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Gebirgstruppen

Während Jahrhunderten waren die Alpen kaum Schauplatz von bedeutenden militär. Operationen und Schlachten. Als Ausnahmen von dieser Regel sind die Schlacht bei Morgarten, die Unternehmen Hzg. Rohans während der Bündner Wirren im Dreissigjährigen Krieg und die Kampfhandlungen 1798-99 in der Inner- und Ostschweiz (darunter der Rückzug General Suworows 1799) zu nennen. Erst im 19. Jh. wurde der Entscheid gefällt, das Alpenmassiv in den Sektoren Gotthard, Sargans und Saint-Maurice mit den Vorwerken im Tessin, am Simplon und am St. Luzisteig zu befestigen (Befestigungen). Eigentl. G. wurden aber noch nicht geschaffen.

Erst 1911 entstanden Einheiten, die eigens für den Einsatz im Gebirge organisiert, ausgerüstet und geschult waren. Mit der Truppenorganisation 1911 wurden vier Brigaden Gebirgsinfanterie (Infanterie) geschaffen, die jedoch den Felddivisionen unterstellt blieben. Jede dieser Brigaden umfasste drei Infanterieregimenter, sie verfügten aber über wenige Unterstützungswaffen und konnten nicht als grosse unabhängige Verbände gelten. Ihre Bestände wurde erst mit der Heeresorganisation 1938 erhöht, als die polit. Lage die Verstärkung der militär. Verteidigung erforderte.

Übermittlungssoldaten installieren um 1945 einen Sender in der Gegend von Zermatt. Fotografie von Fritz Läuffer (Schweizerisches Bundesarchiv, E5792#1988/204#1134*, Bild 28756).
Übermittlungssoldaten installieren um 1945 einen Sender in der Gegend von Zermatt. Fotografie von Fritz Läuffer (Schweizerisches Bundesarchiv, E5792#1988/204#1134*, Bild 28756).

Die Einheiten der G. wurden aufgestockt und aus den Felddivisionen herausgelöst. Es entstanden drei Gebirgsdivisionen und drei Gebirgsbrigaden. Die neue Heeresorganisation ermöglichte eine moderne Verteidigung des Alpenraums während der ganzen Zeit der Mobilmachung 1939-45. Die Periode von Sommer 1940 bis Herbst 1944 war die Zeit des Réduits: Die Alpen wurden intensiv befestigt und die Truppen systematisch auf den Gebirgskrieg vorbereitet, eine Strategie, die viel zur Abschreckung potenzieller Angreifer beitrug.

Auf Grund der Aktivdiensterfahrungen 1939-45 wurde 1961 das Gebirgsarmeekorps 3 (Geb AK 3) geschaffen. Das Hauptmerkmal der neuen Truppenordnung war, dass alle Einheiten, die für den Einsatz im Gebirge bestimmt waren, unter einem einzigen Kommando zusammengefasst wurden. Das Geb AK 3 umfasste fünfzehn grosse Einheiten (Gebirgsdivisionen, Grenz-, Festungs-, Réduit- und Territorialbrigaden) und zudem einige dem Korpskommandanten direkt unterstellte Truppenkörper. Die beweglichen, frei verfügbaren Gebirgsdivisionen sollten als Ganzes oder in Teilen die Kampfbrigaden verstärken und ergänzen sowie als einsatzbereite Reserven ausserhalb des Kampfes zur Verfügung stehen. Die ortsfesten Kampfbrigaden erfüllten ihre Aufgabe in den zugeteilten Sektoren. Drei Territorialzonen unterstützten die Kampfeinheiten logistisch und stellten die Verbindung zu den zivilen Behörden her. Die Modernisierung der Infrastrukturen, das Material und die Ausbildungskonzepte wurden den Bedingungen des Gebirgskampfs angepasst. Das Ausbildungszentrum für den Gebirgskampf in Andermatt (1967 eröffnet) führt alljährlich eine Rekrutenschule für Hochgebirgsspezialisten durch und bildet im Rahmen der Partnerschaft für den Frieden seit 1996 auch Ausländer aus.

Mit der Armee 95 wurden nach dem Ende des Kalten Kriegs der Mannschaftsbestand verkleinert und die Aufgaben der Armee neu definiert. Das Geb AK 3 büsste ungefähr ein Drittel seines Bestands ein, hauptsächlich durch die Auflösung der sechs Grenz- und Réduitbrigaden. Die mit der Armee XXI einhergehenden Reformen, die 2003 vom Volk gutgeheissen wurden, sehen eine kleinere und mobilere Armee mit nur noch drei Gebirgsinfanteriebrigaden vor, die auch im Jura und im Mittelland eingesetzt werden könnten. Die strateg. Bedeutung der Alpentransversalen erfordert nach wie vor die Einsatzbereitschaft einer gebirgstüchtigen Truppe zur Sicherung der für Europa lebenswichtigen Verkehrsadern.

Quellen und Literatur

  • Unser Alpenkorps, 1983 (21984)
  • «Le corps d'armée de montagne 3», in RMS, 1992, Nr. 5, 6-41