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EstavayerHerrschaft

Die nach der Stadt Estavayer-le-Lac (dt. Stäffis am See) benannte Herrschaft war ab dem frühen 12. Jh. im Besitz der hochadligen Herren von E. Wohl gegen Ende des 12. Jh. wurde sie unter den Söhnen Conos I. aufgeteilt. Das Ausgreifen der Gf. von Savoyen in die Waadt erfasste auch E.: Nach einer Zeit der Lehensabhängigkeit vom Bf. von Lausanne mussten sich die beiden Teilherrschaften 1244 und 1250 Peter II. von Savoyen unterwerfen. Eine weitere Aufsplitterung erfolgte Ende des 13. Jh., so dass nun drei Herrschaften nebeneinander bestanden, die von drei in der Stadt E. liegenden Burgen aus (La Motte-Châtel, Chenaux, Savoie) verwaltet wurden. Die Aufteilung der Herrschaft erfolgte jedoch nicht strikt territorial; die versch. Mitherren übten die Herrschaftsrechte gemeinsam für die gesamte Herrschaft aus. Der Gerichtsbezirk von E. umfasste um 1350 ausser E. die Dörfer Lully, Franex, Frasses, Bussy, Morens, Rueyres-les-Prés, Vernay, Forel, Autavaux, Montbrelloz, Sévaz, Montet (Broye) und Aumont, später kam noch Granges-de-Vesin hinzu. 1349 verkaufte Wilhelm IV. von Stäffis, der bis dahin die Hälfte der Herrschaft besessen hatte, seinen Anteil für 3'300 Pfund Lausanner Währung an die Herrin der Waadt, Isabella von Chalon. Deren Erben veräusserten ihn 1359 dem Gf. Amadeus VI. von Savoyen. Hzg. Amadeus VIII. übergab diesen Teil 1421 Humbert von Savoyen, der 1432 zusätzlich die Herrschaft Chenaux von Anselm und Jakob von E. erwerben konnte. Nach Humberts Tod 1443 fielen seine zwei Teilherrschaften an den Hzg. von Savoyen zurück, der jedoch Chenaux 1454 an Jakob von E. verkaufte. Dessen Enkel Johann überliess Chenaux 1488 zur Schuldentilgung der Stadt Freiburg, die einen Kastlan einsetzte. Bei der Eroberung der Waadt 1536 besetzten die Freiburger das Schloss Savoie und übernahmen die dazugehörige Teilherrschaft; die bisherige Kastlanei wurde zur freiburg. Landvogtei. Der Landvogt, der gleichzeitig Schultheiss der Stadt E. war, residierte im Schloss Chenaux. Als Lorenz von E. 1632 kinderlos starb, benutzte Freiburg die Gelegenheit, die gesamte ehemalige Herrschaft E. in Besitz zu nehmen. 1798 wurde die Landvogtei in den Bez. E. integriert, 1848 in den neu geschaffenen Broyebezirk.

Quellen und Literatur

  • H. de Vevey, «Les sires d'E.», in GHS 2, 225-348
  • B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 115-130
  • D. Tappy, Les Etats de Vaud, 1988, 149-152
  • G. Castelnuovo, L'aristocrazia del Vaud fino alla conquista sabauda, 1990, 127-130