de fr it

Val d'Anniviers

Saisonaler Wohnortswechsel im Wallis. Fotografie von Charles Krebser, um 1930 (Mediathek Wallis, Martigny).
Saisonaler Wohnortswechsel im Wallis. Fotografie von Charles Krebser, um 1930 (Mediathek Wallis, Martigny). […]

Südliches Seitental des Rhonetals, Bezirk Siders VS. Vor 1052 Annivesium, alter deutscher Name Eifischtal. Ende des 16. Jahrhunderts ca. 600 Einwohner; 1798 1645; 1910 2253; 1970 1443; 1990 1719.

Einzelfunde aus Eisen- und Bronzezeit, zahlreiche Schalensteine. Eine romanische Bevölkerung ist im 10. Jahrhundert im Val d'Anniviers, an der östlichen Grenze des Frankoprovenzalischen, nachzuweisen. Die politischen Verhältnisse im 11. und 12. Jahrhundert sind unklar, wahrscheinlich besassen das Domkapitel Sitten und die Herren von Granges Herrschaftsrechte. 1116-1138 erwarb der Bischof von Sitten das Tal und übergab es dem Kapitel. 1193 wieder Herr von Anniviers geworden, liess er es, ab 1311 als erbliches Vizedominat, durch die Familie d'Anniviers verwalten (1278 Majorat). Die Herrschaft gelangte 1381 in Besitz der Raron und kam 1467 wieder (bis 1798) als Grosskastlanei ins bischöfliche Mensalgut zurück. Der Kastlan wurde vom Bischof auf Zeit ernannt, den Vizekastlan und den Weibel wählten die 1327-1798 vier politischen Vierteln (Vorgängern der Gemeinden) zugehörigen Talleute. Das Val d'Anniviers bildete einen Drittel des Zenden Siders (1565). Der Loskauf von den letzten lehnsrechtlichen Abgaben und Dienstpflichten erfolgte 1792-1804. Vor 1798 war das Val d'Anniviers, obwohl geografisch nicht völlig abgeschlossen, ein gesonderter Kultur- und Wirtschaftsraum, der zehn Dorfgemeinschaften mit komplexen und manchmal spannungsreichen Beziehungen umfasste. Ende des 18. Jahrhunderts begann die Auflösung dieses Raums: 1800 verschwand die 1258 entstandene Bruderschaft vom Heiligen Geist. Die Zahl der Pfarreien wuchs von einer im 12. Jahrhundert auf zwei 1805 und fünf 1932. Die allmähliche politische Verselbständigung führte zu den ab 1905 sechs Gemeinden Ayer, Chandolin, Grimentz, Saint-Jean, Saint-Luc und Vissoie (bis 2008, Zusammenschluss zur neuen Gemeinde Anniviers 2009). Um 1300 wurde ein Weg für den Alpauftrieb, 1854 die Fahrstrasse zu den Kobalt- und Nickelminen, 1955 die moderne Strasse zum Staudamm von Moiry gebaut. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte eine weitläufige, mehrstufige Alp- und Weidewirtschaft vor. Der Zusammenbruch des 1. Sektors (1910 88,6%, 1980 10%) und der touristische Aufschwung verstärkten die Bindungen innerhalb des Tals von neuem. 1990 arbeiteten 33,4% der Erwerbstätigen ausserhalb ihrer Wohngemeinden, davon fast 60% ausserhalb des Tals, vor allem in Siders.

Quellen und Literatur

  • B. Crettaz, Histoire et sociologie d'une vallée de haute montagne durant le XIXe siècle, 1979
Weblinks
Normdateien
GND
Systematik
Umwelt / Tal

Zitiervorschlag

Danielle Allet-Zwissig: "Anniviers, Val d'", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.03.2017, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008387/2017-03-13/, konsultiert am 01.12.2023.