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Reiat

Flurname, ehem. Obervogtei und Bezirk sowie Wahlkreis im Kt. Schaffhausen, die nicht deckungsgleich sind. 1411 Raigen. Der Flurname für ein Gebiet bei Büttenhardt wurde ab dem 15. Jh. allmählich als Landschaftsbezeichnung für die gesamte Hochebene nordöstlich der Stadt Schaffhausen zwischen Durach- und Bibertal verwendet, auf der die Dörfer Büttenhardt, Lohn und Stetten liegen. Das Gebiet ist sehr wasserarm und steinig, dafür finden sich Tonlagerstätten, die durch die Lohner Ziegelei ausgebeutet werden.

1529 erwarb die Stadt Schaffhausen vom Kloster Paradies die niedere Gerichtsbarkeit über die Dörfer auf dem R., 1521 bzw. 1534 die Niedervogteirechte über Herblingen und die Dörfer im unteren R. Ab 1550 fügte Schaffhausen diese Gebiete zur Obervogtei R. (1553 Reygat, 1559 Reiett) zusammen. Diese umfasste die Herrschaft über die Dörfer Büttenhardt, Lohn, Opfertshofen und Altdorf (oberes Gericht) sowie Herblingen, Stetten, Bibern und Hofen (unteres Gericht). Die zur Landgrafschaft Nellenburg (Österreich) gehörende Hochgerichtsbarkeit gelangte erst 1723 an Schaffhausen. Nach der Helvet. Revolution 1798 wurde R. zum helvet. Distrikt und umfasste zusätzlich die Dörfer Barzheim, Buch und Dörflingen sowie Thayngen als Hauptort. Bis zur Umwandlung R.s in einen Bezirk 1803 kamen auch die Gem. Hemmental, Merishausen und Bargen dazu. Bei der Neuaufteilung der Bezirke 1929 wurde die Gem. Buch dem Bez. Stein am Rhein und Herblingen dem Bez. Schaffhausen zugewiesen. 1999 wurde der Bez. R. abgeschafft.

Mit der Einführung des Proporzwahlsystems für das Kantonsparlament 1952 wurde der Wahlkreis R. aus den Gem. des Bez. R. und zusätzlich den Gem. Bargen, Hemmental, Herblingen, Merishausen gebildet. Nach der Fusion mit der Stadt Schaffhausen kam Herblingen 1964, Hemmental 2009 zum Wahlkreis Schaffhausen.

Quellen und Literatur

  • H.U. Wipf, «Zur begriffl. Ausweitung eines Flurnamens», in SchBeitr. 54, 1977, 7-42
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