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Schams

Talschaft und Kreis des Kantons Graubünden, Bezirk Hinterrhein, umfasst die Talstufe zwischen der Viamala- und Roflaschlucht sowie das südlich anschliessende Val Ferrera (800-3000 m Höhe). Zentren sind die Strassendörfer Zillis und Andeer im Talgrund. Die geschlossenen Kleinsiedlungen Reischen und Pignia liegen auf Tiefenterrassen rechts des Rheins, Donat, Clugin, Pazen, Farden, Casti, Wergenstein, Lohn und Mathon am Schamserberg, Rongellen, die einzige seit jeher deutschsprachige Gemeinde in der Viamala, sowie Ausser- und Innerferrera im Val Ferrera. 831 in Sexaminis; romanisch Val Schons. 1780 1772 Einwohner; 1850 2134; 1900 1498; 1950 1653; 2000 1647.

Eine urgeschichtliche Besiedlung ist vor allem durch die frühbronzezeitlichen Gräber von Donat belegt. Die Ortsbezeichnung Lapidaria, die auf einer Kopie einer römischen Strassenkarte wiedergegeben wird, dürfte sich auf Zillis oder Andeer beziehen, die an der Zufahrt zu den wichtigen Alpenpässen Splügen und San Bernardino liegen. Das Churrätische Reichsgutsurbar (um 840) nennt Königsland der Zilliser Pfarrkirche St. Martin, die als Zentrum der Grosspfarrei die Zehnten der ganzen Landschaft bezog. König Otto I. schenkte 940 dem Churer Bischof die Kirche samt ihrem Besitz, zu dem vier Grosshöfe im Schams und vorderen Rheinwald gehörten. Das Schams war bereits im frühen 13. Jahrhundert ausgebautes Siedlungsland mit Viehzucht und Ackerbau. Ab 1204 ist am Schamserberg eine Gemeinde altfreier Bauern mit eigenem niederen Gericht belegt. Im Hochmittelalter war die Herrschaft Schams ein Lehen des Bischofs von Chur an die Freiherren von Vaz. 1338 kam das Tal an die Grafen von Werdenberg-Sargans. In Opposition zum Landesherrn trat es 1424 dem Grauen Bund bei. Die Werdenberger verkauften nach ihrer Niederlage im Schamser Krieg und der Zerstörung der Bärenburg Schams 1456 an das Bistum. 1458 kaufte sich das Tal aus. Die Reformation erfolgte zwischen 1530 und 1540. Die Nachbarschaften der Gerichtsgemeinde Schams bildeten vier kleine (Zivil-)Gerichte. Zillis war der Hauptort, mit Rathaus, Richtstätte, Markt und einer Sust der Port (Säumergenossenschaft) Schams. Der Transitverkehr erlebte nach der Verbesserung des Wegs durch die Viamala (nach 1473) sowie dem Bau einer Fahrstrasse (1818-1823) jeweils einen Aufschwung. Blütezeiten des Bergbaus (v.a. in Inner- und Ausserferrera, Andeer, Zillis und Reischen) waren das 17. und 19. Jahrhundert. 1851 wurde aus der Gerichtsgemeinde der gleichnamige Kreis. Übernolla kam 1875 zur Gemeinde Thusis. Der Rückgang des Transitverkehrs nach der Erstellung der Bahnlinien über Brenner und Gotthard und das Ende des Bergbaus verstärkten die Wirtschaftskrise und führten zu einer Auswanderungswelle. Ab 1901 wurden Fahrstrassen am Schamserberg angelegt. Vor allem Andeer, das im 19. Jahrhundert Zillis als Zentrum des Schams ablöste, profitiert von einem Wander- und Badetourismus. Nach 1960 sanierte der Ort die Gemeindefinanzen, wozu auch die durch die Kraftwerke Hinterrhein geschaffenen Arbeitsplätze beitrugen. Während die Germanisierung im Talboden fortgeschritten ist, spricht der landwirtschaftlich geprägte Schamserberg romanisch. Die schon im 19. Jahrhundert diskutierte Fusion der dortigen Zwerggemeinden kam nur zu einem kleinen Teil zustande.

Quellen und Literatur

  • L. Schmid, Graubünden, 1971, 86-88
  • B. Mani, Heimatbuch Schams, 31993
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Zitiervorschlag

Jürg Simonett: "Schams", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.07.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008082/2011-07-13/, konsultiert am 18.07.2024.