de fr it

MontagnyFR, Herrschaft

Die Eroberung des Schlosses und der kleinen Stadt Montagny-les-Monts durch Freiburger Truppen im Jahr 1447. Illustration in der Berner Chronik von Benedikt Tschachtlan, 1470 (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Ms. A 120, S. 962).
Die Eroberung des Schlosses und der kleinen Stadt Montagny-les-Monts durch Freiburger Truppen im Jahr 1447. Illustration in der Berner Chronik von Benedikt Tschachtlan, 1470 (Zentralbibliothek Zürich, Handschriftenabteilung, Ms. A 120, S. 962). […]

Die Burg Montagny in Montagny-les-Monts (heute Gemeinde Montagny) wird als Zentrum der gleichnamigen Herrschaft 1146 erstmals erwähnt. Wohl nach 1127 etablierten die Herzöge von Zähringen im Rahmen ihrer Burgundpolitik einen Zweig der Hochadelsfamilie von Belp in Montagny, das für die Kontrolle über das Priorat Payerne und die Strasse vom Genfersee an den Rhein bestens geeignet war. Das Territorium war durch die früh- und hochmittelalterlichen Pfarreien Dompierre, Domdidier, Tours, Corcelles (heute Corcelles-près-Payerne), Prez-vers-Noréaz, Lentigny/Onnens, Chandon und Courtion kirchlich erschlossen. Die meisten Ritteradligen der Region (Ritter von Prez, Belmont, Seedorf, Châtonnaye, Villarzel, Oleyres, Defferra de Forel) wurden von der Herrschaft abhängig. Wahrscheinlich noch im 12. Jahrhundert entstand unterhalb der Burg Montagny eine Kleinstadt, die zum wirtschaftlichen Zentrum der Herrschaft wurde. Nach dem Aussterben der Zähringer 1218 geriet die Herrschaft unter savoyischen Einfluss. 1265 wurde sie endgültig dem Lehensverband der savoyischen Waadt eingegliedert. Zu den grundherrlichen Rechten, die nun savoyische Lehen waren, kamen Lehen des Bischofs von Lausanne (Zölle, Zehnten, Geleitsrechte, Fischereirechte). 1277 wurden die Herrschaften Belp und Montagny formal getrennt. In den folgenden Jahrzehnten konnten die Herren von Montagny ihre Herrschaft konsolidieren. Im frühen 14. Jahrhundert umfasste diese ausser dem Städtchen Montagny-les-Monts rund 25 Dörfer zwischen Domdidier und Lentigny, Corcelles und Nierlet-les-Bois. Ausserdem verfügten die Herren von Montagny über Besitz um La Molière und Weinberge in Savuit (Gemeinde Lutry). Wirtschaftliche und dynastische Probleme führten jedoch dazu, dass 1359 der grösste Teil der Herrschaft an die Freiburger Familie Rych verpfändet werden musste. Die überwiegend leibeigene Landbevölkerung machte sich die ständigen Geldnöte der Herren zunutze, um sich freizukaufen. Nach einem vorübergehenden Aufschwung führte die Misswirtschaft Theobalds von Montagny dazu, dass Graf Amadeus VIII. die Herrschaft 1405 in eine savoyische Kastlanei umwandelte und sie Humbert, dem illegitimen Sohn von Amadeus VII., als Teil von dessen Apanage übergab. Nach Humberts Tod 1443 unterstand die Kastlanei der direkten savoyischen Verwaltung durch vom Herzog eingesetzte Kastlane. 1447-1448 erlitten Stadt und Kastlanei Montagny im Krieg zwischen Freiburg und Savoyen schwere Verwüstungen. Freiburg konnte Montagny 1467 pfandweise und 1477 definitiv übernehmen. Bis 1798 residierte in der Landvogtei Montagny, die umfangmässig der alten Kastlanei entsprach, ein freiburgischer Landvogt. Bei der Neuordnung des Kantons Freiburg ging Montagny im Broyebezirk auf. Ausser Ackerbau wurde in der Herrschaft vor allem Viehzucht (Pferde, Schafe, Rinder) betrieben. Zahlreiche Mühlen und Stampfen nutzten die Wasserkraft von Arbogne, Broye, Chandonbach, La Sonnaz und kleinerer Bäche. Von wirtschaftlicher Bedeutung waren auch die Zölle auf den durch Montagny führenden Strassen.

Quellen und Literatur

  • S. Jäggi, Die Herrschaft Montagny, 1989
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Stefan Jäggi: "Montagny (FR, Herrschaft)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008141/2008-11-25/, konsultiert am 08.02.2023.