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RothenburgHerrschaft

Herrschaft und ehem. Amt bzw. Landvogtei im Kt. Luzern. Das Amt R. entstand aus unterschiedl. Gerichtsstrukturen, deren Zusammensetzung sich mehrmals änderte. Der Kern, die Herrschaft der Frh. von R., bestand im 13. Jh. aus verstreuten Rechten und Gütern in einem von Inwil bis Rüeggeringen bei Hellbühl reichenden Gebiet, mit Exklaven in Werthenstein, Schwanden und Sigigen. Die Güter der Frh. von Rotenburg befanden sich teilweise in Gemengelage mit jenen der vermutlich verwandten Frh. von Eschenbach. Zur Herrschaft gehörte der Kirchensatz Rüeggeringen (Pfarrkirche von R.). Mittelpunkt war die Burg R. mit einer kleinen Vorburgsiedlung. Sie war vermutlich schon unter den Frh. von Rotenburg ein Verwaltungszentrum und erhielt wohl Anfang des 14. Jh. von den Habsburgern das Stadtrecht. Noch älter war möglicherweise die Burg R. bei Hellbühl. Den Freiherren unterstand die Kastvogtei über das Stift Luzern und dessen Güter diesseits des Lopper, ab ca. 1135 waren sie Untervögte der habsburg. Klostervögte Murbachs.

Nach 1297 wurde die Herrschaft von den Habsburgern erworben, die um 1300 das österr. Amt einrichteten, unter Einbezug der 1291 erworbenen Murbacher Höfe und Vogteien bei Luzern (Horw, Kriens, Malters, Littau, Emmen, Buchrain, Adligenswil, das Eigental und weiterer Höfe wie Hergiswil und Lamperdingen). Noch im 15. Jh. gehörten Einzelhöfe am Dietschiberg zu R. Die meisten Murbacher Höfe wurden im 14. Jh. als Lehen und Pfandherrschaften wieder aus dem Amt gelöst. Nach 1308 kam der konfiszierte Besitz der Frh. von Eschenbach dazu. Der Komplex wurde zuerst von Baden aus verwaltet, bevor um 1309 in R. die habsburg. Vogteiverwaltung entstand. Ihr unterstanden der vermutlich um 1330/40 errichtete Zoll in R. (1588 nach Emmenbrücke verlegt), die Brücke bzw. Fähre bei Emmen, die Seevogtei Sempach und die Fischenz in der Reuss. Die Vögte übten ihr Amt im Sinn einer intensiven, mediatisierenden, zuweilen auch eigenmächtigen Herrschaft aus, insbesondere ab 1368, als die Vogtei an die Frh. von Grünenberg verpfändet wurde. Zuvor war Gf. Johann von Frohburg erster Pfandherr (bis 1366) gewesen. Die Grünenberger erweiterten ihre Einkünfte und den Machtbereich durch die Eingliederung von Höfen und durch ihre Zollpolitik. Wiederholt kam es zu Konflikten mit der Stadt Luzern und den Inneren Orten. 1385 wurde R. erobert und von Luzern, welches das Amt 1395 als Pfandschaft erwarb, um Teile anderer eroberter Ämter erweitert (u.a. ab 1416 um Geuensee, ab 1418 um Hochdorf).

Luzern übernahm mit dem Amt, das nun oft Grafschaft genannt wurde, die meisten Niedergerichte und beanspruchte in der Nachfolge der österr. Vögte und Murbacher Klostervögte auch das hohe Gericht in Kriens, Horw und Adligenswil. Bereits vor 1436 existierte ein Amtsrecht, das um 1490 nach dem Vorbild des Luzerner Stadtrechts neu kodifiziert wurde. Der Landvogt residierte nicht mehr vor Ort. Im Rothenburger Aufstand von 1570 wehrte sich das Amt gegen neue obrigkeitl. Lasten und Einschränkungen, v.a. gegen Viehexportverbote. Ab 1675 wird ein ständiger Amtsseckelmeister erwähnt. Innerhalb des Amts unterschied man steuerlich wie militärisch zwischen dem Inneren Amt R. und dem Äusseren Amt Hochdorf, welche je einen Weibel stellten. 1798 wurde das Amt aufgeteilt in die Distrikte Sempach und Hochdorf, 1803 fasste man den Grossteil im neu geschaffenen Amt Hochdorf zusammen. Emmen, Buchrain und Dierikon kamen zum Amt Luzern-Land, die Exklaven Werthenstein und Schwanden zum Amt Entlebuch und Sigigen zum Amt Sursee.

Quellen und Literatur

  • F. Zelger, Stud. und Forsch. zur Gesch. der Frh. von Rotenburg-Wolhusen sowie des Amtes und Fleckens Rotenburg, 1931
  • F. Glauser, J.J. Siegrist, Die Luzerner Pfarreien und Landvogteien, 1977
  • F. Glauser, «Luzern und die Herrschaft Österreich, 1326-1336», in Luzern und die Eidgenossenschaft, 1982, 9-135
  • F. Glauser, «Luzern und das Luzernbiet im SpätMA», in Alltag zur Sempacherzeit, Ausstellungskat. Luzern, 1986, 19-40
  • B. Vögeli, «Der Rothenburger Aufstand von 1570», in JHGL 10, 1992, 2-40