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BibersteinLandvogtei

Das Schloss und seine Umgebung. Aquarell von Albrecht Kauw, entstanden 1699 nach einer Skizze von Abraham Dünz (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen.
Das Schloss und seine Umgebung. Aquarell von Albrecht Kauw, entstanden 1699 nach einer Skizze von Abraham Dünz (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen. […]

Im Schwabenkrieg 1499 legten die Berner zur Sicherung ihrer Nordgrenze eine Besatzung in die Burg Biberstein. Bei der Einführung der Reformation 1527 installierten sie einen Vogt und nahmen die kleine Herrschaft, bestehend aus Erlinsbach, Küttigen und Biberstein, in Besitz. Ab 1528 beschäftigte sich die Tagsatzung mit dieser widerrechtlichen Inbesitznahme. Den Johannitern als bisherigen Besitzern blieb nichts anderes übrig, als 1535 in den Verkauf der Herrschaft Biberstein an Bern einzuwilligen. Biberstein wurde Sitz eines kleinen Oberamtes, das zur geringsten Landvogteiklasse Berns gehörte. Die wirtschaftliche Basis bestand aus den Erträgen der drei Dörfer Biberstein, Küttigen und Erlinsbach, deren Böden nur von mittlerer Güte waren. Dank der Südlage spielte der Rebbau eine bedeutende Rolle. Die Düngung ist seit dem 15. Jahrhundert bezeugt: Mit Pferdefuhren und Trägern wurde der Stallmist zur Bodenverbesserung in den Reben des Landvogtes verwendet. Zum Schlossgut gehörte ein Viehsömmerungsgut, der Senn-Schachen. Das 17. und 18. Jahrhundert verzeichnen eine beachtliche zivile Auswanderung, vor allem in die Rheinlande. Die Burg, die ab 1527 als Sitz des Landvogtes diente, wurde ab dem 16. Jahrhundert zu einem wohnlichen Sitz ausgebaut. 1537-1798 regierten hier 51 Landvögte, die im Gegensatz zum aus der Dorfbevölkerung stammenden Untervogt zum bernischen Patriziat gehörten. Wegen der geringen Besoldung waren die Inhaber der Landvogtei Biberstein bestrebt, so rasch wie möglich in ein ertragreicheres Amt versetzt zu werden. 1798 wurden die drei Gemeinden der Landvogtei in den Kantonen Aargau (Distrikt, später Bezirk Aarau) eingebunden, an den auch Schloss (heute Behindertenheim) und Grundbesitz übergingen.

Quellen und Literatur

  • E. Bucher, «Die bern. Landvogteien im Aargau», in Argovia 56, 1944, 1-191
Von der Redaktion ergänzt
  • Biberstein. Die Geschichte des Dorfes Biberstein von den Anfängen bis heute, bearb. von Markus Widmer-Dean, 2005.

Zitiervorschlag

Alfred Lüthi: "Biberstein (Landvogtei)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.07.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008515/2004-07-06/, konsultiert am 28.09.2022.