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Tempel

Der italisch-etruskisch beeinflusste röm. T., der sich vom gallorömischen T. (Fanum) durch Grundriss und Funktion unterschied, stand auf einem hohen rechteckigen Podium und wurde durch eine axial angelegte Treppe betreten, die in die Vorhalle (pronaos) und den zentralen Kultraum (cella) führte. Vor deren Rückwand stand das Kultbild. Der röm. T. brachte die Idee des Schutzes durch die offiziellen Götter zum Ausdruck und symbolisierte die Autorität und Macht Roms. Er war ein Grundelement des Stadtbilds, und in den Provinzen gehörte er mit dem Platz und der Basilika zum dreiteiligen Forum. Dass der röm. T. auch im Gebiet der heutigen Schweiz zu den festen Bestandteilen der Coloniae und der Hauptorte der Civitates zählte, belegen ein halbes Dutzend schlecht erhaltener und zumeist keiner Gottheit zuschreibbarer Beispiele. In Augusta Raurica (Augst), in Aventicum (Avenches) und in Colonia Iulia Equestris (Nyon) dominierte der auf drei Seiten von Portiken umgebene T. die area sacra des öffentl. Platzes, im Forum Claudii Vallensium (Martigny) hingegen stand er auf einem durch die Verbreiterung einer Strasse entstandenen Platz neben dem Forum. Wie bei zahlreichen Vorbildern im Mittelmeerraum waren der röm. T. und das Theater oft architektonisch aufeinander bezogen und bildeten zusammen eine grosse Kultanlage. In Augst und Avenches standen sich Theater und T. in strenger Axialität gegenüber und schufen einen würdevollen Rahmen für Prozessionen und szen. Darstellungen zu Ehren des Kaisers. Der röm. T. auf dem Schönbühl in Augusta Raurica stand in der Mitte eines von Säulengängen umrahmten Platzes, jener in der Anlage Le Cigognier in Aventicum, dem Hauptort der Helvetier, war dem Templum pacis in Rom nachempfunden und der ihn umgebenden Portikus angegliedert.

Quellen und Literatur

  • P. Gros, L'architecture romaine 1, 1996 (22002)
  • SPM 5, 114 f., 122-124, 315