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Häfen

Die Schifffahrt und die Flösserei waren im schweiz. Raum bis zur Mitte des 18. Jh. von herausragender Bedeutung. Daher waren H. als Einrichtungen für den Personen- und Warenverkehr nötig. Häufig förderten sie die Entwicklung und die wirtschaftl. Prosperität einer Siedlung.

Für das Neolithikum und die Bronzezeit kann noch nicht von eigentl. Hafenanlagen gesprochen werden. Zu Bedeutung gelangten Hafenanlagen aber in der Römerzeit, weil die Römer trotz ihrer Fähigkeiten als Strassenbauer wo immer möglich Wasserwege benutzten und Siedlungen, Kolonien und Heerlager an Flüssen oder Seen bauten. Es sind sogar schon aus dieser Zeit Flösser- und Schiffervereinigungen für die Rhone, die Aare, den Genfer- und den Comersee belegt. Benutzt wurden aber auch gewisse andere Alpenrandseen nördlich und südlich des Gebirges und die Seen am Jurasüdfuss. Bisher bekannte röm. Hafenanlagen sind der 123-107 v.Chr. erbaute Hafen von Genf, die H. in Lausanne und Aventicum sowie der 2002 entdeckte erste Flusshafen in Vindonissa am Reussufer.

Im MA erhielten die Wasserwege und die H., die bis ins 18. Jh. in der Regel mit wenig baul. Infrastruktur ausgestattet waren, wieder eine grössere Bedeutung. Die H. hatten die Funktion von Susten (Warenumschlagsplätzen), wo Waren von einer Transportgesellschaft an die nächste übergeben und gelegentlich auch gestapelt wurden. Die dazu notwendigen Lagerräume wiesen beispielsweise in Luzern im 13. Jh. offene Vorderfronten und von Balken gestützte Laubengänge auf. Zur Anlage gehörte meist auch ein Schiffshaus, wo z.B. die Zollformalitäten abgewickelt wurden, da viele H. auch Zollstationen (Zölle) waren. An gewissen H. wurden für die Kommis (Hafenwärter) Wohnhäuser mit Backhaus und Gemüsegarten erstellt, an wichtigen Plätzen eine Schiffswerft angebaut. Neben den Gebäuden musste eine möglichst bequeme Ein- und Ausladestelle eingerichtet werden. Meist war das ein mit Steinfliesen bedeckter Vorplatz und eine je nach Tiefe des Wassers mehr oder weniger lange Brücke aus Holz, üblicherweise auf Pfählen.

Ortschaften mit Hafenfunktion waren Walenstadt und Weesen am Weg Zürich-Chur, Yverdon und Morges am Verkehrsweg Bern-Genf, Flüelen an der Gotthardachse und Horgen und Zug an der Route zwischen Zürich und Luzern. Wichtige H. waren ausserdem Bern, Aarberg, Freiburg, Villeneuve (VD), Vevey oder Lausanne als Nahtstellen zwischen Wasser- und Landwegen, Rheineck als Umladeort am Weg von und nach Chur sowie Basel, Konstanz und Luzern als Haupthandelshäfen grosser Regionen.

Infolge der Umlagerung der Waren- und Personentransporte auf die Strasse und Schiene im 18. und 19. Jh. verkümmerten viele Hafenanlagen. Ausgebaut wurden touristisch genutzte H., die oft zu Repräsentationszwecken eine Quaianlage erhielten (z.B. am Genfersee und am Zürichsee). Im Laufe des 20. Jh. entstanden an allen grösseren Seen Freizeithäfen für Wassersportler; entweder als Neubau oder als Umbau bestehender Hafenanlagen.

Der Hafen von Kleinhüningen in Basel. Luftaufnahme, 1965 (Staatsarchiv Basel-Stadt, BALAIR 65044).
Der Hafen von Kleinhüningen in Basel. Luftaufnahme, 1965 (Staatsarchiv Basel-Stadt, BALAIR 65044). […]

Der einzige Hafen von internat. Bedeutung ist der Basler Rheinhafen. Ab der Römerzeit war Basel Etappenort im Nord-Süd-Verkehr auf dem Wasser und blieb dies auch im MA. Im 16. Jh. verlor der Basler Rheinhafen stark an Bedeutung, erhielt sie aber mit der Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Rhein 1832 zurück. 1905-39 wurde der Hafenkomplex an zahlreichen Orten ausgebaut (1905 St. Johann, ab 1919 Kleinhüningen und Klybeckquai, ab 1936 Birsfelden und Muttenzer Au). 1912 wurden erstmals 100'000 t Güter, hauptsächlich Kohle, pro Jahr umgeschlagen (1957 2 Mio. t Kohle). In den letzten 25 Jahren war die Menge der umgeschlagenen Waren rückläufig, da insbesondere die Kohle immer stärker durch Erdölprodukte ersetzt worden war. Das Hafenbild war zu Beginn des 21. Jh. durch Tankanlagen und Container-Terminals geprägt.

Quellen und Literatur

  • E. Liechti, «Die Entwicklung der Schiffahrt auf den Seen des Berner Oberlandes», in Jb. vom Thuner- und Brienzersee, 1991, 37-63
  • M. Baumann, Stilli: von Fährleuten, Schiffern und Fischern im Aargau, 1996
  • G. Leipold-Schneider, «Der Rhein als Verkehrsweg», in Unser Rheintal 53, 1996, 75-88
  • F. Christe, V. Chaudet, «Le port médiéval et les défenses de la Villeneuve de Chillon», in MA. Zs. des Schweiz. Burgenvereins 2, 1997, Nr. 3, 45-62
  • SPM 5, 190
  • B. Lüem, Heimathafen Basel, 2003