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BaselFürstbistum

Als Fürstbistum Basel wird das Gebiet bezeichnet, das der weltlichen Herrschaft des Bischofs von Basel unterstand, als Bistum Basel dagegen der Sprengel, in welchem der Bischof geistlicher Oberhirte war und ist. Die Grenzen des Fürstbistums und die weltlichen Herrschaftsrechte des Bischofs waren starken Schwankungen unterworfen: Schon vor 1500 verlor der Bischof die Stadt Basel, einen bedeutenden Teil des heutigen Kantons Basel-Landschaft und kleinere Territorien im Kanton Solothurn. In der frühen Neuzeit umfasste das Fürstbistum den heutigen Kanton Jura, den Berner Jura, Teile des Kantons Basel-Landschaft (Birseck, Laufen) und eine Enklave im Breisgau (Schliengen). Einige der weltlichen Herrschaftsgebiete des Fürstbischofs unterstanden den Diözesen Besançon, Lausanne oder Konstanz. Die südlichen Teile des Fürstbistums, die zum neuen Glauben übergetreten waren, gehörten zum eidgenössischen Gebiet. Die Untertanen des Fürstbischofs waren teils deutsch-, teils französischsprachig. Der Fürstbischof selber war Reichsfürst und seit 1579 Verbündeter der katholischen Kantone.

Mittelalter

Entstehung und politische Geschichte

Die Schenkung von 999

Das Basler Münster war bis zur Reformation der Mittelpunkt der fürstbischöflichen Herrschaft. 999 schenkte der letzte König von Burgund, Rudolf III., dem Bischof von Basel die Abtei Moutier-Grandval mit all ihrem Besitz. Mit dieser Schenkung wollte der König die weltliche Macht des episcopatus Basiliensis stärken, denn die Abtei Moutier-Grandval war im oberen Birstal fest verankert und verfügte daneben noch über viel Streubesitz zwischen dem Bielersee und dem Elsass. Der Basler Bischof, dessen weltliche Macht bis dahin nicht über die Stadt Basel hinausgereicht hatte, war nun mit einem Mal Herr bedeutender Gebiete.

Die Zeit der kaiserlichen Schenkungen (1000-1100)

Beim Tode König Rudolfs III. von Burgund (1032) fielen Basel und sein jurassisches Hinterland an das Reich. Der Bischof wurde nun Vasall des deutschen Königs, der – wie es im Reichskirchensystem der Ottonen und Salier üblich war – den Bischofsstuhl besetzte und dem Bischof die Regalien in den fürstbischöflichen Besitztümern verlieh. Während mehr als einem Jahrhundert zog die Basler Kirche Nutzen aus der königlichen Grosszügigkeit. Die Erwerbungen der Bischöfe waren freilich sehr verschiedenartig und lagen weit verstreut. So schenkte 1041 König Heinrich III. die weitläufige Grafschaft Augst, die sich über den Augstgau und den Sisgau vom Rhein über die Juraketten bis zur Aare erstreckte. Die Königstreue der Bischöfe im Investiturstreit wurde belohnt: 1080 schenkte König Heinrich IV. die Grafschaft Härkingen im zwischen Jura und Aare gelegenen Buchsgau, 1084 Burg und Lehen Rappoltstein im Elsass und 1095 die bedeutende Abtei Pfäfers in Rätien. Von der Mitte des 11. Jahrhunderts an diente das Schenkungsgut von 999 als Basis für das Ausgreifen des Fürstbistums Basel in den Jura.

Die Konzentration der fürstbischöflichen Macht auf den Jurabogen (1100-1179)

1053 begannen sich die Begehrlichkeiten der Basler Fürstbischöfe auf die Abtei Saint-Ursanne zu richten, die in der Diözese Besançon lag. Zwischen 1096 und 1120 gelang es ihnen dann auch, das Kloster unter ihre weltliche wie geistliche Hoheit zu bringen. Damit konnte die bischöfliche Machtstellung in den Juratälern erheblich verstärkt werden. Im 12. Jahrhundert wurden die Bischöfe von Basel entgegen den Bestimmungen des Wormser Konkordats (1122) weiterhin vom deutschen König ernannt. Die mit dem Machtschwund der Zentralgewalt einhergehende Feudalisierung lässt sich auch im Fürstbistum Basel beobachten. Grafen, Lehensträger der Fürstbischöfe und Kastvögte der grossen Gotteshäuser bauten Burgen aus Stein und banden Dienstmänner an sich, die ihren Herren mit der Waffe dienten. Dieser Adel begünstigte die Klostergründungen des 12. Jahrhunderts, namentlich der Klöster Lützel (1124) und Bellelay (1140), die rasch aufblühten. Im selben Zeitraum mussten die Basler Fürstbischöfe ihre Ansprüche auf die zu weit entfernten reichen Kirchen im Schwarzwald, Elsass und in Rätien aufgeben. Um 1200 hatte der Fürstbischof so gut wie alle Besitzungen rechts des Rheins und im Elsass verloren, und am Ende des Mittelalters besass er auf der rechten Rheinseite einzig die Herrschaft Schliengen mit dem Dorf Istein. In realistischer Einschätzung ihrer Möglichkeiten konzentrierten sich die Fürstbischöfe in ihren Bemühungen um weltliche Herrschaftsrechte auf die meist französischsprachigen Gebiete des Jurabogens. Dieser Raum war allerdings von Gotteshäusern übersät, die sich ihre Rechte und Besitzungen 1179 vom Papst hatten bestätigen lassen.

Das Fürstbistum auf dem Höhepunkt seiner Macht (1179-1324)

Vergoldeter Silberkelch des Gottfried von Eptingen aus dem Basler Münsterschatz (Historisches Museum Basel, Inv. 1882.84).
Vergoldeter Silberkelch des Gottfried von Eptingen aus dem Basler Münsterschatz (Historisches Museum Basel, Inv. 1882.84). […]

Im 13. Jahrhundert schwächte sich die Königsmacht ab, und die Bischofswahl stand fortan dem Domkapitel zu. Verschiedene Faktoren, darunter die Verbreitung der Geldwirtschaft, veränderten das Feudalsystem; ein Grossteil des nur von Abgaben lebenden Adels geriet in finanzielle Schwierigkeiten, und die durch ihre Besitzungen am Oberrhein reich gewordenen Bischöfe kauften nun Herrschaften und Rechtstitel und bauten so ihre Macht aus. Viele Lehensherren mussten damals Güter und Rechte an den Bischof von Basel verpfänden, so Berchtold von Neuenburg, der 1234 dem Bischof die Vogtei über die Stadt Biel überliess. Selbst Gotteshäuser veräusserten Besitz, wie etwa die Äbtissin von Odilienberg im Elsass, die dem Bischof 1239 Arlesheim verkaufte. 1241 schenkte der Herr von Hasenburg seinen gesamten Besitz dem Basler Fürstbischof, der damit einen verheissungsvollen Schritt in Richtung Ajoie machte. Im Tal der Schüss festigte das Fürstbistum seine Herrschaft dank der Vogteirechte, die Bischof Heinrich III. von Neuenburg 1264 Otto von Erguel (Arguel) abkaufte. Einer der mächtigsten Nachbarn, der Graf von Pfirt, nahm seinen Besitz 1271 vom Fürstbischof zu Lehen. Damit fiel auch die Vogtei Delsberg an das Fürstbistum. 1280 kam es wegen der Vogteien Bure und Ajoie zum Konflikt zwischen Rainald von Burgund, Grafen von Montbéliard, und dem Fürstbischof, der militärisch durch König Rudolf I. unterstützt wurde. Durch seinen Sieg bei Pruntrut gewann der Bischof 1283 die Oberhand über diese Stadt und die Ajoie. Die Expansion des Fürstbistums wurde jedoch 1296 durch den Sieg des Grafen von Neuenburg über das fürstbischöfliche Heer bei Coffrane gestoppt. Fortan lag die südwestliche Grenze am Bielersee bei der um 1310 durch Bischof Gérard de Vuippens gegründeten Stadt La Neuveville. Nördlich der Jurakette jedoch, im deutschsprachigen Gebiet, bot sich die Aussicht auf eine erhebliche Ausdehnung des fürstbischöflichen Machtbereichs durch den Kauf der Herrschaften Liestal, Neu-Homberg und Waldenburg für 2100 Mark Silber im Jahr 1305. König Albrecht I., der ebenfalls an diesen Herrschaften interessiert war, hatte diese Summe nicht aufzutreiben vermocht. Er verweigerte daher Bischof Otto von Grandson die Regalien, und so entgingen diese Herrschaften schliesslich dem Fürstbistum Basel. Um ihre Macht gegenüber dem Adel abzusichern, begünstigten die Fürstbischöfe die aufsteigenden Bürgerschaften der Städte, vor allem Biel (1275), Pruntrut (1283), Delsberg (1289), Laufen (1296), La Neuveville (1312) und Saint-Ursanne (1338).

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts stand das Fürstbistum Basel auf dem Höhepunkt seiner Macht. Der Bischofsstaat reichte von La Neuveville bis nach Pfirt im Sundgau. Er erstreckte sich über Bewohner französischer und deutscher Sprache, und lag in vier Diözesen: Basel, Lausanne, Besançon und Konstanz.

Politische Schwierigkeiten (1324-1404)

Im 14. Jahrhundert fehlten auch den Fürstbischöfen zunehmend die finanziellen Mittel. Zudem verstärkte sich der Druck äusserer und innerer Gegner, hier vor allem der Städte, die sich der fürstbischöflichen Herrschaft zu entziehen versuchten. Die Ersten, die aus der Schwäche des Fürstbischofs Nutzen zogen, waren die Habsburger. Nach dem Tod des letzten Grafen von Pfirt 1324 heiratete Albrecht II. von Habsburg, Herzog von Österreich, dessen Tochter. Die Grafschaft, die bis vor die Tore Basels reichte, hätte eigentlich an den Fürstbischof fallen müssen, dieser konnte aber nicht verhindern, dass Albrecht das Erbe an sich riss. Auch der Bürgerschaft von Basel gelang es wegen der ständigen Geldnöte des Bischofs, ein Herrschaftsrecht nach dem anderen in ihre Hände zu bringen. Gleichzeitig schuf sie sich auf Kosten des Bischofsstaats im Baselbiet ein eigenes Herrschaftsgebiet. Das Unabhängigkeitsstreben der Bürgerschaft weckte die Feindschaft des Adels, der sich auf das Haus Habsburg stützte, um diese fortschreitende Aushöhlung der fürstbischöflichen Macht aufzuhalten. Um den Verfall des Fürstbistums zu verhindern, widersetzte sich Bischof Johann III. von Vienne dem Burgrechtsvertrag, den Bern und Biel 1352 abgeschlossen hatten, wurde aber 1367 bei Malleray militärisch besiegt. Biel, das im Süden des Fürstbistums gelegentlich die Interessen Berns vertrat, hatte das militärische Aufgebotsrecht im Erguel inne und 1335 das Chorherrenstift Saint-Imier ins Burgrecht aufgenommen. Zudem stellten sich Saint-Imier und Bellelay 1404 unter den Schutz Solothurns. Diese Bindungen schwächten die fürstbischöfliche Macht im eigenen Herrschaftsgebiet erheblich.

Das Schrumpfen der fürstbischöflichen Macht (1376-1422)

Die finanzielle Lage des Basler Fürstbischofs verschlechterte sich weiter, sodass er ganze Herrschaften verpfänden musste, wie etwa 1376 die Propstei Saint-Ursanne, Chauvilliers und Muriaux. 1386 verkaufte er Pruntrut an den Grafen de Montbéliard, wobei er sich das Rückkaufsrecht vorbehielt. Die Burg Soyhières (Saugern) ging 1388 an die Herren von Neufchâtel aus der Freigrafschaft Burgund, die ihren Einfluss bis nach Laufen ausdehnten. 1389 verpfändete der Fürstbischof Stadt, Burg und Herrschaft Delsberg an die Bürgerschaft von Basel. Um das Fürstbistum vor dem Ruin zu retten, legte das Domkapitel Ende des 14. Jahrhunderts das Schicksal des Bischofsstaats in die Hände Diebolds VI. de Neufchâtel, der so seinen Sohn Humbert auf den Bischofsstuhl brachte. Dieser musste zur Entspannung der finanziellen Lage im Jahr 1400 alle fürstbischöflichen Herrschaftsrechte im Sisgau der Stadt Basel verkaufen. Als 1422 Bischof Hartmann Münch von Münchenstein zurücktrat, war das Fürstbistum praktisch zerfallen.

Bescheidener Aufschwung (1423-1528)

Im Lauf des 15. Jahrhunderts gelang es mehreren tatkräftigen Fürstbischöfen, einige der verloren gegangenen Besitzungen zurückzugewinnen, vor allem im französischsprachigen Teil des Juras. So versuchte Johann IV. von Fleckenstein (1423-1436), Saint-Ursanne und Roche-d'Or von den Herren von Neufchâtel zurückzugewinnen. Nach seinem Sieg über Diebold VIII. von Neufchâtel 1425 konnte er die Propstei Saint-Ursanne wieder in seinen Besitz bringen. 1434 zwang er die Leute der Vogtei Delsberg und der Herrschaft Moutier, ihr Burgrecht mit der Stadt Basel aufzugeben. Andererseits musste er 1427 die Landgrafschaft Buchsgau den Städten Bern und Solothurn überlassen. 1486 konnte Fürstbischof Kaspar zu Rhein nicht verhindern, dass die Stadt Bern die Herrschaft Moutier in ihr Burgrecht aufnahm. Eine bessere Verwaltung der bischöflichen Einkünfte und erste Steuererhebungen moderner Art gestatteten es den Fürstbischöfen von den 1440er Jahren an, die Schulden zu tilgen, durch welche mehrere Herrschaften der fürstbischöflichen Macht entzogen worden waren. 1461 konnte Johann V. von Venningen dank der erheblichen Beiträge seiner jurassischen Untertanen Pruntrut und die Ajoie auslösen. Im Gefolge der Burgunderkriege (1474-1477) erwarb er 1478 in der Ajoie die Dörfer Damvant, Grandfontaine und Réclère, wo die fürstbischöfliche Herrschaft zuvor nur schlecht etabliert gewesen war. Auch das Lehen Franquemont am Doubs kam damals unter die Herrschaft des Fürstbischofs.

Beim Ausbruch des Schwabenkriegs im Jahr 1499 bestand der Bischofsstaat im Wesentlichen aus drei Teilen: erstens der Stadt Basel und dem Sisgau, wo faktisch der Basler Rat die Herrschaft ausübte, zweitens den Städten und Herrschaften im Süden, von Moutier bis La Neuveville, die so eng an Bern und Solothurn gebunden waren, dass der Fürstbischof nur eine beschränkte Autorität besass, und drittens aus dem "Kerngebiet" von Franquemont bis Laufen, dem einzigen Teil, in dem der Fürstbischof seine Herrschaft voll entfalten konnte. Der Eintritt der Stadt Basel in die Eidgenossenschaft besiegelte 1501 diesen Zustand, und mit der Einführung der Reformation vertiefte und verfestigte sich die Spaltung, die sich bereits im 14. Jahrhundert abgezeichnet hatte, weiter. 1528 wurde Pruntrut die Residenzstadt des Fürstbischofs. In den südlichen, protestantisch gewordenen Vogteien, die zum Einflussbereich der Eidgenossenschaft gehörten, war der herrschaftliche Zugriff des Fürstbischofs nun noch schwächer als im Spätmittelalter.

Wirtschaft

Die Wirtschaft des ländlichen, sehr gebirgigen und dünn besiedelten Gebiets des Fürstbistums war auf die Selbstversorgung ausgerichtet. Einzig die Stadt Basel, deren wirtschaftliche Einflusssphäre weit über die Grenzen des Bischofsstaates wie auch der Diözese Basel hinausreichte, belebte die regionale Wirtschaft und bot Zugang zu den grossen internationalen Handelsströmen. Die Basler Währung zirkulierte im Raum zwischen Vogesen und Aare, Doubs und Schwarzwald. Die fürstbischöflichen Städte in den Juratälern hatten dagegen nur eine beschränkte Bedeutung. Ihre Bewohner widmeten sich vor allem der Landwirtschaft, dem Weinbau und dem Handwerk. Ihr Wirtschaftsraum deckte sich häufig mit den Grenzen der Vogteien, deren Hauptorte sie waren. Delsberg, Hauptort der gleichnamigen Vogtei, war die einzige Stadt im Delsberger Tal. Dasselbe galt für Pruntrut in der Ajoie, sowie für Stift und Propstei Saint-Ursanne. Die Ackerbauern brachten vom Ende des 13. Jahrhunderts an ihre Produkte auf die Märkte dieser Städte, ebenso die Weinbauern am Bielersee. Der Abbau von eisenhaltigem Bohnerz und dessen Verarbeitung in Schmelzöfen geht mindestens in römische Zeiten zurück. Das Eisen, das die wirtschaftliche Bedeutung der Gebiete um Delsberg und Moutier steigerte, wurde im Mittelalter in genügender Menge produziert, um exportiert zu werden, wahrscheinlich vor allem ins benachbarte Flachland. Im 15. Jahrhundert kam die Verhüttung in Hochöfen auf, die sich, von den Fürstbischöfen gefördert, nach und nach verbreitete.

Die Erzeugnisse des Juras wurden, sofern sie nicht bereits vor Ort verbraucht wurden, nach Basel ausgeführt. Das wichtigste Ausfuhrprodukt war zweifellos Holz. Es wurde die Birs hinabgeflösst und vom Basler Bauhandwerk verarbeitet. Die Metzger der Rheinstadt kauften Schafe und Rinder, welche sie in Basel feilboten oder an elsässische Viehhändler weiterverkauften. Auch der in den Juratälern gewobene Zwillich wurde in Basel abgesetzt. Milchprodukte – Butter, Käse aus Bellelay und Delsberg – standen an vierter Stelle der auf dem Markt in Basel verkauften Waren. Die Kaufleute aus dem Kerngebiet des Fürstbistums kauften in Basel vor allem Tuche, Getreide und Wein, die sie auf den Märkten ihrer kleinen Städte absetzten. Die Landwirtschaft und das Handwerk im Fürstbistum waren nur wenig spezialisiert. Verbunden mit der politischen Herrschaft des Fürstbischofs verstärkte sich im Lauf des Mittelalters auch der wirtschaftliche Einfluss der Stadt Basel. Diese durch die einheitliche Währung erleichterte finanzielle und kommerzielle "Unterwerfung" erklärt zum Teil die grosse Anzahl von bischöflichen Untertanen aus dem Jura, die – wie 1498 Diebold Merian aus Courroux – das Basler Bürgerrecht erwarben. Mochte die tatsächliche Macht des Fürstbischofs auch von einer Vogtei zur anderen stark schwanken, so erstreckte sich die Wirtschaftsmacht der Stadt am Rheinknie über das gesamte Fürstbistum.

Kulturelles und religiöses Leben

Die Kultur im Fürstbistum Basel (die Stadt Basel bleibt hier ausgeklammert) war im Mittelalter eng an das geistliche Leben gebunden. Dank der Nähe der Freigrafschaft und des Offizialats Besançon finden sich in der Ajoie die ältesten Urkunden französischer Sprache in der Schweiz; die Erste datiert von 1244. Das im Wesentlichen vor dem 12. Jahrhundert entstandene Pfarreinetz fand in den Freibergen seine endgültige Form erst in der frühen Neuzeit. Das mittelalterliche Fürstbistum war durch zahlreiche und bedeutende Klöster geprägt. Bereits im Frühmittelalter standen hier drei Gotteshäuser, die alle im 7. Jahrhundert gegründet worden waren: Saint-Imier, Saint-Ursanne und Moutier-Grandval, das berühmteste der drei. Saint-Imier und Saint-Ursanne waren zunächst blosse Eremitengemeinschaften, die sich mit der Zeit zu Klöstern entwickelten. Moutier-Grandval dagegen war eine Gründung von Luxeuil. Man weiss nur wenig über seine Frühzeit. Sicher ist, dass die Abtei sehr reich war und vom 8. Jahrhundert bis zur Schenkung an den Bischof von Basel im Jahre 999 die Immunität besass. Zwischen dem Ende des 11. Jahrhunderts und 1120 wurden Saint-Ursanne und Moutier-Grandval – etwas später dann auch Saint-Imier – unter nicht näher bekannten Umständen in Chorherrenstifte umgewandelt. Die aus Burgund eindringenden klösterlichen Reformideen führten in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts zu einer neuen Gründungswelle: Von Bellevaux aus wurde 1124 die Zisterzienserabtei Lützel gegründet, die schnell aufblühte, und um 1140 gründeten die Prämonstratenser von Lac de Joux auf Bitten des Basler Bischofs die Abtei Bellelay. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts gründete Bellelay ein Priorat in Grandgourt, und Lützel errichtete gleich mehrere Priorate ausserhalb des Fürstbistums. Im 14. und 15. Jahrhundert litt auch das Fürstbistum unter den Kirchenspaltungen. Im Zuge des Aufschwungs der Städte und als Ausdruck der Bedürfnisse der Gläubigen wurden viele Spitäler und religiöse Bruderschaften gegründet. Überdies kamen die Bischöfe nur schlecht ihrer Aufgabe nach, über Sittlichkeit und Ausbildung des Klerus zu wachen, dessen Qualitäten offenbar bescheiden waren. Für die Klöster war das Spätmittelalter sowohl in ökonomischer wie auch in spiritueller Hinsicht eine schwierige Zeit.

Über das Erziehungswesen im Fürstbistum ist man schlecht unterrichtet. Das gilt besonders für die Klöster, in denen kein einziges Skriptorium eindeutig nachgewiesen ist. Nach Moutier-Grandval liess man den berühmten Mönch Iso aus St. Gallen kommen, der hier 871 starb. Vom 13. und 14. Jahrhundert an sind in den Städten Laienschulen belegt. Die Kunstschätze waren meist das Werk fremder Künstler, so etwa die berühmte Bibel von Moutier-Grandval, die Kopisten aus Tours angefertigt haben. Künstlerische Einflüsse vom Burgund, Elsass, von Schwaben und der Stadt Basel schlugen sich im fürstbischöflichen Territorium nieder. Die Pfarrkirche von Courchavon besitzt eine bemerkenswerte Madonna vom Ende des 13. Jahrhunderts, vielleicht das älteste erhaltene Muttergottesbild der Schweiz. In den Kirchen finden sich viele Skulpturen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Erwähnenswert sind auch einige romanische Baudenkmäler, etwa die Stiftskirchen von Saint-Ursanne (mit ihrem reichen Skulpturenschmuck) und Saint-Imier, die Kapelle in Chalières (Fresken des 11. Jh.), die Pfarrkirche von Courtelary, die Blanche Eglise bei La Neuveville und die Tour Réfous (Hauptturm der ehemaligen Bischofsresidenz) in Pruntrut. Gotisch sind die Kirchen Saint-Pierre in Pruntrut und St. Benedikt in Biel (Glasmalereien des 15. Jh.), sowie Teile der Burgen Vorbourg (bei Delsberg), Zwingen und Schlossberg (bei La Neuveville).

Frühe Neuzeit

Politische Geschichte

Das 16. Jahrhundert und Fürstbischof Blarer

In den Turbulenzen des 16. Jahrhunderts entwickelte sich das Fürstbistum Basel zum frühmodernen Staat. Der Beitritt der Stadt Basel zur Eidgenossenschaft 1501 leitete die vollständige, 1521 vollzogene Emanzipation der Stadt von der Herrschaft des Fürstbischofs ein, und mit der Reformation 1529 verlor Letzterer auch die geistliche Hoheit. 1528 wurde die in der Diözese Besançon liegende Stadt Pruntrut zur neuen fürstbischöflichen Residenz. Nicht nur der Bischof residierte fortan ausserhalb seiner Diözese, sondern auch das Domkapitel, das sich in Freiburg im Breisgau in der Diözese Konstanz niederliess, während das Offizialat nach Altkirch (Elsass) auswich. Der Übertritt der südlichen Gebiete zur Reformation besiegelte das Ende der konfessionellen Einheit und hatte eine Schwächung der fürstbischöflichen Autorität über seine Untertanen zur Folge. Zu diesen Schwierigkeiten gesellten sich soziale Unruhen und chronische finanzielle Krisen. Im Bauernkrieg (1525) wurden die Abteien in Beinwil und Lützel geplündert. Der Aufstand war indes von kurzer Dauer. Nach dem Tod Philipps von Gundelsheim (Februar 1552) nahm das Domkapitel in Biel eine Anleihe von 14'000 Pfund auf und bot der Stadt als Gegenleistung die Verwaltung des Erguel an. Dessen Einwohner sträubten sich jedoch dagegen und erhielten die Unterstützung Solothurns, das sie im März 1555 in sein Burgrecht aufnahm. 1556 gestand ihnen Fürstbischof Melchior von Lichtenfels erste Freiheiten zu. Auch Delsberg und die Freiberge nützten die Umstände aus und schlossen 1559 ein Burgrecht mit der Stadt Basel ab. 1566 berief der Fürstbischof Abgeordnete der verschiedenen Vogteien ein, um über die Verteilung der Türkensteuer zu beraten (eine Reichssteuer zur Finanzierung des Kampfs gegen die Türken). Es fanden mehrere Treffen statt, gewissermassen Vorläufer der Landstände (Ständeversammlungen) des Fürstbistums, denen später grosse Bedeutung zukam.

Es war Fürstbischof Jakob Christoph Blarer von Wartensee, der dem Bischofsstaat neues Leben einhauchte, sei dies auf den Gebieten der Wirtschaft und Finanzen oder der Politik und Verwaltung. Kaum hatte er sein Amt angetreten, musste er den Autonomiebestrebungen der Bieler entgegentreten. Sein Vorschlag, Biel an die Berner abzutreten, die dafür auf ihre Rechte im Fürstbistum verzichten sollten, stiess bei den Eidgenossen wie bei den Bielern auf Ablehnung. Die Bieler richteten ihr Augenmerk auf das Erguel, das aber seine Unabhängigkeit zu behaupten vermochte. 1579 verbündete sich Blarer mit den katholischen eidgenössischen Orten und sicherte sich deren militärische und diplomatische Unterstützung. Dank den Badener Verträgen von 1585 gelang es ihm, von der Stadt Basel den Gegenwert der Besitztümer und Rechte zu erhalten, die seine Vorgänger vor langer Zeit verpfändet hatten, und so die Schulden des Fürstbistums zu tilgen. Ebenso konnte er im Bieler Tauschhandel (1599-1610) seine landesherrlichen Rechte im Süden des Hochstifts gegen Biel und Bern teilweise wieder durchsetzen. Am Ende seiner langen Regierungszeit hatten sowohl die Diözese wie auch das Fürstbistum ihre Prosperität wiedererlangt.

Der Dreissigjährige Krieg und die Beziehungen zur Eidgenossenschaft

Während des Dreissigjährigen Kriegs war das Fürstbistum Basel wegen seiner Lage auf dem Schachbrett der Kriegsparteien deren Gelüsten ausgeliefert, umso mehr, als es keine militärischen Verteidigungsmöglichkeiten besass. Besonders der Norden war dieser Gefahr ausgesetzt, und der Fürstbischof musste als Reichsfürst mit gutem Grund befürchten, dass sein am Krieg beteiligter Kaiser die fürstbischöflichen Interessen mit seinen eigenen vermengen würde. Das Eindringen der Schweden ins Oberelsass liess ab 1632 zahlreiche Flüchtlinge nach Pruntrut strömen. Mit Hilfe der katholischen eidgenössischen Orte erreichte der Fürstbischof, dass sein Territorium vorläufig respektiert wurde. Zwischen 1634 und 1640 aber wurde der Norden nacheinander oder gleichzeitig von schwedischen, französischen und kaiserlichen Truppen besetzt, was zu einer totalen Auflösung der Gesellschaft bis in die Spitzen des Bischofsstaats führte. Zum materiellen Ruin gesellten sich zum Teil von Pestepidemien ausgelöste Bevölkerungskrisen. Dem Süden des Fürstbistums blieb – mit Ausnahme des Erguel 1639 – dank den bestehenden Burgrechten, insbesondere mit Bern und Solothurn, ein vergleichbares Schicksal erspart.

Das Schloss von Delsberg. Fotografie von Armand Stocker, 1983 (Stocker Photographic, Saignelégier).
Das Schloss von Delsberg. Fotografie von Armand Stocker, 1983 (Stocker Photographic, Saignelégier). […]

Durch den Westfälischen Frieden erhielt das Fürstbistum Basel 1648 neue Nachbarn: Im Elsass trat Frankreich die Nachfolge der Habsburger an, und die Loslösung der Eidgenossenschaft vom Reich wurde besiegelt. Daraus ergab sich, dass die Bistumsgrenzen fortan nicht mehr mit den Reichsgrenzen übereinstimmten. Die Stadt Biel war zugewandter Ort der Eidgenossenschaft und nahm an deren Tagsatzungen teil. Dieser Verbindung und dem Burgrecht mit Bern stand das Bündnis des Fürstbistums von 1579 mit den sieben katholischen Orten als Gegengewicht gegenüber, das bis 1717 mehrmals erneuert wurde. 1663 versuchte der Fürstbischof vergeblich, sein Fürstentum in die Erneuerung der Allianz zwischen dem Corpus helveticum und Frankreich einzubeziehen. Als anlässlich der zweiten Eroberung der Freigrafschaft Burgund französische Truppen 1675 auch in die Ajoie eindrangen, erreichte der Fürstbischof dank seinem Bündnis mit der Eidgenossenschaft, dass seine Neutralität respektiert wurde. Nach 1648 versuchte er mehrmals, aber stets erfolglos, in die Eidgenossenschaft aufgenommen zu werden. 1735 verzichtete Fürstbischof Johann Conrad von Reinach-Hirzbach darauf, das Bündnis mit den katholischen Orten zu erneuern, nachdem diese ihm ihre Hilfe anlässlich der Landestroublen (1726-1740) verweigert hatten. 20 Jahre später normalisierte Fürstbischof Joseph Wilhelm Rinck von Baldenstein seine Beziehungen zu Bern, welches sich bereit erklärte, seinen Einfluss nur in den mit ihm verburgrechteten Gebieten geltend zu machen. Unter diesen Umständen erübrigte sich ein Bündnis mit den katholischen Orten als Gegengewicht.

Die Beziehungen zu Frankreich

Im 18. Jahrhundert beherrschten die Beziehungen zu Frankreich die fürstbischöfliche Aussenpolitik. Von 1726 an wurde das Fürstbistum von Unruhen erschüttert, den sogenannten Landestroublen, die 15 Jahre anhielten. Da der Fürstbischof nicht in der Lage war, die Ordnung selbst wieder herzustellen, bat er den Kaiser und die Eidgenossen um Hilfe, die sie ihm aber verweigerten. Er wandte sich darauf an Frankreich und unterzeichnete 1739 ein Geheimabkommen, das hauptsächlich die Verteidigung der Grenzen, die innere Sicherheit des Fürstbistums, die Privilegien von Personen und die zukünftigen diplomatischen Beziehungen zum Inhalt hatte. Gestützt auf dieses Abkommen intervenierten französische Truppen im Fürstbistum: Die Landestroublen wurden beendet, die Anführer gefangen genommen und drei davon, darunter Pierre Péquignat, 1740 hingerichtet. Danach herrschte bis zur Revolutionszeit Ruhe im Fürstbistum, dessen Beziehungen zu Frankreich im Laufe der Zeit immer enger wurden. 1744 wurde eine Kompanie ausgehoben und Frankreich zur Verfügung gestellt, 1758 das fürstbischöfliche Regiment in französischen Diensten aufgestellt. Es zeichnete sich Mitte des 18. Jahrhunderts im Siebenjährigen Krieg in Korbach und im Korsika-Feldzug aus. 1792 wurde es in Dünkirchen aufgelöst. Drei rasch aufeinander folgende Abkommen besiegelten die enge Verbindung des Fürstbistums mit Frankreich: 1779 wurden 20 Pfarreien in der Ajoie der Diözese Basel zugeteilt. Im Gegenzug erhielt das Erzbistum Besançon 29 frankophone Pfarreien östlich von Belfort. Von nun an stimmten die politischen und kirchlichen Grenzen der Ajoie überein. Im folgenden Jahr wurde durch einen Gebietsaustausch zwischen Frankreich und dem Fürstbistum das Ostufer des Doubs zur gemeinsamen Grenze. Schliesslich bestätigte und präzisierte 1780 ein Verteidigungsbündnis dasjenige von 1739. Es erlaubte der Revolutionsarmee im April 1792, den Norden des Fürstbistums rechtmässig zu besetzen.

Der Staat und seine Institutionen

Die Vogteien und Herrschaften des Fürstbistums Basel um 1770
Die Vogteien und Herrschaften des Fürstbistums Basel um 1770 […]

In der frühen Neuzeit hatte das fürstbischöfliche Territorium im Wesentlichen unveränderte Konturen (die Verschiebungen im 18. Jahrhundert waren im Ausmass geringfügig). Es war in 17 Vogteien oder Herrschaften aufgeteilt, was ebenso viele politische, administrative und rechtliche Einheiten bedeutete. Die Herrschaft Moutier, von 1486 an unter der Schutzherrschaft Berns, und das mit Solothurn verburgrechtete Bellelay profitierten von der eidgenössischen Neutralität, obwohl sie Reichsgebiet blieben. Zusammen mit den anderen fünf südlichen Herrschaften (Erguel, Orvin, La Neuveville, Tessenberg und Biel) wurden diese Gebiete der Eidgenossenschaft zugerechnet, die nördlichen Vogteien dagegen dem Reich. Die Institutionen waren äusserst komplex und von Herrschaft zu Herrschaft sehr unterschiedlich. Ein Vertreter des Fürstbischofs, der sich je nach Herrschaft als Vogt, Bürgermeister oder Kastlan bezeichnete, konnte mit Hilfe von Stellvertretern mehrere Vogteien zugleich verwalten. Mit der Zeit wurden zahlreiche dieser Ämter erblich.

Die Institutionen des Fürstbistums Basel im 18. Jahrhundert
Die Institutionen des Fürstbistums Basel im 18. Jahrhundert […]

Die Institutionen des Fürstbistums entwickelten sich langsam. Das Domkapitel, das zuerst in Basel, ab 1529 in Freiburg im Breisgau und ab 1679 in Arlesheim residierte, verstärkte allmählich seinen Einfluss auf den fürstbischöflichen Hof und die Verwaltung. Der Fürstbischof, den das Domkapitel immer aus den eigenen Reihen wählte, wurde vom Kaiser in seine weltlichen und vom Papst in die geistlichen Hoheitsrechte eingesetzt. Meistens regierte er mit Hilfe seiner Räte und erliess seine Gesetze auf dem Verordnungsweg. Die bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts erteilten Freiheiten bremsten eine Entwicklung in Richtung Absolutismus und Zentralismus. Die Untertanen waren dem Fürstbischof durch den Huldigungseid verbunden. Bei Streitigkeiten in Zivilsachen konnten sie sich an die Reichsgerichte wenden. Die eidgenössischen Gebiete südlich der Pierre Pertuis waren davon allerdings ausgenommen. Ursprünglich waren die Räte Mitglieder des Domkapitels. Nach dessen Wegzug ersetzte sie der Fürstbischof nach und nach mit weltlichen Ratgebern aus Bürgertum und Adel. Mit der wachsenden Fülle von Staatsgeschäften nahmen auch die Zahl und die Funktionsvielfalt der Räte zu. Die Verordnung von 1726 gab ihnen eine hierarchische Struktur. Dennoch blieben in der Praxis die politischen, rechtlichen und administrativen Aufgaben nicht klar getrennt, und Ämterkumulierung war keine Seltenheit. Eine hervorragende Rolle spielte die Kanzlei. Die Gerichtsbarkeit, ein wichtiges Rad im Getriebe des öffentlichen Lebens im Ancien Régime, blieb lange mittelalterlichen Strukturen verhaftet. Das Gewohnheitsrecht hatte Vorrang. Jede Region, jede Stadt hatte ihr eigenes System, das sich von genossenschaftlichen Gerichtsversammlungen (plaids) bis hin zur hohen Gerichtsbarkeit erstrecken konnte. Meistens wurde die Gerichtsbarkeit über Stellvertreter ausgeübt. Mit der Zeit erfuhr sie eine Vereinfachung und Zentralisierung. Der Hofrat bildete das oberste Gericht des Fürstbistums in Kriminal- und manchmal auch in Zivilfällen und diente als Appellationsgericht der Herrschaften auf Reichsgebiet (anderswo wurden die Appellationsfälle unterschiedlich behandelt). Geurteilt wurde nach dem Strafgesetzbuch Kaiser Karls V., der Carolina, wobei der Fürstbischof über das Begnadigungsrecht verfügte. Zivilrechtliche Urteile konnten an das Reichskammergericht in Wetzlar weitergezogen werden, während der kaiserliche Hof in Wien die Fragen regelte, welche die Reichslehen betrafen. Auch in der Verwaltung wies die Entwicklung in Richtung Zentralisierung.

Die kommunal oder genossenschaftlich organisierten Gemeinschaften, in all ihren lokalen und regionalen Varianten, sahen ihre Autonomie durch die Beschlüsse der Zentralverwaltung ernsthaft gefährdet. Die fürstbischöfliche Verordnung von 1726 verstärkte die administrativen Funktionen mit dem Ziel, mehr Ordnung in das öffentliche Leben zu bringen. Dieses Ziel wurde langsam erreicht, trotz mehr oder weniger offener Obstruktionsbemühungen. In der Folge enthielten die Verordnungen immer weniger Ausnahmebestimmungen. Die Versammlung der Landstände vereinigte ab 1566 in unregelmässigen Abständen die Vertreter des Klerus, des Adels und des Dritten Standes. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, die ausserordentlichen Beiträge an das Fürstbistum aufzuteilen. Vorsitzender der Landstände war bis zu den Landestroublen, in die er verwickelt war, der Abt von Bellelay. Ein Syndikus stand ihm zur Seite und vertrat ihn bei Bedarf. Zwischen 1752 und 1791, dem Jahr ihrer Auflösung, wurden die Landstände nicht mehr einberufen. Die sogenannten Schweizer Vogteien lehnten es (mit Ausnahme von Bellelay) immer ab, darin Einsitz zu nehmen und beglichen folglich auch den ihnen auferlegten Teil der Zahlungen nicht. Die Herrschaft Moutier wiederum beteiligte sich nur in beschränktem Umfang an den Steuerabgaben.

Bevölkerung

Vom 16. bis 18. Jahrhundert war die Bevölkerungszahl starken Schwankungen ausgesetzt. Missernten, Seuchen und Kriege beeinträchtigten das Wachstum. Der Bevölkerungszunahme Anfang des 16. Jahrhunderts folgten tiefe Einbrüche. Die wiederholten Versorgungskrisen führten zur Erhöhung der Getreidepreise und Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums. Diejenige von 1770-1771 gab den Anstoss zu einer Zählung der Bevölkerung und der Nahrungsmittelressourcen im gesamten Fürstbistum. Ein Vergleich mit den Teilzählungen zu Beginn des 18. Jahrhunderts zeigt, dass die Bevölkerung nur sehr wenig zugenommen hatte. Kriege, vor allem der Dreissigjährige, senkten die Geburtenrate. Waren sie von Pestepidemien begleitet, so zeitigte dies katastrophale Folgen. Durch Zuwanderung konnte der Bevölkerungsmangel zeitweise oder dauerhaft wettgemacht werden: Vom 16. Jahrhundert an kamen Täufer, um 1580 Untertanen der Herrschaft Valangin, im 17. Jahrhundert Juden in die Vogteien auf Reichsgebiet, nach dem Dreissigjährigen Krieg Neuenburger in die Freiberge, nach der Widerrufung des Edikts von Nantes Hugenotten. Binnenwanderungen waren seltener und ergaben sich aus konfessionellen oder wirtschaftlichen Gründen. Im 18. Jahrhundert nahmen die individuellen, wirtschaftlich bedingten Auswanderungen zu. Die Bevölkerungsstruktur blieb vom Spätmittelalter an mehr oder weniger stabil. Die Mehrheit war frankophon, Biel und dessen nähere Umgebung, der untere Teil des Birstals und die Herrschaft Schliengen waren deutschsprachig, wobei im Patois bzw. in Dialekten geredet wurde. Die Alphabetisierung kam nur langsam voran; 1784 wurde die Volksschule reorganisiert. Am Fürstenhof verdrängte die französische Sprache vom 18. Jahrhundert an allmählich die deutsche, auch wenn die Fürstbischöfe selbst, die alle deutschsprachigen Adelsfamilien entstammten, sich mit Beratern deutscher Sprache umgaben.

Der alte Stammesadel war fast vollständig erloschen und Nobilitierungen selten. Der Fürstbischof zog Adlige aus der Schweiz, dem Elsass, Deutschland und Frankreich nach Pruntrut. Ihnen waren die adligen Lehen, die erblichen Hofämter und die Vogteistellen vorbehalten. Der Adel lebte unter sich und vermied Mesalliancen. In der Revolutionszeit wanderten viele Adlige aus. Die nichtadlige Bevölkerung bestand zum grossen Teil aus Gemeindebürgern, die uneingeschränkt am kommunalen politischen Leben teilnehmen und den Gemeindebesitz mitnutzen konnten. Das Gemeindebürgerrecht war erblich. Um darin aufgenommen zu werden, bedurfte es eines Beschlusses der Gemeinde oder des Fürstbischofs. Die Ewigen Einwohner waren von den politischen und wirtschaftlichen Rechten der Bürger ausgeschlossen, aber trotzdem fürstbischöfliche Untertanen. Die Niedergelassenen hingegen hatten keine Rechte, und Ausländer konnten jederzeit ausgewiesen werden. Bei der Bürgerrechtsaufnahme waren die Landgemeinden zurückhaltend, da neue Bürger die Ressourcen an Boden, Wald und Weiden belasteten. Auch die breite Bevölkerung des Fürstbistums blieb somit in sich geschlossen, und Endogamie war verbreitet.

Wirtschaft

Im Mittelalter diente die Landwirtschaft hauptsächlich der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Der Grossteil der Nutzfläche diente dem Getreidebau. Im 16. Jahrhundert gesellte sich die auf Fleischproduktion und Export ausgerichtete Viehwirtschaft hinzu. Die Urbarisierung der Hochtäler im Süden und der Hochebene der Freiberge beschleunigte sich. Es entstanden Streusiedlungen, die Überwinterung der Tiere verlangte den Bau von Scheunen und grossräumigen Ställen. Neue Pfarreien entstanden. Der Weinbau hatte am Jurasüdfuss und im unteren Birstal seinen festen Platz. In Ackerbaugebieten wurde traditionell Dreifelderwirtschaft betrieben. Die Agrarmodernisierung – von der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts der Anbau von Kartoffeln, die Bewässerung der Wiesen, die Einführung von neuem Saatgut und die Verbesserung der Viehhaltung durch gezielte Zucht Zeugnis ablegen – setzte sich nur langsam durch.

Von den Basler Fürstbischöfen tatkräftig unterstützt, entwickelte sich vom 16. Jahrhundert an die Metallverarbeitung. Dank finanzieller und technischer Hilfe von Ausländern entstanden an den Wasserläufen Fabriken, deren Produktionsüberschüsse in die Schweiz ausgeführt wurden. Unter Fürstbischof Blarer wurden die Hochöfen von Undervelier und Courrendlin gebaut, die zusammen mit Bellefontaine die einzigen Produktionsstandorte des 17. und 18. Jahrhunderts blieben. Die unter strenger Staatskontrolle stehende Eisenindustrie bildete zu dieser Zeit eine der wichtigsten Einnahmequellen im Aussenhandel. Die Glasindustrie entwickelte sich ähnlich. Im 14. Jahrhundert sind Glashütten in La Heutte belegt; später breiteten sie sich in der ganzen Gegend aus. Da sie stärker von der Versorgung mit Brennmaterial (Holz) als mit Rohstoff (Quarzsand) abhängig waren, wurden sie in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in abgelegenen Waldgegenden errichtet: in Lobschez bei Soubey (1659), weiter flussaufwärts im Doubstal und in der Freigrafschaft Burgund. Wie beim Eisen waren auch hier die Pioniere deutscher Herkunft. Vom 15. Jahrhundert an blühte in Bonfol die Töpferei, nach 1760 in Cornol die Steingut-Herstellung. Alle diese Industrien bedingten einen riesigen Verbrauch an Holz, was den Wald nach und nach zerstörte. Die Waldverordnung von 1755, eine europäische Pionierleistung auf diesem Gebiet, bot Möglichkeiten, um diesem Missbrauch Einhalt zu gebieten, doch dauerte es lange, bis sie Wirkung zeigte.

Die Verschuldung des Fürstbistums Basel, dessen Rechnungswährung das Pfund blieb, war ein Dauerübel. Die Stadt Basel und das Domkapitel waren die hauptsächlichen Kapitalgeber. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts verschlang der Schuldendienst einen Grossteil der Staatseinnahmen. 1587 gelang Fürstbischof Blarer die Tilgung der Schulden, und er konnte nun daran denken, in die Industrie zu investieren. Der Bischofsstaat bezog seine Einnahmen aus verschiedenen Steuern, von denen allerdings Adel und Klerus ausgenommen waren. Die mittelalterlichen Freiheiten und die Sonderstatuten der südlichen Herrschaftsgebiete lieferten weitere Argumente, um sich der Steuerpflicht zu entziehen. Die Bauern, vor allem diejenigen auf den Jurahöhen, waren überschuldet. Ihr Land war mit Grundpfändern belastet bzw. in einem solchen Umfang an Adlige, Stadtbürger und kirchliche Stiftungen überschrieben worden, dass der Fürstbischof weitere derartige Verkäufe untersagen musste. Selbst in Zeiten des Wohlstands blieb die Zahlungsbilanz des Fürstbistums meist defizitär und dies trotz eines nachweislich gepflegten Protektionismus. Der Einnahmenüberschuss um 1760 beruhte hauptsächlich auf den Einkünften des Fürstbischofs und des Domkapitels im Elsass und im Breisgau. Die seit dem Mittelalter kaum verbesserten Verkehrswege eigneten sich lange Zeit nicht für den internationalen Austausch. Nach 1740 jedoch baute der Staat die grossen Strassen aus, die in moderner Manier dem Talboden folgten. Das Post- und Meldewesen wurde reorganisiert und ausgebaut, kurz darauf auch der Passagiertransport.

Am Vorabend der Französischen Revolution präsentierte sich das Fürstbistum Basel als überaus heterogenes Gebilde, sowohl im Hinblick auf die geografischen, demografischen und konfessionellen Verhältnisse wie auch auf die politischen Institutionen. Trotz ihrer relativen Abgeschiedenheit waren die Bewohner für die Ideen ihrer Zeit offen. Sie eigneten sich davon an, was ihnen nützlich schien, kümmerten sich wenig um Theorien und legten während der Revolutionszeit einen gewissen Opportunismus an den Tag.

Kulturelles und religiöses Leben

Das 16. Jahrhundert war geprägt von den konfessionellen Auseinandersetzungen. Bern und Biel führten 1528, die Stadt Basel 1529 die Reformation ein. Unter dem Einfluss dieser drei Städte traten das Birstal und der ganze Süden des Fürstbistums (Erguel, die Herrschaft Moutier und La Neuveville) zum neuen Glauben über. Das Stift Saint-Imier wurde aufgehoben, dasjenige von Moutier nach Delsberg verlegt. Die Lehre der reformierten Kirchen im Fürstbistum basierte auf der Berner Konfession, in La Neuveville und im Erguel hatte Neuenburg einen Einfluss auf die Liturgie. Die Kirchen von Biel und La Neuveville waren vollkommen unabhängig, diejenigen im Erguel von Beginn des 17. Jahrhunderts an ebenfalls. Dagegen gehörten die Pfarrer in den Herrschaften Moutier und Tessenberg zum Kapitel Nidau. Ende des 16. Jahrhunderts gelang dem Fürstbischof die Rekatholisierung des Birstals, nicht aber der südlichen Vogteien des Fürstbistums. Allerdings behielt er in zahlreichen Kirchen das Kollaturrecht.

Im Anschluss an das Reformkonzil von Trient nahm der Fürstbischof seinen Klerus wieder an die Zügel. Er verkündete neue Diözesanstatuten, visitierte sämtliche Pfarreien und gründete 1591 ein Jesuitenkolleg in Pruntrut. Obwohl diese Stadt damals ausserhalb der Diözese Basel lag, fiel die Wahl aus praktischen Gründen auf sie (insbesondere auch, weil der Fürstenhof hier residierte). Eine Druckerei wurde eröffnet, die das Privileg hatte, Schulbücher zu drucken. Ein Priesterseminar wurde allerdings erst 1716 mit Erfolg gegründet. Das 17. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch die Gründung zahlreicher Klöster, hauptsächlich von Frauenorden: Ursulinen, denen die Mädchenerziehung oblag (1619 Pruntrut, 1698 Delsberg), Annuntiatinnen (1647 Pruntrut) und Kapuziner (1626 Delsberg, 1655 Pruntrut). Im 18. Jahrhundert griff der rationalistische Reformgeist, der bereits Veränderungen in Staat und Wirtschaft ausgelöst hatte, auch auf das Bildungswesen über. Der Fürstbischof wollte die Erziehung fördern und sie den Bedürfnissen des Alltags anpassen: 1705 führte er am Jesuitenkolleg einen Mathematikkurs für Handwerker ein. 1752 beauftragte er den Architekten Pierre-François Paris, die Vermesser des Fürstbistums mit den neuen Methoden vertraut zu machen. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 setzte er sich für die Reorganisation des Kollegs ein. Die Abtei Bellelay gründete 1772 ebenfalls ein Kollegium. Aus bescheidenen Anfängen entfaltete es sich dank der Anstrengungen der Chorherren, die moderne Lehrmethoden einsetzten und auch die exakten Wissenschaften lehrten. Die Pläne der Abtei, eine Schule und ein Arbeitshaus für Mädchen aus der Region ins Leben zu rufen, scheiterten allerdings. Im Bemühen um die Hebung der Volksbildung erklärte der Fürstbischof 1784 die Ganzjahresschule für obligatorisch, entwarf ein Minimalprogramm und nahm sich der Kontrolle der Lehrer an. Über die effektiven Folgen dieser Bestimmungen ist wenig bekannt. Im reformierten Süden waren die Gemeinden ebenfalls angehalten, eine allgemeine Grundausbildung sicherzustellen. Kinder aus wohlhabenden Familien wurden dagegen zuerst in Privatschulen, dann an Universitäten oder reformierte Akademien geschickt (hauptsächlich Basel und Bern).

Das Ancien Régime brachte im Fürstbistum Basel auch kulturelle und künstlerische Blütezeiten. Es entstanden bedeutende Bibliotheken, namentlich diejenige des Jesuitenkollegs in Pruntrut. Nicht nur liess man Kunstobjekte oder Kunstschaffende aus dem Ausland kommen, gefördert wurden auch einheimisches Schaffen und Künstler, zum Beispiel die Bildhauer Breton aus Boncourt (Ende 17.-Anfang 18. Jh.) oder der Bieler Maler Emmanuel Witz (1717-1797). Auch viele städtische Bauwerke wurden realisiert, insbesondere Brunnen (zahlreiche Renaissancebrunnen in Delsberg, Pruntrut, Biel, La Neuveville) und Stadttore. Obwohl überall reiche Privatsitze zu finden sind (z.B. die Häuser Wicka in Delsberg und Rockhall in Biel), zeichnet sich doch vor allem der katholische Norden, dank des bischöflichen Hofs und der Ordenshäuser, auf dem Gebiet der Architektur aus. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert bauten die Fürstbischöfe ihr Schloss in Pruntrut aus. Sie liessen durch den Architekten Pierre-François Paris so verschiedene Gebäude wie das Spital (1765), das Rathaus (1764) oder das Kaufhaus (1769) erstellen. Auch die Abteien Lützel und Bellelay schmückten sich mit grossen barocken Bauten.

Unter französischer Herrschaft (1792-1815)

Von der Raurachischen Republik bis in die napoleonische Zeit

Am 20. April 1792 erklärte Frankreich Kaiser Franz II. den Krieg. Daraufhin marschierten französische Truppen, gestützt auf das Bündnis von 1780, in den dem Reich zugehörigen Teil des Fürstbistums Basel ein. Ende April bezogen die Truppen des Feldmarschalls de Ferrières in Delsberg Quartier. Die südlichen Vogteien und die Abtei Bellelay kamen vorläufig in den Genuss der eidgenössischen Neutralität. Die vom geflohenen Fürstbischof Franz Joseph Sigismund von Roggenbach für die Zeit seiner Abwesenheit in Pruntrut und Delsberg eingesetzten Regentschaftsräte konnten nirgends den Ausbruch von Unruhen verhindern. Im Herbst griff der Revolutionsgeist der französischen Freiwilligenbataillone auf das ganze Land über, und den Bürgerschaften von Pruntrut und Delsberg schien es opportun, Volksgesellschaften (sociétés populaires) zu gründen und Freiheitsbäume aufzustellen. Jetzt, da der französische Nationalkonvent die Befreiung der Völker und den Propagandakrieg verkündete, gerieten auch im Fürstbistum Basel die Dinge in Fluss: In Pruntrut wurde am 17. Dezember 1792 die freie und unabhängige Raurachische Republik ausgerufen, die erste Schwesterrepublik der Grande Nation, die Generalversammlung des Erguel brach mit dem nach Konstanz geflüchteten Fürstbischof von Roggenbach sowie die Einwohner der Herrschaft Moutier lehnten die Regentschaft ab und schufen einen provisorischen Verwaltungsrat.

Drei sich ablösende Nationalversammlungen der Raurachischen Republik scheiterten an ihrer Uneinigkeit. In der dritten erzwangen die Kommissäre des französischen Nationalkonvents eine gefälschte Abstimmung: Die Abgeordneten, deren Stimmen sie nicht für ungültig erklärten, befürworteten den Anschluss an Frankreich. Am 23. März 1793 wurde die Annexion in Paris registriert, worauf unter dem Namen Mont-Terrible das 87. Departement der Französischen Republik gebildet wurde. Es bestand aus den Distrikten Pruntrut und Delsberg. Hauptort war die Stadt Pruntrut, Sitz des Militärkommandos Delsberg. Die Behörden der Munizipalitäten und auf den verschiedenen anderen Ebenen wurden durch Wahlen bestimmt. Die Priester zogen das Exil und die Papsttreue dem zivilen Eid vor. Die Verfassung von 1793 wurde knapp befürwortet, die Direktorialverfassung von 1795 (dem Jahr III der Republik), welche die Distrikte und Gemeinden zugunsten der Zentralverwaltung des Departements und der kantonalen Munizipalitäten abschaffte, klar abgelehnt. Dies war das einzige negative Resultat in ganz Frankreich. Die positiven Auswirkungen der Agrarreform wurden in den Augen vieler Einwohner durch den Kirchensturm, die Subsistenzkrise und die alles verschlingenden Bedürfnisse der Rheinarmee zunichte gemacht. Während der Schreckensherrschaft stand Josef Anton Rengger dem Departement vor, bevor die Reaktion des Thermidor der alten politischen Elite des Landes die Gelegenheit zur Revanche gab und einem Kommissar des Direktoriums, François Augustin Roussel von Belfort, die Führung eintrug. Im März 1797 beschloss die Landschaft Montbéliard, sich dem Departement Mont-Terrible anzuschliessen. Gestützt auf den Frieden von Campoformio besetzte General Gouvion Saint-Cyr am 15. Dezember 1797 auch die südlichen Gebiete des Fürstbistums Basel. So verdoppelte sich zwar die Bevölkerung des Departements Mont-Terrible, doch erreichte sie noch immer nicht den Umfang eines mittelgrossen Departements. Einzig die rechtsrheinische Herrschaft Schliengen blieb im Besitz des Fürstbischofs. Sie wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 der Markgrafschaft Baden angeschlossen, wodurch zugleich das Fürstbistum Basel als Reichsstand zu bestehen aufhörte.

Die Reorganisation des Konsulats (Gesetz vom 17. Februar 1800) löste das Departement Mont-Terrible auf, indem der Name auf der Liste der Departemente gar nicht aufgeführt wurde. Montbéliard und das ehemalige Fürstbistum wurden dem Departement Haut-Rhin zugeschlagen. Dessen Präfekt übermittelte seine Anweisungen von Colmar aus an die Vorsteher der beiden jurassischen Arrondissements und an ihre zahlreichen Gemeinden gemäss der alten Gebietseinteilung. Im April 1800 installierte sich der Unterpräfekt Théodore Frédéric Louis Liomin in Pruntrut, im Juni Jean-Baptiste Holtz in Delsberg. Ersterer verwaltete die Ajoie, Montbéliard und die Freiberge, Letzterer die Täler der Birs, der Sorne (Delsberger Tal) und der Schüss sowie Biel und La Neuveville. Nach der Justizreform von 1802 umfassten die beiden Unterpräfekturen je fünf Kantone. Montbéliard, das eine höhere Bevölkerungszahl aufwies, machte Pruntrut den Rang als Sitz der Unterpräfektur streitig. Bis zur Mediationsakte (1803) hofften die Reformierten auf einen Anschluss an die Schweiz. Aber die Rückkehr der "guten Priester", das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl, die Reorganisation der katholischen, reformierten und lutherischen Kirchen führten zu einem Gesinnungswandel. Überall wurden das Konsulat Bonapartes und seine Krönung zum Kaiser begrüsst. Eine verbesserte Organisation, die der lokalen Verwaltung sehr zuträglich war, eine geschickte Propaganda, das Gefühl, an aussergewöhnlichen historischen Ereignissen teilzuhaben, sowie reiche Ernten bis 1810 trugen das ihre zur Stärkung des Regimes und zur mythischen Verklärung Napoleons I. bei.

Französische Staatsbürger, "Administrés" des Konsulats und des Kaiserreichs

Bürger und Einwohner des ehemaligen Fürstbistums liessen sich vom Grundsatz der zivilrechtlichen Gleichheit kaum inspirieren und vergassen bald die Vorteile, die ihnen die Abschaffung der Agrarverfassung des Ancien Régime gebracht hatte. Die Umwandlung der Gemeingüter der Bürgerschaft in solche der Einwohnergemeinde wurde nicht konsequent vollzogen: Die Verteilung des Bodens und der Lasten beweist, dass weiterhin die Rechtsstellung der alten Bürgerschaft mit der des neuen Staatsbürgers verwechselt wurde. Die Abschaffung von Zehnten und Grundzinsen, die Orientierung des Erbpachtrechts an feudalrechtlichen Formen sowie die Umwandlung von Schulden in Assignaten brachten den Landpächtern Vorteile und vervielfachten die Zahl der kleinen Grundbesitzer. Anlässlich der Versteigerungen der Nationalgüter sowie der ehemaligen fürstbischöflichen und geistlichen Güter nach den Anschlüssen von 1793 und 1797 fielen zwar 60% der Lose an Einheimische. Diese Lose stellten aber nur einen Viertel des Wertes dar, und vom Besitztransfer profitierten hauptsächlich Nachbarn, Franzosen aus dem Landesinnern. Der Konflikt zwischen der Individualisierung der Landwirtschaft und traditionell kollektiven Nutzungsweisen mündete in einen wirtschaftlichen und sozial günstigen Kompromiss: Die Wegrechte auf den Gemeindeweiden blieben erhalten, das Allmendland reduzierte sich jedoch durch die zahlreichen Einhegungen.

Die "angegliederten Franzosen" mussten auch ihre neuen Pflichten als Steuerzahler und Soldaten hinnehmen. Das Departement Mont-Terrible beglich seine Steuern mit Requisitionsmarken, die der Finanzierung der Kriegsanstrengungen dienten. Der napoleonische Fiskus zog mit hoher Zuverlässigkeit direkte Steuern ein, die vor allem auf dem Boden lasteten. Mangels Katastern konnte das Gerechtigkeitsprinzip, das der Steuerreform zu Grunde lag, nicht umgesetzt werden. In der Kaiserzeit wurden nur die Kantone Biel und Montbéliard systematisch vermessen. Die zusätzliche Steuerbelastung auf Salz, Zucker, Getränken und Tabak verdoppelte die Abgaben.

Die Massenaushebungen der Revolutionszeit und die Bildung eines Freiwilligenbataillons des Departements Mont-Terrible zogen zahlreiche Desertionen nach sich. In offener Revolte verschanzten sich im August 1793 die jungen Männer des Delsberger Tales auf dem Mont sur Courtételle. Das Gesetz Jourdan-Delbrel vom 5. September 1798 führte die allgemeine Wehrpflicht ein, welche die Präfekten und Unterpräfekten mit Nachdruck durchsetzten, unterstützt von den Kirchenleuten, den Bürgermeistern (maires) und anderen Notabeln. Trotz Dispensationen und der Möglichkeit, einen Ersatzmann zu stellen, wog der Blutzoll schwer. 2000 Männer aus dem ehemaligen Fürstbistum Basel – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 60'000 – sollen auf diesen "Wegen des Ruhms" ihr Leben verloren haben. Andererseits erreichten in der Revolutionszeit und der napoleonischen Ära fünf Jurassier den Generalsrang: Ignace-Xavier Comman, François-Joseph Gressot, Jean-Pierre Jaquet, Jean-Pierre Mercier und Théophile Voirol.

Die politischen Veränderungen wurden von der wirtschaftlichen Umorientierung nach Westen begleitet. Der Rückgang des Verkehrs auf den jurassischen Strassenachsen wurde durch die Erneuerung des lokalen Strassennetzes (mit Alleen) nicht wettgemacht. Die Textil- und die Uhrenindustrie litten unter der französischen Zollpolitik, die den Schmuggel durch die Schweiz förderte. Die Öffnung der kontinentalen Märkte liess Hoffnungen aufkeimen, die durch die napoleonischen Niederlagen zunichte gemacht wurden. Zur gleichen Zeit geriet die Uhrenmanufaktur durch die industriellen Innovationen der Familie Japy in der Landschaft Montbéliard ins Abseits. Die Kaiserzeit war einzig für die Eisenwerke infolge ihres Anschlusses an die oberrheinische Metallurgie und der Kriegswirtschaft ein goldenes Zeitalter. Der Reformeifer im Erziehungs- und Sozialwesen wurde mangels finanziellen Möglichkeiten gedämpft. 1796-1803 kam Pruntrut in den Genuss einer Zentralschule, eines vom Direktorium eingeführten neuen Schultyps. Die Gründung der kaiserlichen Universität und die der Akademie von Strassburg unterstellten Gymnasien (collèges) in Pruntrut, Montbéliard und Delsberg verliehen der höheren Bildung neuen Auftrieb. Vier 1803 gegründete Komitees sorgten vor allem im reformierten Gebiet für eine Verbreitung der Pockenimpfung. Eine tödliche Epidemie im Departement Haut-Rhin führte 1800-1801 (im Jahr IX der Republik) im Arrondissement Pruntrut zu einem Sterbeüberschuss. Nach den Parteikämpfen der Revolutionszeit gelang dem napoleonischen Regime die Verschmelzung der verschiedenen Eliten. Die Listen der Notabeln und der besten Steuerzahler sowie Wahlen und Ernennungen zeigen deren gesellschaftliche Basis in den verschiedenen Regionen: Pruntruter Juristen, Handelsleute und Industrielle aus Montbéliard, Notare, Ärzte, reformierte Pfarrer sowie Bieler Fabrikanten.

Das Ende der jurassischen Arrondissements im Departement Haut-Rhin

Durch den Einmarsch der Koalitionstruppen am 22. Dezember 1813 in Delsberg und am 24. Dezember in Pruntrut war die Zugehörigkeit dieser beiden Unterpräfekturen in Frage gestellt. Von Ende Januar bis zum 30. Mai 1814 verwaltete sie der Kommissar Ursann Konrad Joseph von Billieux von Ehrenfeld im Auftrag des in Vesoul residierenden alliierten Generalgouverneurs Konrad Karl Friedrich von Andlau-Birseck. Der erste Pariser Frieden bestätigte die Souveränität Frankreichs über Montbéliard und wandte das sogenannte Kompensationssystem auf das Fürstbistum Basel an. Durch die Erklärung vom 20. März 1815 beschloss der Wiener Kongress dessen Anschluss an die Schweiz und die Vereinigung seines Territoriums mit den Kantonen Bern und Basel (Vereinigungsurkunden). Die französischen Herrschaftsstrukturen gingen in der allgemeinen Indifferenz oder Erleichterung unter. In der Munizipalität Pruntrut schickten allerdings Verfechter der sozialen Errungenschaften der französischen Periode eine Gesandtschaft zu König Ludwig XVIII. Die im Mai 1814 eingesetzte Präfektur von Colmar versuchte zwar die jurassischen Arrondissements zurückzugewinnen, jedoch ohne Unterstützung der Regierung in Paris. Das abrupte Ende der französischen Herrschaft kontrastiert stark mit der identitätsstiftenden Instrumentalisierung ihrer Errungenschaften im Berner Jura und mit der späteren Mythenbildung.

Quellen und Literatur

  • Die Archive der alten Diözese Basel und des ehemaligen Fürstbistums Basel befinden sich in Pruntrut (Archives de l'ancien Evêché de Bâle). Die unter der französischen Herrschaft angelegten Archive bilden besondere Abteilungen (Raurachische Republik, Departement Mont-Terrible, Arrondissements Pruntrut und Delsberg im Departement Haut-Rhin). Auch andere Archive bewahren Quellen zur Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Basel auf: Staatsarchiv Basel-Stadt in Basel, Staatsarchiv Basel-Landschaft in Liestal, Generallandesarchiv in Karlsruhe (Archiv des Domkapitels) sowie das Archiv des Departements Haut-Rhin in Colmar (für den Zeitraum 1800-1813).
  • Bibliographie jurassienne, 1928-.
  • G. Amweg, Bibliographie du Jura bernois, 1928.
  • G. Amweg, Les arts dans le Jura bernois et à Bienne, 2 Bde., 1937-1941.
  • A. Rais, Un chapitre de chanoines dans l'ancienne principauté épiscopale de Bâle: Moutier-Grandval, 1940.
  • P. Rebetez-Paroz, Les relations de l'évêché de Bâle avec la France au XVIIIe siècle, 1943.
  • C.-A. Simon, Le Jura protestant de la Réforme à nos jours, 1951.
  • J.-R. Suratteau, Le département du Mont-Terrible sous le régime du Directoire, 1964.
  • F. Abplanalp, Zur Wirtschaftspolitik des Fürstbistums Basel im Zeitalter des Absolutismus, 1971.
  • Helvetia Sacra I/1, 1972, S. 127-362.
  • T. Bühler, Gewohnheitsrecht und Landesherrschaft im ehemaligen Fürstbistum Basel, 1972.
  • P.-O. Bessire, Histoire du Jura bernois et de l'ancien Evêché de Bâle, 19772.
  • A. Bandelier, Porrentruy, sous-préfecture du Haut-Rhin, 1980.
  • M. Jorio, Der Untergang des Fürstbistums Basel (1792-1815), 1982.
  • P. Pégeot, Le pays de Montbéliard et la région de Porrentruy au Moyen Age: peuplement et démographie, 1982.
  • Nouvelle histoire du Jura, 1984.
  • Le Pays de Montbéliard et l'Ancien Evêché de Bâle dans l'Histoire, 1984.
  • R. Ballmer, Les Etats du pays, ou les assemblées d'Etats de l'ancien évêché de Bâle, 1985.
  • T.R. Frêne, Journal de ma vie, hg. von A. Bandelier et al., 5 Bde., 1993-1994 (Der 5. Bd. enthält eine Beschreibung der Institutionen des ehemaligen Fürstbistums Basel).
  • J.-P. Prongué, La Prévôté de Saint-Ursanne du XIIIe au XVe siècle, 1995.
  • L'invasion de 1798, hg. von D. Engelberts, J. Stüssi-Lauterburg, 1999.
Weblinks
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