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Mattertal

Teil des Vispertals im Bez. Visp (VS), das südlich von Stalden durch das Mischabelmassiv in zwei Arme geteilt wird; der östliche bildet das Saastal, der westliche das M., auch Nikolaital (franz. vallée de Saint-Nicolas) genannt. Das M. umfasst die Gem. St. Niklaus, Randa, Täsch und Zermatt (2000 9'527 Einw.).

Archäolog. Gräberfunde belegen eine Besiedlung in vorgeschichtl. Zeit. Siedlergruppen der kelt. Volksstämme der Uberer und Seduner wurden in den ersten Jahrhunderten n.Chr. romanisiert und im 8.-9. Jh. von eingewanderten Alemannen allmählich germanisiert. Im Zuge der Christianisierung bildeten sich von der Mutterpfarrei Visp aus schon gegen Ende des 12. Jh. und im 13. Jh. Tochterpfarreien in St. Niklaus und Zermatt.

Das im HochMA zum bischöfl. Tafelgut gehörige M. wurde von adligen Lehensträgern verwaltet, bis es sich im Laufe des 15. Jh. (meist durch Loskäufe) von diesen Feudalbanden befreite. Fortan bildeten die beiden Majorate St. Niklaus (mit der Kastlanei Randa-Täsch) und Zermatt den Viertel "von den Ruffinen in" im Zenden Visp. Die Meier von St. Niklaus und Zermatt verfügten bis 1798 über die Blutgerichtsbarkeit. Vom MA bis zur Mitte des 19. Jh. lebte die Bevölkerung, deren Zahl stabil blieb (ca. 1'300 Einw.), von Landwirtschaft und Viehzucht. Ein bescheidener Viehhandel mit Italien über den Theodulpass sicherte die für die Salzversorgung nötigen Geldmittel.

Das erwachende Interesse an den Alpen und deren Bewohnern brachte zunächst Naturwissenschaftler und Gelehrte ins Tal. Ihnen folgten ab 1850 Alpinisten und Touristen. Mit der Erstbesteigung der Gipfel begann der Bau der Gästeherbergen und Hotels. Bis 1870 wurde der alte Saumweg durch das Tal ausgebaut. Die 1888-91 gebaute Schmalspurbahn von Visp nach Zermatt wurde 1929 elektrifiziert; 1933 nahm sie erstmals den Winterbetrieb auf und ermöglichte Zermatt die erste Wintersaison. Die Fahrstrasse erreichte 1937 St. Niklaus und erst 1972 Täsch, wo seit 2007 ein riesiges Parkhaus (2'000 Plätze) den Kurort am Matterhorn autofrei hält. Zu Beginn des 21. Jh. gab es im M. kaum einen Betrieb oder eine Fam., die nicht direkt oder indirekt vom Fremdenverkehr lebte.

Quellen und Literatur

  • B. Truffer, «Streifzug durch die Gesch. des Vispertales», in Zermatt-Bahn: vom Tal zum Berg, 1991, 111-133
  • T. Antonietti, Bauern, Bergführer, Hoteliers, 2000, 1-119
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