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Hohenrätien

Hochrialt

Burganlage auf einem Felskopf über dem nördlichen Zugang zur Viamala in der Gemeinde Sils im Domleschg (GR), die das Hinterrheintal sowie die Strasse zum San Bernardino und Splügenpass kontrollierte. Die humanistisch begründete Bezeichnung Hohenrätien taucht erst im 16. Jahrhundert auf. 1410 Hochrialt, romanisch Munt Son Gion.

Die bedeutende Burganlage besteht aus einem inneren Hof mit dem Hauptturm und Annexgebäuden (wahrscheinlich identisch mit der Burg Hochrialt) im Südwesten und einem äusseren Burgbezirk mit einer Kirche und zwei Türmen im Nordosten. Umschlossen wird das ausgedehnte Areal von einer Ringmauer. Der Hügel war in prähistorischer Zeit zumindest begangen. Neben Funden aus der Spätbronze- und frühen Eisenzeit kamen Objekte aus der spätrömischen und frühmittelalterlichen Epoche zum Vorschein. Aufgrund archäologischer Untersuchungen 2001-2004 stammen die Vorgängerbauten der Kirche St. Johannes Baptista aus dem späten 5. oder frühen 6. Jahrhundert, die angebaute Taufkapelle aus dem frühen 6. Jahrhundert. Das wiederholt umgebaute Gotteshaus diente bis um 1500 als Pfarrkirche und damit auch als Begräbnisplatz für Thusis sowie das linksrheinische Domleschg (Heinzenberg). Das Patronatsrecht ging 1359 an das Kloster Cazis. Die ältere Forschung vermutete, dass auch die Befestigung mit der Ringmauer im Frühmittelalter erstellt wurde. Dendrochronologische Analysen von 2004 legen nun nahe, dass diese im Zeitraum zwischen 1181 und 1209 entstanden ist. Der Wohnturm neben der Kirche wurde dabei nicht absolut datiert. Der in zwei Phasen errichtete Hauptturm im inneren Bering und der Turm an der Ostecke der Ringmauer, der wahrscheinlich als Wachtturm diente, wurden ebenfalls im 12./13. Jahrhundert erbaut. Als Bewohner der Burg Hohenrätien sind die Herren von Rialt anzunehmen, eine von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis um 1300 erwähnte adlige Familie im Dienst des Bischofs von Chur. Im frühen 15. Jahrhundert wurde die Burg verlassen. Die Familie Jecklin (von Hochrealta), die den Komplex seit 1480 besitzt, leitete 1972 umfangreiche Restaurierungsmassnahmen ein. 1988-1991 liess sie den Turm Hochrialt sanieren.

Quellen und Literatur

  • Boxler, Heinrich; Müller, Jörg: Burgenland Schweiz. Bau und Alltag, 1990, S. 7-13.
  • Gairhos, Sebastian; Janosa, Manuel; Seifert, Mathias: «Neue Erkenntnisse zur Burganlage Hohenrätien, Sils i.D.», in: Jahresberichte des Archäologischen Dienstes Graubünden und der Denkmalpflege Graubünden, 2005, S. 64-74.
  • Gairhos, Sebastian; Janosa, Manuel: «Eine spätantike Kirchenanlage mit Baptisterium auf Hohenrätien bei Sils im Domleschg (Graubünden)», in: Helvetia archaeologica, 42, 2011, S. 63-100.
  • Baeriswyl, Armand; Bitterli, Thomas: «Hohenrätien», in: Baeriswyl, Armand; Niederhäuser, Peter (Hg.): Zeugen vergangener Macht und Herrschaft. Schweizer Burgen und Schlösser vom Mittelalter bis heute, 2017, S. 147-148 (Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, 45).
Weblinks
Weitere Links
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Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1410: Hochrialt
Endonyme/Exonyme
Hohenrätien (deutsch)
Munt Son Gion (romanisch)

Zitiervorschlag

Boscardin, Maria-Letizia: "Hohenrätien", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 09.04.2020. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008347/2020-04-09/, konsultiert am 30.10.2020.