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Melchtal

Tal und Siedlung in der polit. Gem. Kerns OW. Die Melchaa entwässert das von Süden nach Norden verlaufende Tal durch eine Schlucht und fliesst seit einer Korrektur in den Sarnersee. Im Süden grenzt das von Norden erschlossene M. an das Hochtal von Melchsee-Frutt. Siedlungskern ist das Dorf M. auf 890 m, daneben herrschen Streusiedlungen (Schild) vor, am oberen Talende liegt Stöckalp.

1695 wurde M. zur Kaplanei, 1736 Wallfahrtsort und 1971 mit Melchsee-Frutt und Tannalp zur selbstständigen Pfarrei. Die 1618 erbaute Kapelle Maria-Hilf wurde 1780 erweitert und 1928 durch eine Wallfahrtskirche ersetzt. Sog. Bergherren verarbeiteten vom 15. Jh. an in M. das Erz von Melchsee-Frutt. 1689 endete die Verhüttung, u.a. wegen Holzmangels. Marmor wurde ab dem 17. Jh. oberhalb der Stöckalp gebrochen, so 1672 für die Kirche von Sachseln. 1866 zogen drei Frauen unter der Leitung von Pfarrer Balthasar Estermann von Luzern nach Melchtal. 1868 wurde aus der stets wachsenden Gemeinschaft ein Benediktinerinnenkloster, dem 1869 ein Mädcheninternat angegliedert wurde. 1869 weihte das Kloster seine Heiliggeistkirche ein. Zwischen 1957 und 1978 wurden die Institutsbauten erneuert. Seit 1998 existiert die Mädchenschule nicht mehr. Die 52 Schwestern, davon 16 in Filialen im Tirol (2002), betreiben ein Gästehaus, eine Paramentenabteilung und eine kleine Handweberei. Bis 1864 führte nur ein Saumweg ins M., den dann ein Fahrweg ersetzte. 1930 und 1932 wurde die Strasse ausgebaut, 1942 ins neu errichtete Basisspital verlängert. 1858 erhielt M. eine Postablage. 1893 begannen Personentransporte nach Kerns, seit 1924 existiert eine Postautoverbindung. Haupterwerbszweige sind Vieh- und Alpwirtschaft sowie der Tourismus.

Quellen und Literatur

  • R. Amschwand, Kerns, 1976
  • HS III/1, 1863-1872
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