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Freiberge

Vom 14. Jahrhundert an bis 1792 Herrschaft des Bistums Basel, 1793-1814 französischer Kanton, ab 1815 bernisches Oberamt bzw. Amtsbezirk mit 17 Gemeinden, entstanden durch die Vereinigung der ehemaligen Herrschaft und eines Teils der Propstei Saint-Ursanne, seit 1979 Bezirk des Kantons Jura mit nunmehr neunzehn Gemeinden (Eingliederung von Lajoux und Les Genevez). Der Bezirk, dessen Hauptort Saignelégier ist, umfasst einen Teil des Clos du Doubs. Er liegt auf einem Karstplateau auf 900 bis 1000 m Höhe; bewaldete Weiden, Tannenwälder, Torfmoore und künstliche Teiche bestimmen das Landschaftsbild. 1818 7152 Einwohner; dann mit Lajoux und Genevez 1850 10'210; 1900 11'854; 1950 9642; 2000 9769. Die Gegend, deren Siedlungsstruktur bis ins 19. Jahrhundert von vielen Streusiedlungen geprägt war, wird in den Quellen unterschiedlich bezeichnet: Mons Falconis (bis ins 14. Jh.), La Montagne de Muriaux, Spiegelberg, La Franche Montagne (auch mit der Ergänzung de Muriaux), Fryenberg (nach 1384) und La Franche Montagne des Bois (1595).

1139 bestätigte Papst Innozenz II. Rechte des Kapitels Saint-Ursanne; die Bulle zählt Montfaucon, Epauvillers, Chercenay und Planei (Saint-Brais) zu dessen Besitz. Goumois wird 1177 erwähnt; Le Bémont, Les Enfers, Montfavergier, Les Pommerats, Les Genevez und Saignelégier sind im 14. Jahrhundert bezeugt. 1315 besass die Adelsfamilie de Muriaux oder von Spiegelberg das Schloss und das gleichnamige Lehen, das bald darauf vom Fürstbischof von Basel erworben wurde. 1384 erliess Bischof Imer von Ramstein einen Freibrief, der die Bewohner von gewissen Steuern ausnahm, insbesondere der Taille, was viele Siedler anzog und zur Entstehung neuer Dörfer in den westlichen Freibergen führte. La Chaux und Le Noirmont werden 1397 erwähnt, Les Breuleux 1429 und Les Bois 1484. Die Freiberge bildeten einen ländlichen Verband mit einem Rat an der Spitze, dem Magistrat de la Montagne, der von einem Bürgermeister präsidiert wurde. Dieser wiederum unterstand einem bischöflichen Meier (nachher Kastlan, Vogt), der in Saint-Ursanne und ab 1691 in Saignelégier residierte. Ursprünglich umfasste die Pfarrei Montfaucon (1139) die ganze Herrschaft. Das Streben der Gemeinden nach Autonomie schlug sich in der Gründung neuer Pfarreien in Le Noirmont (1596), in Les Bois (1619), in Saignelégier (1629) und in Les Breuleux (1661) nieder. Guillaume Farel und seine Anhänger verkündeten dort erfolglos die Reformation. 1595 schloss der Fürstbischof in Delsberg mit den Vertretern der Freiberge ein Abkommen, das die Rechte und vor allem die Pflichten seiner Untertanen festlegte, und beendete so deren Versuche, sich seiner Autorität zu entziehen. Der Dreissigjährige Krieg brachte 1636-1637 Hungersnot und Pest; Dörfer wurden angezündet und geplündert. Der Aufstand der Freiberger Bevölkerung, der gegen die 1726 vom Fürstbischof verfügte Verwaltungsreform ausgebrochen war, fand 1731 ein Ende, nachdem der Bischof den Aufständischen weitreichende Zugeständnisse gemacht hatte (Landestroublen). 1780 wurde durch ein Abkommen zwischen dem König von Frankreich und dem Bischof von Basel ein Teil der Grafschaft Montjoie (Malnuit) und der Herrschaft Franquemont (Goumois) den Freibergen angegliedert. Die Französische Revolution fand in der Region einige glühende Anhänger wie zum Beispiel Ignace Piquerez aus Epiquerez und den Pfarrer Louis-François-Zéphirin Copin aus Le Noirmont. Die Freiberge wurden zunächst dem Departement Mont-Terrible, dann dem Departement Haut-Rhin (1800) angegliedert. Wie der grösste Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel wurden sie 1815 dem Kanton Bern zugeteilt. Unter bernischer Herrschaft zeichneten sich die Bewohner durch eine entschlossene Verteidigung der katholischen Kirche aus. Sie verwarfen die Badener Artikel (1836) ebenso wie die während des Kulturkampfes erlassenen Massnahmen. Im 20. Jahrhundert äusserte sich die Verteidigung der regionalen Identität im militanten Kampf gegen die Errichtung eines Waffenplatzes und später im Widerstand gegen die Ausbreitung von Zweitwohnungen und gegen gewisse Bauprojekte (1960-1970). Sie schlug sich auch in einer breiten Mehrheit für die Gründung des Kantons Jura nieder (77% Ja in der Abstimmung vom 23. Juni 1974).

Landwirtschaft und Viehzucht waren im Ancien Régime nicht die einzigen Wirtschaftszweige. Die Volkszählung von 1770 nennt die Glashütten entlang des Doubs und eine Textilindustrie, die insgesamt mehr Personen (Spinnerinnen, Weber, Schneider, Knopfmacher usw.) beschäftigte als das Holz-, Stein- oder Metallgewerbe einschliesslich der Uhrenindustrie. Im 19. Jahrhundert wurde Letztere zum wichtigsten Arbeitgeber; 1900 beschäftigte sie ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung und 1970, auf ihrem Höhepunkt, fast die Hälfte. Der Bau der regionalen Eisenbahnen 1892-1913 erleichterte der Bevölkerung der Freiberge die Nutzung des wirtschaftlichen, schulischen und kulturellen Angebots von La Chaux-de-Fonds. In den Freibergen wird eine besondere Rasse von Zug- und Reitpferden gezüchtet, die Freiberger; die schönsten Tiere präsentieren die Züchter seit 1897 auf dem jährlich abgehaltenen Marché-Concours in Saignélegier. Die Region setzt ihren Entwicklungsschwerpunkt im Tourismus (Reitsport, Wanderwege, Langlaufloipen, Etang de la Gruère, Freizeitzentrum in Saignelégier und Golf in Les Bois).

Quellen und Literatur

  • A. Daucourt, Histoire de la Seigneurie de Spiegelberg ou des Franches-Montagnes, 1902 (Neudr. 1983)
  • A.-P. Prince, Les Franches-Montagnes dans l'histoire, 1962
  • Les Franches-Montagnes 1384-1984, 1984
  • Franches-Montagnes, pays du cheval, 1997
  • Le Franc-Montagnard: miroir d'un siècle de vie régionale, 1998
  • J.-P. Prongué, La Franche Montagne de Muriaux, 2000
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Claude Rebetez: "Freiberge", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.05.2007, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007626/2007-05-15/, konsultiert am 06.07.2022.