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Wägital

Bergtal im Bezirk March, Kanton Schwyz, mit Stausee im südlichen Teil und dem Mutteristock (2294 m) als höchstem Punkt. Die Talkessel der Gemeinde Vorder- und Innerthal sind durch eine vom Gross Aubrig und dem Gugelberg flankierte Klus verbunden. 1259 Wegental. 1785 ca. 400 Einwohner; 1850 938; 1900 1109; 1950 1140; 2000 1155.

Das Wägital gehörte den Grafen von Rapperswil und gelangte über Elisabeth, Schwester des letzten Rapperswilers, nach deren Tod 1309 an ihren zweiten Gemahl Rudolf von Habsburg-Laufenburg und ihren Sohn aus erster Ehe, Werner von Homberg. 1330 empfing Graf Johann von Habsburg-Laufenburg die March und das Wägital von den Herzögen von Österreich als Lehen. Mit dem Eintritt der March in den schwyzerischen Landesverband gelangte auch das Wägital an Schwyz (Landrecht von 1414). Als Güterbesitzer im Wägital erscheinen das Kloster Einsiedeln und im 14. Jahrhundert die Fraumünsterabtei sowie das Kloster Rüti.

Laut Ablassbrief von 1345 scheint die Kapelle im Wägital zur Pfarrei Tuggen gehört zu haben. In einer Quelle von 1364 anlässlich der Erwähnung eines Friedhofs bei der Kapelle werden jedoch die Rechte der Pfarrer von Tuggen, Galgenen, Altendorf und Wangen über die ihren Sprengeln zugehörenden Bewohner des Wägitals bekräftigt. Darin spiegelt sich noch die saisonal geprägte Nutzung des Tals, dessen Besiedlung im Mittelalter von der March aus erfolgte. 1479 wurde die Kapelle um- oder neugebaut, 1502 die als Filiale von Tuggen erwähnten Katharinakapelle geweiht. 1568 ist jedoch die Abkurung bereits erfolgt. Der 1776 einsetzende Prozess der kirchenrechtlichen Trennung der Pfarrei führte 1785 zur Bildung der beiden Pfarreien Vorder- und Hinter-Wägital. Deren Grenzen folgte auch die spätere politische Gemeindebildung von Vorder- und Innerthal.

Abgesehen von einem vom 16. bis 18. Jahrhundert erwähnten Wetzsteinbruch bildeten zunächst die Alp- und Forstwirtschaft und allmählich die ganzjährig betriebene Landwirtschaft die wirtschaftliche Grundlage der Talbewohner. 1855-1865 wurde eine Strasse ins Tal erstellt und seit 1977 gut ausgebaut sowie mit Tunneln gesichert. 1894 wurde eine Postkutschenverbindung zum Bahnhof Siebnen-Wangen eingerichtet. Ende des 19. Jahrhunderts begannen erste Vorarbeiten für ein Kraftwerk. Die vom Bezirk March 1896 erworbenen Konzessionen gingen zu günstigen Bedingungen an die Maschinenfabrik Oerlikon und dann an die Stadt Zürich. Vor dem Ersten Weltkrieg nahmen die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ) und des Kantons Zürich (EKZ) das Kraftwerkprojekt gegen den Widerstand der Talbewohner auf und vermochten nach einer intensiven Propagandakampagne gegen Ende des Ersten Weltkriegs die Mehrheit der Bevölkerung für das Unternehmen zu gewinnen. 1921 gründeten die Nordostschweizerischen Kraftwerke als Nachfolgerin der EKZ und die EWZ mit einem Aktienkapital von 40 Mio. Franken die AG Kraftwerk Wäggital. Im gleichen Jahr wurden die Bauarbeiten aufgenommen. 1924 begann der Einstau. Die Staumauer mit ihren insgesamt 110 m Höhe galt für einige Jahre als die höchste der Welt, der Stausee mit 147 Mio. m3 Inhalt (davon 76 Mio. m3 Nutzinhalt) bedeckte schliesslich eine Fläche von 4,15 km2, der grössere Teil davon gutes Wiesland. Neben Kirche, Pfarr- und Schulhaus von Innerthal verschwanden auch rund 30 Bauernhäuser in den Fluten des neuen Wägitalersees. 26 Heimwesen wurden ganz und elf teilweise ausgesiedelt, nur fünf Höfe blieben unberührt. Der Kraftwerkbau brachte der ganzen March wirtschaftliche Impulse. Die mittlere Jahresproduktion des Werks Wägital mit den Zentralen in Rempen und in Siebnen beträgt 120 Mio. kWh.

Quellen und Literatur

  • March-Anz., 30.7.1974
  • Kdm SZ NF 2, 1989, 158-179, 466-481
  • 75 Jahre Kraftwerk Wägital, 1997
  • A. Pfister, Diplomatie am Bau: die Realisierung des Wasserkraftwerks im Wägital (1895-1926), Liz. Zürich, 2011
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Josef Wiget: "Wägital", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.08.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007416/2013-08-20/, konsultiert am 11.08.2022.