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StammheimVogtei

Frühmittelalterliche Mark, 1464-1798 Zürcher Vogtei. 761 Stamhaim. Die Vogtei Stammheim umfasste Ober- und Unterstammheim sowie ab 1501 Nussbaumen. Im Frühmittelalter war Stammheim für die damalige Zeit dicht besiedelt. Die Schriftquellen erwähnen 897 eine Kirche sowie einen Königshof, den Karl der Dicke 879 dem Kloster St. Gallen geschenkt hatte. Laut dem Verbrüderungsbuch des Klosters Pfäfers befand sich um 900 auch ein sankt-gallisches Filialklösterchen (cella) in Stammheim. Von der hochmittelalterlichen Fronhoforganisation des Klosters St. Gallen zeugen je ein Kelnhof in Ober- und Unterstammheim, die beide im 13. Jahrhundert erwähnt sind. Bodenforschungen wiesen in Oberstammheim unter der Galluskapelle eine karolingische Kirche sowie in Unterstammheim eine nur kurze Zeit bewohnte Höhenburg aus dem 10. Jahrhundert nach. 1303 verkaufte das Kloster St. Gallen die Reste der hochmittelalterlichen Grundherrschaft und damit auch die niederen Gerichte den Herren von Klingenberg. 1464 erwarb die Stadt Zürich einen klingenbergischen Schuldbrief, der mit dem Niedergericht von Stammheim versichert war. Als die Brüder Heinrich, Albert und Wolfgang von Klingenberg die Schuldzinsen nicht bezahlten, ging das Niedergericht noch im selben Jahr an den Zürcher Rat. Zürich verwaltete Stammheim vorerst als innere Vogtei, zu der 1501 noch Nussbaumen hinzukam. Hochgerichtlich gehörte aber Stammheim der Landgrafschaft bzw. der gemeinen Herrschaft Thurgau an. 1504 regelten Zürich und die Eidgenossenschaft diese Gerichtspartnerschaft: Nur das Blutgericht sowie das Mannschaftsrecht über Nussbaumen verblieben bei der gemeinen Herrschaft Thurgau. Der Stadt Zürich hingegen wurde das Mannschaftsrecht über Stammheim zugesichert und alle niedergerichtlichen Herrschaftsrechte bestätigt. Nachdem die Stadt 1583 auch noch das Schloss Steinegg erworben hatte, erhob sie die Herrschaft zur Obervogtei Steinegg-Stammheim. Bei der Auflösung der Obervogtei 1798 gingen Ober- und Unterstammheim ganz zum Kanton Zürich bzw. zum helvetischen Distrikt Benken über, während Nussbaumen zum Kanton Thurgau kam.

Quellen und Literatur

  • A. Farner, Gesch. der Kirchgem. S. und Umgebung, 1911
  • K. Wanner, Siedlungen, Kontinuität und Wüstungen im nördl. Kt. Zürich (9.-15. Jh.), 1984, 84-93