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Bielersee

Jurarandsee (40 km²), Teil der Region Seeland, Kanton Bern und Neuenburg (Le Landeron). In interglazialen Warmzeiten erstreckte sich zeitweise ein einziges Wasserbecken zwischen Orbe und Solothurn. Vom Neolithikum bis in spätrömischer Zeiten gehörten die Ufer des Bielersees und der Zihl (Zu-, Abfluss) mit hochwasserbedingten Unterbrüchen zu den dichtest besiedelten Regionen der Schweiz (Twann, Lüscherz, Lattrigen). Ein steigender Seespiegel in der Hallstattzeit (800-450 v.Chr.) zwang zur teilweisen Umsiedlung in höhere Lagen. Bedeutende keltische Siedlungen der Latènezeit (um 450-1. Jh. v.Chr.) entstanden auf dem Jolimont und dem Jensberg. Die Seegegend war Durchgangsland; älteste Wege vom Mittelland über den Jura verliefen südlich des Sees durch das Grosse Moos und über die Zihl. In gallorömischer Zeit (1. Jh. v.Chr.-5. Jh. n.Chr.) wurden Wege und Siedlungen ausgebaut: Neue Routen zum Jura entstanden am Südufer und am Nordende bei Aegerten-Brügg.

Ansicht von Erlach und dem See. Aquarell von Albrecht Kauw, um 1670 (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen.
Ansicht von Erlach und dem See. Aquarell von Albrecht Kauw, um 1670 (Bernisches Historisches Museum) © Fotografie Stefan Rebsamen. […]

Der Bielersee ist urkundlich als Nugerolsee (1221-ca. 1300 lacus de Nuerol), aber auch als Erlach- (1212 lacus Erliacensis) und Bielsee (1287) bezeugt; die Bezeichnung als Nidauersee herrschte bis Anfang des 19. Jahrhunderts vor. Französisch Lac de Bienne. Der See mit allen Rechten gehörte vom frühen 13. Jahrhundert an zur Herrschaft der Grafen von Neuenburg(-Nidau). Ausgenommen waren die Uferpartien bei La Neuveville und Biel, die dem Fürstbischof von Basel zustanden, sowie örtliche Freiherrschaften bei Ligerz und Twann. Sonderrechte genoss das Priorat St. Petersinsel. Nach der Eroberung Nidaus 1388 beanspruchte Bern die Seevogtei mit voller Gerichtsbarkeit als Teil der landgräflichen Rechte. Ansprüche erhob aber auch der Fürstbischof von Basel. Erst 1456-1487 kam eine Regelung zustande: Bern errang das Seegericht und die Seehoheit ― mit Ausnahme der niederen Seegerichte in Biel und La Neuveville ― ganz, verwaltet vom Landvogt von Nidau.

Weinbau und Fischerei am Bielersee sind seit dem 13. Jahrhundert bezeugt. Grundsätzlich durften alle Bewohner der Seedörfer fischen. Der sogenannte Fischer-Maien erliess ab 1397 Vorschriften zu Fanggeräten, Schonterminen und Handel zum Schutz der Fischgründe. Im 16. Jahrhundert übernahm Bern diese Gesetzgebung ganz und regulierte die Versorgung der Märkte. Fischerzünfte (Biel 1470, La Neuveville 1597, Erlach 1622) dienten der örtlichen Aufsicht und dem gesellschaftlichen Leben. Berufsfischer, unter Aufsicht obrigkeitlicher Seevögte, sassen vor allem in Lüscherz, Nidau, Twann, Ligerz und Erlach. Ihre wachsende Zahl machte im 18. Jahrhundert eine Berufskonzession und eine Reduktion der Anzahl Garne (1777) nötig. Die Fischereiaufsicht über den ganzen See kam 1803 an den Kanton Bern, nach 1848 auch an den Bund (Bundesgesetze ab 1875).

Als Inhaber des See-Geleitrechts kontrollierte Bern massgeblich den Güterverkehr auf den Jurarandseen. 1637 konzessionierte es den Entreroches-Kanal von Yverdon zum Genfersee, der indes nicht die erhoffte Ausweitung des Schiffstransports brachte. Dennoch war Nidau Berns grösster Umschlagplatz von See- auf Fluss-Schifffahrt und ertragreichste Zollstätte. Weniger bedeutend war der fürstbischöfliche Zoll in Biel. Transportgüter waren vor allem Wein, Salz, Korn, Tuche und Leder. Ab 1826 befuhren Dampfschiffe vom Neuenburgersee, 1855 erstmals auch Flussschiffe von Solothurn aus den Bielersee. Nach 1860 zog die Biel-Neuenburg-Bahn allen Verkehr an sich; die Idee einer «schwimmenden Eisenbahn Nidau-Yverdon» hatte man zuvor verworfen. 1887 erhielt der Bielersee die heute bestehende Bielersee-Schifffahrtsgesellschaft mit Sitz in Erlach, ab 1917 in Biel. Nach wirtschaftlichen Einbrüchen während der Weltkriege begann 1955 der Aufschwung des Ausflugstourismus («Drei-Seen-Fahrt», Aareschifffahrt ab 1966). Erst 1993 gab man den seit dem 19. Jahrhundert erwogenen Rhone-Rhein-Kanal auf, in dessen Rahmen Aare und Bielersee eine wesentliche Rolle gespielt hätten. War das Südufer seit der Römerzeit dem Fahrverkehr erschlossen, so blieb das Nordufer bis zum Bau der Bielerseestrasse 1835-1838 auf den Seeweg angewiesen. Es folgten die Bahnlinie 1858-1861, die Nationalstrasse 1969-1978, der Ligerz-Tunnel 1984-1991. Die erste Juragewässerkorrektion (1868-1875 und 1874-1883 Bau des unteren bzw. oberen Zihlkanals, 1873-1878 Bau des Hagneckkanals zur Einführung der Aare in den Bielersee, Gewässerkorrektionen) senkte den Seespiegel um über 2 m. Landgewinne, archäologische Funde und der Landweg zur St. Petersinsel waren die Folgen.

Quellen und Literatur

  • P. Aeschbacher, Gesch. der Fischerei im Bielersee, 1923
  • F. Allimann-Laubscher, Gesch. der Dampfschiffahrt auf dem Bielersee, 1965
  • M. Bourquin, Bezaubernder Bielersee, 1989
  • J. Winiger, «Die prähist. Besiedlungsstruktur der Bielerseelandschaft», in Die ersten Bauern 1, Ausstellungskat. Zürich, 1990, 297-306
Weblinks
Normdateien
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Systematik
Umwelt / See

Zitiervorschlag

Anne-Marie Dubler: "Bielersee", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.07.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008646/2004-07-27/, konsultiert am 10.08.2022.