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Laupen

Ansicht Laupens von Süden. Aquarellvedute aus der Sammlung von Albrecht Kauw, spätes 18. Jahrhundert (Bernisches Historisches Museum; Fotografie Stefan Rebsamen).
Ansicht Laupens von Süden. Aquarellvedute aus der Sammlung von Albrecht Kauw, spätes 18. Jahrhundert (Bernisches Historisches Museum; Fotografie Stefan Rebsamen). […]

Politische Gemeinde des Kantons Bern, Amtsbezirk Laupen. Gemeinde am rechten Ufer der Sense oberhalb ihrer Einmündung in die Saane mit Altstadt, Vorstadt und Aussenquartieren, unter anderem Laupenmühle. Hauptort mit Schloss (hochmittelalterliche Burg) als Amtssitz einer mittelalterlichen Herrschaft, 1324-1798 der bernischen Landvogtei und ab 1803 des Amtsbezirks Laupen; Markt, ehemaliger Grenz-, Zoll- und Brückenort. Kirchgemeinde mit Kriechenwil. 1130-1133 Loupa, 1173 französisch Loyes (nicht mehr gebräuchlich). 1764 230 Einwohner; 1850 651; 1900 957; 1950 1418; 1970 2139; 2000 2796. Prähistorische Funde im Kieswerk (bronzezeitliche Schwertklingen) und in Holzmatt-Laupenholz (zwei Grabhügel), römische Funde nördlich von Laupen (Münzen, Waffen, Gefässe), im Zollgässli und in Laupenmühle (Strassenbett). Die Reste der angeblich "römischen" Saanebrücke 120 m unterhalb des Sense-Saane-Zusammenflusses sind unlängst dendrochronologisch auf die Zeit um 1400 datiert worden.

Reichsburg

Die Anlage (10.-13. Jh.) mit Palas, Hauptturm, Schild- und Ringmauer auf einem Sandsteinsporn über der Sense entstand wie andere Reichsburgen der Sense-Saanelinie (Grasburg, Gümmenen) in burgundisch-zähringischer Zeit; sie blieb als bernischer Amtssitz erhalten (Ausbau unter anderem 1580-1599 Treppenaufgang, 1648-1650 Amtshaus, 1983-1988 Felssanierung, Gesamtrenovation). Im Zweiten burgundischen Königreich war die Burg eine der Residenzen, in und nach zähringischer Zeit Reichsfestung und Amtssitz eines Grafen (1130-1133 comes de Loupa), bis die Grafen von Kyburg sie 1253 einnahmen. Nach deren Aussterben (1263/1264) gerieten Burg und Herrschaft Laupen in den Machtkampf zwischen Habsburg (Ansprecher des kyburgischen Erbes) und Savoyen; Habsburg setzte sich durch und liess die Burg ab 1269 von Kastellanen (Ulrich II. von Maggenberg, Ulrich von Fendringen), nach 1300 von einem Reichslandvogt (Freiherren von Strassberg) verwalten. 1310 vom deutschen König Heinrich VII. verpfändet, gelangten Burg und Herrschaft 1324 als Reichspfand an Bern; da das Reich sein Pfand nie auslöste, blieb Laupen im faktischen Besitz Berns als dessen erste Landvogtei.

Landvogtei, Amtsbezirk

Die Herrschaft Laupen umfasste um 1324 das Städtchen Laupen, Neuenegg und den Forst rechts der Sense, links der Sense Bösingen sowie Kriechenwil links der Saane. 1467 trat Bern Bösingen im Tausch um Gümmenen an Freiburg ab; links der Sense blieb nur ein Brückenkopf. Bern vergrösserte seine Landvogtei: 1467 um Gümmenen, 1483 um Wileroltigen, Säriswil und Frieswil (ehemalige Herrschaft Oltigen), 1502 um Biberen und Kleingümmenen, 1525/1527 um Gammen sowie 1599 um Mühleberg und Buch. Die Gebiete rechts der Saane und links der Aare (Neuenegg, Gümmenen und der grössere Teil von Laupen) unterstanden dem Landgericht Sternenberg, der Rest dem Landgericht Zollikofen. Bis 1798 war das Schloss Laupen Amtssitz des Landvogts, zu dem auch die Landschreiberei (heute Restaurant) flussabwärts an der Saanebrücke gehörte. Zum reorganisierten Oberamt Laupen im Kanton Bern kamen 1803 neu die Exklaven Münchenwiler und Clavaleyres; Frieswil kam als Teil der Gemeinde Seedorf zum Amtsbezirk Aarberg, Säriswil als Teil der Gemeinde Wohlen zum Amtsbezirk Bern. Seit 1997 gehört der Amtsbezirk Laupen zum Verwaltungskreis Bern-Laupen (Gericht und Grundbuch in Bern) der Region Bern-Mittelland; Schloss Laupen blieb Amtssitz des Regierungsstatthalters.

Städtchen

Das im 13. Jahrhundert ummauerte "Stedtli" mit vorstädtischem Kern (Kirchgässli und Kreuzplatz) am Rand des Forsts und Fuss der Burg hing vom Burgherrn ab, auch in seiner Bündnispolitik (u.a. Bündnisse mit Freiburg nach 1253 unter Kyburg bzw. nach 1294 unter Habsburg). 1275 verlieh König Rudolf I. von Habsburg Laupen ein Stadtrecht nach Berner Vorbild. Das reichsunmittelbare Laupen verbündete sich 1301 mit Bern. Doch durch die Verpfändung an Bern 1324 wurde aus dem Bündnispartner Laupen sukzessive ein Untertan. Die Stadtbehörden – Burgermeister, Rat und Gemeinde (Vollversammlung) – unterstanden dem Landvogt, der auch das Niedergericht Laupen (Laupen und Kriechenwil) und das Kriminalgericht Laupen präsidierte; der Burgermeister war zugleich Statthalter. Im Ancien Régime ergänzte sich der 15-20-köpfige Rat selbst in geheimer Wahl (Ballotwahl) aus Mitgliedern der "Stubengesellschaft" (ehemalige zunftähnliche Handwerkerstube). Als städtische Insignien führte Laupen ab 1294 ein Siegel, ab 1539 eine eigene Stadtfahne. Das oft bestätigte Stadtrecht von 1275 ("Freiheit") diente der städtischen Legitimation, die vom Rat erlassenen Stadtsatzungen (Reglementbuch 1740) regelten das Gemeindeleben. Die Stadtverwaltung unter Burgermeister, Venner und Säckelmeister (Vorgesetzte) zählte zwei Dutzend Beamtungen, unter anderem Spitalmeister, Schreiber, Schulmeister und Hebamme. Das Städtchen hatte ein Rathaus (erstes erhaltenes um 1522 erbaut, vermutlich das Balmerhaus), ein Spital (1545 erwähnt) und eine Freistätte für Verfolgte im Freienhof. Vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts erhielt das zur mittelalterlichen Pfarrei Neuenegg gehörige Laupen eine Pankraz-Kapelle mit Tauf- (1356 erwähnt) und Messerecht (1453); sie stand im ehemaligen Friedhof. 1479 erfolgte der Neubau der Kapelle, eventuell am Standort der heutigen Kirche (Bau 1734). In der Reformation (1528) wurde Laupen selbstständige Kirchgemeinde mit Kriechenwil.

Bis ins 15. Jahrhundert war Laupen Etappe im Ost-West-Verkehr zwischen Bern (Reich) und Freiburg (Savoyen). Saane- und Sensefurten konnten nur bei niedrigem Wasserstand benutzt werden, für den geregelten Verkehr waren Fähren oder Brücken notwendig. Berns Interesse galt dem Saaneübergang; nach 1324 baute es unterhalb Laupens die erste Brücke und errichtete einen Zoll (Zollrodel 1510). Nach dem Bau der Sensebrücken bei Gümmenen durch Bern um 1450 und bei Neuenegg durch Freiburg 1467 mied der Verkehr Laupens Saanebrücke, die, durch Fluten zerstört, öfter verlegt wurde. Die Sensebrücke vor dem Stadttor (1383 erwähnt) hatte nur lokalen Wert. Ohne Transitverkehr stagnierte die Kleinstadt, deren Bevölkerung von Ackerbau, Kleinhandwerk und etwas Gewerbe lebte (u.a. Mühle 1298, Taverne mit Back-/Schlachtrecht 1451, Salzverkauf 1658). Der Jahrmarkt (1478 erwähnt; 1724 neu zwei-, 1838 dreimal jährlich) hatte kein grosses Einzugsgebiet. Die Flussverbauungen an Sense und Saane zum Schutz der Auen vor Laufwechseln und Hochwassern belasteten Laupens Ökonomie zusätzlich. Die Armut der Bevölkerung und die daraus folgende geringe Bautätigkeit trugen dazu bei, dass die Altstadt erhalten blieb. Diese besteht aus zwei vollen Häuserzeilen (Fachwerk-, Steinhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert) und der Kirche um den dreieckigen Gassenmarkt. Nach teilweisem Abbruch der Stadtbefestigung (1847-1870) blieben unter anderem Teile der Ringmauer und das Freiburgtor (15. Jh.) erhalten. 1784 zählte Laupen 42 Stadthäuser, einige vor der Mauer; zwischen Mauer und Sense entstand im 19. Jahrhundert die halbstädtische Vorstadt. Erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts setzte der wirtschaftliche Aufschwung ein dank Verkehrserschliessung (Talstrasse Bern-Neuenegg-Murten 1873-1875, Sensetalbahn 1904 zwischen den Bahnlinien Bern-Neuenburg und Bern-Freiburg) und Industrie (Kartonagefabrik 1853, Biskuitfabrik 1896, Druckerei-Polygraphische Gesellschaft 1918, Kieswerk 1924). Heute gehören Dienstleistungsbetriebe (Gastgewerbe) und Gewerbe (u.a. Druckerei, Kartonage, Computer-, Carunternehmen, Stahl-/Metallbau) zu den wichtigsten Arbeitgebern neben der 1997 verkleinerten Bezirksverwaltung, die mit Schulen (Primar-, Oberstufe), Betagtenzentrum und sozialen Diensten Laupen als Bezirkshauptort prägt. Mit steter Bautätigkeit ab 1960 entstanden bei steigender Einwohnerzahl Aussenquartiere (u.a. Schmutzenmatte, Mühlehof, Schützenstrasse).

Quellen und Literatur

  • SSRQ BE II/5
  • N.A.R. Holzer, Beschreibung des Amtes Laupen, 1779, hg. von H.A. Michel, 1984
  • J. Althaus, R. Locher, Inventar Altstadt Laupen, 1976-79
  • JbSGUF 1988, 284
  • T. Beyeler, Laupen, 1989
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Laupen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.09.2010. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008447/2010-09-16/, konsultiert am 28.05.2022.