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Wallis

Ab 999 bischöfliche Grafschaft, ab 1403/1416 zugewandter Ort der Eidgenossenschaft, 1613-1798 Landschaft Wallis und Republik der sieben Zenden, 1798-1802 Kanton der Helvetischen Republik, 1802-1810 Unabhängige Republik Wallis, 1810-1813 Departement Simplon im französischen Kaiserreich, ab 1815 Republik und Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Französisch Valais, italienisch Vallese, rätoromanisch Vallais. Offizielle Bezeichnung: Staat Wallis, französisch Etat du Valais. Amtssprachen sind Französisch und Deutsch. Hauptort ist Sitten.

Wappen des Kantons Wallis
Wappen des Kantons Wallis […]
Oro- und hydrografische Karte des Kantons Wallis mit den wichtigsten Ortschaften
Oro- und hydrografische Karte des Kantons Wallis mit den wichtigsten Ortschaften […]

Das Wallis umfasst als geografische Einheit das Gebiet von der Quelle der Rhone bis zu ihrer Mündung in den Genfersee und wird im Norden durch die Berner Alpen und im Süden durch die Walliser Alpen begrenzt. Der Pfynwald, der sich zwischen Siders und Leuk von den Nordhängen der Walliser Alpen über die Talebene bis zur Rhone erstreckt, bildet zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Sprachgrenze: Östlich davon wird Deutsch (Oberwallis), westlich davon Französisch (Mittel- und Unterwallis) gesprochen.

Struktur der Bodennutzung im Kanton Wallis

Fläche (2006)5 224,5 km2 
Wald / bestockte Fläche1 188,7 km222,8%
Landwirtschaftliche Nutzfläche1 060,3 km220,3%
Siedlungsfläche162,6 km23,1%
Unproduktive Fläche2 812,9 km253,8%
 Struktur der Bodennutzung im Kanton Wallis -  Arealstatistik der Schweiz

Als staatliche Einheit entstand der Kanton Wallis aus dem Fürstbistum Sitten. Seit dem Vertrag von Thonon 1569, in dem die Morge von Saint-Gingolph als Grenze zwischen dem Fürstbistum und dem Herzogtum Savoyen festgelegt wurde, blieben die politischen Grenzen des Wallis, abgesehen von kleineren Bereinigungen, unverändert.

Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur des Kantons Wallis

Jahr 18501880a1900195019702000
Einwohner 81 559100 190114 438159 178206 563272 399
Anteil an Gesamtbevölkerung der Schweiz3,4%3,5%3,5%3,4%3,3%3,7%
Sprache       
Französisch  67 21474 562103 457122 536171 129
Deutsch  31 96234 33952 83366 92977 255
Italienisch  1 0185 4692 58312 7925 987
Rätoromanisch  3135887114
Andere  19552474 21917 914
Religion, Konfession       
Katholischb 81 09699 316112 584152 682196 082221 146
Protestantisch 4638661 6105 9609 09217 186
Christkatholisch    1327131
Andere  342445231 36233 936
davon jüdischen Glaubens   253178145
davon islamischen Glaubens     1687 394
davon ohne Zugehörigkeitc     41610 750
Nationalität       
Schweizer 79 87197 134106 220154 179185 309225 356
Ausländer 1 6883 0568 2184 99921 25447 043
Jahr  19051939196519952005
Beschäftigte im Kanton1. Sektor 57 43363 84411 66815 754d12 752
 2. Sektor 9 19612 39135 32636 74634 533
 3. Sektor 9 95112 30832 28980 21186 032
Jahr  19651975198519952005
Anteil am schweiz. Volkseinkommen 2,5%2,7%2,7%2,8%2,7%

a Einwohner, Nationalität: Wohnbevölkerung; Sprache, Religion: ortsanwesende Bevölkerung

b 1880 und 1900 einschliesslich der Christkatholiken; ab 1950 römisch-katholisch

c zu keiner Konfession oder religiösen Gruppe gehörig

d gemäss landwirtschaftl. Betriebszählung 1996

Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur des Kantons Wallis -  Historische Statistik der Schweiz; eidgenössische Volkszählungen; Bundesamt für Statistik

Von der Urzeit bis ins Frühmittelalter

Ur- und Frühgeschichte

In der Urzeit entwickelte sich im Wallis eine eigenständige alpine Kultur mit Einflüssen aus dem Rheintal, dem Saône-Rhonekorridor und der Poebene. Zuerst wurde die Ebene besiedelt, dann nach und nach die montane Stufe, sporadisch im Neolithikum, systematischer in der Bronzezeit und permanent in der Eisenzeit.

Paläolithikum und Mesolithikum

Ur- und frühgeschichtliche Fundorte im Kanton Wallis
Ur- und frühgeschichtliche Fundorte im Kanton Wallis […]

Der letzte grosse Gletschervorstoss (vor 115'000-15'000 Jahren) wurde von mehreren wärmeren Perioden unterbrochen, in denen der prähistorische Mensch jeweils erneut in die Berggebiete vorstiess. Im Wallis stammen die ältesten, ungefähr 35'000 Jahre alten Zeugnisse des Paläolithikums aus der Region Tanay (Vouvry) auf 1800 m. Am Ende der letzten Eiszeit wurde das Rhonetal rasch eisfrei und bereits ab 9000 v.Chr. besiedelten mesolithische Jäger und Sammler das Gebiet wieder. Sie hinterliessen Spuren in der Ebene, so in Vionnaz oder im Abri beim Mörderstein im Pfynwald (Salgesch), und errichteten bis in grosse Höhen saisonale Lager, etwa im Val de Bagnes, um Zermatt sowie auf dem Simplonpass und dem Albrunpass.

Neolithikum

Ab Ende des 6. Jahrtausends v.Chr. liessen sich im Wallis Hirten und Bauern nieder, die zum Teil aus neolithischen Gemeinschaften auf der Alpensüdseite zuwanderten. Die ältesten Spuren finden sich in Sitten auf dem Schwemmkegel der Sionne und auf dem Hügel Tourbillon. Die Keramik weist ähnliche Merkmale und Formen auf wie jene in Norditalien und belegt die Schlüsselrolle der Alpenpässe bei der Ausbreitung der jungsteinzeitlichen Kultur im Wallis.

Anthropomorphe Grabstelen aus dem späten Neolithikum, 2800–2200 v.Chr. (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, PC1-Stèle25_e) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Michel Martinez.
Anthropomorphe Grabstelen aus dem späten Neolithikum, 2800–2200 v.Chr. (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, PC1-Stèle25_e) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Michel Martinez. […]

Die Siedlungen beschränkten sich 5500-2200 v.Chr. auf die tieferen Lagen bei Sitten und in den umliegenden Hügeln, in der Region Saint-Léonard, auf dem Heidnischbiel in Raron und in der Region um Brig (Naters, Bitsch). Auf den Weiden oberhalb der Waldgrenze wurden Ziegen und Schafe gesömmert, seltener auch Rinder. Die entsprechenden Spuren sind aber unauffällig, wie jene in einem Abri auf der Alp Hermetje (Zermatt) auf 2600 m. In dieser Zeit wurde das Wallis von der Alpensüdseite, vom Mittelland und vom französischen Rhonetal her kulturell beeinflusst. Im 4. Jahrtausend v.Chr. zeigt sich die Dynamik der Region deutlich im eigenständigen Dekor der Keramik der Kultur von Saint-Léonard. Die Gräber waren in grösseren und kleineren Nekropolen in der Ebene (u.a. Sitten, Saint-Léonard, Glis) und am Eingang der Seitentäler (Villette bei Le Châble, Sembrancher) angeordnet. Einzelbestattungen mit im Boden versenkten Steinkistengräbern (Typ Chamblandes) verbinden das Wallis kulturell mit dem Genferseegebiet, den französischen Alpen und Norditalien. Ab Anfang des 3. Jahrtausends v.Chr. treten oberirdische Gemeinschaftsgräber auf, sogenannte Dolmen. Die Nekropole bei Le Petit-Chasseur (Sitten) mit 13 Grabmälern ist eine der Hochburgen der europäischen Ur- und Frühgeschichte. Die bewegte Vergangenheit des Fundorts und die zerbrochenen anthropomorphen Grabstelen weisen auf eine instabile Gesellschaft hin, in der um einen gemeinsamen Ahnen gruppierte Familien die Kontrolle ausübten (Stammesgesellschaft).

Bronzezeit

Zu Beginn der Bronzezeit (ca. 2200-1500 v.Chr.) bestand im Wallis mit der Rhonekultur eine eigenständige prähistorische Kultur, die vermutlich die nahe gelegenen Kupfervorkommen im Turtmanntal, im Val d'Hérens und im Val d'Anniviers ausbeutete. In der Spätbronzezeit, über die wenig bekannt ist, scheint die Alpensüdseite das Oberwallis stärker geprägt zu haben als das untere Rhonetal. Die Siedlungen in der Ebene hielten sich an den gleichen Stellen, etwa bei Sitten, Raron und Collombey-Muraz. Oberhalb von 1000 m entstanden in bisher praktisch unbewohnten Gebieten befestigte Siedlungen, wie auf dem Schlosshubel in Grengiols, auf den Kasteltschuggen in Zeneggen und beim Scex Rouge in Fully. Vermutlich wurden in höheren Lagen weiterhin Herden gesömmert. Einzelbestattung in Erdgräbern war üblich, Schmuck- und Waffenbeigaben bezeugten den hohen gesellschaftlichen Rang der Verstorbenen. Für die Spätbronzezeit sind sporadisch Brandbestattungen belegt. Wie in anderen Alpenregionen finden sich bis in grosse Höhen verstreut oder gruppiert Prestigeobjekte wie Nadeln, Dolche und Beilklingen, so auf dem Col de Torrent (Evolène) auf 2710 m. Sie sind vielleicht Zeugnisse eines lokalen Götterkults.

Eisenzeit

In der Eisenzeit (800-15 v.Chr.) erscheinen Gräberfelder bis in mittlere Höhen, vermutlich in Verbindung mit den ersten dortigen Dauersiedlungen, so in Leukerbad, Oberstalden (Visperterminen) oder Bluche (Crans-Montana). Einige Täler wie jenes von Leuk oder das Lötschental, die zuvor praktisch unbewohnt waren, wurden nun dauerhaft besiedelt. Beides hängt mit dem stark wachsenden transalpinen Handel über die Pässe zusammen. Die Gemeinschaften im Wallis standen sowohl mit solchen auf der Alpennord- als auch mit solchen auf der Alpensüdseite in Kontakt. Mikroregionale Besonderheiten der Bekleidung zeigen sich zum Beispiel in speziellem Ringschmuck aus Armreifen und Fussringen, die in den ersten wissenschaftlichen Publikationen darüber als "Walliserringe" bezeichnet wurden. Während in der Spätbronzezeit und in der älteren Eisenzeit hie und da Brandbestattungen belegt sind, wurden Körperbestattungen nun rasch wieder die Regel. Die Verstorbenen wurden in Gruben gelegt und diese manchmal mit einem Grabhügel bedeckt (Nekropole von Don Bosco in Sitten). Wie in der Bronzezeit wurden auf Anhöhen kleine befestigte Sitze errichtet. Einige davon können mit den castella des 1. Jahrhunderts v.Chr. in Verbindung gebracht werden, von denen Caius Iulius Caesar berichtete. Caesar nannte auch drei der vier keltischen Stämme im Wallis: die Nantuaten im Chablais, die Veragrer in der Region Martigny und die Seduner im Mittelwallis. Zusammen mit den Uberern im Oberwallis figurieren sie auf dem Tropaeum Alpium in La Turbie.

Römerzeit

Caesars Versuch, die Nordseite des Grossen St. Bernhards zu erobern (Schlacht von Octodurus Ende 57 v.Chr.), scheiterte. Danach blieben die vier Stämme zwar unabhängig, aber immer im Bewusstsein der römischen Macht in unmittelbarer Nähe, vor allem nach der Eroberung des Aostatals 25 v.Chr. (Salasser).

Die Eroberung

Seite aus dem illustrierten Grabungsbericht von Joseph Morand, 1898 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).
Seite aus dem illustrierten Grabungsbericht von Joseph Morand, 1898 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege). […]
Seite aus dem illustrierten Grabungsbericht von Joseph Morand, 1898 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).
Seite aus dem illustrierten Grabungsbericht von Joseph Morand, 1898 (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege). […]

Das obere Rhonetal wurde wahrscheinlich im Anschluss an den Feldzug von Drusus und Tiberius 16/15 v.Chr., durch den sich das Imperium bis an den Rhein und an die Donau ausdehnte, ins Römische Reich eingegliedert. Die vier Stämme kamen zur Provinz Raetia et Vindelicia, deren Hauptort in Bayern lag. Sie wurden unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) abgetrennt und bildeten fortan eine Alpenprovinz, die oft oder immer mit den Alpes Graiae (Tarantaise auf der Westseite des Kleinen St. Bernhard) vereinigt war. Sie unterstand einem Statthalter, der teils in Forum Claudii Vallensium (Martigny), der neu gegründeten Stadt neben der keltischen Siedlung Octodurus, teils in Forum Claudii Ceutronum (Aime-en-Tarentaise) residierte. Diese territoriale Organisation spiegelt die Bedeutung, welche die Römer der Kontrolle und dem Unterhalt der Verbindungswege zwischen Italien und den gallischen und germanischen Provinzen zuschrieben, vor allem jenem über den Grossen St. Bernhard, der direktesten Verbindung zwischen Italien und Grossbritannien. Der Name dieses Gebiets, Vallis Poenina, ist bezeichnend: Er wurde vom Pass und vom einheimischen Gott, der dort verehrt wurde, abgeleitet (Poeninus).

Die Romanisierung

In Massongex (Tarnaiae) freigelegtes Mosaik, das die Mitte eines Saals der Therme verzierte, 1. Hälfte 3. Jahrhundert n.Chr. © Walliser Kantonsmuseen, Sitten; Fotografie Michel Martinez.
In Massongex (Tarnaiae) freigelegtes Mosaik, das die Mitte eines Saals der Therme verzierte, 1. Hälfte 3. Jahrhundert n.Chr. © Walliser Kantonsmuseen, Sitten; Fotografie Michel Martinez. […]

Die vier keltischen Stämme bildeten nun eine einzige Civitas, die civitas Vallensium. Sie wurde vom Hauptort Martigny aus von zwei duoviri, unterstützt durch zwei aediles, und einem lokalen Ältestenrat aus Dekurionen verwaltet; für diese Organisation gibt es allerdings keine Belege. Indem sie in Martigny, einer Stadt latinischen Rechts, ein Amt bekleideten, wurden die Mitglieder der lokalen Oberschicht römische Vollbürger mit allen damit verbundenen Vorteilen. Der dadurch angeregte Ehrgeiz beschleunigte die Romanisierung sowohl in Martigny als auch in den anderen Orten in den Regionen Saint-Maurice-Massongex, Sitten und Siders, die einige Vertreter der Elite nur verliessen, um im Hauptort ein Amt auszuüben. Diese Akkulturation erfolgte vor allem im Unterwallis, entlang des Passwegs über den Grossen St. Bernhard und im Mittelwallis bis zum Pfynwald, der schon immer eine Grenze markierte. Im Oberwallis, durch das kein Fernhandelsweg führte, beschafften sich die Uberer zwar einige römische Importgüter, lebten aber während der ganzen Römerzeit weiterhin nach ihren alten Bräuchen und wohnten wie ihre Vorfahren in einfachsten Hütten, wie die Ausgrabungen in den Siedlungen von Gamsen (Brig-Glis) und Oberstalden zeigten.

Die Eroberung führte zu keinem wahrnehmbaren Bruch: Siedlungen wie Tarnaiae (Massongez), Martigny (die gallische Siedlung Octodurus wurde zwar noch nicht gefunden), Sitten und Gamsen wurden weiterhin von der gleichen Bevölkerung bewohnt. Auch die Nekropolen von Fully, Riddes und Schmidigenhäusern (Binn) belegen eine durchgehende Besiedlung. Die Vallis Poenina umfasste das ganze Wallis – wohl abgesehen von der Region Gondo, da die Grenze wahrscheinlich über den Alpenkamm verlief – und wahrscheinlich das Waadtländer Chablais mit Villeneuve als natürlichen Hafen der Provinz am Genfersee. Nichts spricht dafür, die Grenze zwischen den Helvetiern und den Nantuaten weiter in Richtung Lousonna (Lausanne) zu vermuten.

Fernab der regelmässigen Konflikte zwischen den Römern und ihren Nachbarn blühte das Wallis während mehr als 300 Jahren in sozialer und politischer Stabilität. Der freie Verkehr und die sicheren Wege förderten die Kontakte und den Handel mit dem ganzen Imperium. Der ganzjährig begehbare Grosse St. Bernhard wurde regelmässig unterhalten und mit Schutzunterkünften (Plan de Barasson), Relaisstationen und Herbergen (Martigny, vielleicht auch Massongex) ausgestattet. An Zollposten, namentlich in Acaunum (Saint-Maurice), wurde die quadragesima Galliarum erhoben, eine Gebühr von 2,5% auf alle über die Alpen transportierten Waren. Soldaten der am Rhein stationierten Legionen wurden ins Wallis abgeordnet und kontrollierten dort die Wege oder gehörten zum Stab des Gouverneurs in der Provinzhauptstadt. Die Römer stationierten aber weder Truppen im Wallis noch befestigten sie dortige Siedlungen. Entlang der Strasse zum Grossen St. Bernhard profitierten Führer, Säumer, Gastwirte, Händler, Handwerker, Strassenwärter, Strassenbauer und Bauern von den Reisenden, Händlern und Soldaten. Ackerbau und Viehzucht sowie die Gewinnung von Holz, Gesteinen und anderen Baumaterialien boten weitere Einnahmequellen. Die Bevölkerung bestand vor allem aus Einheimischen und nur zu einem sehr geringen Teil aus Fremden (Römer, Italiener usw.), wie die Namenskunde zeigt.

In den Siedlungen entstanden öffentliche Prestigebauten, vor allem in Martigny (Forum, Amphitheater, Thermen, Tempel, Brunnen), aber auch in Massongez und Sitten (Thermen). Einige davon wurden von Provinzgouverneuren gestiftet oder restauriert. Die Römer tolerierten neben den offiziellen Kulten des Reichs die lokalen Gottheiten und versuchten nicht, ihre Götterwelt durchzusetzen. So wurde der alte gallische Tempel in Martigny in einen grossen religiösen Komplex (temenos) integriert, der mit einer Herberge verbunden war, und bis zum Ende des 4. Jahrhunderts benutzt. Die einheimischen Gottheiten nahmen zum Teil eine klassischere Gestalt an und waren oft nur unter dem Namen des römischen Gottes bekannt, mit dem sie gleichgesetzt wurden, ohne ihm vollständig zu entsprechen. Ein Beispiel für diese interpretatio romana ist der im Tempel von Martigny verehrte Merkur.

Die Spätantike

Bronzestatuette mit Kupfereinlagen (26,6 cm hoch), um 250 n.Chr. (Musée d'art et d'histoire Genève, no inv. M 0049; Fotografie Bettina Jacot-Descombes).
Bronzestatuette mit Kupfereinlagen (26,6 cm hoch), um 250 n.Chr. (Musée d'art et d'histoire Genève, no inv. M 0049; Fotografie Bettina Jacot-Descombes). […]

Die Talenge von Saint-Maurice konnte mit einer Handvoll Männer gut gesperrt werden, was namentlich in der Zeit grosser Unsicherheit in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts vorkam. Gemäss einer Inschrift aus der Zeit zwischen 270 und 326, zur Zeit des Martyriums der Thebäischen Legion, starb Junius Marinus, ein ehemaliger hoher Offizier der kaiserlichen Garde, in einem Kampf gegen die "üblichen" Feinde. Diese wurden offenbar zurückgedrängt, da sich oberhalb der Talenge kein Zeichen einer Unterbrechung in der Besiedlung von Martigny feststellen lässt. Das Wallis blieb ein Hort des Friedens, in dem Familien aus dem Senatorenstand lebten (Saint-Maurice, Sitten, Siders). Bis um 350 bot die pax romana den Bewohnern des Wallis einen stabilen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rahmen. Ab der Mitte des 3. Jahrhunderts verlangsamte sich die öffentliche und vor allem die private Bautätigkeit spürbar; 100 Jahre später trat der Niedergang klar zutage. Die Gründe lagen unter anderem in der Wirtschaftskrise, im schwindenden Handel, in schlecht unterhaltenen und unsicheren Strassen sowie in der Schwächung der römischen und lokalen Macht durch die sogenannten Barbarenvölker. Das schutzlose Forum Claudii Vallensium, dessen Wohlstand wesentlich vom Handel über den Grossen St. Bernhard abhing, ging ebenso wie andere Siedlungen ein.

Die Streusiedlungen profitierten offenbar davon, dass grössere Orte teilweise aufgegeben wurden. Die Gutshöfe wohlhabender Grundbesitzer, die oft in der frühen Kaiserzeit erbaut worden waren, blieben bewohnt, vor allem die villae in Marendeux (Monthey), Plan-Conthey (Conthey), Ardon und Saillon. In den meisten dieser Anlagen oder in unmittelbarer Nähe davon entstanden im Frühmittelalter erste christliche Kultstätten oder kleine Grabtempel, auf die heutige Kirchen und Kapellen zurückgehen.

Frühmittelalter

Am Ende der Römerzeit bildeten sich neue religiöse und politische Verhältnisse heraus, die das ganze Frühmittelalter prägten und die Bedeutung der drei damals wichtigsten Orte Octodurus/Martigny, Acaunum/Saint-Maurice und Sitten veränderten. Andere Siedlungen spielten nur lokal eine Rolle.

Christianisierung, Diözese und Pfarreien

Der älteste Nachweis von Christen ist eine Inschrift von 377 in Sitten. Der erste Bischof des Wallis, der heilige Theodor (Theodul), begründete um 380 in Acaunum den Kult des Mauritius und seiner Gefährten der Thebäischen Legion, die wegen ihres Glaubens 100 Jahre zuvor hingerichtet worden sein sollen. Die Gründung der Abtei Saint-Maurice durch den Burgunderkönig Sigismund 515 steigerte die dauerhafte und aussergewöhnliche Strahlkraft dieses Kults.

Das Bistum, zunächst mit Sitz in Octodurus, erstreckte sich ursprünglich bis östlich der Linie Lausanne-Estavayer-le-Lac (Diözese Sitten). Durch die Gründung des Bistums Lausanne im 6. Jahrhundert verkleinerte es sich beträchtlich, aber die Abtei Saint-Maurice und der Bischof behielten ihre Besitzungen im heutigen Kanton Waadt. An der Wende zum 10. Jahrhundert wurde die Eau-Froide bei Villeneuve (VD) als Grenze festgelegt. Das Bistum unterstand ab dem 5. Jahrhundert dem Erzbistum Vienne und ab Ende des 8. Jahrhunderts dem neu gegründeten Erzbistum Tarentaise. Wegen Konflikten mit den Mönchen von Saint-Maurice und zum Schutz vor feindlichen Angriffen wie jenem der Langobarden 573/574 wurde der Bischofssitz zwischen 565 und 585 nach Sitten verlegt.

Mitte des 5. Jahrhunderts zeigte sich der Bischof von Lyon darüber erstaunt, dass es im Wallis noch Heiden gab. In Martigny ist ab dem 5. Jahrhundert eine Bischofskirche nachgewiesen. Die erste Grabkirche von Sitten, die Kirche Sous-le-Scex, datiert vom Ende des 4. oder Beginn des 5. Jahrhunderts; ein erster christlicher Sakralbau von lokaler Bedeutung soll sogar auf das 3. Viertel des 4. Jahrhunderts oder noch weiter zurückgehen. Ende des 6. Jahrhunderts bestand ein erstes Netz von Pfarreien (Glis, Gerunden/Siders, Bramois, Sitten, Ardon, Saillon, Martigny, Saint-Maurice, Muraz), ergänzt durch neue Pfarreien im 8. und 9. Jahrhundert (Villa/Siders, Nax) sowie im 9. und 10. Jahrhundert (Nendaz, Leuk und Bourg-Saint-Pierre, wo vor 812/820 ein Hospizkloster erwähnt wird).

Neue Herren

Das Wallis, das noch um 400 ein Verwaltungsbezirk des Römischen Reichs war, unterwarf sich 457 aus freiem Willen den Burgunderkönigen, zusammen mit anderen umliegenden Civitates, die Kaiser Majorian ebenfalls die Steuern verweigerten. 534 wurden die Burgunder von den Franken geschlagen und das Wallis den fränkischen Königreichen einverleibt. Die Bischöfe Leudemundus (613) und Amatus (673/691) versuchten die Rückkehr der Burgunderkönige herbeizuführen.

Mit der Reichsteilung unter den Söhnen Chlothars I. wurde das Wallis dem 561 gegründeten pagus Ultrajoranus angegliedert, dem späteren transjuranischen Dukat. Spätestens 839 erlangte es als comitatus Vallissorum (985 comitatus Valensis) eine gewisse Eigenständigkeit. Ab 930 bezeichnen die Urkunden das Gebiet zwischen dem Genfersee und dem Trient, das ausschliesslich der Abtei Saint-Maurice gehörte, als Caput lacense (daher die Bezeichnung Chablais). Die Grenze der Grafschaft Wallis wurde so bis unterhalb von Martigny zurückgeschoben.

Enthauptung des heiligen Mauritius. Episode aus dem Martyrium der Thebäischen Legion, dargestellt auf einer Seite des Nantelmus-Schreins. Ziselierte und vergoldete Kupferplatte des Reliquiars, 1225 (Abtei Saint-Maurice, Kirchenschatz).
Enthauptung des heiligen Mauritius. Episode aus dem Martyrium der Thebäischen Legion, dargestellt auf einer Seite des Nantelmus-Schreins. Ziselierte und vergoldete Kupferplatte des Reliquiars, 1225 (Abtei Saint-Maurice, Kirchenschatz). […]

Die religiöse, politische und strategische Bedeutung des Wallis zeigte sich im Frühmittelalter mehrmals deutlich. Mauritius wurde vom Lokalheiligen nacheinander zum Heiligen der Karolinger, der Burgunder und der Ottonen. Obwohl zeitweilig weniger benutzt, blieb die Route über den Mont-Joux (Grosser St. Bernhard) die bevorzugte Verbindung zwischen Nord- und Südeuropa sowie Frankreich und Italien. Sie zog die Begehrlichkeit der Herrscher auf sich, vor allem Karls des Grossen und Ludwigs des Frommen, die sich die Kontrolle über die Abtei Saint-Maurice und die Diözese Sitten sicherten. Das Wallis kam 839 in Worms zu dem Teil des Reichs, den Lothar I. erhielt, was der Vertrag von Verdun 843 bestätigte. Damit wurde verhindert, dass alle Alpenpässe in der Hand desselben Herrschers lagen. In Saint-Maurice liess sich Rudolf I. 888 zum hochburgundischen König krönen. Er und seine Nachfolger behandelten die Abtei wie bereits Kaiser Lothar I. (795-855) und König Lothar II. (ca. 834-869) als Kommende. Sie schenkten ihr zahlreiche Besitzungen entlang der Nord-Süd-Achse und machten sie zu ihrer Kanzlei. Die Diözesen Sitten und Lausanne bildeten 888-1032 das Zentrum des zweiten Königreichs Burgund.

Um das Jahr 1000 erlebte das Wallis eine Blüte: In Sitten entstand die neue Kathedrale Unserer Lieben Frau (auch Notre-Dame du Glarier genannt) und die Abtei Saint-Maurice wurde vollständig neu gebaut. Nach der 1034 vollzogenen Eingliederung ins Heilige Römische Reich war das Wallis ab Mitte des 11. Jahrhunderts Spielball der lokalen Feudalherren und verlor seine politische Einheit.

Die oft konfliktreichen Beziehungen zwischen der Abtei Saint-Maurice und dem Bischof zeigen sich in der konstanten Sorge der Mönche um ihre Unabhängigkeit, die sie aufgrund eines Immunitätsprivilegs Papst Eugens I. (654-657) verteidigten. Zwar erhielt der Bischof von Sitten von Rudolph III. 999 die Grafschaftsrechte über das Wallis, aber der König gab der Abtei 1018 alle ihre Güter im Wallis zurück und gewährleistete so, dass es ihm direkt unterstand.

Wirtschaft und Gesellschaft

Die Siedlungen der Römerzeit wurden zum Teil zugunsten von Streusiedlungen aufgegeben. Trotz der Verlegung des Bischofssitzes wuchs Sitten vor dem 11. Jahrhundert kaum. Die Bevölkerung lebte im Tal (Gamsen/Waldmatte, Susten, Turtmann, Leuk, Salgesch, Bramois), in mittlerer Höhe (Oberstalden) und in Berggebieten (Vollèges) bis in die hintersten Teile des Goms, des Binn- und des Mattertals. Ein Bergsturz, wahrscheinlich am Grammont, begrub 563 die befestigte Siedlung Tauredunum unter sich und löste eine Flutwelle bis nach Genf aus. Die meisten Ressourcen lieferten Ackerbau und Viehzucht, die Wälder und die Moore in der Ebene steuerten weitere wichtige Produkte bei. Der Handel verlief über die Pässe.

Die Bevölkerung sprach grösstenteils eine romanische Sprache. Erst als im 8. und 9. Jahrhundert deutschsprachige Volksgruppen im weniger dicht besiedelten und später christianisierten Oberwallis einwanderten, bildete sich bei Gampel und Steg eine erste Sprachgrenze zwischen der romanischen und der germanischen Bevölkerung.

Mit dem Christentum hielten unter den Burgundern und den Franken neue Bestattungsriten Einzug, zum Beispiel die Körperbestattung in Einzelgräbern und die systematische West-Ost-Ausrichtung der Gräber. Die Friedhöfe neben den Kirchen ersetzten Ende des 7. bis Anfang des 8. Jahrhunderts die Nekropolen auf offenem Feld.

Vom Mittelalter bis zum Ende des Ancien Régime

Die Quellenlage erlaubt für die Zeit vor dem 11. Jahrhundert keine differenzierten Aussagen über die Herrschaftsstrukturen im comitatus Vallensis. Mit der Schenkung der Grafschaft Wallis versuchte König Rudolf III. 999 den Bischof von Sitten stärker an sich zu binden und sein Königtum zu festigen. Er begründete damit das Fürstbistum Sitten, das 1032 reichsunmittelbar wurde.

Hochmittelalterliche Herrschaftsstrukturen

Die savoyischen Kastlaneien 1392-1476
Die savoyischen Kastlaneien 1392-1476 […]

Der Fürstbischof kontrollierte nun das Gebiet von Martigny bis zum Furkapass, während die im Chablais etablierten Grafen von Savoyen, Kastvögte der Abtei Saint-Maurice, ab dem 12. Jahrhundert das Gebiet zwischen Rhoneknie und Genfersee dominierten. Im 13. Jahrhundert stiessen die Grafen von Savoyen ins mittlere Wallis vor: Sie eroberten und erwarben dort Herrschaften, errichteten vor den Toren des Bischofssitzes Sitten imposante Festungen (z.B. Montorge) und versuchten damit erfolglos den Simplonpass zu kontrollieren. Im Zug der savoyischen Expansionspolitik des 14. Jahrhunderts stiessen die Truppen 1352 und 1384 bis nach Sitten vor, um die im 14. Jahrhundert erlangte Kontrolle über den Bischofsstuhl wiederherzustellen. Der misslungene Versuch der Grafen von Savoyen, das Wallis ganz zu unterwerfen, führte zur Teilung in das savoyische und das bischöfliche Wallis: Der Friedensvertrag von 1392 legte die Morge von Conthey als Grenze fest und beseitigte die jeweiligen Enklaven.

Neben diesen schon im 12. Jahrhundert ineinandergreifenden und sich verfestigenden Machtblöcken blieb dem lokalen Adel wenig Raum, um unabhängige Feudalherrschaften zu errichten. Obwohl der Burgenbau Mitte des 12. Jahrhunderts blühte, übten die meisten Anlagen keine herrschaftliche Zentrumsfunktion aus, anders als ab dem 13. Jahrhundert die savoyischen Burgenstädtchen Saillon, Saxon und Conthey oder die bischöflichen Verwaltungssitze Sitten, Leuk, Raron und Naters. Die meist kleinräumigen Herrschaften, oft allodialen Ursprungs, erwiesen sich nur in Lehnsabhängigkeit des Grafen von Savoyen oder des Bischofs von Sitten oder im Besitz eines Klosters (z.B. der Abtei Saint-Maurice) als überlebensfähig. Mitte 13. Jahrhundert ersetzte Graf Peter II. von Savoyen im savoyischen Landesteil das Lehnswesen durch ein burgengestütztes Verwaltungssystem mit effizienter Beamtenschaft und straff organisierten Kastlaneien. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung Ende 14. Jahrhundert bildeten die im 13. Jahrhundert als Apanage dienenden Kastlaneien Monthey und Saint-Maurice im Walliser Chablais, talaufwärts jene von Martigny, Entremont, Saxon, Saillon und Conthey den Hauptteil der Landvogtei Chablais, die der Kastlan von Chillon verwaltete.

Das bischöfliche Wallis blieb hingegen stark feudalistisch geprägt, ohne territorial geschlossene und administrativ festgefügte Strukturen. Als grösster Grundherr setzte der Bischof Dienstleute ein: Die Viztume übten die hohe und die niedere Gerichtsbarkeit aus, die Meier und Kastlane verwalteten mit ihren Gehilfen, den Mistralen, die Güter des Bischofs. Der Bischof stützte sich dabei auf einige zum Teil zugewanderte edelfreie Adelsfamilien, allen voran die Grafen de Granges sowie die Freiherren von Turn und von Raron, die im 11.-13. Jahrhundert eigene Herrschaften aufgebaut hatten. Exponenten dieser Familien wahrten als Bischöfe und Landesherren teilweise bis ins Spätmittelalter ihre dynastischen Interessen. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts übersiedelten die Herren von Ornavasso ins Wallis und folgten damit den Spuren anderer Adliger aus der Lombardei und dem Piemont, welche dem zunehmenden Druck der Kommunen gewichen waren. Die Bischöfe von Sitten rekrutierten ihre Beamten aus diesen Familien, gefährdeten aber durch die Vergabe erblicher Lehen und Ämter ihre eigene Machtstellung. Mit der Annäherung an die aufstrebenden Gemeinden suchten sie ihre Stellung gegenüber dem Adel wieder zu behaupten.

Kommunale Bewegung und Territorialbildung im Spätmittelalter

Entstehen und Erstarken der Zenden

Freiheitsbrief von Sembrancher. Pergament, 20. Juli 1239 (Staatsarchiv Wallis, Sitten).
Freiheitsbrief von Sembrancher. Pergament, 20. Juli 1239 (Staatsarchiv Wallis, Sitten). […]

Neben städtischen (Saint-Maurice, Martigny, Sitten, Siders, Leuk, Raron, Visp, Naters-Brig) sind ab dem 13. Jahrhundert im ganzen Bistum auch ländliche Kommunen (communitates) bezeugt. Die kleinräumige geografische Gliederung des Wallis begünstigte die Entstehung nachbarschaftlich-korporativer Verbände im Rahmen der Grundherrschaft. Im savoyischen Teil setzten zentralistisch-territorialstaatliche Strukturen der kommunalen Bewegung engere Grenzen, trotz der in sogenannten Freiheiten verbrieften Selbstverwaltung (z.B. 1239 Sembrancher). Demgegenüber förderte die mangelnde herrschaftliche Durchdringung im bischöflichen Wallis, wo im 12. Jahrhundert vereinzelt freies bäuerliches Eigen fassbar wird, die Entwicklung selbstständiger Gemeinwesen. Die 1286 erstmals erwähnte communitates terre Vallesii gestalteten Ende 13. Jahrhunderts neben Adel und Klerus die Landespolitik aktiv mit. Sie waren aus der Bürgerschaft der Bischofsstadt Sitten und den Zentren bischöflicher Grund- und Gerichtsherrschaften hervorgegangen und bildeten überregionale politische Körperschaften, die sich im 14. Jahrhundert zu den Zenden weiterentwickelten. Ursprünglich waren es zehn, ab dem 15. Jahrhundert sieben Gemeinden oder Zenden (lateinisch decima; desenus): Martigny und Ardon-Chamoson (ab 1384 Savoyen), Sitten, Siders, Leuk, Raron und Mörel (ab dem 15. Jh. Raron-Mörel), Visp, Naters-Brig und Ernen-Goms. Sie konsolidierten ihre Stellung, indem sie meist auf der Seite der Bischöfe von Sitten entweder nach aussen gegen die Grafen von Savoyen oder nach innen gegen den aufständischen Adel (1294-1299 Aufstand um Peter IV. von Turn) kämpften. Einzelne Bischöfe wie Philippe de Chambarlhac bestätigten die Gewohnheiten der Gemeinden und erlaubten die Kodifizierung neuer Freiheiten (1338 und 1339 Martigny und Sitten, 1338 Leuk) mit Versammlungs- und Statuierungsrecht unter eigenen, vom bischöflichen Viztum unabhängigen Gemeindevorstehern (sindici). Diese Emanzipation der Gemeinden zog ihre Regierungsbeteiligung im Landrat nach sich.

Unter Bischof Witschard Tavel (1342-1375), der sich als Parteigänger Savoyens mit Klerus, Adel und Zenden verfeindete, verlangsamte sich die Entwicklung der Zendendemokratie. Tavel verweigerte Freiherr Peter V. von Turn aufgrund territorialstaatlicher Überlegungen das bischöfliche Meiertum Leuk. Die daraus folgende und in wechselnden Koalitionen ausgetragene Fehde von 1349 weitete sich zum Krieg zwischen Bischof und Zenden aus, der 1352 zur Besetzung des Landes durch Graf Amadeus VI. von Savoyen führte, der dem Bischof zu Hilfe kam. Die Zenden entzweiten sich aber im Widerstand gegen die vom Bischof erzwungene Fremdherrschaft, die bis 1361 dauerte: Unter der Führung des Zenden Leuk beriefen sich die welschen Vertreter 1354 auf die Reichsunmittelbarkeit und bemühten sich um das Eingreifen König Karls IV.; die deutschen Zenden bevorzugten hingegen im kurzlebigen Rektorat Wallis oberhalb Visp unter dem Urner Landammann Johannes von Attinghausen als Rektor eine Anlehnung an die Waldstätte, die auf den Zürcher Bund von 1351 zwischen Zürich, Luzern, Schwyz und Unterwalden zurückging.

Obwohl die Zenden 1355 im Landfrieden wieder zusammenfanden, verlieh erst der Savoyen abgerungene Friede von Evian 1361 der demokratischen Bewegung das nötige politische Gewicht für ein erfolgreiches Zusammengehen der lantlüte gemeinlich ze Wallis oder patriote terre Vallesii mit dem Bischof in der neuen Fehde mit Freiherr Anton von Turn 1364-1370. Nachdem von Turn 1375 Bischof Tavel ermordet hatte, wurde er von den Landleuten vertrieben. Die von den oberen Zenden besetzte Kastlanei Niedergesteln-Lötschen verkaufte er an Graf Amadeus VI. von Savoyen. Als der Graf die Kastlanei an Bischof Eduard von Savoyen-Achaia (1375-1386), Tavels Nachfolger, weiterverkaufte, wehrten sich die Zenden. Nach der Vertreibung dieses letzten Savoyers auf dem Bischofsthron und dem Rachefeldzug Amadeus VII. von Savoyen 1384 verhinderten die oberen Zenden 1388 erfolgreich die Eroberung des Oberwallis durch Savoyen. Damit war der savoyenfreundliche Adel im Einflussbereich der Zenden ausgeschaltet.

Bündnispolitik und Expansion

Plünderungszug der Berner im Wallis während des Raronhandels im August 1419. Aquarellierte Federzeichnung aus der Berner Chronik von Benedikt Tschachtlan, 1470 (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Ms. A 120, S. 544).
Plünderungszug der Berner im Wallis während des Raronhandels im August 1419. Aquarellierte Federzeichnung aus der Berner Chronik von Benedikt Tschachtlan, 1470 (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Ms. A 120, S. 544). […]

Durch die Teilung des Wallis 1392 rückten die benachbarten eidgenössischen Orte aussenpolitisch ins Blickfeld der sieben Zenden. 1403 schlossen Bischof und Zenden ein ewiges Burg- und Landrecht mit Luzern, Uri und Unterwalden, das die eidgenössische Expansionspolitik in der Leventina und im Val d'Ossola begünstigte. Spätestens mit der Erneuerung des Bündnisses 1416 und 1417 galt das Wallis als zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. Das 1410 aus dynastischen Interessen geschlossene Bündnis Bischof Wilhelms II. von Raron mit Amadeus VIII. von Savoyen belastete aber das Verhältnis zu den Eidgenossen. Vor allem die erbliche Übertragung der Herrschaft über das Wallis auf Landeshauptmann Witschard von Raron durch König Sigismund von 1414 führte 1415-1420 zu einem Fehdekrieg zwischen den von Raron und den Zenden, dem Raronhandel. Berns militärisches Eingreifen auf Seiten der von Raron drohte die eidgenössischen Orte zu spalten. Der 1420 in Evian von Savoyen vermittelte Friede besiegelte auch das Schicksal des unterlegenen Adelshauses von Raron. Nach dem Scheitern der eidgenössischen Expansion südlich der Alpen in der Schlacht bei Arbedo setzte sich das Wallis 1422 und 1454 verkehrs- und sicherheitspolitisch auch mit Mailand ins Einvernehmen.

Der 1446 mit Bern und Savoyen geschlossene Freundschaftsvertrag wurde durch den Asperlinhandel (1460-1482) und verschiedene Grenzzwischenfälle verletzt. Hinzu kam 1473 ein Wirtschaftsembargo der Herzogin Jolanda von Savoyen. Bern – in die Burgunderkriege verwickelt und durch die Liga von Moncalieri (Burgund, Savoyen, Mailand) isoliert – brach den Vertrag, als es 1475 in der Waadt einfiel und sich mit Bischof und Zenden gegen Savoyen verbündete. Bischof Walter Supersaxo überfiel nach Aufforderung Berns im November 1475 Conthey und besiegte mit eidgenössischen Hilfstruppen das savoyische Heer auf der Planta in Sitten. Er nahm in einem raschen Eroberungszug das savoyische Unterwallis bis Saint-Maurice ein (17 geschleifte Burgen) und erklärte es Ende 1477 zum Untertanengebiet. Erst 1528 anerkannte Savoyen diese Annexion, die Bischof Supersaxo mit der legendären Carolina legitimiert hatte, der angeblichen Schenkung Karls des Grossen an Bischof Theodul.

Triptychon des heiligen Theodul, des ersten bekannten Bischofs des Wallis, geschaffen von Hans Bock dem Älteren. Tempera und Öl auf Holz, 1596 (Domkapitel Sitten, MV12982_1) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.
Triptychon des heiligen Theodul, des ersten bekannten Bischofs des Wallis, geschaffen von Hans Bock dem Älteren. Tempera und Öl auf Holz, 1596 (Domkapitel Sitten, MV12982_1) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey. […]

Das territorialpolitische Interesse von Bischof Jost von Silenen (1482-1496), einem Anhänger Frankreichs, galt anschliessend der Südgrenze. Nach der Erneuerung des Bündnisses mit Luzern, Uri und Unterwalden unternahm er 1484 seinen ersten Feldzug ins mailändische Val d'Ossola. Der Feldzug scheiterte und mündete aufgrund der Weigerung der Walliser, das obere Val d'Ossola zu räumen, im sogenannten Walliserhandel, in dem die eidgenössischen Orte vermittelten. Dieser Handel endete im zweiten Feldzug 1487 mit von Silenens Niederlage gegen die mailändischen Truppen bei Crevola. Der Konflikt wurde nach weiteren Waffengängen 1493-1494 im Frieden mit Mailand 1495 beigelegt, der die seither geltende Grenzziehung bei Gondo festschrieb. Die misslungene Südpolitik führte 1496 zu von Silenens Vertreibung aus dem Wallis und 1497 zu seiner Absetzung als Bischof durch den Papst.

Staatsbildung vom 16. Jahrhundert bis 1798

Die Entwicklung der Zendenrepublik

In der frühen Neuzeit bildete das Wallis ein unabhängiges Gemeinwesen, in dem die Landesherrschaft des Fürstbischofs von Sitten und die ab dem Spätmittelalter politisch erstarkte gemeindliche Herrschaft der Zenden nebeneinander bestanden. Im Konflikt zwischen Bischof Matthäus Schiner (1499-1522) mit seiner gegen Frankreich gerichteten Bündnispolitik im Dienst von Mailand, Kaiser und Papst auf der einen Seite und Georg Supersaxo als Anhänger Frankreichs auf der anderen Seite, der sich nach Schiners Misserfolg bei Marignano 1515 verschärfte, erlangten die Zenden weitere politische Kompetenzen. Nach der Beschneidung der weltlichen Herrschaftsrechte des Bischofs durch den sogenannten Landfrieden der Landleute von 1517 schränkte der Landrat den politischen, administrativen und judikativen Handlungsspielraum des Fürstbischofs mit der verfassungsmässigen Festschreibung der Zendenherrschaft im Landrecht von 1571 weiter ein. Die Reformation trieb die Umgestaltung des nach Schiner politisch und konfessionell gespaltenen Fürstbistums in eine Republik voran, denn mit der Verteidigung der reformierten Lehre fochten die städtischen Oberschichten im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert auch die weltliche Herrschaft des Fürstbischofs an. Daneben boten die Untertanengebiete und die Bündnispolitik wiederholt Anlass zu Auseinandersetzungen zwischen Bischof und Zenden.

Conclusum. Urkunde vom 15. Oktober 1613 zum Verzicht des Bischofs und des Domkapitels auf die "Donatio Carolina" oder "Carolina" (Staatsarchiv Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Marc Biner).
Conclusum. Urkunde vom 15. Oktober 1613 zum Verzicht des Bischofs und des Domkapitels auf die "Donatio Carolina" oder "Carolina" (Staatsarchiv Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Marc Biner). […]

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Konflikte zwischen fürstlicher und kommunaler Herrschaft zugunsten der Zenden entschieden: Nachdem die sogenannten Patrioten, die Mitglieder der einflussreichsten Familien der Landschaft Wallis, dem Bischof und dem Domkapitel Sitten 1613 zwischenzeitlich und 1634 schliesslich definitiv den Verzicht auf die Carolina und damit auf die Landeshoheit abgerungen hatten, besiegelten die Beschränkung der politischen Rolle des Fürstbischofs auf Ehrenrechte (z.B. Vorsitz im Landrat) und der Ausschluss des Domkapitels aus dem Landrat das Ende der weltichen Herrschaftsrechte des geistlichen Stands. Obschon der Bischof bis 1798 den Titel eines Reichsfürsten (comes et praefectus) führte, setzten Gemeinden und Zenden demokratische Strukturen durch. Die sieben Zenden Brig, Goms, Leuk, Raron, Siders, Sitten und Visp konstituierten als Verbände unabhängiger Kommunalitäten die Landschaft Wallis. Die sich etablierende Staatsform erscheint 1619 erstmals als freie demokratische Republik in den Quellen. Im 17. und 18. Jahrhundert zeichneten sich zentralisierende politische Tendenzen und konstitutionelle und legislative Schritte zur Monopolisierung von Profit und Ämtern ab, die zur Kontrolle des politischen Lebens durch das Patriziat führten. Punktuell kam es deshalb immer wieder zu Unruhen. 1732 verwahrte sich etwa eine Landsgemeinde in Visp erfolglos gegen die Vorrechte Sittens und der herrschenden Patrioten.

Die Reformation

Die stark von der politischen Entwicklung beeinflusste, vor allem von der Oberschicht getragene Reformation im Wallis führte ab den 1520er Jahren zwar zur Entstehung einflussreicher neugläubiger Kreise, doch es kam nicht zu einem Bruch mit der katholischen Kirche. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts begünstigten die Schwäche der regierenden Bischöfe, die kirchlichen Missstände und die lavierende Bündnispolitik der Zenden den Fortschritt der reformierten Bewegung. Obschon der Landrat die reformatorischen Bestrebungen zum Beispiel 1591 mit dem Verbot reformatorischer Praktiken zu begrenzen versuchte, blieben die Zenden in der Glaubensfrage gespalten. Während insbesondere das antizentralistische, eng mit der katholischen Innerschweiz verbundene Goms (Gomesia catholica) und der ökonomisch mit dem Unterwallis rivalisierende Zenden Brig gegen die neue Lehre opponierten, bekannten sich bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts vor allem in Sitten und Leuk einflussreiche Familien zur Reformation. 1604 setzten Bischof, Domkapitel und die vier oberen Zenden einen Landratsbeschluss durch, der die Ausübung reformierter Glaubenspraktiken im Wallis verbot, Zuwiderhandelnden mit der Ausweisung drohte und ein Ämterverbot für Reformierte verhängte. Ein Kompromiss von 1606 und die wiederholten Verlängerungen der Ausweisungsfristen bis 1660 führten jedoch zur Duldung der Reformierten, deren Zahl sich unter dem Einfluss der sich entfaltenden katholischen Reform aber wieder reduzierte.

Der Triumph des Katholizismus im 17. Jahrhundert ist vor allem auf die katholische Mission von Kapuzinern und Jesuiten zurückzuführen. Während sich die Kapuziner ab 1597 mit Predigten und Klostergründungen (1611 Saint-Maurice, 1631 Sitten, 1659 Brig) der Rekatholisierung des Wallis widmeten, richteten sich die Bemühungen der Jesuiten hauptsächlich auf die Einrichtung katholischer Schulen. Solche gab es vor der Vertreibung des Ordens 1607-1615 in Ernen, 1608-1609 bei Siders, 1609-1627 in Venthône und 1625-1627 in Sitten und Brig sowie nach seiner Wiederberufung 1651-1660 in Siders, 1660-1662 in Leuk, 1662-1774 in Brig und 1734-1774 in Sitten. Gegenreformation und katholische Reform gipfelten in der 2. Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert in einer glanzvollen Erneuerung des katholischen Glaubenslebens, in Pfarreigründungen und in einer Blüte des Sakralbaus.

Bündnispolitik

Erste Seite des Allianzvertrags von 1708 zwischen den sieben Zenden der Landschaft Wallis und den drei katholischen Städten Luzern, Freiburg und Solothurn (Staatsarchiv Wallis, Sitten).
Erste Seite des Allianzvertrags von 1708 zwischen den sieben Zenden der Landschaft Wallis und den drei katholischen Städten Luzern, Freiburg und Solothurn (Staatsarchiv Wallis, Sitten).

Bischof Schiners gegen Frankreich und Savoyen gerichtete Bündnis- und Grossmachtspolitik schuf enge Verbindungen des Wallis zur Eidgenossenschaft, vor allem zu Bern (Bündnis von 1500) und den Orten Uri, Schwyz und Unterwalden. Nachdem sich die Zenden dem ewigen Frieden der Eidgenossenschaft mit Frankreich von 1516 angeschlossen hatten, kam es unter Georg Supersaxo zu einem die französische Söldnerwerbung begünstigenden Bündnis mit den eidgenössischen Orten (ohne Zürich). Das Burg- und Landrecht des Wallis mit den katholischen Orten von 1416 wurde 1529 erweitert und bis 1780 regelmässig erneuert. Es verpflichtete die Landschaft auch in konfessionellen Fragen; gleichzeitig schuf die gegen Savoyen gerichtete Eroberungspolitik Verbindungen zum reformierten Bern. So besetzten die Zenden ungeachtet des bestehenden Bündnisses mit Savoyen von 1528 im Zug der Eroberung der Waadt und des Chablais durch Bern 1536 Monthey und Evian. 1589 schloss das Wallis erneut ein Bündnis mit Bern, das 1602, 1618 und 1643 erneuert wurde. Nach der Belastung der Beziehungen zu Bern durch Jurisdiktions- und Grenzstreitigkeiten, vor allem an der Gemmi, bei der Brücke von Saint-Maurice und am Sanetsch, wohnte das Wallis ab 1689 zuweilen den Zusammenkünften des Goldenen Bunds und ab 1697 den gegen Bern gerichteten Geheimbesprechungen der drei katholischen Städte Freiburg, Luzern und Solothurn bei.

Die europäischen Beziehungen der Zenden wurden von den ökonomisch bedeutenden Solddiensten beeinflusst, die das Wallis insbesondere für Frankreich leistete. Nach dem Beitritt zum Ewigen Frieden von 1516 schlossen sich die Zenden 1521, 1549, 1564, 1582, 1602, 1663 und 1777 der Jahrgelder, Pensionen und Salzlieferungen sichernden Allianz der dreizehn eidgenössischen Orte mit Frankreich sowie 1715 dem Sonderbündnis der katholischen Orte mit Frankreich an (Trücklibund). Im ausgehenden 16. und 17. Jahrhundert wurde das Wallis zum Schauplatz des Kräftemessens zwischen Frankreich und Spanien-Mailand. Die in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts einsetzenden Bündnisbemühungen des spanischen Königs stiessen zunächst vor allem auf den Widerstand der unteren Zenden und Frankreichs. Nach der Eroberung der Freigrafschaft Burgund durch Ludwig XIV. 1674 büsste das Wallis schlagartig seine strategische Bedeutung ein und Spaniens Interesse an einer Verbindung schwand. In der Folgezeit intensivierten sich die diplomatischen Beziehungen mit Frankreich, das über Agenten und ab 1744 über ständige Residenten im Wallis verfügte.

Das vorrevolutionäre Wallis

Im 18. Jahrhundert häuften sich in den von den sieben Zenden als Untertanengebiete verwalteten Unterwalliser Landvogteien Monthey und Saint-Maurice die Klagen über willkürliche Abgaben und Zölle. 1790 entlud sich die Unzufriedenheit über die Willkürherrschaft des Landvogts von Monthey, Hildebrand Schiner, in einem Aufstand, den der Landrat nach der Mobilisierung von Truppen rasch unter Kontrolle brachte. 1791 schlugen die Zenden die Verschwörung von Les Crochets nieder, richteten die Rädelsführer in Sitten hin und besetzten das Gebiet zwischen Martigny und Le Bouveret. Nach der Anerkennung der französischen Republik durch das Wallis 1796 förderte der französische Resident in Saint-Maurice, Michel-Ange-Bernard de Mangourit, ab 1797 die Revolutionierung des Unterwallis. Als die Waadt am 24. Januar 1798 ihre Unabhängigkeit proklamierte, wurde in Saint-Maurice am 28. Januar der erste Freiheitsbaum des Wallis errichtet. Nachdem sich Monthey und weitere Gemeinden der Bewegung angeschlossen hatten, gestand der Landrat dem Unterwallis am 22. Februar Freiheit und Unabhängigkeit zu. Eine neue Verfassung begründete die kurzlebige, um Entremont, Monthey und Saint-Maurice erweiterte Republik der zehn Zenden, die im April 1798 auf Druck Frankreichs in die Helvetische Republik integriert wurde.

Regieren und Verwalten von 1613 bis zum Ende des Ancien Régime

Aufbau und Organisation der Landschaft Wallis

Politische Organisation der Landschaft Wallis im 17. und 18. Jahrhundert
Politische Organisation der Landschaft Wallis im 17. und 18. Jahrhundert […]

Nach dem Ende des Ständestaats 1613 wurde aus der Landschaft Wallis die freie Republik der sieben Zenden, ein Bund von Gemeindeverbänden. In den einzelnen Zenden lag die Souveränität bei den Gemeinden, obwohl sich die Zendenräte bald mehr und mehr über deren Rechte hinwegsetzten. Aufbau und Verwaltung der Gemeinden beruhten auf Gewohnheitsrecht und Bauernzünften. An der Spitze jeder Gemeinde stand ein an Martini (11. November) gewählter Kastlan mit richterlichen und administrativen Befugnissen. Besondere Angelegenheiten wurden grundsätzlich von ad hoc ernannten Prokuratoren geregelt. Jede Gemeinde war im Zendenrat mit ein bis drei Boten vertreten, die sich an die Weisungen ihrer Gemeinde zu halten hatten. Auch im Landrat konnten Gemeinden ihre vom Zenden abweichenden Standpunkte durch Prokurjuren vertreten lassen, deren Mandat mit der Ausführung ihres Auftrags endete.

Walliser Landeshauptmänner 1613-1798
Walliser Landeshauptmänner 1613-1798 […]

Alle Zenden waren ähnlich organisiert und in kleinere Verwaltungseinheiten (Drittel oder Viertel, in Brig Gumper) gegliedert; die Zendenämter wurden im Turnus durch diese Zendenteile besetzt. Als höchster Magistrat im Zenden berief der Grosskastlan, in einzelnen Zenden Grossmeier genannt, den Zendenrat und die Zendenversammlung ein und leitete diese. Er war für den Vollzug der Zendenratsbeschlüsse zuständig, führte die Korrespondenz, besiegelte Verträge, verteilte die öffentlichen Pensionen und waltete als Zendenrichter. Er wurde auf ein oder zwei Jahre gewählt und konnte nach einer Unterbrechung wiedergewählt werden. Ein Statthalter (oft der Vorgänger oder Nachfolger des Grosskastlans), ein Schreiber (Kurial) und ein Weibel standen ihm zur Seite. Zur Vorbereitung des Zendenrats konnte der Grosskastlan den Kleinen Rat (auch Geheimer Rat genannt) einberufen, dem Vertreter eines Drittels oder eines Viertels angehörten. Das Militärwesen oblag dem Bannerherrn, der für die Banner verantwortlich war und die Rodel führte, und dem Zendenhauptmann, der den Auszug befehligte. Diese beiden begehrten Ehrenämter wurden auf Lebenszeit vergeben. Grosskastlan, Bannerherr und Zendenhauptmann wurden mit Pensionsgeldern entschädigt.

Die Landschaft umfasste die sieben Zenden und ihre gemeinsamen Untertanengebiete: Nach der Vertreibung der Freiherren von Turn verfügten die fünf oberen Zenden mit der Kastlanei Niedergesteln-Lötschen 1376-1790 über ein erstes gemeinsames Untertanengebiet. 1475 kam mit der Landvogtei Saint-Maurice (bis 1536 Landvogtei nid der Mors) ein weiteres hinzu, mit der Eroberung des Chablais 1536 die Landvogteien Monthey und Evian. Von Letzterer wurde 1538 das Territorium der Abtei Saint-Jean d'Aulps abgetrennt und zur selbstständigen Landvogtei Hochtal erhoben. Die Landvogteien wurden durch Landvögte verwaltet, die im Turnus der sieben Zenden auf zwei Jahre gewählt wurden. Sie hatten im Landrat jährlich über ihre Verwaltung Rechenschaft abzulegen. Im Vertrag von Thonon von 1569 zwischen Savoyen und dem Wallis gingen Evian und das Vallée d'Aulps an Savoyen zurück und die Morge bei Saint-Gingolph wurde als Westgrenze festgelegt. Monthey und Saint-Maurice blieben bis 1798 Walliser Landvogteien.

Landrat und Landeshauptmann

Im 14. Jahrhundert wird die Verwaltung der Landschaft im Landrat (consilium generale) fassbar. Ursprünglich tagten dort Vertreter der Stände unter dem Vorsitz des Bischofs als Landesherrn, seltener seines Statthalters; gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurden die Ständevertreter durch Vertreter der Zenden ersetzt, die sogenannten Boten. An die Stelle des Statthalters trat der 1275 erstmals erwähnte Landeshauptmann, der ab 1420 vom Landrat unter Mitwirkung des Fürstbischofs und des Domkapitels auf ein Jahr gewählt und meist für ein weiteres Jahr wiedergewählt wurde; ab Beginn des 18. Jahrhunderts konnte er unbeschränkt wiedergewählt werden. Mit dem erzwungenen Verzicht des Bischofs auf die weltliche Herrschaft 1613 wuchs die Bedeutung des Landeshauptmanns, der zum höchsten weltlichen Magistraten der Republik wurde. Im Gegensatz zu anderen Ämtern, zum Beispiel den Landvögten, gab es beim Landeshauptmann keinen Turnus unter den Zenden: Zwischen 1420 und 1798 stammten 19 Landeshauptmänner aus Brig, 17 aus dem Goms, je 14 aus Sitten und Visp, je 9 aus Leuk und Raron sowie 5 aus Siders. Kam der Landeshauptmann aus Sitten oder Siders, stellten die oberen Zenden seinen Statthalter und umgekehrt. In seiner Amtszeit beschäftigte ein Landeshauptmann einige Familiare, doch sein engster Mitarbeiter war der Landschreiber, der im 17. und 18. Jahrhundert oft auch zu seinem Nachfolger gewählt wurde.

Ab 1613 wurde die Stellung des Landrats immer bedeutender: Der Bischof behielt zwar den Ehrenvorsitz, hatte aber keine reellen Machtbefugnisse mehr. Staatsoberhaupt war nun der Landeshauptmann, dem 30-34 Zendenboten gegenübersassen. Jährlich fanden zwei mehrtägige Landratssitzungen (Mai oder Juni sowie Dezember; ordentliche Sitzungen) und je nach Bedarf einige Ratstage (ausserordentliche Sitzungen) statt. Ab 1613 berief nicht mehr der Bischof, sondern der Landeshauptmann diese Sitzungen ein und leitete sie auch. Meistens wurden sie im bischöflichen Schloss Majoria in Sitten abgehalten. Am ordentlichen Landrat nahmen üblicherweise vier Boten jedes Zenden teil: Grosskastlan, Bannerherr und Zendenhauptmann, ergänzt durch einen Vertreter eines Freigerichts oder einen ehemaligen Magistraten. Der zweigeteilte Zenden Raron delegierte die beiden Meier und alt Meier von Raron und Mörel, der Zenden Sitten entsandte als einziger sechs und mehr Boten. An den Ratstagen waren pro Zenden ein bis drei Boten anwesend. Die Boten fassten ihre Beschlüsse gemäss den Instruktionen ihrer Gemeinden bzw. Zenden. Einigte sich der Rat nicht, trugen die Boten die umstrittenen Geschäfte ad referendum wieder in ihre Zenden und erhielten für den folgenden Landrat neue Instruktionen. Der Tagbrief, mit dem eine Sitzung einberufen wurde, enthielt eine summarische Traktandenliste, damit die Zenden ihren Boten Weisungen mit auf den Weg geben konnten. Kam ein im Tagbrief nicht angekündigtes Geschäft zur Sprache, fassten die Boten einen vorläufigen Beschluss und machten dessen Annahme von der Zustimmung ihrer Zenden abhängig. Im 18. Jahrhundert setzte sich das Mehrheitsprinzip durch. Nach Abschluss der Session verfasste der Landschreiber ein Memorandum, das er jeder Zendenabordnung zum Abschied mitgab (daher der Name Landratsabschied). Es handelte sich um eine Zusammenfassung der Verhandlungen und Beschlüsse, welche die Boten ihren Gemeinden zur Ratifizierung vorzulegen hatten. Unbestrittene Traktanden und einstimmig gefasste Beschlüsse fanden im Memorandum meist keine Erwähnung mehr.

Der Landrat fällte die politischen Entscheide in allen Bereichen, die das Wallis als Ganzes, seine innere Organisation und seine Aussenbeziehungen betrafen. Er wählte den Bischof, den Landeshauptmann und die Landvögte und ernannte Offiziere und Kaderleute der Truppen sowie Gesandte. Er erneuerte die Bündnisse mit den sieben katholischen Orten und mit Bern, schloss die Verträge mit Frankreich (Salz, Sold), Savoyen (Sold) und Mailand (Handel). Er erliess Verordnungen, kaufte Rüstungsgüter und ernannte Kommissäre (u.a. Strassen- und Bergbau). Zudem stimmte er der Begleichung von Schulden und der Verteilung der Einkünfte aus den Untertanengebieten und aus den öffentlichen Pensionen zu.

Kanzleiwesen und Notariat

Kanzleiwesen und Notariat waren Hoheitsrechte (Regalien), über die der Landesherr ab 999 verfügte. Der Bischof gab das Kanzleiwesen einem Kanzler und später dem Domkapitel zu Lehen. Die älteste erhaltene Sittener Kanzleiurkunde datiert von 1005. Die von den Kanzleigeschworenen aufgenommenen Urkunden wurden in Pergament-, später in Papierregister eingetragen. Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts erhielt die Kanzlei Konkurrenz durch die öffentlichen Notare, die von Kaiser, Papst oder Landesherrn ernannt wurden. Sie verdrängten die Kanzleischreiber des Domkapitels, das aber bis Ende 17. Jahrhundert die Minuten (Urschriften) verstorbener Notare vor allem von Sitten und Umgebung archivierte. Bis Ende des Ancien Régime waren die Notariatsakten lateinisch abgefasst. Die meisten Notare verfügten über eine gute Ausbildung und das Notariat diente zahlreichen künftigen Zenden- und Landesmagistraten als Sprungbrett für den politischen Aufstieg.

Im Archiv des Domkapitels in Sitten befinden sich 84 der ältesten Kanzleiregister der Schweiz aus den Jahren 1255-1379 sowie die Urschriften von 226 Notaren. Spätere Minutenbestände wurden in den Archiven der Zenden und der grösseren Pfarreien aufbewahrt.

Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft bis 1798

Bevölkerung und Siedlung

Vor der Volkszählung der Helvetischen Republik gibt es keine Zahlen zur sesshaften Bevölkerung im Wallis. Analog zur europäischen Entwicklung wird vom 11. bis 13. Jahrhundert ein langsames, anhaltendes demografisches Wachstum vermutet. Für diese Annahme sprechen die Stadterweiterung Sittens und das zwischen 950 und 1200 stark wachsende, bis in die Seitentäler und Bergzonen reichende Pfarreinetz mit zahlreichen Neu- und Umbauten von Kirchen. Die Wüstungsprozesse um 1300 (Giätrich im Lötschental) und die zeitgleichen Wanderungen legen die demografische Auslastung einer ab dem 12. Jahrhundert vom mittelalterlichen Landesausbau unterschiedlich erfassten Landschaft nahe. Savoyische Verwaltungsquellen erlauben genauere Schätzungen zur Bevölkerungsentwicklung und belegen eine letzte Wachstumsphase zwischen 1270 und 1330: Die Zahl der Herdstätten zwischen dem Genfersee und Martigny einschliesslich Entremont entsprach um 1313 in etwa jener der Volkszählung von 1802-1803; 1323 zählte die Stadt Sitten 480 Feuerstellen oder rund 2400 Einwohner, 1802 2247 Einwohner.

Arvenholztruhe aus dem Val d'Hérens, 1449 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich).
Arvenholztruhe aus dem Val d'Hérens, 1449 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich). […]

Auch das Wallis wurde von 1330 bis Mitte 15. Jahrhundert vom in ganz Europa feststellbaren Bevölkerungsrückgang erfasst, vor allem aufgrund des Pestzugs von 1349, der die Talebene stärker traf als die Bergzone: Die Seuche dezimierte die Bevölkerung in Saint-Maurice und Sitten um 40%, in der Talschaft Entremont um 33% und gelangte bis ins Goms. Weitere periodische Pestzüge beeinflussten die Bevölkerungsentwicklung im 14. Jahrhundert (nach 1349 zwölf Pestjahre). In den 22 Pestjahren im 15. Jahrhundert und den 44 im 16. Jahrhundert waren die Pestzüge eher lokal begrenzt und forderten geringere Verluste. Ob dadurch entstandene Bevölkerungslücken neben klimatischen Gunstphasen (Gletscherrückzug) und wirtschaftlichen Motiven zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Binnenmigration von Zermatt über den Col d'Hérens ins Zentralwallis und nach Sitten förderten, ist unklar. Immigranten aus anderen Regionen des Oberwallis verstärkten das deutsche Element im Unterwallis lange vor dessen Eroberung durch die sieben Zenden 1475 und die Sprachgrenze verschob sich nach Westen; ihre Fixierung oberhalb Siders im 16. Jahrhundert beendete die progressive Germanisierung der romanischen Bevölkerung seit dem Vordringen der Alemannen im 9. Jahrhundert.

Auf die Erholungsphase 1450-1550 folgten die Pestzüge von 1565-1566 im Goms, von 1582-1584 in Sitten, Siders, Brig, Naters und Visp sowie von 1628-1629 und 1638-1639 in den Zenden Brig und Goms, die ganze Siedlungen dahinrafften. Danach setzte ein schwaches Bevölkerungswachstum ein. So weisen die Kirchenregister von 23 Oberwalliser Pfarreien 1650-1850 einen positiven Bevölkerungssaldo aus. Die Zahl der Einwohner war in der Stadt Sitten 1670 und 1798 fast identisch und blieb im Zenden Leuk im 18. Jahrhundert konstant. Auch die pfarreiübergreifenden Mortalitätskrisen, die 1693, 1718, 1730, 1742, 1749, 1768 aufgrund von Epidemien, Subsistenzkrisen oder crises larvées (sinkende Heirats- und Geburtenraten) auftraten, und die Kriegsopfer von 1798 unterbrachen die positive Bevölkerungsentwicklung nicht.

Die Wirtschaft vom Hochmittelalter bis ins 18. Jahrhundert

Die Bevölkerung lebte weiterhin hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht, vom Passverkehr und von etwas Handwerk. Weder im Mittelalter noch in der frühen Neuzeit gab es eine Agrarrevolution: Der Hakenpflug war bis im 19. Jahrhundert in Gebrauch, die Dreifelderwirtschaft wurde spät eingeführt und die Kartoffel war im 18. Jahrhundert noch selten. Die Parzellen waren infolge der Erbteilung klein und wohl mit Rücksicht auf das Mikroklima (Höhenstufen) stark zersplittert.

Ressourcen

Die Agrarproduktion deckte die Bedürfnisse der Bevölkerung und brachte sogar Überschüsse hervor. Am Rand der Rhoneebene wurde zwischen Martigny und Leuk Getreide angebaut. Roggen herrschte im ganzen Wallis vor, vor allem im Entremont und im Oberwallis, Gerste wurde unterhalb von Saint-Maurice angebaut, insbesondere in Monthey. Die wichtigsten Getreidemärkte fanden in Sitten, Martigny und Siders statt. Reben bedeckten die Hänge auf der rechten Talseite flussabwärts von Leuk bis Saint-Maurice und flussaufwärts teilweise bis nach Mörel. Die weissen Rebsorten kamen häufiger vor als die roten und die Trauben waren ausschliesslich für den lokalen Konsum bestimmt. Beschreibungen aus dem 16. Jahrhundert betonen den Reichtum des Wallis und vor allem des Unterwallis an Obst-, Mandel- und Feigenbäumen.

Panorama von Leukerbad. Aquarell von Abraham Samuel Fischer, um 1786 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV11140_1) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.
Panorama von Leukerbad. Aquarell von Abraham Samuel Fischer, um 1786 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV11140_1) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey. […]

Ab Ende des 14. Jahrhunderts veränderte sich die Agrarlandschaft. Nach wiederholten Pestzügen mit dem darauffolgenden Bevölkerungsrückgang nahm die Viehwirtschaft zu und Äcker wurden in Heuwiesen umgewandelt. In der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das Bewässerungsnetz mit den sogenannten Suonen (auch Bissen genannt) massiv ausgebaut. Das förderte Quantität und Qualität des Heus für die Überwinterung des Viehs, dessen Bestand zunahm. Die Zenden Brig und Goms sowie das Drittel Mörel züchteten Grossvieh, im Entremont, im Val de Bagnes, im Matter- und im Saastal sowie in den beiden westlichen Dritteln des Zenden Raron herrschte die Schafzucht vor. Das Wallis entwickelte sich zu einem bedeutenden Produzenten von Milchprodukten, insbesondere von Butter und Käse.

Ab dem Mittelalter wurden in Mörel sowie im Lötschen-, Ganter- und Binntal mehrere Minen ausgebeutet, aber nur die Goldminen von Gondo und die bleihaltigen Silberminen von Bruson im Val de Bagnes waren zeitweise rentabel. Da der Betrieb einer Mine einen hohen Kapitaleinsatz erforderte, waren die Konzessionäre einflussreiche und begüterte Walliser wie Matthäus Schiner und Kaspar Stockalper vom Thurm oder Personen aus der Eidgenossenschaft, dem deutschen oder dem italienischen Raum.

In jedem Dorf lebten Handwerker, deren Produkte die lokalen Bedürfnisse abdeckten. In Städten und grösseren Siedlungen kamen die qualifizierten Arbeitskräfte in der Regel von auswärts. In Sitten waren nach dem Nahrungsmittelsektor das Holz verarbeitende und das Leder verarbeitende Gewerbe (Gerbereien) am stärksten vertreten.

Handel

Die Grafen von Savoyen und die Bischöfe von Sitten profitierten von den stark frequentierten Alpenpässen, vor allem vom Grossen St. Bernhard und vom Simplon. Zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert bauten sie die Strasse durch das Rhonetal aus, um den Warenverkehr über die Pässe zu erleichtern. Luxusgüter wie Waffen, Stoffe und Gewürze passierten das Wallis in mehreren Etappen. Jeder Etappenort verfügte über ein Lagerhaus, die sogenannte Sust, sowie eine Zollstelle und Unterkünfte. Lokale Korporationen führten mit Säumern und Fuhrleuten aus dem bäuerlichen Umfeld den Transport durch. Im 17. Jahrhundert zogen reiche Unternehmer das Transitmonopol an sich und unter Stockalper nahm der Warenverkehr über den Simplon beträchtlich zu.

Das Wallis exportierte seine Getreideüberschüsse vor allem ins Berner Oberland, nach Uri und ins Aostatal. Ab Ende des 14. Jahrhunderts verkaufte es Vieh und Milchprodukte in die Lombardei. Ab dem 17. Jahrhundert führte es Holz für den französischen Schiffsbau aus. Andere Produkte wie Kastanien, Schnecken, Zunder, Terpentin und Bergkristalle waren von geringer Bedeutung.

Porträt von Graf Maurice de Courten in Offiziersuniform. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, um 1750 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV3283_3) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.
Porträt von Graf Maurice de Courten in Offiziersuniform. Öl auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, um 1750 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV3283_3) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey. […]
Porträt des Grenadiers Pierre-Maurice Besse aus dem Val de Bagnes in der Uniform des Regiments von Courten. Öl auf Leinwand von Félix Cortey, 1790 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV2438_3) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey.
Porträt des Grenadiers Pierre-Maurice Besse aus dem Val de Bagnes in der Uniform des Regiments von Courten. Öl auf Leinwand von Félix Cortey, 1790 (Geschichtsmuseum Wallis, Sitten, MV2438_3) © Geschichtsmuseum Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Yves Glassey. […]

Eisen bezog das Wallis aus der Freigrafschaft Burgund und aus Kärnten, da die einheimische Produktion nicht genügte. Am wichtigsten war der Import von jährlich 500-700 t Salz, das sowohl für Mensch und Tier als auch für die Fleischkonservierung und die Käseherstellung unerlässlich war. Im Oberwallis wurde Steinsalz aus dem Tiroler Hall konsumiert, in den anderen Zenden französisches Meersalz aus Peccais am Mittelmeer. Dank der Wirtschaftsprivilegien, welche die französischen Könige dem Wallis gewährten, konnte es Letzteres in grossen Mengen günstig einkaufen. Als dessen Preis Ende des 16. Jahrhunderts stark anstieg, führte das Wallis Salz aus den italienischen Salzminen bei Barletta in Apulien und den Salinen von Trapani in Sizilien ein. Dieser Wechsel verursachte grosse politische Spannungen. Die Oberwalliser Zenden strebten nach einem Abkommen mit dem spanischen Mailand, um das italienische Salz zu begünstigen. Ein Sonderbündnis der Zenden Brig und Goms sowie des Drittels Mörel mit Mailand von 1615 wurde 1616 auf Druck Frankreichs und der Zenden Sitten, Siders und Leuk aufgelöst. Der Salzhandel war zunächst frei und die Obrigkeit legte lediglich den Verkaufspreis an die Konsumenten fest. Um 1560 übertrug der Landrat die Salzversorgung Genfer, Schweizer und italienischen Händlern. Erst im 17. Jahrhundert erhielt ein Konsortium von Walliser Geschäftsleuten das Salzmonopol, auf dem die Vermögen von Michael Mageran und Stockalper gründeten. Im 18. Jahrhundert wurde die Salzversorgung erneut Fremden übergeben und der Landrat beschränkte sich auf die Ernennung von Salzkommissaren für die Verteilung des Salzes in den Zenden.

Marschrouten von Walliser Söldnern im 16./17. und 19. Jahrhundert
Marschrouten von Walliser Söldnern im 16./17. und 19. Jahrhundert […]

Ab dem 16. Jahrhundert stellte das Wallis Söldner, vor allem in französischen und savoyischen Diensten, und erhielt dafür Salz und Pensionen. Die französischen Pensionen bestanden aus einer Staatspension in der Höhe von 3000 Franken sowie aus privaten Gratifikationen für die Patrioten. Das Geld floss mehr oder weniger regelmässig während des ganzen Ancien Régime. Die savoyische Pension war um einen Drittel geringer als die französische und wurde um die Mitte des 17. Jahrhunderts eingestellt. Mit dieser Pension kauften die Zenden die Feudalrechte in den Unterwalliser Territorien. Da im Wallis nur wenig Geld in Umlauf war, stellten die Pensionen einen bedeutenden Geldzufluss dar. Anders als vom Salz war es von den Pensionen aber nicht abhängig. Die Pensionen allein erklären daher die Beteiligung des Wallis am Solddienst nicht.

Aufgrund des Metallmangels fehlte es dem Wallis praktisch immer an Geld. Ab dem 15. Jahrhundert prägten die Bischöfe zur Abwicklung der täglichen Geschäfte Billonmünzen, Kreuzer, Taler und Dicken. Fremde Gold- und Silbermünzen wie Kronen und rheinische Gulden aus Handel und Solddiensten wurden für grössere Zahlungen verwendet. 1627 verlieh sich der Landrat das Recht, im Namen der Republik Münzen zu prägen, und überliess dem Bischof in dieser Sache lediglich ein Ehrenrecht.

Das Wallis produzierte genügend Lebensmittel für seine Bevölkerung, lebte aber nicht in totaler Autarkie. Namentlich sein Salz- und Metallbedarf, aber auch Export und Transit banden es in die Märkte ein.

Gesellschaft

Im Hochmittelalter führten die schwache herrschaftliche Durchdringung sowie wirtschaftliche und demografische Transformationen zur Gründung nachbarschaftlich-korporativ organisierter urbaner und ländlicher Gemeinwesen, die auf der einen Seite vor allem Adlige und Bürger, auf der anderen Seite den Bauernstand umfassten. Im Zug dieser Entwicklung und mit dem ab dem 12. Jahrhundert wachsenden Transitverkehr etablierten sich in den städtischen Zentren Berufsgruppen aus den Bereichen Handwerk, Handel und Verkehr. Gleichzeitig führte die Auflösung der feudalen Strukturen zur Entstehung einer mit erblichen Lehen ausgestatteten adligen Schicht. Ab dem 13. Jahrhundert stützten sich die bischöflichen Landesherren in ihren Auseinandersetzungen mit ansässigen und ausländischen Adelsdynastien auf die Gemeinden, die sich in der Folge von herrschaftlichen Verpflichtungen loskauften, politische Freiheiten erwarben und ab 1339 im Landrat vertreten waren. Der Bevölkerungsrückgang beschnitt ab dem 14. Jahrhundert die herrschaftlichen Einnahmen und begünstigte den weiteren verfassungsrechtlichen und politischen Aufstieg der kommunalen Instanzen, die den Fürstbischof bis ins 17. Jahrhundert entmachteten. Ungeachtet dessen bestanden vielerorts lehensrechtliche Abgaben und Pflichten bis zur revolutionären Epoche um 1800 (z.B. im Val d'Anniviers Loskauf 1792-1804).

Nachdem die grossen Adelsgeschlechter aus dem Ringen um die Macht ausgeschieden waren (von Turn 1375, von Raron 1420), etablierten sich an der Spitze der Gemeinden neue Führungsschichten, die sogenannten Patrioten, die ihr wirtschaftliches und politisches Gewicht schrittweise auch auf Zenden- und Landesebene geltend machten. Die Absorption des Adels durch Heiratsverbindungen, die Ausübung des Notariats und der Erwerb von Grundbesitz stellten wichtige Etappen des sozialen Aufstiegs der Patrioten dar. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert sicherten sie sich durch die Monopolisierung von Profit und Ämtern die Kontrolle über das politische Leben. Die damit einhergehenden zentralistischen und oligarchischen Tendenzen provozierten immer wieder Volksunruhen. Opposition formierte sich etwa gegen die geheimen Pensionen (Trinkelstierkrieg 1550), die Reformation sowie die politischen Vorrechte der Patrioten und der Stadt Sitten (z.B. Rossratstag 1702, Unruhen 1732). Politisch rechtlos und von den höchsten Ämtern und Entscheidungen ausgeschlossen waren die von den Zenden als Untertanengebiete verwalteten Territorien.

Bis zum Ende des Ancien Régime bildeten die Burgergemeinden im Wallis das Fundament der sozialen und politischen Ordnung. Der vererbbare Status des Burgers war Voraussetzung für die aktive und passive Teilnahme an der Gemeinde-, Zenden- und Landespolitik. Nicht zuletzt aufgrund der restriktiven Haltung der Burgerschaften bei der Aufnahme von Neuburgern sind die im 15. Jahrhundert als habitans, commorans, habitator oder incola erwähnten Einwohner, denen politische und genossenschaftliche Rechte weitgehend verwehrt blieben, von den privilegierten Burgern zu unterscheiden. Für die Stadt Sitten ist ab dem 1. Viertel des 16. Jahrhunderts die Kategorie der ewigen Einwohner belegt, die nach Begleichung einer Einkaufssumme für das Niederlassungsrecht und unter Einhaltung von Auflagen gewisse Nutzungsrechte am Gemeingut erhielten. Es handelte sich dabei vor allem um zugezogene Arbeiter, Handwerker und Händler. Im 18. Jahrhundert wurde zusätzlich der minderrechtliche Status der sogenannten Tolerierten eingeführt, die für das Aufenthaltsrecht eine jährliche Abgabe entrichten mussten.

Kirchliches und religiöses Leben

Die Pfarreien und ihre Organisation

Das Pfarreinetz erfuhr zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert die grösste Erweiterung. Um 1200 war es mit 56 Kirchen weitgehend etabliert. Die Grenzen von Dorfgemeinde und Pfarrei deckten sich meist nicht, da die Pfarrsprengel mehrere Dörfer und oft ganze Talschaften umfassten. Die pastorale und wirtschaftliche Voraussetzung für das Pfarramt bildete der Pfarrzwang: Gemäss diesem erhielt der Pfarrer das exklusive Recht auf die Seelsorge und die Spendung der Sakramente und die Gläubigen mussten für die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten (Sonn- und Feiertagsgottesdienst, Ehe, Taufe, Beerdigung) stets an ihren Pfarrer gelangen sowie Kirchenopfer, Zehnt und Zinsen an die Mutter- oder Pfarrkirche abliefern. Durch Patronat und Kollatur waren neben Bischof und Domkapitel auch die Regularchorherren von Saint-Maurice, vom Grossen St. Bernhard und von Sainte-Marie d'Abondance, die Benediktinerabteien Saint-Michel de la Cluse, Savigny-en-Lyonnais und Saint-Martin d'Ainay sowie die Kartäuser (später Karmeliten) in die Seelsorge eingebunden.

Der Karren der katholischen Orthodoxie überfährt die Ketzer und Ungläubigen. Allegorie eines unbekannten Malers aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (Pfarrhaus Sembrancher; Fotografie Jean-Marc Biner).
Der Karren der katholischen Orthodoxie überfährt die Ketzer und Ungläubigen. Allegorie eines unbekannten Malers aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts (Pfarrhaus Sembrancher; Fotografie Jean-Marc Biner). […]

Als ordinarius loci beaufsichtigte und lenkte der Bischof von Sitten die Pfarrseelsorge durch die Sendgerichte der Dekane, periodische Visitationen, Synodalstatuten und später auch durch Hirtenbriefe. In Dörfern ohne Pfarrkirche wurden Pfarreien oft erst im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit über die Vorstufe von Filialen und Rektoraten errichtet. Die langwierigen Abkurungsprozesse erfolgten oft nur gegen erheblichen Widerstand der Mutterpfarreien und unter grossen Opfern (z.B. 1554 päpstliche Errichtung der Filialpfarrei Unterbäch-Bürchen, 1859 eigenständige Pfarrei). Neben dem Autonomiestreben der Gemeinden spielte dabei der Wunsch nach einer geregelten und kontrollierbaren Seelsorge eine wichtige Rolle, was sich im Pflichtenheft der Geistlichen niederschlug. Die Reformation, die im Wallis keine Bewegung im eigentlichen Sinn bildete, mag zwar der religiösen Unterweisung Impulse vermittelt haben, es war aber vor allem die katholische Reform, getragen vom Bistum, von der Abtei Saint-Maurice sowie von den Missionen der Kapuziner (1645, 1649-1651) und Jesuiten (1607-1627, 1651-1662), welche die Zahl der Pfarreien bis 1798 auf 97 anwachsen liess. Der damit verbundene barocke Baueifer veränderte die Sakrallandschaft und diente sowohl der religiösen Erbauung als auch der privaten Selbstdarstellung der Obrigkeit und der dörflichen Oberschichten, was Bischof und Landrat 1695 (Verbot frommer Stiftungen aufgrund der drohenden Verarmung der Gemeinden) und später wiederholt bekämpften.

Frömmigkeit und Wallfahrten

Der lange Festkalender des Kirchenjahrs prägte das Leben in der Pfarrei und der Gemeinde. Die ca. 50 Feiertage (ohne ordentliche Sonntage) wurden 1798 auf 20 reduziert. Die individuelle sakramentale Praxis beschränkte sich aber oft auf Osterbeichte und -kommunion. Auch der einzelne Tag folgte einem liturgischen Ablauf, der durch den Ruf der Glocken strukturiert war (kanonische Horen, Angelus). Die Präsenz des Domstifts verschaffte vor allem der Bischofsstadt Sitten ein reiches liturgisches Angebot. Etwa 50 Priester bezogen im 14. Jahrhundert ihren Unterhalt aus den zahlreichen Altar-, Kaplanei- und Klerikerpfründen, gestalteten die Liturgie an der Kathedrale und lasen zahlreiche Privatmessen. Die Möglichkeit, das Messopfer in bestimmter Absicht Lebenden und Verstorbenen zuzuwenden, begünstigte diese Form individueller Frömmigkeit. Fromme Stiftungen begleiteten Begräbnis und Anniversar und wurden ab dem 12. Jahrhundert in Nekrologien vermerkt (Kathedrale Sitten, Kirche Granges). War die Sicherung des Seelenheils durch Schenkung und Testament zunächst nur Reichen möglich, so belegt das Jahrzeitbuch der Pfarrei Ernen ab dem Spätmittelalter eine weitere Verbreitung der Stiftungspraxis. An den ländlichen Haupt- und Filialkirchen erlebten die Stiftungen im 15. Jahrhundert eine Glanzzeit, was zeigt, dass die Landschaft der Stadt an religiösem Eifer nicht nachstand. Oft wurden diese Werke durch Sammelindulgenzen und Ablässe gezielt gefördert (z.B. 1334 für die Kapelle St. Nikolaus in Ulrichen; 1338 für Naters und Glis).

Eng verbunden mit der Totensorge waren die Bruderschaften, von denen im 14. Jahrhundert in der Diözese Sitten etwa 60 nachgewiesen sind. Unter dem Patronat eines Heiligen, eines Zeichens (Altarssakrament, Rosenkranz) und vor allem des Heiligen Geistes stellten sie sich in den Dienst von Devotio und Caritas (Armen- und Krankenpflege). Direkt oder indirekt beteiligten sie sich an privaten und öffentlichen Gaben, die in Form von Naturalgaben, Speisung und Kleidung für die Bedürftigen ausserhalb von Begräbnis und Anniversar zu bestimmten Zeiten oder Festen des Kirchenjahrs (Ostern, Pfingsten, Allerseelen) ausgerichtet wurden, sogenannte Reichnisse. Die Lehre vom Fegefeuer und die Bewertung der Armut als Tugend (pauper Christi) boten die Motive. Spenden oder Almosen zu Ehren des Landespatrons Theodul und anderer Heiliger waren ebenfalls verbreitet. Eine Sonderform waren Alpspenden, die wie die Osterspende von Ferden früher den Armen vorbehalten war, zu Beginn des 21. Jahrhunderts aber allen Talbewohnern gereicht wurden. Das Betteleigesetz von 1827 schrieb die Umwandlung von Natural- und Sachspenden in Geldbeiträge zugunsten der Armenkasse vor.

Sichtbarsten Ausdruck fand die persönliche Devotio im Heiligenkult und in der Wallfahrt. Im Vordergrund stand der Kult Mariens, Patronin der Diözese sowie zahlreicher Kirchen und Altäre. Neben Johannes dem Evangelisten, Petrus, Nikolaus und Katharina genossen vor allem die regionalen Heiligen Mauritius, Theodul und Bernhard von Aosta das Vertrauen der Gläubigen. Von den beiden Letzteren, vom Einsiedler Antonius und von den 14 Nothelfern erbaten sie Schutz für Haus und Hof, Flur und Stall. Durch die Kreuzzüge und Wallfahrten wurden die Kreuzverehrung und der Apostel Jakobus populär, durch die Pestzüge der heilige Sebastian. Vor den Fernwallfahrten nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela, die im Spätmittelalter oft stellvertretend und testamentarisch angeordnet wurden, zogen die Gräber des heiligen Mauritius und seiner Gefährten in Saint-Maurice die Pilger an. Bereits im Mittelalter waren die Kirchen von Sitten, das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard und die Kirche von Glis beliebte Wallfahrtsziele, die einzeln oder in gemeinsamen Bittgängen aufgesucht wurden. Auf die Einzelwallfahrten ins benachbarte Oberitalien (Baceno im Valle Antigorio, Piemont) oder ab dem 15. und 16. Jahrhundert in die Innerschweiz (Einsiedeln) folgten später die ausserordentlichen Prozessionen der Gommer bei Kriegs-, Seuchen- und Wettergefahr auf den Gotthardpass. Das Votivwesen war im 17. und 18. Jahrhundert eng mit dem Aufschwung der Wallfahrt verbunden, wie zum Beispiel im Goms zahlreiche Votivgaben und -bilder belegen.

Porträt von Laurent Joseph Murith, Chorherrn vom Grossen St. Bernhard. Öl auf Leinwand von Félix Cortey, 1796 (Staatsarchiv Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Marc Biner).
Porträt von Laurent Joseph Murith, Chorherrn vom Grossen St. Bernhard. Öl auf Leinwand von Félix Cortey, 1796 (Staatsarchiv Wallis, Sitten; Fotografie Jean-Marc Biner). […]

Ein oft schlecht ausgebildeter Klerus, der sich mit Minimalkenntnissen begnügte (Credo, Ave, Pater noster), verkündete dem Volk die christliche Botschaft. Dominikaner und Franziskaner aus Lausanne und Domodossola suchten die Diözese zum Predigen und zum Sammeln von Almosen, aber auch als Inquisitoren auf. Ihr Armutsideal beeinflusste die im 14. Jahrhundert zahlreich belegten Beginen und Klausner. Totentanzszenen (Leuk) und Darstellungen des Jüngsten Gerichts (Raron) reflektieren Vorstellungen von der drohenden Hölle und der Verheissung des Paradieses. Die Volksfrömmigkeit wies widersprüchliche Züge mit einem Hang zu Magie und Aberglauben auf. Sie bildete Anfang 15. Jahrhundert den Nährboden für den Hexenwahn (Verordnung 1428), der alle Schichten erfasste und vom 16. bis ins 18. Jahrhundert sporadisch in Verfolgungswellen ausartete; die letzten Prozesse fanden 1678 in Leuk und 1730 in Bagnes statt. Osterspiele im Rahmen der mittelalterlichen Liturgie sowie im 17. und 18. Jahrhundert das Jesuitentheater in Brig und die geistlichen Dramen des vor 1748 in auswärtigen Seminarien, danach im Seminar in Gerunden und Sitten ausgebildeten Klerus mehrten das Glaubenswissen. Eine aufklärerische Reflexion der Religion fand – wenn überhaupt – nur in der Elite statt, vielfach aus politischen und eigennützigen Motiven im Kampf gegen die Privilegien des Klerus.

Kultur und Bildung

Vom Mittelalter bis zum Ende des Ancien Régime stand das Wallis kulturell unter Einflüssen vor allem aus dem Norden (Süddeutschland, Deutschschweiz) und dem Westen (Savoyen, Frankreich), aber auch aus dem Süden (Lombardei, Piemont). Neben der Teilung in ein deutsches und ein französisches Sprachgebiet bestimmte auch die politische Entwicklung die kulturelle Ausrichtung des Wallis.

Bildende Kunst und Architektur

Die Militärarchitektur des 13. Jahrhunderts widerspiegelt die Gliederung des Wallis in einen savoyischen und einen fürstbischöflichen Teil, im Unterwallis mit den Burgen und Wehranlagen des anglo-savoyischen Typs und im Mittel- und Oberwallis mit den befestigten Wohnbauten und -türmen nach romanischem Vorbild mit alpinen Eigenheiten. Die Landmauer bei Gamsen ist noch sichtbar. Diese Letzi aus dem 14. Jahrhundert sollte das Eindringen ins östliche Oberwallis verhindern. Die Stadtgründungen dieser Zeit waren nicht erfolgreich. Nur die um einen religiösen oder monastischen Kern gewachsenen Städte entwickelten sich weiter, einige umringt von einer Befestigung.

Karte des Wallis in Kavaliersperspektive. Aquarellierte Xylografie, geschaffen um 1535 von Johann Schalbetter und veröffentlicht von Sebastian Münster in Basel, um 1552 (Universitätsbibliothek Basel, Kartenslg Schw Cu 8:1).
Karte des Wallis in Kavaliersperspektive. Aquarellierte Xylografie, geschaffen um 1535 von Johann Schalbetter und veröffentlicht von Sebastian Münster in Basel, um 1552 (Universitätsbibliothek Basel, Kartenslg Schw Cu 8:1). […]
Karte des Wallis in Kavaliersperspektive. Aquarellierte Xylografie, geschaffen um 1535 von Johann Schalbetter und veröffentlicht von Sebastian Münster in Basel, um 1552 (Universitätsbibliothek Basel, Kartenslg Schw Cu 8:2).
Karte des Wallis in Kavaliersperspektive. Aquarellierte Xylografie, geschaffen um 1535 von Johann Schalbetter und veröffentlicht von Sebastian Münster in Basel, um 1552 (Universitätsbibliothek Basel, Kartenslg Schw Cu 8:2). […]

Saint-Maurice und Sitten waren im Mittelalter die Zentren des kulturellen Schaffens und des Bildungswesens. Das Archiv und der Schatz der Abtei Saint-Maurice sind die wichtigsten Zeugnisse der Anziehungskraft und der Ausstrahlung, die dieser bedeutende Pilgerort vom 6. Jahrhundert bis zum Ende des Mittelalters ausübte. Im 12. Jahrhundert stellte ein Goldschmiedeatelier dort einige schöne Stücke her. Sitten, spätestens ab 585 Bischofssitz, wurde die wichtigste Stadt des Wallis. Die Burg und die Kirche von Valeria dienten dem Domkapitel ab dem 11. Jahrhundert als Residenz und bewahrten ein aussergewöhnliches Mobiliar (romanische Truhen aus dem 13. Jahrhundert, gotische Orgel von 1435). Das Kapitel verfügt über eine Bibliothek mit illuminierten Handschriften aus dem Mittelalter und ein reiches Archiv mit Minuten aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Diese zeugen von der Vitalität des Notariats und der Bedeutung der Schriftlichkeit im mittelalterlichen Wallis. Vom Hospiz auf dem Mont-Joux bzw. der Propstei vom Grossen St. Bernhard sind gemessen an seiner Bedeutung im Mittelalter nicht so viele materielle Zeugnisse erhalten, aber sein Schatz und sein Archiv dürfen nicht unterschätzt werden. Da es im Mittelalter praktisch keine einheimischen bildenden Künstler gab, wandte man sich an Künstler und Handwerker aus den nahe gelegenen Städten und Regionen. Neben zahlreichen spätgotischen Altaraufsätzen, die Malerei mit Bildhauerei vereinen, und einer Vielzahl von Statuen ist auch die Decke des Hauses Supersaxo in Sitten erhalten, ein einzigartiges Werk von 1505.

In den östlichen Zenden des Oberwallis und in mittleren Höhen auch im übrigen Wallis hielt sich bei den Wohnhäusern und den landwirtschaftlichen Nebengebäuden vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert der Blockbau mit Holz auf einem gemauerten Sockel. Dabei gab es wenige typologische Variationen, aber eine spürbare Entwicklung der Fenstergrösse und der Anzahl Stockwerke. Ende des 15. Jahrhunderts verbreitete sich die Heizung mit Giltsteinöfen, die sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts allmählich im ganzen Wallis durchsetzten.

Die konfessionelle Ungewissheit hemmte 1550-1630 das an die Religion gebundene künstlerische Schaffen. Mit der Durchsetzung der katholischen Reform blühte der Sakralbau auf: 26 Kirchen und 200 Kapellen mit einer reichen Barockausstattung (Dynastie Ritz) zeugen von einer beeindruckenden Bautätigkeit zwischen 1600 und 1800. Unter Stockalper wurde Brig in den letzten beiden Dritteln des 17. Jahrhunderts zu einem religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Ab dem 17. Jahrhundert erlangte das regionale Hand- und Kunsthandwerk im Oberwallis eine gewisse Bedeutung (Bildhauerei, Malerei, dann Orgelbau und Glockengiesserei, etwas später die Baukunst). Die fremden Dienste prägten die Elitenkultur ab Mitte des 17. Jahrhunderts, was sich vor allem in der Ausschmückung, im Mobiliar und in der Malerei für die städtischen Bürger- und Patrizierhäuser spiegelt. Der Wiederaufbau der niedergebrannten Städte Saint-Maurice (1693) und Sitten (1788) ermöglichte einige wenige städtebauliche Eingriffe.

Schulen

Die beiden ältesten Schulen sind jene des Domkapitels Sitten und der Abtei Saint-Maurice. Der Ruf der Letzteren war so gut, dass die Grafen von Savoyen ihr im 14. Jahrhundert das gesamte Bildungswesen im Gebiet zwischen dem Grossen St. Bernhard und dem Genfersee anvertrauten. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts stieg die Zahl der Walliser an den Universitäten nördlich der Alpen beträchtlich an. Einige von ihnen taten sich damals besonders hervor, häufig ausserhalb des Wallis, zum Beispiel Thomas Platter (1499-1582) in Basel, umgeben von Schülern aus der Heimat, die später zurückkehrten. Der Buchdruck erschien im Wallis spät (Sitten 1644). Die Literatur beschränkte sich lange auf Reiseberichte und Biografien, das Theater blieb eng mit der Religion und dem Bildungswesen verbunden (Jesuitentheater in Brig).

Aufgrund eines Landratsabschieds von 1528 wurde in Sitten eine Landesschule gegründet, die bald von verschiedenen lokalen Schulen konkurrenziert wurde. Nach mehreren gescheiterten Versuchen im Mittelwallis wurden die Jesuiten 1662 nach Brig und 1734 nach Sitten berufen. In Brig kümmerten sich die Ursulinen ab 1661 um die Mädchenerziehung. Saint-Maurice legte vom 16. bis 18. Jahrhundert das Fundament für sein künftiges Kollegium und Bagnes führte ab 1766 eine grande école. Lateinschulen entstanden in Martigny, Sembrancher und Orsières unter der Ägide der Chorherren vom Grossen St. Bernhard, weitere in Brig und Ernen.

Der Kanton vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Verfassungsgeschichte und politische Geschichte von 1798 bis zur Gegenwart

Porträt des Unterwallisers Michel Dufour, Statthalter des Landeshauptmanns, von Félix Cortey, 1832 (Privatsammlung; Fotografie Jean-Marc Biner).
Porträt des Unterwallisers Michel Dufour, Statthalter des Landeshauptmanns, von Félix Cortey, 1832 (Privatsammlung; Fotografie Jean-Marc Biner). […]

Das Streben des Unterwallis nach der Unabhängigkeit von den sieben Zenden prägte die politische Geschichte des Wallis vom Ende des 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Dieses Streben zog die Einführung der repräsentativen Demokratie und der politischen Gleichberechtigung nach sich und prallte auf die Ansprüche der Oligarchie. Die herrschenden Familien hielten an ihrem theokratischen Machtverständnis und an der Ordnung des Ancien Régime fest, die auf dem Föderalismus der Zenden und auf der Autonomie der Gemeinden gründete. So standen sich im Wallis bis ins 20. Jahrhundert zwei gegensätzliche Weltanschauungen gegenüber: Die eine berief sich auf Gott und Vaterland, die andere auf Demokratie und Fortschritt.

Das Wallis von 1798 bis 1815

Ausländische Mächte bestimmten 1798-1815 die Geschicke des Wallis, das sich kurz nach der Befreiung des Unterwallis auf Druck Frankreichs am 4. April 1798 der Helvetischen Republik anschloss und dieser bis November 1801 angehörte. Es bildete vom 30. August 1802 bis 1810 eine unabhängige Republik und war vom 12. November 1810 bis Dezember 1813 als Departement Simplon Teil Frankreichs. Nach der französischen Niederlage wurde es von Österreich besetzt und unterstand von Dezember 1813 bis 1815 einer Übergangsregierung.

In der Helvetischen Republik nahm das Wallis erstmals Züge einer repräsentativen Demokratie an: Zenden und Gemeinden verloren ihre Vorrechte, die Bürger erhielten gewisse Rechte und Freiheiten. Aber die Aufstände der Oberwalliser gegen die neue Ordnung im Mai 1798 und im Mai 1799 sowie die französische Besatzung von November 1801 bis August 1802 beschleunigten den Niedergang des schlecht organisierten und finanziell ruinierten Kantons.

Dritte Seite der Urkunde über den Anschluss des Wallis an die Schweiz vom 4. August 1815 (Schweizerisches Bundesarchiv, Bern, D0#1000/3#6*).
Dritte Seite der Urkunde über den Anschluss des Wallis an die Schweiz vom 4. August 1815 (Schweizerisches Bundesarchiv, Bern, D0#1000/3#6*). […]

Die unabhängige Republik ab 1802 erschien vordergründig als Kompromiss zwischen den revolutionären Neuerungen und der alten Ordnung: Die Volkssouveränität war zwar garantiert, aber die Ämterkumulation unterlief die Gewaltenteilung und das Wahlsystem verstärkte die undemokratischen Züge der Republik. Ein im Proporz von den Zenden gewählter Landrat und ein ständiger Staatsrat regierten das Land. Das Machtmonopol der Burgerschaften war wiederhergestellt und die Grundsätze von Freiheit und Gleichheit rückten in den Hintergrund. Obwohl Frieden einkehrte, funktionierte die Regierung schlecht. Nach der kurzen Zeit als Departement Frankreichs wollten die sieben alten Zenden und der Bischof zu ihren ursprünglichenVorrechten und zum Föderalismus der Zenden zurückkehren. In einem Klima der Anarchie sowie sozialer und wirtschaftlicher Krisen drängten die Alliierten das Wallis im Mai 1814, der Eidgenossenschaft beizutreten, und teilten es zugunsten der inneren Stabilität in 13 gleichberechtigte Zenden ein. Mit der Vereinigungsurkunde vom 4. August 1815 wurde das Wallis zum 20. Kanton der Eidgenossenschaft.

Die schwierige Integration in die Eidgenossenschaft

Die Verfassung vom 12. Mai 1815 stellte wieder eine betont föderale Staatsordnung her, in Form einer repräsentativen Demokratie mit souveränen Gemeinden und Zenden. Die 13 Zenden und der Bischof schickten je vier Abgeordnete in den Landrat, was die sechs bevölkerungsreichen Unterwalliser Zenden benachteiligte. Die ohnehin eingeschränkte Gewaltenteilung blieb blosse Theorie. Zwischen 1830 und 1847 verschärften sich die inneren Spannungen zunächst mit der aufstrebenden liberalen Bewegung, dann vereint mit deren radikalem Flügel, als Gegenpol zum katholisch-konservativen Lager. Die liberalen Verfassungen vom 30. Januar 1839 und vom 3. August 1839 festigten die repräsentative Demokratie und führten die Proporzwahl im Verhältnis zur Bevölkerungsgrösse der Zenden ein, spalteten das Wallis aber in zwei Teile. 1840 intervenierte die eidgenössische Tagsatzung, um das Oberwallis mit seiner dissidenten Regierung in Siders und das Unterwallis mit der rechtmässigen Regierung in Sitten wiederzuvereinen. Die neue Verfassung garantierte die Niederlassungsfreiheit, die Eigentumsfreiheit und das Petitionsrecht. Neue Gesetze unterstanden dem obligatorischen Veto, bei dem Enthaltungen als Jastimmen zählten und ein Gesetz nur von der Mehrheit aller Stimmberechtigten abgelehnt werden konnte.

Die liberale Regierung scheiterte bei der Umsetzung ihrer Reformen. Nach ihrem Zusammenbruch und der Niederlage der Jungen Schweiz bei der Schlacht am Trient im Mai 1844 kehrten die Konservativen an die Macht zurück. Ihre Verfassung vom 14. September 1844 war zwar demokratisch, gleichzeitig aber reaktionär und kirchenfreundlich. Nach der Niederlage des Sonderbunds, dem das Wallis 1845 beigetreten war, und der Besetzung durch eidgenössische Truppen übernahmen die Radikalen im Dezember 1847 die Macht. Damit hatte sich die repräsentative Demokratie im liberalen Geist im Wallis durchgesetzt: Die Verfassung vom 10. Januar 1848 stärkte den Zentralstaat und die Kantonsregierung und schaffte das Veto ab, liberale Freiheitsrechte und das Bildungswesen sollten zum Gemeinwohl beitragen. Der Klerus verlor seine politischen Rechte, erhielt sie aber mit der Verfassungsrevision vom 23. Dezember 1852 wieder zurück. Bei den Wahlen 1857 erlitten die Radikalen eine Niederlage – zu gross war der Widerstand der Gemeinden und zu stark lastete die Korruption (Wahlfälschung, Klientelismus) auf ihnen. Die Konservativen stärkten in der Folge die politischen Institutionen, lehnten die radikalen Ideen aber ab und taten sich schwer mit der Integration in den Bund.

Der Beitritt des Wallis zur Eidgenossenschaft. Wandgemälde im Walliser Grossratssaal in Sitten von Ernest Biéler, 1943-1944 (Fotografie Michel Martinez).
Der Beitritt des Wallis zur Eidgenossenschaft. Wandgemälde im Walliser Grossratssaal in Sitten von Ernest Biéler, 1943-1944 (Fotografie Michel Martinez). […]

Die revidierte Verfassung vom 26. November 1875 war nichts weiter als eine Anpassung an die neue Bundesverfassung. Wichtige Reformen brachte erst die Verfassung vom 8. März 1907. Sie markiert mit der Einführung des obligatorischen Gesetzesreferendums sowie der Gesetzes- und der Verfassungsinitiative den Übergang zur halbdirekten Demokratie. Zudem schaffte sie die Grundlagen für staatliche Eingriffe in den sensiblen Bereichen Arbeiterschutz und Wirtschaftshilfe. 1920 wurde die Proporzwahl des Grossen Rats und die Direktwahl des Staatsrats im Majorzverfahren verfassungsmässig verankert. Damit wandelte sich der Kanton von einer "regierten" zu einer "regierenden" Demokratie (démocratie gouvernante statt démocratie gouvernée gemäss dem Politologen Georges Burdeau). Die Modernisierung des Wallis und seine nationale Integration gingen Hand in Hand mit dem Ausbau der Bundeskompetenzen. In der Zwischenkriegszeit betraf dies vor allem das Sozialwesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erliess der Bund in vielen Bereichen Vorschriften, die Kantone und Bürger immer stärker einbanden. In den 496 eidgenössischen Abstimmungen von 1910 bis März 2012 stimmte der Kanton Wallis in 21,2% der Fälle anders als die Mehrheit: Er hiess 14,2% der abgelehnten Vorlagen gut und wies 26,7% der angenommenen Vorlagen zurück. So lehnte das Wallis 2012 die Zweitwohnungsinitiative mit dem schweizweit grössten Neinstimmenanteil ab (73,8% gegenüber dem nationalen Durchschnitt von 49,4%) und verwarf 2013 das Raumplanungsgesetz, das nur 37,1% der Schweizer ablehnten, mit 80,4% Neinstimmenanteil und als einziger Kanton überhaupt. Umgekehrt befürwortete es 1985 die Volksinitiative "Recht auf Leben", die nur 31% der Schweizer annahmen, mit 70,1%, dem grössten Jastimmenanteil.

Die politischen Parteien

In der Revolutionszeit kamen im Wallis neue politische Forderungen auf, wie jene nach der repräsentativen Demokratie mit Proporzwahl und der Ausweitung der Volksrechte. Neue politische Konzepte wie jenes des öffentlichen Interesses und des Fortschritts verbreiteten sich und es entwickelte sich ein Nationalbewusstsein. Beflügelt von der geplanten Revision des Bundesvertrags, die Hoffnungen auf eine politische Erneuerung nährte, entstanden in den 1830er Jahren politische Strömungen mit verschiedenen Programmen. Die Liberalen wollten zum Nutzen des Gemeinwohls die Freiheitsrechte ausbauen, vor allem die Handels- und Gewerbefreiheit. Ihr linker radikaler Flügel forderte eine direktere Demokratie, teilte aber die liberalen Ziele des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts. Die konservativen Machthaber lehnten diese Ideen zunächst ab und entwickelten schliesslich ihre eigene pragmatische Vision von einer repräsentativen Demokratie mit Referendumsrecht. Die Katholisch-Konservativen wiederum kämpften gegen diese Neuerungen und den Antiklerikalismus. Ab 1893 stellten die Radikalen dank zwei Vereinbarungen einen Staatsrat und einen Unterwalliser Nationalrat. In diesem Spannungsfeld zwischen katholisch-konservativen und progressiven Kräften gingen aus dem reformfreudigen, national gesinnten und den Radikalen nahestehenden Grütliverein die ersten Arbeitervertreter im Wallis hervor, mit einer ersten Sektion in Sitten ab 1859.

Mit der schrittweisen Einführung der direkten Demokratie ab 1907 fächerte sich die politische Landschaft auch innerhalb bestehender Gruppierungen auf, die konservative Partei (seit 1970 Christlichdemokratische Volkspartei CVP) blieb aber dominant. Nach 1927 näherte sich diese der erstarkenden christlichsozialen Bewegung an und öffnete sich damit der Arbeiterschaft, vor allem durch die Gründung der Christlichsozialen Volkspartei Oberwallis (CSPO) 1949 und des Mouvement social indépendant im Mittelwallis. Die freisinnige und die sozialdemokratische Opposition erstarkte auf Kosten der CVP und gewann 1985-1997 im Grossen Rat Sitze. Das freisinnige Lager, die zweitgrösste Kraft im Grossen Rat, stützte sich vor allem auf die frankofone Wählerschaft. Obwohl die FDP Ende der 1970er Jahre im Oberwallis Fuss fasste, stagnierte die Sitzzahl ihrer Grossratsfraktion. Zu ihren Zielen gehörte eine personelle Erneuerung der Kantonsverwaltung. Die im Dezember 1919 gegründete sozialdemokratische Kantonalpartei zog 1921 in den Grossen Rat ein und gewann ab Ende der 1980er Jahre an Bedeutung. Sie steigerte sich von neun Grossratssitzen 1953 auf 21 1997 und stellte 1997 erstmals einen Staatsrat. Die Pluralisierung der politischen Landschaft äusserte sich in der Gründung neuer Kantonalparteien wie 1987 der Grünen Partei Wallis, 1988 der Liberalen Partei, 1997 des Parti chrétien-social du Valais romand (PCS) und 1999 der Schweizerischen Volkspartei (SVP). 2008 fusionierten die Liberale Partei und die FDP zum Parti libéral-radical valaisan (PLRVS).

Die wachsende Vielfalt spiegelt sich in der Sitzverteilung im Grossen Rat: 1921 stellten die Konservativen 66,9% und die Radikalen 27,5% der Grossräte, während die Sozialdemokraten nur ein Mandat innehatten. 2013 gehörten 46,9% der Abgeordneten zu den Konservativen (PDCVr, CVPO, CSPO), die damit erstmals seit 1857 nicht mehr über die absolute Mehrheit verfügten, 21,5% zur liberal-radikalen Gruppe, 14,6% zur Linksallianz (PSVR, SPO, PCS, Grüne) und 16,2% zur SVP. Im selben Jahr zog die SVP neu in den Staatsrat und drängte die FDP aus der Regierung. Die Frauen bleiben mit 16% 1997 und 24% 2009 schwach vertreten. Gabrielle Nanchen (SP) war 1971 eine der ersten zehn Frauen im Nationalrat. Als erste Frau wurde Esther Waeber-Kalbermatten (SP) 2009 Staatsrätin. Drei Bundesräte stammten aus dem Wallis: 1950-1954 Josef Escher (Konservative Volkspartei), 1962-1973 Roger Bonvin (Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei), 1998-2009 Pascal Couchepin (FDP). Im Ständerat behauptet die CVP ihre Vorherrschaft, im Nationalrat verlor sie seit der Einführung der Proporzwahl 1919 nach und nach an Gewicht und stellte 2015 nur noch vier von acht Abgeordneten.

Sitze des Kantons Wallis in der Bundesversammlung 1919-2015

 191919391959196719711979198319871991199519992003200720112015
Ständerat
CVP222222222222222
Nationalrat
CVP545554444443434
FDP111112222211111
SP 11111111122121
SVP           1112
Total Sitze667777777777778
Sitze des Kantons Wallis in der Bundesversammlung 1919-2015 -  Historische Statistik der Schweiz; Bundesamt für Statistik

Zusammensetzung des Regierungsrats im Kanton Wallis 1921-2017

 192119251933193719531965197719891993199720012005200920132017
CVP445444444333333
FDP11 1111111111 1
SP         111111
SVP             1 
Total Sitze555555555555555
Zusammensetzung des Regierungsrats im Kanton Wallis 1921-2017 -  Historische Statistik der Schweiz; Bundesamt für Statistik; Staatskanzlei

Zusammensetzung des Grossrats im Kanton Wallis 1921-2017

 192119251933193719531965197719891993199720012005200920132017
CVP736176738185847975717573686155
FDP302928312625253234343227282826
SP1135913141416211818171413
SVP          26122123
Grüne           2228
Andere5181210147755434345
Total Sitze109109119119130130130130130130130130130130130
Zusammensetzung des Grossrats im Kanton Wallis 1921-2017 -  Historische Statistik der Schweiz; Bundesamt für Statistik; Staatskanzlei

Staatsführung und Kantonsverwaltung von 1798 bis zur Gegenwart

Die staatlichen Institutionen entwickelten sich langsam, da der Kanton nur über geringe finanzielle Mittel verfügte. Der auf das Ancien Régime zurückgehende Föderalismus bewahrte die politischen, administrativen und finanziellen Befugnisse der Gemeinden und Bezirke. Seit 1815 steht ein fünfköpfiger Staatsrat mit einem Kanzler der Verwaltung vor, deren Wachstum mit den ihr von der eidgenössischen und kantonalen Gesetzgebung zugewiesenen Aufgaben und mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammenhängt.

Die Departemente

Die kantonale Verwaltung formierte sich schrittweise und wurde 1892-1977 kaum umgestaltet. Der Staatsrat stand bis 1977 sechs, dann zehn und nach Budgetkürzungen seit 1985 noch fünf Departementen vor. Nach 1985 änderten sich Bezeichnung, Zusammensetzung und Aufgaben der Departemente mit jeder Legislatur.

Das 1802 gegründete Finanzdepartement mühte sich, mit indirekten Steuern, Weggeldern, Gewerbesteuern, Gebühren und Einkünften aus Salz- und Bodenverkäufen genügend Mittel für den Staat einzutreiben. Mit der Gründung des Bundesstaats verlor das Wallis 1848 sein Zollrecht und sah sich gleichzeitig mit Reparationszahlungen in der Höhe von ca. 1 Mio. Fr. für den Sonderbundskrieg konfrontiert. Da sich die Gemeinden gegen eine kantonale Steuer wehrten, besteuerte der Kanton Handel und Gewerbe. 1870 nahm er 338'277 Fr. an Steuern ein. Im selben Jahr verursachte der Bankrott der Kantonalbank, der zum Rücktritt der Regierung führte, Staatsschulden von 5 Mio. Fr. Die Einnahmen des Kantons stiegen erst ab 1945.

Aufgrund der Grösse und der Topografie des Kantons mit seinen zahlreichen Streusiedlungen spielt das Brücken- und Strassendepartement (1892 Departement der öffentlichen Arbeiten, seit 1997 Departement für Verkehr, Bau und Umwelt) eine wichtige Rolle und verfügt über einen grossen Etat und Personalbestand. 1860-1909 verwendete der Kanton mehr als einen Viertel der öffentlichen Ausgaben für den Strassen- und den Eisenbahnbau sowie die Korrektion der Rhone und ihrer Zuflüsse, was die Entwicklung von Handel, Tourismus und Landwirtschaft sowie den Ausbau der militärischen Anlagen überhaupt erst ermöglichte. Ab 1950 wuchs die Bedeutung des Departements weiter an: Allein das Strassennetz umfasst inzwischen gut 2000 km Kantonsstrassen, die ab 1981 gebaute Autobahn und die Strassen zur touristischen Erschliessung der Alpenpässe. Auch die umfangreichen Arbeiten zum Schutz vor Naturgefahren und die 2000 begonnene dritte Rhonekorrektion fallen in den Aufgabenbereich des Departements.

Das 1802 geschaffene Departement des Innern übernahm alle Aufgaben, die keinem anderen Departement zugeordnet werden konnten. Eine wichtige Rolle spielte es ab 1904 im Zug der Meliorationen, welche die landwirtschaftlichen Strukturen des Kantons veränderten. Es umfasste 1977 nur noch eine Dienststelle und wurde 1997 aufgelöst.

Das Militärdepartement war ab 1839 für die kantonalen Truppen und die Zeughäuser verantwortlich. Die Ausrüstung des Walliser Kontingents für die eidgenössischen Truppen belastete die Finanzen des Kantons: 1850 beanspruchte sie 27% des kantonalen Budgets, viermal so viel wie das Bildungswesen. Die Weltkriege stärkten die Rolle des Bundes in diesem Bereich. Ab 1986 war das kantonale Militärwesen nur noch eine Dienststelle des 1841 gegründeten Justiz- und Polizeidepartements. Dieses beaufsichtigte vor allem die Rechtsanwälte und Notare und war für die Polizei, Gerichte und Gefängnisse zuständig. Es erarbeitete das kantonale Zivilgesetzbuch von 1856 und das kantonale Strafgesetzbuch von 1858.

Das Justiz- und Polizeidepartement wurde 2013 mit dem Erziehungsdepartement zum Departement für Bildung und Sicherheit vereint. Zweiteres ging auf das kantonale Schulgesetz von 1849 zurück (damals Departement des öffentlichen Unterrichts). Seine Befugnisse und seine Mittel blieben beschränkt, da die Primarschulen in den Kompetenzbereich der Gemeinden fielen. Ab 1962 oblagen die Kosten für die Bauten und das Personal der obligatorischen Schule dem Kanton. 1950-2000 wuchs der Bildungsetat von 6 auf 560 Mio. Fr. zum grössten Budgetposten an.

In Bereichen, in denen der Kanton erst spät aktiv wurde, schuf er neue Departemente: 1977 das Departement der Sozialdienste, das Departement für Umweltschutz, das Volkswirtschafts- und das Gesundheitsdepartement sowie 1985 das Energiedepartement. 2013 befinden sich diese Bereiche im Departement für Volkswirtschaft, Energie und Raumentwicklung sowie im Departement für Gesundheit, Soziales und Kultur. Das Gesundheitswesen steht beispielhaft für die Ausweitung der kantonalen Kompetenzen: Bis weit ins 20. Jahrhundert kamen für die Kosten der Spitäler diejenigen Gemeinde- und Bezirksverbände auf, die sie auch errichtet hatten. Die Schaffung des Gesundheitsdepartements und die stetig wachsenden kantonalen Investitionen spiegelten den Willen des Kantons zur Zentralisierung der Spitalplanung und -verwaltung, was 2002 zur Schaffung des Gesundheitsnetzes Wallis führte.

Umfang und Grenzen der staatlichen Tätigkeit

Im 19. Jahrhundert besass der Kanton keine Mittel für die Wirtschaftsförderung. Vielmehr litten Handwerk, Gewerbe und Handel unter der Steuerlast. Anfang des 20. Jahrhunderts investierte der Staatsrat auf Betreiben von Maurice Troillet in die Modernisierung der Landwirtschaft, trotz der Erfolge der Metall- und der chemischen Industrie. Ab 1950 verbesserte sich die wirtschaftliche Lage des Kantons dank den Steuereinnahmen und den Wasserzinsen, was ihm überhaupt erst eine eigentliche Entwicklungspolitik ermöglichte. Zu dieser gehörte die Ansiedlung neuer Industriebetriebe, die Schaffung von Berufs- und höheren Fachschulen, ein breiterer Zugang zur Bildung sowie die Finanzierung der Spitäler und der Sozialwerke. Die Behörden liessen sich aber weiter vom Grundsatz leiten, dem Kanton nur solche Aufgaben zu übertragen, die keine untergeordnete Instanz erfüllen konnte, und vermieden den Ausbau des Sozialstaats.

Das Wallis versuchte im 19. Jahrhundert den Einfluss des Bundes kleinzuhalten, etwa beim Zivil- und Strafrecht oder in Sachen Zoll, Militär, Zivilstand, Bildung, Eisenbahnkonzessionen und Wasserkraft. Nach 1945 erhielt die Bundesgesetzgebung für den Kanton und die Gemeinden vermehrt verpflichtenden Charakter, unter anderem in den Bereichen Abwasserreinigung, Raumplanung, Umweltschutz und Immobilienverkauf an Ausländer.

Die Befugnisse des Staatsrats waren im 19. Jahrhundert durch jene der Zenden bzw. Bezirke (seit 1848) eingeschränkt. Diese bildeten nicht nur Wahlkreise, sondern teilten den Gemeinden auch die finanziellen und politischen Aufgaben zu. Im 20. Jahrhundert erleichterten sie die regionale Zusammenarbeit der Gemeinden bei Infrastrukturbauten wie Kläranlagen, Alters- und Pflegeheimen, Spitälern und Orientierungsschulen. Die Regionalpolitik des Bundes bestätigte 1974 den Fortbestand dieser Einheiten. So formten die 13 Bezirke im Wallis acht bzw. seit 2011 drei Regionen mit sozioökonomischen Aufgaben. Diese föderalistische Struktur vermögen kantonale Projekte kaum zu überwinden.

Staatsangestellte

Ab 1815 nahm der Kanton bei der Besetzung von Ämtern und bei der Rekrutierung von Beamten auf eine angemessene Vertretung der in der Verfassung verankerten Sprachregionen Rücksicht. Im Vergleich mit anderen Kantonen war die Verwaltung immer schwach dotiert, selbst nachdem sich die Zahl der Stellen zwischen 1965 und 1985 verdoppelt hatte. Ihre Grösse stabilisierte sich um 1990. Sie umfasste 2000 ca. 5600 Vollzeitstellen, verteilt auf 8537 Personen, und machte 39% der Kantonsausgaben aus.

Einen Verwaltungssitz erhielt das Wallis erst 1848 mit dem säkularisierten Ursulinenkloster in Sitten als Regierungs- und Verwaltungsgebäude. Abgesehen von einigen Amtsstellen im Ober- und im Unterwallis befindet sich die Kantonsverwaltung in Sitten. Ihr Personal stammt grösstenteils aus dem Mittelwallis. 1943 entstand der Verband der Magistraten, Beamten und Angestellten des Staats Wallis. Mit der automatischen Aufnahme in den Verband und durch den direkten Abzug des Mitgliederbeitrags vom Lohn stieg seine Mitgliederzahl ab 1962 von 1475 auf 3000 1973 und ca. 8000 Mitglieder 2010 an. 2011 hob der Kanton den Beamtenstatus auf; seither schliesst er öffentlich-rechtliche Arbeitsverträge ab. Der Verband benannte sich in Zentralverband der Magistraten, der Lehrerschaft und des Personals des Staats Wallis um.

Verhältnis zwischen Kanton und Gemeinden

Die mit öffentlichen Aufgaben betrauten Gemeinden wehrten sich im 19. Jahrhundert gegen kantonale Steuern und Projekte. So erfolgte die erste Rhonekorrektion 1863-1894 nur, weil der Bund eingriff und die Arbeiten überwachte. Die Ufergemeinden, welche die Arbeiten auszuführen hatten, mussten zur Deckung ihres Anteils im Umfang von ca. 60% der Gesamtkosten Güter veräussern und sich stark verschulden. Erst 1933 fiel die Rhone in den Aufgabenbereich des Kantons.

Im 20. Jahrhundert zwangen die Meliorationen, die der Bund zu ca. 60% finanzierte, Kanton und Gemeinden zu einer engen Zusammenarbeit. Bei der Wasserkraft hingegen standen sich die Interessen der Gemeinden, denen die Wasserrechte gehörten, und des Kantons mit seinen Plänen zur gesamthaften Entwicklung des Wallis diametral entgegen. Der für das Wallis typische Heimfall stellt seit 1990 mit Blick auf die Verteilung der Ressourcen und die Gestaltung der Zukunft eine Herausforderung für das Wallis und die Beziehungen zwischen Kanton und Gemeinden dar. Im Rahmen dieses Heimfalls gehen nach dem Ablauf einer Konzession die hydraulischen Anlagen eines Wasserkraftwerks, die sogenannt "nassen" Teile, unentgeltlich an das Gemeinwesen, dem das Wasserrecht gehört (oft die Gemeinden), während es die elektromechanischen Komponenten, die sogenannt "trockenen" Teile, günstig erwerben kann.

Die Zahl der Gemeinden wuchs im 19. Jahrhundert aufgrund der politischen Auseinandersetzungen, während sie im 20. und frühen 21. Jahrhundert aus finanziellen und organisatorischen Gründen wieder zurückging. So zählte das Wallis 1816 143 Gemeinden, 1912 171 und 2011 wieder nur noch 141. 2000-2011 unterstützte der Kanton Gemeindefusionen finanziell, sodass vor allem im Oberwallis die Zahl der Gemeinden sank. Der 1997 gegründete Verband Walliser Gemeinden setzt sich für deren Interessen und Autonomie ein.

Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert

Trotz der tiefgreifenden Veränderungen, denen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur unterworfen waren, vermittelt das Wallis nach wie vor das Bild eines überaus heterogenen, von föderalistischen Überzeugungen und lokalen Eigenheiten geprägten Kantons.

Bevölkerung und Siedlung

Bevölkerungsentwicklung

Die Kantonsbevölkerung wurde 1798 auf 60'344 Personen geschätzt, erreichte in der ersten eidgenössischen Volkszählung 1850 81'559 und wuchs bis 2010 auf 312'684 an. Die Bevölkerung verdoppelte sich ein erstes Mal zwischen 1850 und 1950, ein weiteres Mal zwischen 1950 und 2010. Die nicht-touristischen, ländlichen Gebiete stagnierten oder entvölkerten sich, andere Gemeinden profitieren seit den 1970er Jahren vom raschen Ausgreifen der Städte in den ländlichen Raum. 2010 lebten 56,8% der Einwohner in den Städten (73,7% im schweizerischen Durchschnitt). Die Bevölkerungsdichte nahm zu, blieb aber gering: Sie stieg von 15,6 Einwohnern pro km2 1850 auf 59,8 2010, womit das Wallis unter den Kantonen den 23. Rang einnimmt (2010 196,8 im schweizerischen Durchschnitt).

Bis in die 1960er Jahre und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg wies das Wallis eine im Vergleich zum schweizerischen Mittel stark erhöhte eheliche Geburtenrate auf; sie ging später zurück und glich sich nach 1985 dem nationalen Durchschnitt an. 1945 kamen im Schnitt pro Frau 3,2 legitime Kinder zur Welt, 2010 1,74. Die mittlere jährliche Sterblichkeit ging von 21,2‰ 1870-1880 auf 7,8‰ 1990-2000 zurück. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Lebenserwartung an: 1920 waren 42,2% der Bevölkerung unter 20 und 6,3% über 65 Jahre alt, 2010 waren es 21,1 bzw. 17,1%. Der Geburtenüberschuss wurde allerdings weitgehend durch die negative Wanderungsbilanz wettgemacht, die 1900-1980 pro Jahrzehnt -2,4‰ betrug. Danach kehrte sich der Trend um: 1980-2010 resultierte ein Wanderungsüberschuss von 8,3‰ pro Jahrzehnt.

Bevölkerungsentwicklung des Kantons Wallis 1850-2000

JahrEinwohnerAusldänder-anteilAnteil KatholikenAnteil ProtestantenAlters-struktur (Anteil >59)ZeitraumGesamt-zunahmeaGeburten-überschussaWanderungs-saldoa
185081 5592,1%99,4%0,6% 1850-186010,1‰-0,6‰10,7 ‰
186090 7923,2%99,2%0,8%7,2%1860-18706,4‰17,0‰-10,6‰
187096 7223,7%99,2%0,9%7,8%1870-18803,4‰8,9‰-5,5‰
1880100 1903,1%99,1%0,9%9,5%1880-18882,2‰9,2‰-7,0‰
1888101 9852,9%99,1%0,8%9,7%1888-19009,6‰9,0‰0,6‰
1900114 4387,2%98,4%1,4%9,8%1900-191011,6‰10,9‰0,7‰
1910128 38111,2%97,0%2,3%9,5%1910-1920-0,1‰9,2‰-9,3‰
1920128 2465,7%95,9%3,3%9,9%1920-19306,2‰11,4‰-5,2‰
1930136 3944,8%95,7%3,4%10,8%1930-19417,6‰9,1‰-1,5‰
1941148 3192,8%96,0%3,6%11,2%1941-19507,9‰13,3‰-5,4‰
1950159 1783,1%95,9%3,7%11,6%1950-196011,1‰11,7‰-0,6‰
1960177 7835,7%95,8%3,9%12,1%1960-197015,1‰12,2‰2,9‰
1970206 56310,3%94,9%4,4%13,0%1970-19805,7‰7,2‰-1,5‰
1980218 7079,1%92,8%5,0%15,2%1980-199013,3‰5,8‰7,5‰
1990249 81715,2%88,5%5,9%17,2%1990-20008,9‰4,7‰4,2‰
2000272 39917,3%81,2%6,3%19,8%    

a mittlere jährliche Zuwachsrate

Bevölkerungsentwicklung des Kantons Wallis 1850-2000 -  Historische Statistik der Schweiz; eidgenössische Volkszählungen; Bundesamt für Statistik

Migration

Plakat einer Basler Auswanderungsagentur, um 1875 (Staatsarchiv Wallis, Sitten).
Plakat einer Basler Auswanderungsagentur, um 1875 (Staatsarchiv Wallis, Sitten). […]

Die Auswanderung war im Wallis wie in der ganzen Schweiz eines der wichtigsten und dauerhaftesten Symptome dafür, dass die sozioökonomische Entwicklung mit dem Bevölkerungswandel nicht Schritt halten konnte. Ab der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts suchten die von wirtschaftlicher Not bedrängten Walliser nach neuen Existenzmöglichkeiten in Übersee. Zwar bestand der Kriegsdienst vor allem noch für Sardinien und den Papst, er war aber zunehmend verpönt. 1819 nahmen 160 Walliser an der Gründung von Nova Friburgo in Brasilien teil. Die Auswanderung wuchs immer stärker an und 1850-1914 übersiedelten rund 14'000 Walliser nach Nord- und Südamerika, im Schnitt jährlich 215 Personen. Häufigstes Auswanderungsziel waren die USA, weit vor Argentinien und Brasilien. Die mittlere jährliche Auswanderungsquote des Wallis übertraf 1850-1880 den landesweiten Durchschnitt und glich sich 1880-1919 dem schweizerischen Wert an, der rund 1,65‰ betrug. Daneben gab es die oft temporäre Auswanderung in andere europäische Länder, etwa jene der Saisonniers nach Frankreich (Paris oder Côte d'Azur). Im 20. Jahrhundert versiegte die Emigration nach Übersee: Nach dem Ersten Weltkrieg wandten sich die Walliser vor allem den neuen Schweizer Wachstumszentren wie Lausanne und insbesondere Genf zu. Während 1860 nur 1% der Walliser in einem anderen Kanton lebte, betrug der Anteil 1920 9,7%, 1950 18,1% und 1970 28%. In den 1970er Jahren sank dieser Anteil erstmals und lag gemäss Volkszählung 1980 bei 22,6% oder 51'411 Personen.

Parallel zur Auswanderung erlebte das Wallis zeitweise eine starke Zuwanderung von Ausländern. Eine ausgeprägt negative Wanderungsbilanz verzeichnete es in den Krisenjahren 1880-1888, in der Phase des Übergangs und der industriellen Stagnation 1914-1941 sowie in der Rezession der 1970er Jahre. Ausgeglichen bzw. positiv war die Wanderungsbilanz zur Zeit des ersten grossen wirtschaftlichen Aufschwungs und der industriellen Revolution 1888-1914, in der zweiten Phase der wirtschaftlichen Erholung 1950-1970 sowie in der Boomphase zwischen 1980 und 1990 bzw. vor der Wirtschaftskrise. Die Zuwanderung von Ausländern deckte die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. 1910 betrug der Ausländeranteil an der Bevölkerung 11,2%, eine Höchstmarke, die erst 1990 überschritten wurde. Zudem leisteten die Saisonniers einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft, vor allem im Bausektor und in der Hotellerie. Bis in die 1960er Jahre bildeten die Italiener mit 85,4% der Ausländer die grösste Gruppe, später verteilte sich die ausländische Bevölkerung auf zahlreiche andere Herkunftsländer. 2000 stammten 31,1% der Einwanderer aus Nachbarländern, 58,2% aus anderen europäischen Ländern und 10,7% aus aussereuropäischen Ländern. Die erwerbstätigen Ausländer kamen zu 28,9% aus Portugal, zu 20% aus Italien, jeweils zu 19,9% aus Ex-Jugoslawien und aus Deutschland, zu 5,2% aus Spanien und zu 6,1% aus anderen Ländern. Das Wallis zog auch eine zwar wachsende, aber bescheidene Zahl anderer Schweizer an (1920 7590 Personen; 1980 22'065). Der hohe Ausländeranteil ist zum Teil auf eine restriktive Integrationspolitik zurückzuführen, die aber in den französischsprachigen Städten und Gemeinden der Rhoneebene weniger strikt gehandhabt wird. 1945-1990 erhielten 3595 Ausländer und Schweizer das Bürgerrecht einer Walliser Gemeinde, aber erst ab 1974 waren es jährlich durchschnittlich mehr als 100 Personen. Die Einbürgerungsquote blieb eine der niedrigsten der Schweiz, vor allem weil im Wallis bis 2007 nicht die politischen, sondern die Bürgergemeinden das Bürgerrecht erteilten.

Migration und berufliche Mobilität veränderten das soziale Gefüge des Kantons. Das Wallis zeigte zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr die homogene Gesellschaft, in der 1839 fast 83% und 1930 noch 64,9% der Bürger in ihrer Heimatgemeinde wohnten. Auch die Religionslandschaft veränderte sich: 1970 waren noch 99,4% der Bevölkerung Christen, 2000 waren 81,2% Katholiken, 6,3% Protestanten, 2,7% Muslime und 10,4% Angehörige anderer Religionen.

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert bestand die Walliser Wirtschaft aus einer Mischung von Landwirtschaft, Viehzucht, Handel, ländlichem Handwerk und Gewerbe (Tuch, Papier, Glaswaren). Die Gemeinden schotteten mit ihrer Kontrolle der wirtschaftlichen Tätigkeiten den Markt ab und schränkten die Handels- und Gewerbefreiheit sowie den Warenverkehr ein. Die Wirtschaft entwickelte sich punktuell, vor allem im Tourismus und in der Industrie. Die erwerbstätige Bevölkerung, die bis 1950 vorwiegend im 1. Sektor arbeitete, verlagerte sich in den 2. und später in den 3. Sektor. 2000 entsprach die Sektorverteilung mit 4% im 1., 22% im 2. und 74% im 3. Sektor in etwa dem Schweizer Durchschnitt. Das Wallis wies weiterhin eines der niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen und eine der höchsten Arbeitslosenquoten des Landes auf.

Stärken

Die kantonale Wirtschaft ist eng mit der Wasserwirtschaft verknüpft. Die erste Wachstumsphase setzte um 1900 ein, als sich grosse Fabriken an Wasserläufen niederliessen und Elektrizitätswerke bauten, weil Strom noch vor Ort verwendet werden musste. 1950 begann eine zweite Phase, in der alpine Speicherkraftwerke gebaut wurden, um das Niedrigwasser im Winter zu kompensieren (Grande Dixence). Die Investitionen betrugen 5 Mrd. Fr. und veränderten die Wirtschaft nachhaltig. Die Wintersportorte mit ihren Skiliften profitierten von dieser Energie und von den Strassen, die die Betreiber von Wasserkraftwerken zur Erschliessung der Seitentäler bauten. Als bedeutendster Wasserkraftproduzent der Schweiz erzeugte das Wallis 2010 mit 101 Wasserkraftanlagen mehr als einen Drittel der entsprechenden Stromproduktion der Schweiz.

Der Walliser Bundesrat Roger Bonvin, Vorsteher des Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartements, stellt 1970 das Projekt des Furka-Basistunnels vor © KEYSTONE.
Der Walliser Bundesrat Roger Bonvin, Vorsteher des Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartements, stellt 1970 das Projekt des Furka-Basistunnels vor © KEYSTONE. […]

Die Lage des Wallis an der Achse Mailand-Lyon/Paris begünstigte den Handel und bot strategische Vorteile (1805 napoleonische Militärstrasse über den Simplon), erforderte aber auch kontinuierliche Investitionen. Der Verkehr nahm nach dem Bau der Eisenbahn bis Sitten 1860 und bis Brig 1878 weiter zu. Die Eisenbahntunnels durch den Simplon (1906), den Lötschberg (1913, Basistunnel 2007) und die Furka (1982) verbanden das Wallis ganzjährig mit den nationalen und internationalen Achsen. Hinzu kommen wichtige Strassen wie jene über den Grossen St. Bernhard, die dank dem Tunnel seit 1964 auch im Winter offen ist, und die Simplonstrasse.

Primärsektor

Die geringe landwirtschaftliche Nutzfläche (20,3% gegenüber 36,9% landesweit), das steile Gelände, die kollektiven Dienstbarkeiten und der zerstückelte Grundbesitz begrenzten die Mechanisierung und Intensivierung der Landwirtschaft. Der Kanton förderte die Entwicklung der Landwirtschaft zwischen 1900 und 1945 und der Plan Wahlen verstärkte diese Politik während des Zweiten Weltkriegs zusätzlich. Das Wallis gewann in der Anbauschlacht bis 1946 gut 10'000 ha zusätzliche Nutzfläche und verzeichnete damit von allen Kantonen relativ gesehen den grössten Ausbau derselben.

Auspflanzen von Tomatensetzlingen in der Rhoneebene, 1986. Fotografie von Fritz Muri (Ringier Bildarchiv, RC5220, Nr. 17) © Staatsarchiv Aargau / Ringier Bildarchiv.
Auspflanzen von Tomatensetzlingen in der Rhoneebene, 1986. Fotografie von Fritz Muri (Ringier Bildarchiv, RC5220, Nr. 17) © Staatsarchiv Aargau / Ringier Bildarchiv. […]

Die Meliorationen und vor allem die Güterzusammenlegungen erforderten 1950-2004 Investitionen von über 1 Mrd. Fr. Der 1. Sektor erfuhr einen grundlegenden Strukturwandel: Auf Viehzucht (Eringerkühe) und Subsistenzwirtschaft ausgerichtete Familienbetriebe wichen professionellen, mechanisierten Produktionsbetrieben und einer gewinnorientierten Landwirtschaft mit Wein- und Obstbau. Die Betriebe sind kleiner als im nationalen Durchschnitt: 2008 waren 74% der Betriebe im Wallis kleiner als 10 ha, aber nur 34% in der Schweiz.

Ab 1860 beschleunigte die Konkurrenz durch Getreideimporte die Umwandlung von Ackerland in Weiden und Rebberge. Weingüter und Kellereien förderten die Qualität des Weins und gewannen mit ihren Weinen ab 1856 Preise. Der Anteil des Wallis an der gesamten schweizerischen Rebfläche wuchs von 4% 1880 auf 40% 1980. Als Reaktion auf die Reblaus wurden alte Rebsorten ab 1920 vornehmlich durch Chasselas (Fendant), Johannisberg, Pinot Noir und Gamay ersetzt. Überschüssige Ernten zwangen regelmässig zu Anpassungen in der Produktion und in der Vermarktung. 1957 wurde das Wallis zum bedeutendsten Weinkanton der Schweiz. Seit 1990 werden seine Weine mit der Herkunftsbezeichnung Appellation d'origine contrôlée (AOC) geschützt, vor allem Petite Arvine, Humagne Rouge und Cornalin. Das AOC-Label schützt seit 2000 auch andere Walliser Produkte wie Williamsschnaps, Abricotine, Munder Safran, Roggenbrot und Raclettekäse. Die Eringerzucht gewinnt aufgrund der Anpassungsfähigkeit dieser Kühe an die alpine Umgebung und dank ihres identitätsstiftenden Charakters (Kuhkämpfe) zunehmend an Bedeutung. Die Eringerkühe machten 2005 40% des Walliser Rinderbestands aus.

Sekundärsektor

Mit 13% der Erwerbstätigen in Gewerbebetrieben und Fabriken war das Wallis 1860 der am wenigsten industrialisierte Kanton. Neu angesiedelte Grossbetriebe der chemischen Industrie (1897 Lonza in Gampel, später in Visp; 1904 Ciba in Monthey) und der Metallindustrie (1905 AIAG in Chippis, Alusuisse) schufen im Wallis im 20. Jahrhundert neue Arbeitsplätze und verliehen dem 2. Sektor Impulse (u.a. im Tiefbau, Metallbau und in mechanischen Werkstätten). 1910 stellte die Industrie wertmässig über 50% aller Walliser Exporte. Seither stützt sich der 2. Sektor auf diese Fabriken. Trotz der seit 1950 staatlich geförderten Diversifikation der Industrie gibt es ausser im Baugewerbe mehr Kleinbetriebe als Unternehmen mittlerer Grösse. Das Wallis war 2000 der zweitgrösste Standort der chemischen Industrie in der Schweiz und die Grossindustrie wirkt weiterhin als Wirtschaftsmotor. 2008 lag ihr wertmässiger Anteil an den Exporten bei 79% (47% chemische Industrie, 32% übrige Grossindustrie).

Vogelschau auf Chippis und die Aluminiumwerke. Fotografie von Emile Gos, um 1920 (Mediathek Wallis, Martigny).
Vogelschau auf Chippis und die Aluminiumwerke. Fotografie von Emile Gos, um 1920 (Mediathek Wallis, Martigny). […]

In den beiden Weltkriegen wurden die grossen Walliser Werke mit ihren strategischen Gütern und Sprengstoffen zu den wichtigsten Exportbetrieben der Schweiz. Die internationale Konkurrenz schwächte sie nach 1945. Die chemische Industrie widerstand dem Druck dank technischer Innovation, Diversifikation (Pharmazeutik, Biotechnologie) und konstanter inländischer Nachfrage, während die Krise der 1990er Jahre das Ende der Verarbeitung von Rohaluminium im Wallis bedeutete.

Der 2. Sektor erreichte 1970 seinen Höhepunkt, als er 42% der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigte. Zu diesem Aufschwung trug das Baugewerbe bei, das die Nachfrage nach Wohnungen, Infrastrukturen für den Wintertourismus und Zweitwohnungen befriedigte. Das Verkaufsverbot an Ausländer und die Rezession von 1975 setzten der Branche zu. 80% der abgebauten Stellen betrafen ausländische Arbeitskräfte. Öffentliche Bauten im Bildungs- und Gesundheitswesen und die private Nachfrage nach Einfamilienhäusern ermöglichten eine Erholung. Je nach Konjunkturverlauf arbeiteten im 20. Jahrhundert zwischen 23% und 37% der im 2. Sektor Beschäftigten im Baugewerbe.

Erwerbsstruktur des Kantons Wallis 1860-2000a

Jahr1. Sektor2. Sektor3. SektorbTotal
186025 12670,3%4 64013,0%5 96016,7%35 726
1870c35 34883,6%4 22410,0%2 6946,4%42 266
1880c36 86179,7%5 88012,7%3 5057,6%46 246
188833 40476,4%5 39012,3%4 95311,3%43 747
190034 51466,0%10 45320,0%7 29814,0%52 265
191034 51958,0%14 38424,1%10 63517,9%59 538
192034 04959,4%12 06221,0%11 20919,6%57 320
193029 44351,7%14 12124,8%13 37623,5%56 940
194129 14747,9%17 42028,6%14 29323,5%60 860
195026 40841,4%19 68130,8%17 75827,8%63 847
196018 19025,0%31 18342,8%23 46832,2%72 841
197013 67515,3%37 52842,1%37 98742,6%89 190
19809 93610,3%35 49436,8%51 08552,9%96 515
19904 0113,4%37 12131,2%77 95165,4%119 083
2000d5 1113,9%29 79222,5%97 43673,6%132 339

a bis 1960 ohne Teilzeitangestellte

b Residualgrösse einschliesslich "unbekannt"

c ortsanwesende Bevölkerung

d Die Beschäftigtenzahlen der Volkszählung 2000 sind wegen der grossen Zahl "ohne Angabe" (20 105) nur begrenzt mit den vorhergehenden Daten vergleichbar.

Erwerbsstruktur des Kantons Wallis 1860-2000 -  Historische Statistik der Schweiz; eidgenössische Volkszählungen

Tertiärsektor

Plakat für den Verkehrsverein Zermatt von Alfred Perren-Barberini, 1953 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Plakat für den Verkehrsverein Zermatt von Alfred Perren-Barberini, 1953 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

Im 19. Jahrhundert waren Kaufleute und Wirte in den Bezirkshauptorten und entlang der Verkehrsachsen tätig. Ab 1890 führten Tourismus und Alpinismus zum Aufschwung der Hotellerie in den durch die Eisenbahn erschlossenen Ferienorten wie Zermatt, Champéry, Leukerbad und Crans-Montana. Nach 1945 machte die Branche mit der Entwicklung des Wintersports und der Parahotellerie sowie mit neuen Ferienorten abseits der Agglomerationen (z.B. Verbier) einen bedeutenden Strukturwandel durch. Die Parahotellerie umfasst Appartements und Chalets, die gekauft oder gemietet werden können, und zählte 1980 10 Mio. Übernachtungen, was 70% aller Übernachtungen ausmachte. Die private Motorisierung ermöglichte den Zugang zu einer Vielzahl von Wintersportorten. 25% aller Schweizer Skilifte befanden sich 1980 im Wallis. Die touristische Saisonarbeit wurde vorwiegend von Ausländern verrichtet.

Der Kanton unterstützte 1856 die Gründung der ersten Kantonalbank. Stark belastet durch die Vergabe von Anleihen an den Staat (Eisenbahnbau) und die Gemeinden (Rhonekorrektion), ging sie 1870 in der europäischen Krise Konkurs. Die Hypotheken- und Ersparniskasse wurde 1895 mit Staatsgarantie gegründet und 1917 in die neue Kantonalbank umgewandelt. Im 20. Jahrhundert prägte das dezentrale Kreditgeschäft in den Gemeinden (Filialen der Kantonalbank, Raiffeisenkassen) das Bankenwesen, was an früher übliche lokale Kreditvergaben durch Pfarreien, Bruderschaften oder Notabeln erinnert. Um 1950 erlebte die Branche einen erheblichen Konzentrationsprozess, in dem lokale Privatbanken verschwanden. Sie wurden von den Schweizer Grossbanken übernommen, die in die Wasserkraftwerke investierten.

Nach der Rezession 1975 überflügelte der 3. den 2. Sektor. 1980 arbeiteten 53% der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich, 2000 stieg dessen Anteil auf 74%. Das ist vor allem auf den Tourismus zurückzuführen: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts belegte das Wallis gemessen an den Übernachtungen in Hotels im nationalen Vergleich den 3. Rang. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten ist der Detailhandel, der seit den 1960er Jahren weiter wächst, der wichtigste Schwerpunkt des Dienstleistungssektors, gefolgt vom Gesundheitswesen und erst dann von der Hotellerie und dem Gastgewerbe.

Wachstum und Umweltprobleme

Im 20. Jahrhundert prägte die wirtschaftliche Entwicklung das Wallis massgeblich. Die Landschaft veränderte sich vor allem nach 1945 durch eine ausgedehnte und intensivierte Bodennutzung, etwa mit dem Bau von Infrastrukturanlagen für die Wasserkraftgewinnung und den Tourismus, dem Ausbau der Strassen, der explosionsartigen Ausbreitung von Erst- und Zweitwohnungen, Gewerbegebäuden und Einkaufszentren, der intensiven Landwirtschaft in der Rhoneebene und den Monokulturen des Weinbaus an den Hängen.

Die Industrialisierung belastete die Umwelt erheblich: Die chemische Industrie verschmutzte Deponien, Teiche und Wasserläufe und die Aluminiumproduktion setzte tonnenweise Fluor in die Atmosphäre ab. Zahlreiche ab 1914 unternommene Aktionen gegen die Aluminiumfabriken führten in den 1980er Jahren zur Errichtung von Gasabscheidungs- und -reinigungsanlagen, die die Situation verbesserten.

Gesellschaft

Die Entwicklung der Marktwirtschaft ging mit der Stärkung neuer Gesellschaftsschichten einher und zog in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen dauerhaften politischen und sozioökonomischen Strukturwandel nach sich. Der Einbruch der Moderne konfrontierte das Wallis jäh mit neuen Herausforderungen, auf die seine Bevölkerung weder mental noch institutionell vorbereitet war. Dazu gehörten vor allem Massenarmut, Aus- und Einwanderung sowie die Entstehung einer Arbeiterklasse. Trotz Widerständen führte kein Weg an einer kantonal und national ausgerichteten Wirtschafts- und Sozialpolitik vorbei. Das Wallis konnte ab der Zwischenkriegszeit und verschärft in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts insbesondere die schrittweise Entwicklung des Sozialstaats nicht länger aufschieben. Die Arbeiter und die Frauen verschafften sich Gehör: Ihre gesellschaftliche Integration verlangte nach einer Anpassung der sozialen und politischen Strukturen und brachte das fest verankerte konservative Wertsystem ins Wanken.

Die Auswanderung als politische und soziale Herausforderung

Im 19. Jahrhundert produzierte das überwiegend landwirtschaftlich geprägte Wallis nur wenige Güter. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung war arm und lebte unter schlechten sanitarischen Bedingungen. Im Bundesstaat verbesserte sich der Lebensstandard kaum. Die Bauern litten unter der Marktöffnung und der Verschuldung. Der Konkurs der Kantonalbank hatte 1870 verheerende Folgen: Die Steuerbelastung stieg an und die Verschuldung bremste die Wirtschaft und die Staatstätigkeit.

An der Wende zum 20. Jahrhundert schuf die Industrialisierung Arbeitsplätze. Das führte aber gleichzeitig zu einer Zunahme der landlosen Arbeitnehmer mit prekärem Status, die der Arbeitslosigkeit ohne Schutz ausgeliefert waren. Von der Not getrieben oder in der Hoffnung auf gesellschaftlichen Aufstieg wanderten viele Walliser lieber aus, als auf Baustellen oder in Fabriken zu arbeiten. Bis zur Bundesverfassung 1874 war die Auswanderung Sache der Kantone. Das Wallis führte polizeiliche Massnahmen ein, um die Auswanderungsagenturen zu kontrollieren, und verschärfte die Bedingungen für Ausreisebewilligungen. Die Behörden und der Grossteil der politischen Elite erkannten die strukturelle Notwendigkeit der Auswanderung nicht, sondern betrachteten diese lediglich als eine gesellschaftliche Tatsache, die zum Verlust von Arbeitskräften und Geld führte. Als Ursachen wurden der zerstückelte Grundbesitz, das Erbrecht, die Steuerlast, die Verschuldung, die Trunksucht oder das Streben nach Luxus genannt und entsprechend gingen die Meinungen über die Massnahmen auseinander. Einig war man sich lediglich mit Blick auf den Schaden der Auswanderung für die Gesellschaft und die Auswanderer selbst, die oft Opfer von Spekulanten wurden. Aber obwohl die politische Führungsschicht und die öffentliche Meinung die Auswanderung weitgehend ablehnten, war die Auswanderungspolitik im Wallis wie in der ganzen Schweiz sehr liberal.

Ausländer und Arbeiterfrage

Granitrelief in Goppenstein zu Ehren der Arbeiter des Lötschbergtunnels, errichtet von der Société de secours mutuels und der Eisenbahngesellschaft BLS, 1913 (Lötschentaler Museum, Kippel; Fotografie Thomas Andenmatten).
Granitrelief in Goppenstein zu Ehren der Arbeiter des Lötschbergtunnels, errichtet von der Société de secours mutuels und der Eisenbahngesellschaft BLS, 1913 (Lötschentaler Museum, Kippel; Fotografie Thomas Andenmatten). […]

Ende des 19. Jahrhunderts setzten zunächst die grossen Eisenbahnprojekte und dann die Industrialisierung einen Umbruch in Gang. Der Kanton entwickelte sich zu einem grossen Arbeitsmarkt, den die einheimischen Arbeitskräfte nicht zu sättigen vermochten. Der Zustrom von Ausländern konfrontierte das Wallis mit der Welt der Arbeiter und zwang es, sich dauerhaft mit der Arbeiterfrage auseinanderzusetzen. Der Kanton verfügte weder über die Erfahrung noch die nötigen Mittel, um diese neuen, mit der Wirtschaft verknüpften Herausforderungen zu meistern. Die Spannungen zwischen Ausländern und Einheimischen wuchsen an. Streiks (1907 Ciba, 1907 und 1910 Glashütte Monthey) und Lohnforderungen setzten Unternehmer und Behörden unter Druck. In den Augen der politischen Führungsschicht bedrohte der Fortschritt die grundlegenden Werte der Gesellschaft und vor allem ihre Autorität. Obwohl die konservativen Kräfte sozial nicht intervenieren wollten, drängte sich eine Verbesserung der Lebensbedingungen auf. Die revidierte Kantonsverfassung von 1907 führte Vorschriften zu Arbeiterschutz und Arbeitsfreiheit ein.

In der Folge organisierte und institutionalisierte sich die Arbeiterschaft. 1919 wurde die Arbeiter-Union des Kantons Wallis gegründet. Der später daraus hervorgegangene Walliser Gewerkschaftsbund wurde beauftragt, die Arbeiterschaft zu organisieren und die Einhaltung der Arbeiterschutzvorschriften zu überwachen. Es folgte 1929 die Gründung der Fédération valaisanne des corporations et des syndicats chrétiens und 1959 der Fédération ouvrière et paysanne du Valais. Die verschiedenen Organisationen konzentrierten sich vor allem auf zwei Ziele, die soziale Absicherung der Arbeitnehmenden und die Verteidigung der einheimischen Arbeitskräfte gegenüber den in Massen beschäftigten Saisonniers. Als die Behörden während der hohen Arbeitslosigkeit in der Zwischenkriegszeit die Zuwanderung nicht kontrollierten, entstand ein fremdenfeindliches Klima. Gewerkschaften und Sozialdemokraten kämpften für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen und gegen die ausländischen Arbeiter. Besonders heftig gingen sie auf den Grossbaustellen Barberine (Finhaut) und Dixence vor. Angesichts der Krise und im Einklang mit der Bundesgesetzgebung erliessen die kantonalen Behörden 1928 ein Gesetz über die staatliche Subventionierung der Arbeitslosenkassen. Die öffentlichen und paritätischen Kassen erhielten Zuschüsse in der Höhe von 30% und die gewerkschaftlichen Kassen in der Höhe von 10% der von ihnen erbrachten Leistungen. Nach zahlreichen Widerständen wurde im Januar 1933 das erste kantonale Gesetz betreffend den Arbeiterschutz verabschiedet. Die Landarbeiter blieben aber ausgeschlossen und die Bestimmungen galten für die Hotellerie nur eingeschränkt. 1966 wurde es durch das kantonale Arbeitsgesetz ersetzt, das die 1921-1949 eingeführten Massnahmen zusammenfasste. Das Bundesgesetz von 1984 erklärte die Arbeitslosenversicherung zum Obligatorium.

Der Ausbau der sozialstaatlichen Einrichtungen

Nach der Revision der Bundesverfassung 1874 baute der Bund schrittweise den Sozialstaat aus, etwa mit der Verankerung der Krankenversicherung 1890 und der Alters- und Invalidenversicherung 1925 in der Verfassung. Die Fürsorge oblag weiter den Gemeinden und Kantonen. Nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Wallis die Reform seines Fürsorgewesens nicht länger aufschieben. Der Ausbau des Sozialstaats prallte im Kanton aber nicht nur auf die bestehenden Institutionen, sondern auch auf Wertvorstellungen, denen der Vorsorge- und Solidaritätsgedanke fremd war, und auf die Angst vor Steuererhöhungen.

Wie zur Zeit des Ancien Régime waren für die Fürsorge in erster Linie Familien und Gemeinden, dann religiöse und private Institutionen zuständig. Auch mit dem Gesetz von 1898 mussten sich weiterhin die Heimatgemeinden der Fürsorgefälle annehmen. Es kannte kein Recht auf Unterstützung und schloss erwerbsfähige Personen von den Leistungen aus. Gemäss dem damaligen Diskurs war Armut die Folge des Zerfalls von Familien und Moral, sie galt als soziale Gefahr und die Fürsorge als Ermunterung zur Liederlichkeit. Die Armen verloren ihre Bürgerrechte und durften nicht heiraten. Die ersten Massnahmen zur Sicherung der sozialen Ordnung bekämpften deshalb die Bettelei. Erst das Gesetz über die öffentliche Armenpflege von 1926 (1955 revidiert) verteilte die Lasten zwischen Wohn- und Heimatgemeinden und sah eine finanzielle Unterstützung durch den Kanton vor. In der Zwischenkriegszeit entstanden weitere Formen der Familienunterstützung, die 1949 zum ersten kantonalen Gesetz über die Familienzulagen führten. Das 1996 erlassene Gesetz über die Eingliederung und die Sozialhilfe markierte eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts.

Das Vorsorgeprinzip wurde dem Kanton von aussen aufgezwungen, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Bundesgesetz über die Krankenversicherung von 1911 lehnte er ab, jenes über die Tuberkulose, welches das Gesetz von 1928 hätte ergänzen sollen, verwarf er 1949 mit 99,2%, obwohl sich diese Krankheit auf seinem Gebiet verheerend ausgewirkt hatte. Die Alters- und Hinterlassenenversicherung, die 1931 von 81,2% der Walliser abgelehnt worden war (Schweiz 60,3%), wurde 1947 angenommen; das Versicherungsobligatorium, das den Kantonen freigestellt worden war, wurde ab 1923 diskutiert, aber erst 1995 eingeführt. So zwang die Bundesgesetzgebung das Wallis zu einer Politik der sozialen Integration, vor allem indem sie die Kompetenzen und Lasten von den Gemeinden zum Kanton verlagerte.

Die Emanzipation der Frauen

Frauen stehen im Wahllokal von Martigny-Bourg Schlange, 3. März 1957. Fotografie von Léonard Gianadda (Mediathek Wallis, Martigny).
Frauen stehen im Wahllokal von Martigny-Bourg Schlange, 3. März 1957. Fotografie von Léonard Gianadda (Mediathek Wallis, Martigny). […]

Für die konservative, patriarchalische und katholische Walliser Gesellschaft stellte die politische Emanzipation der Frauen und ihre Eingliederung in den Arbeitsmarkt eine komplexe Herausforderung dar. Einige Aspekte glichen jenen in anderen Kantonen, etwa die Ungleichheit im zivilen Bereich, die schlechte Entlöhnung und die fehlenden politischen Rechte. Erste Schritte zur politischen Gleichberechtigung ab 1924 wurden mit einer Motion im Grossen Rat 1945 konkreter. Die 1946 gegründete Association valaisanne pour le souffrage féminin erhielt Unterstützung von Papst Pius XII., sah sich aber trotzdem vor allem im Oberwallis einem feindseligen Klerus gegenüber. 1959 verwarfen 69,1% der Walliser Stimmbürger den Bundesbeschluss über die Einführung des Frauenstimm- und -wahlrechts. Der politische Prozess war jedoch nicht mehr aufzuhalten und die Parteien setzten sich, gefolgt vom Bischof, für die Frauen ein. Die Walliserinnen erhielten 1970 das kantonale Stimmrecht und 1971 befürworteten 79,3% der Stimmenden das eidgenössische Frauenstimmrecht (Schweiz 65,7%), womit das Wallis unter den katholischen Kantonen die Spitzenposition einnahm. Hingegen lehnte es 1981 als einziger Westschweizer Kanton die Verankerung der Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Bundesverfassung ab, die auf eidgenössischer Ebene angenommen wurde. Der Staatsrat setzte 1983 eine Studienkommission zur Stellung der Frau im Wallis ein und eröffnete 1993 das Gleichstellungsbüro. Dieses wurde mit dem Gesetz über die Anwendung des Grundsatzes der Gleichstellung von Frau und Mann 1996 zu einer dauerhaften Einrichtung.

Religiöses Leben, Kultur und Bildung

Konfessionen und Religionen

Die Widerrufung der Verstaatlichungsdekrete, mit denen 1848 die Kirchengüter säkularisiert worden waren, schien 1859 die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Kanton zu beruhigen. Trotzdem blieben gewisse Konflikte bestehen, vor allem bezüglich der Rechte des Grossen Rats bei der Bischofswahl, die erst 1918 anlässlich einer Nachfolgeregelung abgeschafft wurden. Auch der Status als Staatsreligion wurde in den Verfassungsrevisionen neu formuliert. Die Industrialisierung zog an der Wende zum 20. Jahrhundert eine reformierte Bevölkerung an, die ihr eigenes Gemeinschaftsleben aufbaute, was nicht ohne Spannungen verlief. In der Verfassung von 1907 blieb der Katholizismus Staatsreligion, sie enthielt aber Ergänzungen über die Gewissens- und Glaubensfreiheit sowie die freie Religionsausübung. Mit der Überarbeitung von Artikel 2 erhielt 1974 sowohl die katholische als auch die reformierte Kirche den Status einer juristischen Person öffentlichen Rechts.

Die Kirche, der Klerus und die Klöster nahmen in der Gesellschaft bis in die 1970er Jahre eine wichtige Stellung ein und begleiteten die Walliser auf wichtigen Etappen ihres Lebens. Die Kirche engagierte sich karitativ und im Bildungswesen, zahlreiche Geistliche und Klosterfrauen prägten als Lehrpersonen den Unterricht. Erst die gesellschaftlichen Umwälzungen der 1960er Jahre führten zu einer allmählichen Säkularisierung des Unterrichts- und Gesundheitswesens.

Als Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils entstand im Wallis unter der Führung des französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre eine Strömung von traditionalistischen Katholiken. Dieser kämpfte offen gegen die "liberalen Irrtümer" und die Reformen des Konzils, vor allem in der Liturgie. Mit Unterstützung von Walliser Persönlichkeiten gründete er in Ecône ein Vorseminar und später ein Priesterseminar. Ab den 1970er Jahren provozierte Lefebvres Ablehnung der neuen Liturgie Spannungen mit den schweizerischen Diözesen und schliesslich auch mit Rom. Die Weihe von vier Bischöfen, die Lefebvre 1988 ohne päpstlichen Auftrag vollzog, besiegelte das Schisma.

Bildung

Das Schulwesen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts mittelmässig. Die enttäuschenden Ergebnisse der Walliser Rekruten bei den eidgenössischen Aushebungen spornten während Jahrzehnten zu Verbesserungen an. Vom Volk verabschiedete Gesetze von 1907, 1946 und 1962 sowie die Bundeshilfe führten zu einer allmählichen Verbesserung der Bedingungen für Lehrer und Schüler. Die Dauer der Schulpflicht und des Schuljahres wurde schrittweise erhöht (1946 sechs Monate, 1962 42 Wochen). Auch die Ausbildung in den Lehrerseminaren in Sitten und Brig wurde verlängert. Ihre Blütezeit erlebte die Lehrerausbildung 1947-1964, bevor sich in den folgenden turbulenten Zeiten Lehrerüberschuss und Lehrermangel abwechselten. 2000 wurden die Seminare geschlossen und die Ausbildung neu auf tertiärer Stufe geregelt.

Die Entwicklung der dünn gesäten Sekundarschulen beschäftigte das Wallis andauernd. Vereine ausgewanderter Walliser in der Schweiz forderten in den 1940er Jahren bessere Sekundarschulen. Entsprechende Schulen entstanden vielerorts auf der Grundlage des Gesetzes von 1962 und wurden dann Teil der 1974 eingeführten Orientierungsschulen. Die wachsende Zahl der Walliser Studierenden an Schweizer Universitäten zeigt, dass das Studium breiter zugänglich wurde. Die Reform der Sekundarstufe I beeinflusste auch die Organisation der Kollegien bzw. Gymnasien in Brig, Sitten und Saint-Maurice. Die dynamische Entwicklung der Berufsbildung setzte sich in den frühen 1960er Jahren mit der Schaffung neuer Ausbildungszentren fort. Die wissenschaftliche Ausbildung an den tertiären Schulen konkurrenzierte die klassische Bildung an den Kollegien erst ab den 1980er Jahren. Zu diesen Schulen zählen die Hochschule Wallis ab 2000, die höheren Fachschulen und die 1997 gegründete Fachhochschule Westschweiz-Wallis mit weiteren Bildungsgängen. Daneben verfügt das Wallis über Hochschulausbildungen und -institute wie die Fernuniversität Brig seit 1992 oder das Institut universitaire Kurt Bösch in Bramois (Sitten) seit 1999.

Medien

Parallel zur schrittweisen Einführung der repräsentativen Demokratie entfaltete sich die Presse, die sowohl Gegenstand als auch Akteur politischer Konflikte war. Der Kampf um die Macht führte über die Eroberung der öffentlichen Meinung. 1839-1848 erschienen zehn kurzlebige Zeitungen, acht davon im Unterwallis. Im Mai 1839 entstanden die zwei ersten Meinungsblätter, der konservative Défenseur de la Religion et du Peuple (bis 1840) und L'Echo des Alpes (bis 1844). Letzteres war zuerst das Organ der liberalen Regierung, später vertrat es radikale Ideen.

Von den 40 nach 1839 gegründeten Blättern existierten 1921 noch 13, neun davon waren französischsprachig. Le Confédéré, die älteste Unterwalliser Zeitung, wurde 1861 als radikales Organ gegründet. Die Umstände begünstigten eine neue Form der Presse, oft in Zusammenhang mit einem bestimmten politischen Kurs, ohne im eigentlichen Sinn Parteiorgan zu sein. Die Presselandschaft diversifizierte sich auch dank langlebiger und regional ausgerichteter Blätter. 1930 erreichte der Konkurrenzkampf mit einem Maximum von 17 Titeln seinen Höhepunkt, danach fand ein Konzentrationsprozess statt. Der 1903 gegründete Nouvelliste (Nouvelliste et Feuille d'Avis du Valais) war ab 1929 und bis in die 1950er Jahre die erste und einzige Walliser Tageszeitung. Er verstärkte seinen Einfluss 1960 mit der Übernahme von Le Rhône (1929 gegründet) und 1968 mit derjenigen des Feuille d'Avis du Valais. Im Oberwallis erlangte der 1840 gegründete Walliser Bote eine ähnliche Bedeutung. Er übernahm 1961 die Walliser Nachrichten – Briger Anzeiger (1933) und erscheint seit 1969 als Tageszeitung. Seinen Erfolg verdankt er seinem langen Bestehen und dem Untergang des Walliser Volksfreunds (1920-1989), des christlichsozialen Organs des Oberwallis.

Ab den 1960er Jahren und verstärkt ab den 1980er Jahren führte vor allem die Konkurrenz durch Radio und Fernsehen zu einem Rückgang und einer Restrukturierung der Presse. Davon profitierten Le Nouvelliste und der Walliser Bote, die mittlerweile einzigen Tageszeitungen, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts 95% der gesamten Presseauflage aus dem Wallis ausmachten. Ihre Vormachtstellung bedroht die Informationsvielfalt, selbst wenn sich der katholisch-konservative Walliser Bote seit 1982 als "unabhängige Tageszeitung des Oberwallis" bezeichnet und der konservative, publikumsnahe Nouvelliste seit 1997 breiter ausgerichtet ist. Zur Walliser Medienlandschaft gehörten 2011 zudem Le Confédéré, das Journal de Sierre (1931), das Chablais-Magazine (2001), die Gazette de Martigny (1968), Le Peuple valaisan (1953, seit 2013 Le Peuple.VS), die sich "kritische Stimme des Oberwallis" nennende Rote Anneliese (1973), die Regionalzeitung Aletsch-Goms (1995) und die Rhonezeitung (1998). Daneben existieren drei Radiosender, seit 1984 Radio Martigny (später Radio Rhône bzw. Rhône FM mit Sitz in Sitten) und Radio Chablais mit Sitz in Monthey sowie seit 1990 Radio Rottu Oberwallis mit Sitz in Visp. Der 1983 in Siders gegründete Lokalfernsehsender Canal 9 entwickelte sich erfolgreich und erhielt 2008 vom Bundesamt für Kommunikation eine kantonale Konzession für beide Sprachen.

Literatur und bildende Kunst

Das Schriftstellerehepaar Maurice Chappaz und S. Corinna Bille während einer ihnen gewidmeten Sendung von Henry Brandt, 1973 (Radio Télévision Suisse, Genf).
Das Schriftstellerehepaar Maurice Chappaz und S. Corinna Bille während einer ihnen gewidmeten Sendung von Henry Brandt, 1973 (Radio Télévision Suisse, Genf). […]

Seit der Romantik besuchten zahlreiche Schriftsteller das Wallis, wie auch im 20. Jahrhundert etwa Rainer Maria Rilke, Carl Zuckmayer und Charles-Ferdinand Ramuz. Dem Wallis verbundene Autoren des 20. Jahrhunderts wie Marguerite Burnat-Provins oder Louis Courthion ermöglichten einen Blick von aussen. In den 1940er Jahren entstanden im Umkreis bedeutender lokaler Schriftsteller wie Maurice Zermatten und des Ehepaars Maurice Chappaz und S. Corinna Bille von den Walliser Orten inspirierte Werke. Das Wallis, das über kein reges intellektuelles Leben verfügt hatte, erlangte erst mit diesen eine gewisse Leuchtkraft. Eine neue Generation von Schriftstellern zeichnete ab den 1960er Jahren das Bild einer durch die Moderne aus der Bahn geworfenen Nachkriegsgesellschaft und strahlte im Gefolge von Georges Borgeaud durch Schilderungen von Orten und Landschaften über das enge Tal hinaus. Die "Primarlehrerliteratur", die noch bis in die 1970er Jahre dominierte, wich einer in Stil und Genre üppigen und zügellosen literarischen Produktion. Auf Deutsch beschrieben Adolf Fux und Hannes Taugwalder das Oberwallis, Pierre Imhasly die Rhone.

Raphael Ritz war der erste freischaffende Walliser Maler. Abseits der im 19. Jahrhundert erblühenden kulturellen Einrichtungen und ohne Künstlerszene zog das Wallis an der Schwelle zum 20. Jahrhundert dennoch zahlreiche Westschweizer Maler an. Ernest Biéler gründete eine Künstlerkolonie, die inzwischen "Schule von Savièse" genannt wird. Zu ihr gehörte Raphy Dallèves, der seine Werke dem Kanton vermachte und damit den Grundstock für die Sammlung des Kunstmuseums Wallis legte. Es liessen sich so verschiedene Künstler wie Edmond Bille, Edouard Vallet, Albert Chavaz, Gérard de Palézieux oder Angel Duarte im Wallis nieder. Die Errichtung des kantonalen Kunstmuseums 1947 und der Walliser Kunstschule 1949 förderte weitere bedeutende Talente, die seit dem Abgang von Ludwig Werlen und Dallèves erwartet worden waren. In diesem anregenden Umfeld wagten zahlreiche junge Maler aus dem Unter- und Oberwallis eine Künstlerlaufbahn und es entstanden kurz- und langlebige Künstlervereinigungen. Die Ausstellungen wurden anspruchsvoller und publikumsnaher zugleich, wie zum Beispiel jene der 1978 in Martigny eröffneten Fondation Pierre Gianadda, und in den grösseren Städten richteten sich die Kuratoren stärker auf das zeitgenössische Schaffen aus.

Die Architekten Joseph de Kalbermatten und Joseph Dufour erbauten zahlreiche neuromanische und neogotische Kirchen, die 1919 gegründete Gruppe von Saint-Luc und Saint-Maurice die Pfarrkirche von Finhaut. Nach dem Ersten Weltkrieg errichtete Markus Burgener in Crans-Montana moderne Hotels.

Plakat für das neunte Festival der Zukunft in Ernen, 1995 (Mediathek Wallis, Sitten).
Plakat für das neunte Festival der Zukunft in Ernen, 1995 (Mediathek Wallis, Sitten). […]

Die Komponisten Charles Haenni und Jean Daetwyler setzten wichtige musikalische Akzente und Pierre Mariétan komponierte Neue Musik. Auf Valeria (Sitten) befindet sich die älteste noch bespielbare Orgel der Welt. Zudem ist das Wallis für seine Musikfestivals in Verbier, Sitten und Ernen international bekannt.

Quellen und Literatur

  • Burgerarchiv Sitten, Sitten
  • Staatsarchiv Wallis, Sitten
  • Stiftsarchiv Sitten, Sitten
  • Sammlung der Gesetze, Dekrete und Beschlüsse des Kantons Wallis, 1847-
  • J. Gremaud, Documents relatifs à l'histoire du Vallais [sic], 8 Bde., 1875-1898
  • A. Heusler, Rechtsquellen des Cantons Wallis, 1890
  • Die Walliser Landrats-Abschiede seit dem Jahre 1500, 1916- (9 Bde. erschienen, bis 1613)
  • A. Donnet, «Documents pour servir à l'histoire de la révolution valaisanne de 1798», in Vallesia 19, 1964, 1-18; 31, 1976, 1-186; 32, 1977, 1-246; 34, 1979, 1-102; 35, 1980, 1-120
  • K.J. von Stockalper, Handels- und Rechnungsbücher, hg. von G. Imboden, G. Zenhäusern, 10 Bde., 1987-1997
Historiografie
  • Die Walliser Geschichtsschreibung brachte im Mittelalter und im Ancien Régime kaum nennenswerte Chroniken oder Annalen hervor, mit Ausnahme eines Bischofskatalogs der Diözese Sitten von Domherr Peter Brantschen (hg. von Catherine Santschi in Vallesia 22, 1967, 87-134) und des Memorabilium rerum quaedam monimenta? von Gaspard Berodi zu den Jahren 1610-1641 (hg. von Pierre Bourban in Revue de la Suisse catholique 20, 1889; 21, 1890; 22, 1891). Der Domherr Anne Joseph de Rivaz wird deshalb zu Recht als "Vater der Walliser Historiografie" bezeichnet. Für seine vielseitigen Studien zur Walliser Geschichte, die er nicht selbst veröffentlichte, sammelte er zahlreiche Quellen, die oft nur dank seiner Abschriften noch erhalten sind. Deshalb sind die 18 Bände seiner Opera historica (Staatsarchiv Wallis) für die Walliser Geschichtsschreibung unverzichtbar. André Donnet publizierte Auszüge daraus, die als Einstieg in de Rivaz' Werk dienen (Mémoires historiques sur le Valais 1798-1834, 3 Bde., 1961). 1812 erschien mit der Description du Département du Simplon ou de la ci-devant République du Valais (Nachdruck 2000) eine erste Gesamtdarstellung über das Wallis. Ihr Autor, der frankreichfreundliche Arzt und Politiker Hildebrand Schiner, verfügte allerdings nicht über das Vertrauen seiner Landsleute, weshalb sein Werk selten benutzt wurde. Aus diesem Grund war die Histoire du Vallais [sic] avant et sous l'ère chrétienne jusqu'à nos jours (1844) von François-Marie Boccard die erste eigentliche Walliser Geschichte. Die Geschichte, Statistik und Urkunden-Sammlung über Wallis (3 Bde., 1850-1852) des Kapuziners Sigismund Furrer ist die erste deutschsprachige Kantonsgeschichte. 1904 erschien die kirchenfreundliche Histoire moderne du Valais de 1536 à 1815 (Nachdruck 1980) von Domherr Pierre-Antoine Grenat. Die beiden Werke wurden durch Arthur Fibichers Walliser Geschichte (3 Bde., 1983-1995, 2. Auflage 2004) bzw. durch die Histoire du Valais (4 Bde., 2002) der Société d'histoire du Valais romand ersetzt. Damit verfügt das Wallis in beiden Landessprachen über eine aktuelle Kantonsgeschichte, die den Zeitraum von der Urgeschichte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts behandelt.
Periodika und Bibliografien
  • Blätter aus der Walliser Geschichte, 1895-
  • Annales valaisannes, 1916-
  • Vallesia, 1946-
  • Cahiers de Vallesia, 1990-
  • Walliser Bibliographie, 1991-2002 (seit 2001 online)
Allgemeines
  • Walliser Wappenbuch, 1946
  • Statistisches Jahrbuch des Kantons Wallis, 1974-
  • Neues Walliser Wappenbuch, 2 Bde., 1975-1984
  • A. Pichard, La Romandie n'existe pas, 1978, 100-123
  • A. Fibicher, Walliser Geschichte, 3 Bde., 1983-1995 (22004)
  • A. Gattlen, L'estampe topographique du Valais, 2 Bde., 1987-1992
  • Helvetia Sacra I/5, 2001
  • Histoire du Valais, 4 Bde., 2002
  • Rebe und Wein im Wallis, 2010 (französisch 2009)
Ur- und Frühgeschichte
  • Premiers hommes dans les Alpes, Ausstellungskatalog Sitten, 2002
  • Des Alpes au Léman, hg. von A. Gallay, 2006 (22008)
Römerzeit
  • Vallis poenina, Ausstellungskatalog Sitten, 1998
  • B. Dubosson, «Pratiques funéraires de l'Antiquité tardive et du Haut Moyen Age en Valais», in Annales valaisannes, 2007, 131-195
  • Une voie à travers l'Europe, hg. von L. Appolonia et al., 2008
  • F. Wiblé, Martigny-la-Romaine, 2008
  • S. Martin-Kilcher, «Römer und gentes Alpinae im Konflikt», in Fines imperii – imperium sine fine?, hg. von G. Moosbauer, R. Wiegels, 2011, 27-62
Frühmittelalter
  • G. Coutaz, «La donation des droits comtaux à l'évêque de Sion, en 999», in Vallesia 54, 1999, 31-67
  • A. Antonini, O. Paccolat, «L'habitat en Valais entre 800 et 1350 après J.-C.», in Vallesia 65, 2010, 277-297
Vom Mittelalter bis zum Ende des Ancien Régime
  • V. van Berchem, «Guichard Tavel, évêque de Sion, 1342-1375», in Jahrbuch für schweizerische Geschichte 24, 1899, 27-395
  • G. Ghika, La fin de l'état corporatif en Valais et l'établissement de la souveraineté des dizains au 17e siècle, 1947
  • P. Arnold, «Bündnisse und Verträge der Walliser mit den Eidgenossen», in Blätter aus der Walliser Geschichte 14, 1965/1966, 5-73
  • W.-A. Liebeskind, «L'Etat valaisan», in Annales valaisannes 46, 1971, 3-80
  • B. Truffer, «Das Wallis zur Zeit Bischof Eduards von Savoyen-Achaia (1375-1386)», in Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte 65, 1971, 1-113, 197-301
  • P. Devanthey, La révolution bas-valaisanne de 1790, 1972
  • B. Truffer, «Les Recès de la Diète valaisanne, source primordiale de l'histoire de notre pays du 16e au 18e siècle», in Annales valaisannes 57, 1982, 145-155; 58, 1983, 197
  • A. Donnet, La révolution valaisanne de 1798, 2 Bde., 1984
  • H.A. von Roten, Die Landeshauptmänner von Wallis, 1388-1798, 21991
  • Les pays romands au Moyen Age, 1997
  • C. Schnyder, Reformation und Demokratie im Wallis (1524-1613), 2002
  • C. Ammann-Doubliez, Chancellerie et notariat dans le diocèse de Sion à l'époque de maître Martin de Sion (✝︎1306), 2008
  • L. Gally-de Riedmatten, «A qui profitait le service étranger?», in Schweizer Solddienst, hg. von R. Jaun et al., 2010, 139-170
Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur bis ins 18. Jahrhundert
  • H. Rossi, «Zur Geschichte der Walliser Bergwerke», in Blätter aus der Walliser Geschichte 10, 1949, 291-379
  • A. Dubois, Die Salzversorgung des Wallis 1500-1610, 1965
  • L. Carlen, Kultur des Wallis im Mittelalter, 1981
  • L. Carlen, Kultur des Wallis 1500-1800, 1984
  • P. Dubuis, Les vifs, les morts et le temps qui court, 1995
  • Seelen zählen, hg. von P. Ladner, G. Imboden, 2003
  • A. Kristol, «A la découverte de l'ancien francoprovençal: le témoignage de la toponymie haut-valaisanne», in Colligere atque tradere, 2003, 111-119
  • M.-C. Schöpfer Pfaffen, Verkehrspolitik im Mittelalter, 2011
Der Kanton vom 19. bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts
  • A. Seiler, Die politische Geschichte des Wallis, 1815-1844, 1939
  • M. Salamin, Histoire politique du Valais sous la République helvétique, 1957
  • E. Biollay, Le Valais en 1813-1814 et sa politique d'indépendance, 1970
  • A. Guex, Le demi-siècle de Maurice Troillet, 3 Bde., 1971
  • M. Salamin, La République indépendante du Valais, 1802-1810, 1971
  • Développement et mutations du Valais, 1976
  • J.-H. Papilloud et al., Histoire de la démocratie en Valais (1798-1914), 1979
  • D. Allet-Zwissig, «La condition féminine en Valais à travers la presse et les publications officielles du canton 1870-1880», in Annales valaisannes, 62-67, 1987-1992 (Sonderdruck)
  • G. Arlettaz, «L'émigration: un enjeu politique cantonal et national (1848-1888)», in Vallesia 46, 1991, 67-81
  • R. Ruppen, «La conquête du suffrage féminin en Valais (1959-1971)», in Annales valaisannes, 2007, 7-129
  • G. Arlettaz, «Les tendances libérales en Valais (1825-1839)», in Vallesia 64, 2008, 1-201
Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur vom 19. bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts
  • M. Mayor-Gay, L'assistance publique en Valais, de 1800 à nos jours, 1978
  • K. Anderegg, «Oberwalliser Emigration nach Übersee im dritten Viertel des 19. Jahrhunderts», in Schweizerisches Archiv für Volkskunde 76, 1980, 175-196
  • A. und C. Carron, Nos cousins d'Amérique, 2 Bde., 1986-2002
  • Auswanderungsland Wallis, Ausstellungskatalog Sitten, 1991
  • Aspects de l'économie valaisanne, hg. von S. Dayer, 1992
  • J.-H. Papilloud et al., Le Valais et les étrangers, XIXe-XXe, 1992
  • I. Raboud, Temps nouveaux, vents contraires: Ecône et le Valais, 1992
  • B. Roduit, Les collèges en Valais de 1870 à 1925, 1993
  • S. Pavillon, Union syndicale valaisanne, cartel syndical valaisan, union ouvrière, 1994
  • Le Musée cantonal des beaux-arts de Sion, 1947-1997, hg. von P. Griener, P. Ruedin, 1997
  • J. Guntern, Die Walliser Schule im 20. Jahrhundert, 2003
  • D. Périsset Bagnoud, Vocation: régent, institutrice, 2003
  • P. Willisch, Die Einbürgerung der Heimatlosen im Kanton Wallis, 2004
  • D. Delaloye, La présence des réformés en Valais aux XIXe-XXe siècles, 2005
  • Ein industriefeindliches Volk?, hg. von W. Bellwald, S. Guzzi-Heeb, 2006 (teilweise aus dem Französischen übersetzt)
  • A. Lugon, Die Walliser Presse, 2008 (französisch 2008)
  • I. Werlen et al., Der zweisprachige Kanton Wallis, 2010
  • L'Ecole de Savièse, Ausstellungskatalog Sitten, 2012
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