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Werdenberg

Städtchen in der polit. Gem. Grabs SG, ehem. Bez., seit 2002 Region im Kt. St. Gallen, an der Grenze zum Fürstentum Liechtenstein. Die Region erstreckt sich von der Rheinebene über das Hügelland bis zur Alp- und Felsregion entlang der Linie vom Gonzen bis zum Hohen Kasten. Zwei Drittel der Fläche sind Berggebiet. 1289 wird W. erstmals als Stadt bezeichnet. Das in seiner ma. Bauweise weitgehend erhaltene Städtchen war zu Beginn des 21. Jh. mit seinen rund 90 Einwohnern die kleinste Stadt der Schweiz. 1259 Werdenberch. Bez.: 1831 12'505 Einw.; 1850 13'629; 1900 18'204; 1950 20'280; 2000 33'004.

Unter den prähist. Siedlungsspuren ist die gut erforschte Fundstätte auf dem Ochsenberg bei Wartau mit Zeugnissen vom Neolithikum bis ins FrühMA hervorzuheben. Die ursprünglich rom. Bevölkerung wurde durch die alemann. Einwanderung im FrühMA allmählich zurückgedrängt. Im frühen 14. Jh. siedelten sich Walser auf der Alp Palfries (Wartau) an. Die 1289 erw. Burg W. auf einem Geländevorsprung über dem gleichnamigen Städtchen wurde unter den Gf. von Montfort ab der 1. Hälfte des 13. Jh. etappenweise zu einem Herrschaftszentrum auf- und ausgebaut. Deren Nachkommen, die Gf. von W.-Heiligenberg, waren im SpätMA die Landesherren. Die Grafschaft W. umfasste neben dem Städtchen W. die Dörfer Grabs, Buchs und Sevelen. 1402 verpfändete Rudolf II. von W.-Heiligenberg die Herrschaft an die Gf. von Montfort-Tettnang, die sie 1482 an die Gf. von Sax-Misox verkauften. 1485 kam sie an Luzern, 1493 an die Frh. von Castelwart und 1498 an die Herren von Hewen. 1517 erwarb Glarus die stark verschuldete Grafschaft für 21'500 rhein. Gulden und verwaltete sie bis 1798 als Landvogtei. Die Landvögte mit dreijähriger Amtszeit residierten auf Schloss W. Das Amt war käuflich, bis die Glarner Landsgemeinde 1638 die Loswahl unter acht Bewerbern einführte. Von da an waren sämtl. Landvögte reformiert. Der Wahlsieger hatte die sog. Auflage zu entrichten, d.h. er musste Zahlungen an alle Landsgemeindeteilnehmer leisten und einen silbernen Amtsbecher für den Staatsschatz stiften. Dafür standen dem Landvogt, kontrolliert vom Glarner Rat, die Einkünfte aus der Vogtei zu. Die Kontinuität sicherten die Landschreiber, -weibel und Läufer, deren Ämter Glarner innehatten. Die Herrschaft stützte sich auch auf die dörfl. Oberschicht. Die Werdenberger hatten im Ammann einen eigenen Vertreter. In der Reformation 1525 und im Werdenberger Landhandel 1719-22 schlug Glarus die Unruhen im Land mit Gewalt nieder.

Kirchlich gehörte das Städtchen zu Grabs, wo im FrühMA eine christl. Gemeinde aus der Römerzeit überlebt hatte. 1526 führte Landvogt Jost Tschudi die Reformation ein. Die Pfarrer waren meist Glarner. In der 2. Hälfte des 18. Jh. entstand auch in W. eine Freiheitsbewegung, deren Haupt der Arzt Marx Vetsch war. Im Frühjahr 1798 wurde die Landvogtei von den eidg. Ständen in die Freiheit entlassen. In jener Kriegszeit litt W. grosse Not. Nur drei Monate lang bestand die Republik Neu-W. In der von den Werdenbergern akzeptierten helvet. Republik wurde W. zum Leidwesen seiner Bevölkerung, die gerne einem neu zu schaffenden Kt. Sargans angehört hätte, dem Kt. Linth zugeteilt, dessen Hauptort ausgerechnet Glarus war. 1803 erfolgte die Eingliederung in den neuen Kt. St. Gallen und in dessen Bez. Sargans, das Städtchen wurde der Gem. Grabs zugeteilt. Ab 1831 bildete W., erweitert um die ehem. Landvogtei Sax-Forstegg sowie das kath. Gams und Wartau, einen eigenen Bezirk. Dieser umfasste die Gem. Buchs, Gams, Grabs, Sennwald, Sevelen sowie Wartau und bildet seit 2002 die Region W. Zu Beginn des 21. Jh. lebte mehr als die Hälfte der Einwohner in den Gem. Buchs und Grabs. Buchs ist ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt und Standort von grossen Transportunternehmen und regionalen Bildungsanstalten.

Der Haupterwerbszweig der Region vom MA bis weit ins 19. Jh. waren Viehzucht und Alpwirtschaft. An Märkten wurde Vieh in andere Kantone und nach Italien verkauft. Die Viehhändler waren nicht Werdenberger, sondern meist Glarner oder Italiener. Zur Viehzucht kam in der frühen Neuzeit die Stickerei und ab dem 18. Jh. die Baumwollspinnerei. Zahlreiche Werdenberger standen im ausländ. Solddienst, wobei die Glarner die Werbung kontrollierten. Im 19. Jh. wanderten viele Bewohner v.a. in die USA aus. Der durch das Tobel der Simmi führende alte Weg ins oberste Toggenburg wurde 1829-33 zur Fahrstrasse ausgebaut. In der 2. Hälfte des 19. Jh. hielt die Industrie Einzug. 1858 wurde die Eisenbahnlinie Rorschach-Chur eröffnet, 1872 die grenzüberschreitende Strecke von Buchs über Schaan nach Feldkirch. Verheerende Rheinüberschwemmungen, z.B. 1788-89 und 1868, führten im 19. Jh. zum grossen Meliorationswerk, dessen Kernelement der 1882-86 angelegte Werdenberger Binnenkanal war. Im 20. Jh. suchten die Werdenberger Gem. die regionale Zusammenarbeit. So wurde 1907 das regionale Krankenhaus Grabs eingerichtet (ab 1911 kantonal) und ab 1960 in Buchs die regionale Kehrichtverbrennungsanlage aufgebaut (Fürstentum Liechtenstein, W., Rheintal, Sargans, Obertoggenburg). Versch. Hightech-Unternehmen, z.B. der Maschinenindustrie, Hersteller von Präzisionsinstrumenten und Zulieferer für die Autoindustrie waren zu Beginn des 21. Jh. wichtige Arbeitgeber. Das 1835 von der Fam. Hilty erworbene Schloss W. schenkte Frieda Hilty 1956 dem Kt. St. Gallen, der darin 1981-82 ein Rheinmuseum und eine kant. Waffensammlung einrichtete. Seit 2007 wird das Schloss als Kulturzentrum genutzt, in dem u.a. die Schlossfestspiele stattfinden. Das Städtchen W. beherbergt seit 1998 das Regionalmuseum Schlangenhaus.

Quellen und Literatur

  • B. Anderes, W.: Schloss und Städtchen, 1983
  • H. Schneider, W. Meyer, Burgen der Schweiz 6, 1983, 57-59
  • D. Schindler, «W. als Glarner Landvogtei», in St. Galler Kultur und Gesch. 15, 1986, 139-342
  • Werdenberger Jb., 1988-
  • W. Hagmann, Krisen- und Kriegsjahre im W., 2001
  • SGGesch. 2, 126; 3, 71 f., 86 f.
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