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Pays-d'Enhaut

Ehemaliger Bezirk des Kantons Waadt (1798-2006), seit 2006 Teil des Bezirks Riviera-Pays-d'Enhaut mit Sonderstatut als Verwaltungskreis. 2004 lehnte Pays-d'Enhaut den Anschluss an den Bezirk Aigle ab. Es besteht aus drei Gemeinden – dem Kreishauptort Château-d'Œx, Rougemont und Rossinière – und liegt in den Waadtländer Voralpen. Das Pays-d'Enhaut wird von der Saane von Ost nach West durchflossen und grenzt an die Kantone Freiburg und Bern. 1764 3864 Einwohner; 1850 3880; 1900 4986; 1930 5654; 1950 4887; 2000 4357.

Erste menschliche Spuren (saisonale Lager) sind im 10. Jahrtausend v.Chr. nachgewiesen (Felsunterstand bei Les Sciernes-Picat, Gemeinde Château-d'Œx). Der mittelalterliche Landesausbau des Tals begann mit den Rodungen, die im 11. Jahrhundert von den Grafen von Greyerz veranlasst wurden, als sie ein Territorium zwischen den zwei Wasserläufen bei Flendruz an Cluny vermachten. Im 12. und 13. Jahrhundert regierten zwei Mitglieder der Familie diesen Teil der Grafschaft, der mit Saanen das damalige obere Greyerzerland bildete: Der Herr von Le Vanel besass Rougemont, derjenige von Montsalvens Flendruz, Château-d'Œx, L'Etivaz, Rossinière und Cuves (La Tine). Die Bewohner (1276 169 Haushaltsvorstände) wurden 1388 bzw. 1396 vom Todfall befreit; 1403 gingen sie einen Burgrechtsvertrag mit Bern ein. Im Pays-d'Enhaut galt das Stadtrecht von Moudon.

Das Pays-d'Enhaut fiel 1555 an Bern, als Bern und Freiburg den Besitz des Grafen Michael von Greyerz unter sich aufteilten. Das Tal wurde der Landvogtei Saanen zugeteilt (zweisprachig französisch-deutsch) und unterstand der deutschsprachigen Verwaltung (Tütschbern). Die Reformation wurde gegen den Widerstand der Bevölkerung eingeführt, das Priorat von Rougemont säkularisiert und dessen Gebäude durch ein Schloss ersetzt, das als Vogteisitz diente. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Getreideanbau fast vollständig aufgegeben; an dessen Stelle traten Rinderzucht und Hartkäseproduktion. Die gemeinen Weiden wurden privatisiert. Ein gewisser Wohlstand sowie niedrige Steuern erklären, warum das Pays-d'Enhaut die Gesellschaftsordnung des Ancien Régime bis zum Zusammenbruch Berns im März 1798 mittrug. 1798 wurde es dennoch – ausschlaggebend waren sprachliche Gründe – in den Kanton Léman integriert, 1803 dann in den Kanton Waadt.

Von zwei Engpässen eingeschlossen (La Tine und Le Vanel), verfügte das Tal während Jahrhunderten nur über schlechte Verbindungen nach aussen. Der meistgenutzte Saumweg war derjenige über den Col de Jaman, der nach Vevey führte. Der Pfad über den Col de Chaude nach Villeneuve wurde vor allem im 18. Jahrhundert benutzt. Ab dem 18. Jahrhundert verband eine befahrbare Strasse durch das Saanetal das Pays-d'Enhaut mit dem freiburgischen Greyerzerland. Im 19. Jahrhundert wurde eine Fahrstrasse über den schon in prähistorischer Zeit begangenen Col des Mosses angelegt. Aber erst die Montreux-Oberland Bernois-Bahn verbesserte die Verkehrserschliessung des Bergtals nachhaltig (1904 Bahnhof in Château-d'Œx). Der Tourismus kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und erlebte vor dem Ersten Weltkrieg seine Blütezeit. Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebte das Tal vor allem von Tourismus und Landwirtschaft (2000 170 landwirtschaftliche Betriebe). Letztere setzte bis 1960 auf die Aufzucht von Zuchtstieren, die ins Unterland verkauft wurden. Anfang des 21. Jahrhunderts war sie auf die Käseproduktion spezialisiert; die 1932 gegründete Kooperative von L'Etivaz erhielt 2000 für ihren Käse das erste AOC-Label der Schweiz. Der Bezirk verzeichnete 1930 seine höchste Bevölkerungszahl, obwohl die Emigration schon im Ancien Régime eingesetzt hatte. Seitdem sind die Einwohnerzahlen rückläufig. Die 1975 gegründete Association pour le développement du Pays-d'Enhaut versucht, den Bevölkerungsrückgang mit diversen Projekten zu bremsen; die neuesten betreffen einen regionalen Naturpark in Zusammenarbeit mit dem Greyerzerland und ein Biosphärenreservat. Einzelne Aufgaben werden in interkantonaler Zusammenarbeit wahrgenommen (z.B. das Spital, zuerst mit Saanen, seit 2006 mit Riaz).

Quellen und Literatur

  • Pays-d'Enhaut, 1882, (Nachdr. 1997)
  • A. Gétaz, Le Pays-d'Enhaut sous les comtes de Gruyère, 1949
  • C. Quartier, Le Pays-d'Enhaut, 1980
  • M. Schoch, La population du Pays-d'Enhaut sous l'Ancien Régime, 1980
  • P.-Y. Favez, «La Réforme au Pays-d'Enhaut», in RHV, 1987, 45-66
  • Sur nos monts quand la nature ..., hg. von F. Lieberherr-Gardiol, E. Stucki, 1987
  • M. Henchoz, G. Morier-Genoud, Château-d'Œx et son district au début du siècle, 1990
  • Pays-d'Enhaut, lieux historiques, lieux vivants, 3 Bde., 2002-08
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Lucienne Hubler: "Pays-d'Enhaut", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.01.2011, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007587/2011-01-04/, konsultiert am 27.09.2022.