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GrandsonHerrschaft, Bezirk

Vom 11. Jahrhundert bis 1475 Adelsherrschaft, bis 1798 gemeine Herrschaft von Bern und Freiburg, seit 1798 Bezirk des Kantons Waadt. Die grosse Herrschaft Grandson, die im Besitz der gleichnamigen Familie war, erstreckte sich über den ganzen waadtländischen Jurafuss. Vor 1049 wurde Montricher davon abgetrennt, 1185 Belmont. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts scheint Ebal I. von Grandson seinen Wohnsitz in La Sarraz eingerichtet zu haben. Vor 1234 teilte Ebal IV. die grosse Herrschaft Grandson in drei Teile, in die Herrschaften La Sarraz, Champvent und Grandson. Letztere ging an seinen jüngsten Sohn Peter I. Die Herren von Grandson verfügten über grössere militärische und finanzielle Amtsbefugnisse als die Kastlane von Savoyen. Bis 1381 hatten sie das adlige Ehrenamt des Vitztums Yverdon inne. Nach der Verurteilung von Hugo von Grandson 1389 wegen Urkundenfälschung wurde die Herrschaft vom Grafen von Savoyen beschlagnahmt und 1400 Marguerite de Montbéliard und 1424 Louis de Chalon als Lehen übertragen. Bei dessen Tod 1463 stritten sich seine Söhne Guillaume und Hugues um den Besitz. Guillaume, dessen Begehren von den Savoyern abgewiesen worden war, wandte sich an Kaiser Friedrich III., der den Bischof von Konstanz als alleinigen Richter bestimmte. Der Bischof entschied gegen das Urteil der Savoyer. In den Burgunderkriegen wurden die de Grandson jedoch 1475-1476 von den Eidgenossen ihres Besitzes beraubt.

Die Herrschaft Grandson wurde den Eidgenossen zugesprochen. Ab 1484 bildete sie zusammen mit den Ländereien von Montagny eine gemeine Herrschaft von Bern und Freiburg. Beide Stände ernannten abwechslungsweise für fünf Jahre einen Vogt. Die Berufungen gingen jeweils an jenen Ort, der den Vogt gerade nicht stellte. 1531 erreichten die ersten Anhänger der Reformation die Entsendung eines Predigers. Die beiden Kantone kamen überein, dass die Reformierten ihren Glauben ausüben und verlangen durften, dass in jeder Pfarrgemeinde eine nach den Regeln des sogenannten Plus erfolgte Abstimmung über die Konfession durchgeführt wurde. Der Widerstand Freiburgs bei der Aufteilung der Güter der Kartause La Lance fiel gering aus. Die Reformation setzte sich zwischen 1531 (Fiez) und 1564 (Bonvillars) überall durch. Die rechtliche Organisation der Vogtei umfasste dreizehn Gerichtshöfe, einen im Städtchen Grandson, der den Sitz der Kastlanei bildete, die anderen in den fünf Meierämtern (Bonvillars, Concise, Fiez, Provence und Yvonand), den vier Lehensgebieten (Corcelles, Chamblon, Essert und Valeyres), den Ländereien von Montagny, der Mairie Onnens und in Vuitebœuf, das zu einem Drittel zur Vogtei gehörte. Das Vogteigericht und das Blutgericht befanden sich in Grandson. Schliesslich gab es für Grandson und die vier Lehen ein Lehensgericht und für die acht Pfarrgemeinden zehn Konsistorien. 1702-1825 kam das Landrecht von Grandson zur Anwendung – grösste Teil seiner 442 Artikel waren dem Recht von Moudon (1577) entnommen worden – , dann wurde die Waadtländer Zivilprozessordnung eingeführt. In der Vogtei, die aus finanzieller Sicht nicht zu den wichtigsten gehörte, wurden verschiedene Messen abgehalten (Grandson, Concise, Champagne und Provence). Die Waldwirtschaft dominierte. 1798 wurde die Revolution in Grandson nicht begrüsst. Rebellen marschierten auf Yverdon zu und wurden am 4. März in Vuitebœuf geschlagen. Ausserdem stiessen mehrere Dutzend Männer zur probernischen Légion fidèle.

1798 wurde aus der ehemaligen Vogtei (ohne Chamblon, Essert, Montagny, Villars-sous-Champvent und Yvonand, die zum Bezirk Yverdon kamen) sowie Sainte-Croix und Bullet der Bezirk Grandson gebildet. Bis 1803 gehörten auch Baulmes, Vuitebœuf, Vugelles-la-Mothe und Valeyres-sous-Montagny dazu. 1798 zählte die Vogtei 5955 Einwohner (8324 für das Gebiet der heutigen Bezirksgrenzen; 5,8% der Waadtländer Bevölkerung). Bis 1900 wies Grandson ein geringes Bevölkerungswachstum aus, im 20. Jahrhundert wegen der Abwanderung aus den ländlichen Gebieten und der Industriekrise in Sainte-Croix einen Bevölkerungsrückgang (1850 10'695 Einwohner, 1900 13'550, 1950 12'816 und 2000 12'253; 2000 1,9% der Waadtländer Bevölkerung). Grandson ist in drei Friedensrichterkreise (Grandson, Concise und Sainte-Croix) unterteilt, bis 1949 gab es zwei Präfekturen (Grandson und Sainte-Croix), dann wurde die Präfektur Sainte-Croix aufgelöst.

Quellen und Literatur

  • J.-F. Poudret, «Les enquêtes de Chalon de 1470-1471 concernant la succession de la châtellenie de Grandson », in Mémoires de la Société pour l'histoire du droit et des institutions des anciens pays bourguignons, comtois et romands, 1965, 91-116
  • H. Herzig, Le district de Grandson raconté par la carte postale: 1895-1925, 1984
  • G. Castelnuovo, L'aristocrazia del Vaud fino alla conquista sabauda, 1990
  • P. Tanner, Le Coutumier de Grandson de 1702 et son application jusqu'à l'entrée en vigueur du droit vaudois, 1992
  • S. Rial, Vaincre ou périr: la légion fidèle de Rovéréa, 2000
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Jean-Jacques Bouquet: "Grandson (Herrschaft, Bezirk)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.10.2009, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007574/2009-10-15/, konsultiert am 05.12.2022.