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Wabern

Ortsteil der politischen Gemeinde Köniz (BE), halbstädtischer Vorort Berns am südlichen Stadtrand zwischen Aare und Gurten. 1223 Waberen. 1910 1186 Einwohner; 1996 6513; 2011 6864; 2018 7922.

Wabern entstand im 20. Jahrhundert aus den mittelalterlichen Bauerndörfchen Gross- und Kleinwabern, die Teil der Kirchgemeinde, ab 1834 auch der politischen Gemeinde Köniz waren. Die Bevölkerung betrieb Ackerbau in zwei Zelgsystemen und Viehwirtschaft mit Weiden am Gurten und im Belpmoos. Trotz guter Verkehrslage an der Landstrasse nach Thun konnte sich das Gewerbe bis zur Gewerbefreiheit des 19. Jahrhunderts nicht entwickeln, weil die Stadtmeister mit einer Bannmeile das Landhandwerk behinderten. Im 18. Jahrhundert erwarben Berner Patrizierfamilien Höfe und Land und bauten Sommersitze. Diese wurden später zum Teil als private Knabeninstitute (Bouterwek-Gladbach 1840-1861, Grünau bis 1933), gemeinnützige Erziehungsheime für Mädchen (Morija 1827-1975, 1869 Umzug von Bern nach Wabern; Viktoria 1859-1961, Wegzug nach Richigen) und Knaben (Bächtelen seit 1840) sowie als Taubstummenanstalt (1874-1941) umgenutzt. Erhalten ist unter anderem die klassizistische, 1830-1832 erbaute Villa des Morillonguts. Seit 1899 führt eine Standseilbahn von Wabern auf den Gurten. Neue öffentliche Verkehrsmittel wie das Tram von Wabern zum Hauptbahnhof Bern, ab 1894 via Weissenbühl, ab 1912 via Monbijou, und die Gürbetalbahn ab 1901 beschleunigten zuerst in Grosswabern und am Gurten die Bautätigkeit. Die Herrengüter, die ab den 1930er bzw. 1950er Jahren parzelliert und deren Herren-, Pächter- und Ökonomiebauten teils abgebrochen wurden, wichen unter anderem der Gartenstadt Gurtenbühl, der Grossüberbauung Bondeli-/Funkstrasse sowie dem Einkaufszentrum Maygut und der Schulanlage Lerbermatt. Gross- und Kleinwabern wuchsen zusammen, die Infrastruktur wurde ausgebaut: 2011 zählte Wabern drei Schulanlagen der Primar- und Oberstufe, zwei Kirchen (reformiert 1948, römisch-katholisch 1959) sowie Sprachheil- und Sonderschulen von überregionaler Bedeutung. Trotz Arbeitsplätzen in der Industrie (u.a. Druckereien) und im Dienstleistungssektor und trotz Ansiedlung der Bundesämter für Landestopografie (1941), Metrologie (1966) und Migration (2005) ist Wabern wirtschaftlich ganz auf Bern ausgerichtet.

Quellen und Literatur

  • F. Hurni, Aus Waberns Vergangenheit, 21980
  • J.-P. Anderegg, Bauinventar der Gemeinde Köniz, 3 Bde., 1992