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Hirschberg

Einzelhofgebiet entlang dem Hügelzug des Bezirks Oberegg, Kanton Appenzell Innerrhoden. Als Flurnamen wird Hirsberg erstmals im 11. Jahrhundert erwähnt. Während der Appenzeller Kriege (1401-1429) gelangte das weitläufige Gebiet als Teil der Rhode Trogen zum Land Appenzell. Der Wegbrief von 1470 vermerkt die «Nachbarschaft am Hirschberg», die sich über die Ausserrhoder Gemeinde Reute und Walzenhausen sowie den Innerrhoder Bezirk Oberegg erstreckt. Nach 1597 wurde das Gebiet in einen Ober- und Unterhirschberg aufgeteilt. Sie machten je einen Zwölftel der Rhode Trogen aus, wählten eigene Hauptleute und stellten Vertreter in den Kleinen und Grossen Rat. Existenzgrundlage waren Landwirtschaft (Acker-, Wein- und Obstbau sowie Viehzucht) und Textilgewerbe in Heimarbeit (Weberei, später auch Grobstickerei).

Kirchgenössig waren die Oberhirschberger nach den Rheintaler Gemeinden Berneck, Marbach und Altstätten, die Unterhirschberger nach St. Margrethen. Die komplizierten kirchlichen und politischen Verhältnisse sowie die starke Mischung der Konfessionen ab der Reformation (um 1600 420 reformierte, 434 katholische Einwohner) führten bei der Teilung des Landes Appenzell (1597) zu einer einzigartigen Lösung: Die Katholiken gehörten mit «Gericht und Recht» zum innerrhodischen Oberegg, die Reformierten zum ausserrhodischen Reute. Auf eine klare, abgeschlossene Grenzziehung wurde verzichtet. Diese erfolgte erst 1870 auf Intervention des Bundes mittels Güteraustausch. Die politische Entwicklung zu den heute eigenständigen Gemeinden und Bezirken setzte mit dem Bau der örtlichen Kirchen und der Ablösung von den Rheintaler Kirchgemeinden ein. Der Untere Hirschberg ging 1638 ins spätere Walzenhausen über; die Reformierten im Oberen Hirschberg standen ab 1688 für die selbstständige Kirchgemeinde bzw. politische Gemeinde Reute; die Katholiken des Oberen Hirschbergs bildeten zusammen mit denen der benachbarten Oberen-Egg die Halbrhode Oberegg-Hirschberg, welche mit Inkrafttreten der Innerrhoder Kantonsverfassung 1872 zum Bezirk Oberegg wurde.

Quellen und Literatur

  • Rohner, Josef: Die Geschichte der Gemeinde Reute, App. A. Rh., 1954.
  • Schläpfer, Walter: Appenzell Ausserrhoden. Von 1597 bis zur Gegenwart, 1972 (Appenzeller Geschichte, 2).
  • Fischer, Rainald: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Innerrhoden, 1984.
  • Züst, Ernst; Eggenberger, Peter; Züst, Walter: Chronik der Gemeinde Walzenhausen, 1988.
Von der Redaktion ergänzt
  • Hänggi-Aragai, David; Fuchs, Thomas: Oberegger Geschichte. Der äussere Landesteil von Appenzell Innerrhoden, 2018 (Innerrhoder Schriften, 18).
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
11. Jh.: Hirsberg

Zitiervorschlag

Bischofberger, Ivo: "Hirschberg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.12.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007454/2007-12-18/, konsultiert am 27.11.2021.