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ValLavizzara

Im Bezirk Vallemaggia, im oberen Teil des Maggiatals gelegenes Tal. 1361 Lavizaria.

Die Talschaft (comunità) Lavizzara, die Broglio, Prato, Sornico, Peccia und Fusio umfasste (Brontallo und Menzonio kamen erst in der ersten Hälfte des 15. Jh. hinzu), bildete bis 1374 eine Vereinigung von Nachbarschaften (vicinanze), dann wurden die Grenzen zwischen den Nachbarschaften für die Ausübung der Nutzungsrechte genauer festgelegt. Das Gemeingut der vier Gemeinden (comunella dei quattro comuni), zu dem Allmenden in Prato, Sornico, Peccia und Fusio gehörten, wurde jedoch erst 1929 aufgelöst. Seit 2004 bildet das Tal erneut eine einzige Gemeinde mit dem Namen Val Lavizzara. Im Mittelalter gehörte das Maggiatal zur Landschaft Locarno, von der es sich 1403 trennte. Um 1430 erhielt Val Lavizzara vom Herzog von Mailand die Anerkennung eigener Satzungen und eine unabhängige Zivilrechtssprechung. Unter der Herrschaft der Eidgenossen bewahrte Val Lavizzara weiterhin eine gewisse Verwaltungsautonomie, auch wenn es den Landvogt und den Fiskal mit dem Maggiatal teilte. Der aus 22 Mitgliedern bestehende Generalrat von Val Lavizzara versammelte sich in Sornico. Die Gemeinden ernannten zudem sieben Mitrichter, die mit dem Landvogt in Malefizprozessen richteten. Die Bevölkerungszahl erreichte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt (ca. 4000 Einwohner, 30% der im Maggiatal Ansässigen), um später infolge der Auswanderung nach Übersee (1850 1156 Einwohner, ca. 15%) und der Abwanderung in die städtischen Zentren (2000 531 Einwohner, ca. 10%) kontinuierlich abzunehmen. Viehzucht und Weidewirtschaft bildeten in den vergangenen Jahrhunderten die Haupteinnahmequelle. Ein Teil des Viehs überwinterte in der Magadinoebene oder im Mendrisiotto, da der fruchtbare Boden im Talgrund von Val Lavizzara spärlich war. Wichtige Wirtschaftszweige waren auch der Käse- und Holzhandel, die Bienenzucht und der Anbau von Getreide, Hanf und Leinen. Insbesondere im Val Peccia war die Verarbeitung von Topfstein (Speckstein) zu Kochtöpfen und Kachelöfen verbreitet. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden viele Zweitwohnungen und eine touristische Infrastruktur (Eisbahn in Prato Sornico).

Quellen und Literatur

  • M. Signorelli, Storia della Valmaggia, 1972
  • Copia delli statuti della Valle Lavizara [sic], hg. von R. Broggini, 1989
  • F. Zappa, Le pergamene della Lavizzara, Liz. Freiburg, 1990
Weblinks
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GND
Systematik
Umwelt / Tal

Zitiervorschlag

Daniela Pauli Falconi: "Lavizzara, Val", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.12.2007, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008542/2007-12-11/, konsultiert am 03.03.2024.