wurden einige Namen französisiert (Schmid zu Faver, Litschgi zu Liscoz, Zumstein zu Delapierre, Vinzenz zu Vincent, Schneider zu Serteur), während andere im Lauf der Zeit italianisiert wurden (Courten zu Curta, Lerch zu Lerco, Jordan zu Giordano). Vom frühen 18. Jh. an wanderten Mitglieder der Fam. Castell, Curti und Knubel in die Schweiz aus. Die erste Schule von G., die 1691 gegründet wurde, besteht heute noch. Im 17. Jh. fand der Schulunterricht auf Italienisch statt, doch wurde die Messe auf Deutsch gelesen. Ab 1883 wurden die Predigten teils auf Französisch, teils auf Italienisch gehalten. Ab 1934 wurde die Messe auf Italienisch gelesen. Unter sich verwenden die Kinder das Italienische, während sie zu Hause Gressoneyerdeutsch sprechen. Seit dem frühen 20. Jh. hat der Zuzug italienischsprachiger Fam. zur Gefährdung des dt. Dialekts beigetragen, wie dies auch in anderen Walsersiedlungen zu beobachten ist. Trotz dieser Vermischung der Sprachen hat der Dialekt der Walser überlebt. Ab 1982 entwickelte sich G. zu einem Kulturzentrum der Walser. Nicht zuletzt den Ende 19. bis Anfang 20. Jh. durchgeführten Studien von Valentin Curta zur Herkunft und Geschichte der Walser ist es zu verdanken, dass ihre Kultur in G. Überlebenschancen hat.

Quellen und Literatur

  • E. Balmer, Die Walser im Piemont, 1949, 103-147
  • V. Curta, G. einst und jetzt, 1994
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