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Thorberg

Ansicht der ehemaligen Kartause von Nordwesten, die als Sitz des Landvogts von Thorberg diente. Aquarell von Albrecht Kauw, 1666 (Bernisches Historisches Museum).
Ansicht der ehemaligen Kartause von Nordwesten, die als Sitz des Landvogts von Thorberg diente. Aquarell von Albrecht Kauw, 1666 (Bernisches Historisches Museum).

Burg in der Gemeinde Krauchthal BE, 1397-1528 Kartause, 1528-1798 bernischer Landvogteisitz, seit 1848 bernische Strafanstalt.

Die Burg entstand auf römischen Siedlungsresten (Holzpfostenbau). Es ist ungewiss, ob die hochmittelalterliche Burg Thorberg zuvor Sitz der 1181 erwähnten Herren von Krauchthal war oder der ab 1175 bezeugten zähringisch-kyburgischen Ministerialen von Thorberg. Hof, Kirchensatz und Kirchenvogtei in Krauchthal gehörten ab 1299 als Reichslehen zur Burg. 1371 übergab Kaiser Karl IV. das Lehen im Hinblick auf eine Klostergründung Peter von Thorberg zu Eigen. Dieser arrondierte 1367-1381 seine Herrschaft in und um Koppigen durch Käufe, darunter Güter und Gerichte in Ersigen, Willadingen, Höchstetten und Wil sowie die Kirchensätze in Alchenstorf und Hellsau. Diesen Besitz überliess er seiner 1397 gegründeten Kartause, die 1399 die Zustimmung der Grafen von Kyburg erhielt. Anstelle der Burg, die im Sempacherkrieg 1386 belagert, an Bern übergeben und 1389 restituiert wurde, entstanden die Kirche mit Paulapatrozinium und die Klostergebäude; vom ehemaligen Burgturm sind Fundamentreste erhalten. Das Mutterhaus in Grenoble sandte den ersten Prior, Johannes von Braunschweig. Auf Initiative von Peter von Thorberg nahm Bern die Kartause 1399 in sein Burgrecht auf; als Kastvogt amtierte fortan der jeweilige Schultheiss. 1399 ging Thorberg ein Burgrecht mit Solothurn, 1472 eines mit Thun ein. Dank Schenkungen und mit Käufen mehrte die Kartause ihren Besitz; dazu gehörten unter anderem 1398 Verena von Seedorfs Vergabung der Herrschaft Walkringen und 1397-1459 das Niedergericht Konolfingen sowie der Hof Eichi der Familie von Krauchthal. Schwerpunkte lagen in Krauchthal, Koppigen, Walkringen sowie in der Region Thun und am Bielersee (Reben). In Bern besass Thorberg das Thorbergerhaus. Die Kirchen von Krauchthal, Walkringen und Koppigen mit Hellsau und Alchenstorf wurden 1413 inkorporiert. Die Kartause zählte im 15. Jahrhundert etwa 16 Mönche und ebenso viele Brüder. Die letzten Prioren, Niklaus Schürstein bis 1525 und Johannes Hurri bis 1528, bekannten sich zur Reformation. 1528 wurde die Kartause säkularisiert und ihr Besitz 1529 inventarisiert, danach wurden die Mönche und Brüder ausgekauft. Zur Verwaltung des ehemaligen Güterbesitzes errichtete Bern eine Schaffnerei; der Schaffner nahm Wohnsitz im ehemaligen Gästehaus. Die Mönchszellen wurden für 30-37 alte oder kranke Pfründer eingerichtet; Thorberg stand fortan auch externen Pfründern und Armen offen. In den 1570er Jahren erhielt Thorberg den Status einer Landvogtei. Aber erst 1738-1763 wurden die baufälligen Klostergebäude durch Neubauten – Landvogteischloss, Pfründerhaus und Ökonomiebauten – ersetzt. 1798-1848 bildete Thorberg eine Schaffnerei im Oberamt bzw. Amtsbezirk Burgdorf. Das ehemalige Pfründerheim wurde zunehmend ein Ort für kranke oder kriminelle Aussenseiter und diente ab 1807 als Enthaltungsanstalt, 1826 als Aufsichtsanstalt, 1844 als Hilfsirrenanstalt und ab 1848 als Zwangserziehungsanstalt für Männer, Frauen und Kinder. Mit dem Zellenbau von 1891 wurde Thorberg definitiv zum Zuchthaus für Männer. Beim Ausbau im 20. Jahrhundert entstand unter anderem nach einem Brand 1995-1997 ein neuer Zellentrakt. Als kantonale Strafanstalt umfasst Thorberg auch Landwirtschafts- und Handwerksbetriebe. Nach 2000 kamen zum Normalvollzug neu Abteilungen für den geschlossenen Spezialvollzug von psychisch gestörten Häftlingen und gefährlichen Straftätern hinzu.

Quellen und Literatur

  • Heimatbuch des Amtes Burgdorf und der Kirchgem. Utzenstorf und Bätterkinden, 2 Bde., 1930-38
  • Krauchthal, Thorberg: ein Heimatbuch, 5 Bde., 1971-99
  • HS III/4, 350-374
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Thorberg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.10.2012. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008503/2012-10-04/, konsultiert am 16.04.2024.