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CalancaTal

Das Postauto an der Haltestelle in Selma, um 1948. Im Hintergrund die Ortschaft Cauco (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Schweizerische Verkehrszentrale).
Das Postauto an der Haltestelle in Selma, um 1948. Im Hintergrund die Ortschaft Cauco (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Schweizerische Verkehrszentrale).

Tal und ehemaliger politischer Kreis des Kantons Graubünden, Bezirk bzw. seit 2016 Region Moesa. Zum Kreis gehörte das ganze Calancatal mit den Gemeinden Buseno, Castaneda, Rossa, Santa Maria in Calanca und Calanca, das 2015 aus der Fusion von Arvigo, Braggio, Cauco und Selma entstanden war. Das Calancatal wird von der Calancasca durchflossen, die bei Grono in die Moesa mündet. 1733 2900 Einwohner; 1773 2246; 1850 1595; 1950 1287; 1990 740; 2000 809; 2010 766; 2020 835.

Das Tal gehörte vom 12. Jahrhundert an mit dem Misox zum von der Burg Mesocco aus verwalteten Herrschaftsgebiet der von Sax, das 1480 an die Trivulzio überging. 1496 trat die Talschaft mit dem Misox dem Grauen Bund bei. 1549 erlangte sie die Loslösung von den Trivulzio und bildete darauf verwaltungsmässig eine der vier Squadren des Hochgerichts Misox. Gerichtlich gehörte die Calanca zum Vikariat Roveredo. Das Tal war unterteilt in die zwei Degagne Ca' und Calancasca. Beide waren wiederum zusammengesetzt aus zwei halben Degagne, welche ihrerseits in Nachbarschaften aufgeteilt waren. 1796 kam es nach einem heftigen Streit zur Trennung zwischen der Inneren (Arvigo-Landarenca, Braggio-Selma, Santa Domenica-Augio, Rossa) und der Äusseren Calanca (Santa Maria in Calanca, Castaneda, Buseno, Cauco). 1851 wurde die Calanca nach der neuen Bündner Landeseinteilung in 11 Gemeinden gegliedert: die acht oben erwähnten, Landarenca (1980 mit Arvigo fusioniert), Augio und Santa Domenica (beide 1982 mit Rossa vereint). Hauptort des Kreises Calanca war Arvigo.

Weil die Bodenbeschaffenheit und die Höhenlage nur wenig Ackerbau zuliessen (etwas Roggen-, Weizen- und Kartoffelanbau) basierte die Wirtschaft des Calancatals in erster Linie auf Vieh- und Alpwirtschaft. Einen Grossteil der Einkünfte erwirtschafteten in früheren Jahrhunderten die zahlreichen Auswanderer: Glaser in der deutschen Schweiz und Frankreich, Harzer, Pechverkäufer im süddeutschen Raum und in Österreich sowie Maler vor allem in Frankreich und der Romandie. Die Calanca besitzt ausgedehnte Nadelwälder (Tannen, Lärchen), die in der Vergangenheit intensiv genutzt wurden. Einzige Industrie sind die Beola-Steinbrüche in Arvigo (Steinindustrie), woher der wertvolle grüne Schiefer in die Deutschschweiz und ins Ausland geführt wird. Früher wurden in Cauco auch Gefässe aus Speckstein (Lavez) gedreht. Der Tourismus ist heute vor allem im Sommer durch Ferienwohnungen präsent. Eine Postautolinie ab Grono stellt den Personenverkehr sicher. Die Calanca hatte lange unter der Entvölkerung gelitten; erst verschiedene Anstrengungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts sorgten für eine allmähliche Trendwende.

Quellen und Literatur

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Umwelt / Tal

Zitiervorschlag

Cesare Santi: "Calanca (Tal)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.10.2021, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008065/2021-10-25/, konsultiert am 18.08.2022.