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Kadetten

Ende des 18. Jahrhunderts wurden in verschiedenen Deutschschweizer Städten nach ausländischem Vorbild die ersten modernen Kadettenkorps gegründet, die nach den französischen cadets benannt wurden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es in der Westschweiz, namentlich der Waadt, in den 1850er Jahren auch im Tessin zu Korpsgründungen. Zwischen 1830 und 1874 gab es eine eigentliche Gründungswelle: Besonders in den ersten zweieinhalb Jahrzehnten des Bundesstaats entstanden über 100 Einheiten. Bis 1874 wuchs die Zahl der Kadettenkorps dank Bundessubventionen für das Ausrüstungsmaterial auf über 150 an. Die patriotische Gesinnung der lokalen Initianten und verschiedene Kriege in den Nachbarstaaten bildeten den politischen Hintergrund für den Aufschwung des Kadettenwesens. Den Kadetteneinheiten gehörten Knaben im Alter von 10 bis ca. 15 Jahren an, die diesen teils freiwillig, teils aufgrund von an Schulen geknüpften Obligatorien beitraten. Im Zentrum stand die militärische Ausbildung unter Anleitung von Offizieren in Form von Schiessen, militärischem Drill und Manövern. Kadetten präsentierten sich mit Vorbeimärschen an Feiern und Jugendfesten. Einige Korps verfügten zu diesem Zweck über eine Marschmusikabteilung.

Jugendfest zu Aarau, Lager der Kadetten, 26. Juli 1836. Lithografie von Kaspar Belliger (Staatsarchiv Aargau, Aarau, Grafische Sammlung; Fotografie Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Jugendfest zu Aarau, Lager der Kadetten, 26. Juli 1836. Lithografie von Kaspar Belliger (Staatsarchiv Aargau, Aarau, Grafische Sammlung; Fotografie Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts propagierten Turnvereine (Turnbewegung, Militärischer Vorunterricht) das auf die Armee vorbereitende Schulturnen und konkurrenzierten damit die Kadetten. Als mit der neuen Militärordnung des Bundes 1874 das Knabenturnen an den Schulen zum obligatorischen militärischen Vorunterricht erklärt wurde, ging die Zahl der Kadetten stetig zurück. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts und besonders nach dem Ersten Weltkrieg kam von Seiten der politischen Linken Kritik an der militärischen Ausrichtung der Kadetten auf. Ab der Zwischenkriegszeit beendeten die meisten Kadettenkorps ihre militärischen Aktivitäten und entwickelten sich in Richtung Jugendsport weiter oder wurden aufgelöst. Erst 1936 gründeten die verbliebenen Korps den Eidgenössischen Kadettenverband. Eine eigentliche Zäsur setzte das Bundesgesetz über Turnen und Sport von 1972, das den noch bestehenden Kadetten die staatliche Unterstützung für den militärischen Vorunterricht entzog. Im Kanton Aargau, wo noch am meisten militärisch ausgerichtete Korps existierten, wurden diese aufgelöst. In den Kantonen Bern, Zürich, Schaffhausen, Freiburg und Waadt richteten sich die Kadetten auf den Schulsport aus und öffneten sich auch den Mädchen.

Kadettenmanöver Herisau. Ausschnitt aus einem Filmbericht vom Jugendfest (heute Kinderfest) Herisau, 2. Juli 1923. 35-mm-Stummfilm von Willy Leuzinger (Cinémathèque suisse, Filmsammlung Cinema Leuzinger, Signatur 8; Konsultativkopie Memobase ID CS-01_1).
Kadettenmanöver Herisau. Ausschnitt aus einem Filmbericht vom Jugendfest (heute Kinderfest) Herisau, 2. Juli 1923. 35-mm-Stummfilm von Willy Leuzinger (Cinémathèque suisse, Filmsammlung Cinema Leuzinger, Signatur 8; Konsultativkopie Memobase ID CS-01_1). […]

Quellen und Literatur

  • 50 Jahre Eidgenössischer Kadettenverband. Jubiläumsschrift, 1986.
  • Burgener, Louis: «Kadetten in der Schweiz», in: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift 152, 1986, Nr. 10, Beiheft, S. 1-8.
  • Clément, Yves: Les Cadets de Vevey. Un patrimoine social et culturel plus que centenaire, 2001.

Zitiervorschlag

Lüthi, Christian: "Kadetten", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.01.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008700/2021-01-11/, konsultiert am 21.01.2021.