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Megalithen

Die Megalitharchitektur, die für Bauten mit sozialer, religiöser oder sepulkraler Funktion grosse Steine verwendete, trat im Gebiet der Schweiz im mittleren Neolithikum (vermutlich im 5. Jt. v.Chr.) in Erscheinung. Sie umfasst zwei Kategorien von Bauwerken, nämlich die einzeln oder gruppenweise angeordneten Menhire und die Dolmen (Gemeinschaftsgräber). Die M. sind ausschliesslich in der Westschweiz (Genferseebecken, oberes Rhonetal, Jurafuss) bezeugt, während sie in der Ostschweiz sowie im Tessin fehlen. Die frühesten Beispiele sind Reihen (sog. Alignements) grob zugehauener Menhire, die an ihrem oberen Teil einen Sporn aufweisen, der an anthropomorphe Figuren erinnert, wie man sie in der Bretagne entdeckt hat. Abgesehen von einigen verfallenen Menhirgruppen, die am Jurafuss unweit des Neuenburgersees (Bevaix-Treytel) zu Tage traten, finden sich die spektakulärsten Vorkommen in Yverdon-les-Bains-Promenade des Anglais (45 Menhire), Lutry-la Possession (24 Menhire) und Sitten-Chemin des Collines (9 Menhire). Diese Steingruppen, die sich oft in der Nähe von Gräberfeldern (Sitten) befanden, wurden wahrscheinlich noch zu Beginn des 3. Jt. v.Chr. (Lutry) benutzt.

Bereits gegen Ende des 5. Jt. war es an versch. Orten Sitte, mehrere Tote in einem Gemeinschaftsgrab zu bestatten, wie die grössten Steinkistengräber vom Typ Chamblandes (Pully-Chamblandes, Lausanne-Vidy) zeigen. Die ersten megalith. Grabkonstruktionen kamen jedoch erst ab Mitte des 4. und v.a. zu Beginn des des 3. Jt. auf. Im nördl. Teil des Jurabogens wurde eine Reihe teilweise verfallener Gemeinschaftsgräber gefunden, die sich in drei Gruppen gliedern lassen: Die unter einem runden Erdhügel liegenden Dolmen vom Typ Schwörstadt (Baden-Württemberg) mit einer quadrat. Kammer und einer Steinplatte mit Sichtloch (Pierre-Percée von Courgenay, Megalith von Laufen), die Dolmen vom Typ Aesch mit grösser dimensionierter rechteckiger Kammer (Aesch BL) sowie die Dolmen vom Typ Aillevans (Freigrafschaft Burgund) mit rechteckiger Kammer und nach vorn oder seitlich vorspringenden Seitenplatten (sog. Antennendolmen), wobei der Zugang über eine Aussparung im stirnseitigen Tragstein erfolgte. Möglicherweise gehört auch die früher entdeckte sog. Allée couverte von Auvernier zu diesem Typ. Die Grabkammer kann von einem runden Erdhügel oder einer trapezförmigen Trockenmauer umgeben sein. Im Wallis war die Nekropole von Le-Petit-Chasseur in Sitten vom Beginn des 3. Jt. v.Chr. an bis zum Ende der frühen Bronzezeit um 1600 v.Chr. belegt. Diese Begräbnisstätte, die wegen ihrer prachtvollen anthropomorphen Stelen berühmt ist, besteht aus zwei grossen Dolmen mit dreieckigem Trockenmauerfundament aus dem Ende der Jungsteinzeit, drei Dolmen mit Seiteneingang sowie kleinen, auf der Erdoberfläche errichteten Steinkistengräbern aus der Zeit der Glockenbecherkultur. Die M. traten stets in landwirtschaftl. Gemeinschaften auf. Da ihr Unterhalt aufwendig ist, zeugen sie von stark strukturierten Gesellschaften mit einem hohen Motivationsgrad.

Quellen und Literatur

  • SPM, 2, 231-259
  • A. Gallay, Les sociétés mégalithiques, 2006
Kurzinformationen
Kontext Dolmen, Menhire