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Moore

Moore sind dauernd feuchte Gebiete mit charakteristischen Pflanzengemeinschaften auf einer Torfschicht, die zusammen mit Bruchwäldern, Sümpfen, Riedern oder Kleingewässern aller Art auch ohne grundlegende Torfschicht als Feuchtgebiete bezeichnet werden. Sie entstanden nach der letzten Eiszeit (vor ca. 15'000-10'000 Jahren) sowie später in Muldenlagen, wo Wasserüberfluss und klimatisch günstige Bedingungen zum Wachstum bestimmter Pflanzen (mittlere Jahrestemperatur unter 10°C) herrschten. Grossflächige Niedermoore (Verlandungsmoore, Flachmoore, Wiesenmoore, Riede) bildeten sich zum Beispiel im Berner Seeland, im St. Galler Rheintal sowie in vielen Flusstälern und Ebenen der Schweiz. Während Flachmoore ihre Feuchtigkeit und Nährstoffe hauptsächlich aus dem Grundwasser ziehen, werden Hochmoore (Heide- oder Moosmoore), die über den bestehenden Grundwasserspiegel hinaus gewachsen sind, nur vom Regenwasser versorgt. Beide Moortypen finden sich in der Schweiz vor allem am Alpennordrand zwischen Genfersee und Säntis sowie im Jura. Moore sind für zahlreiche geschützte Tiere und Pflanzen (wie Schwertlilie, Sonnentau, Wollgras) der wichtigste Lebensraum (Flora, Fauna, Naturschutz).

Feuchtgebiete und Moore bedeckten um 1700 im Gebiet der heutigen Schweiz rund 5% der Landesfläche. Die extensive landwirtschaftliche Nutzung trug im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zur Erhaltung und sogar Entstehung von Flachmooren bei, zum Teil führten aber ab dem 18. Jahrhundert die Entwässerung von Böden, die Torfstecherei, Massnahmen zur Bodenverbesserung sowie die Umwandlung in land- und forstwirtschaftlich nutzbares Land zu deren Verschwinden. Allmendteilungen und Meliorationen, Entsumpfungen, grossräumige Trockenlegungen, Gewässerkorrektionen (Linthebene, Alpenrhein, Rhone, Broye, Orbeebene, Juragewässer, Emme, Reuss, Tessin) sowie der Bau von Stauseen, Siedlungen und Strassen reduzierten die Moorflächen der Schweiz und vor allem des Mittellands im 19. und 20. Jahrhundert besonders stark. Verschiedene Flurnamen deuten noch heute darauf hin, wie deutsch Moos und Ried, französisch Mosses, Mouilles und Sagne sowie italienisch Bolla und Lanca.

Zahlreiche bis ins Paläolithikum zurückreichende menschliche Spuren blieben unter den günstigen Bedingungen der nassen Moorböden erhalten. Zu den bekannten Funden gehören Moorleichen (unter Sauerstoffabschluss und Säureeinwirkung konservierte Leichen oder menschliche Überreste) sowie Opfer- und Votivgaben aus der Bronze- und Eisenzeit. Aus neolithischen Siedlungen stammen Fundmaterialien in Weier bei Thayngen und im Wauwilermoos im luzernischen Egolzwil.

Insassen der Strafanstalt Witzwil beim Torfstechen während des Ersten Weltkriegs im Seeland (Staatsarchiv Bern, BB 10.4.69).
Insassen der Strafanstalt Witzwil beim Torfstechen während des Ersten Weltkriegs im Seeland (Staatsarchiv Bern, BB 10.4.69). […]

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren die Moore üblicherweise Teil der kollektiv genutzten Allmend und dienten als Weideland für Gross- und Kleinvieh; die ungenutzten Flächen verbuschten und Bäume wuchsen auf. Das Dorf selbst regelte deren Nutzung, doch griffen zunehmend städtische Obrigkeiten (Basel, Bern, Zürich), gestützt auf die Ideen der Agrarreformer, vor allem im 18. Jahrhundert mit Mandaten in die kollektive Regelung ein, die mit Wald und Weide auch die Streuwiesen und Moore betraf (Nutzungsrechte). Um dem Holzmangel zu begegnen, wurden Moore zusätzlich zur Torfgewinnung genutzt und dadurch teilweise zerstört. Ab dem frühen 18. Jahrhundert begannen insbesondere Zürcher Gemeinden, Hochmoore zu entwässern und Torf abzubauen, wobei der gestochene Torf in Ziegelform anstelle von Brennholz verwendet wurde. Daneben stieg mit der Umstellung auf die ganzjährige Stallhaltung des Viehs der Bedarf an Heu und Streue, was zu einer verstärkten Nutzung der Moore als Heu-, Streue- und Riedwiesen führte.

Im Kanton Bern bildeten sich nach 1850 sogenannte Entsumpfungsgenossenschaften mit dem Recht, Moore und Sümpfe trockenzulegen. Zwischen 1885 und 1940 wurden mittels Tonröhrendrainage und anderer Techniken gesamtschweizerisch etwa 80'000 ha Moorland entwässert. Während des Zweiten Weltkriegs kamen im Rahmen der Anbauschlacht weitere 80'000 ha dazu. Nicht drainierte Gebiete wurden weiterhin als Streuwiesen genutzt. Häufig im Besitz der Gemeinde, verpachtete man Teile des Moors zur Gewinnung von Streue und Torf bis nach dem Zweiten Weltkrieg an Private. Ab 1950 schwand die Bedeutung der Torf- wie der Streugewinnung und die Entsumpfungen wurden weitgehend eingestellt. Der Umfang der Flach- und Hochmoore fiel im Laufe des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts insgesamt um etwa 90% auf 0,5% der Landesfläche zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Das landesweit rasche Verschwinden von Feuchtgebieten beschäftigte ab Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Schweizerische Naturschutzkommission, die ihr Augenmerk auf bedrohte Naturdenkmäler richtete. Der Heimatschutz folgte später diesem Anliegen. Am 1. Juli 1966 wurde ein Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz erlassen. Als das Eidgenössische Militärdepartement in den 1980er Jahren den Bau eines Waffenplatzes im Hochmoor bei Rothenthurm plante, erwuchs dem Vorhaben Widerstand in Form einer Verfassungsinitiative, der sogenannten Rothenthurm-Initiative. Sie verlangte, dass alle Moore und Moorlandschaften von nationaler Bedeutung bedingungslos geschützt werden. Volk und Stände nahmen im Dezember 1987 die Initiative an.

Plakat von Fritz Hug für die Abstimmung vom 6. Dezember 1987 über die Volksinitiative zum Schutz der Moore (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Plakat von Fritz Hug für die Abstimmung vom 6. Dezember 1987 über die Volksinitiative zum Schutz der Moore (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). […]

Auf der rechtlichen Basis des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz von 1966 und den Zusatz eines rigorosen Schutzes der Moore von 1987 liess der Bund mit Unterstützung des Schweizerischen Bunds für Naturschutz (seit 1997 Pro Natura) Inventare verschiedener Moortypen erstellen sowie eine Hochmoorverordnung erarbeiten. Bis 1991 lag ein Bundesinventar der Hoch- und Übergangsmoore von nationaler Bedeutung vor. 1994 folgten im Auftrag des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (seit 2006 Bundesamt für Umwelt) weitere Inventare zu den Hoch- und Flachmooren von nationaler Bedeutung sowie 1996 das Bundesinventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und nationaler Bedeutung mit 89 Objekten (Auswahl aus 329 vorgeschlagenen Objekten), die 2,2% der Landesfläche und 92'600 ha (in 19 Kantonen) entsprachen. Die ausgewählten Moorlandschaften sind von Mooren geprägt, schliessen aber Wälder, landwirtschaftlich genutzte Flächen, andere Naturbiotope und Kulturelemente wie Bäche, Hecken, Trockenwiesen und Weiher mit ein. Das Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung verzeichnete 2017 1268 schutzwürdige Moore mit rund 21'500 ha Gesamtfläche, das Bundesinventar der Hochmoore von nationaler Bedeutung umfasst 546 Moore mit einer Gesamtfläche von rund 1600 ha, was etwa 0,5% bzw. 0,03% der Landesfläche entspricht.

Die Umsetzung des Moorschutzes fällt in die Kompetenz der Kantone, was diese zu Schutz und Pflege der als schutzwürdig eingestuften Moore verpflichtet. Trotzdem bleiben zahlreiche Moore durch Probleme wie anhaltende Entwässerung, Nährstoffeintrag, Fragmentierung, Verbuschung und Wiederbewaldung in ihrer Existenz gefährdet. Die kulturelle Bedeutung der Moore als selten gewordener Ökotyp betonen Naturschutzkreise durch Lehr- und Lernangebote. In Les Ponts-de-Martel, einer ehemaligen Stätte des industriellen Torfabbaus im grössten Hochmoor der Schweiz, wurden zum Beispiel 1998 und 2000 zwei Moorlehrpfade eingerichtet. Lehrpfade führen auch um den Etang de la Gruère (zwischen Saignelégier und Tramelan), in die Moorlandschaft im Unesco-Biosphärenreservat des Entlebuchs oder in die Auengebiete der Magadinoebene.

Quellen und Literatur

  • Encyclopédie illustrée du Pays de Vaud 1, 1970, 41-59
  • C.A. Vaucher, Leben in Weiher, Ried und Moor, 1976
  • U. Hintermann, Inventar der Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung, 1992
  • M. Irniger, "Wald und Waldnutzung im Umbruch des 18. Jahrhunderts", in Geographica Helvetica 48, 1993, 67-71
  • Mires and Man, hg. von A. Grünig, 1994
  • S. Radlmair et al., "Geschichte der landwirtschaftlichen Moornutzung im süddeutschen Alpenvorland", in Natur und Landschaft 74, 1999, 91-98
  • R. Meier et al., "Zum Schutz der Moorlandschaft Schwägalp unter besonderer Betrachtung des Teils im Kanton Appenzell Ausserrhoden", in Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen 152, 2001, 314-319
  • Moore und Moorschutz in der Schweiz, 2002
  • "Biodiversität in Feuchtgebieten", in Hotspot 15, 2007, 3-26
  • Schwyzer Moore im Wandel, 2007