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Gugler

Als Gugler wurden jene französischen und englischen Söldner bezeichnet, die unter der Führung von Enguerrand (Ingelram) de Coucy 1375 im Streit um habsburgisches Erbe ins schweizerische Mittelland eingedrungen waren und von Innerschweizern, Seeländern und Bernern in den Gefechten bei Buttisholz, Ins und Fraubrunnen abgewehrt wurden. Der Begriff «Gugler» bezog sich auf die kalottenförmigen Helme (lateinisch cuculla/cucullus) dieser Söldner.

Der Nordfranzose Enguerrand VII. de Coucy (um 1340-1397) stammte mütterlicherseits von den Habsburgern ab und war ein Enkel Leopolds I. von Habsburg, Herzogs von Österreich. Während eines Waffenstillstands im Hundertjährigen Krieg engagierte de Coucy rund 22'000 unbeschäftigte Krieger in der Absicht, das seiner Mutter Katharina von Österreich zustehende, aber von den Herzögen Leopold III. und Albrecht III. von Habsburg zurückbehaltene Erbe mit Waffengewalt zu holen. Ziel seines Unternehmens war der habsburgische Aargau, insbesondere jene Städte, die seiner Mutter gemäss Ehevertrag ihrer Eltern Leopold I. und Katharina von Savoyen vom 20. April 1310 als Erbe zugesprochen waren, nämlich Willisau, Sempach, Sursee, Aarau, Lenzburg und Bremgarten.

Anfang Dezember 1375 stiessen die Gugler verwüstend und brandschatzend über die Jurapässe ins Aaregebiet vor und schlugen ihre Lager in Klöstern und deren Umgebung auf: de Coucy mit dem Hauptheer in St. Urban, Hauptmann Jean de Vienne – französischer Admiral und ein Cousin des gleichnamigen Bischofs von Basel (Johann von Vienne) – in Gottstatt und der walisische Hauptmann Owen Lawgoch (Ivo von Wales) in Fraubrunnen. Mutige Bewohner der betroffenen Gegenden und schliesslich auch die Stadtberner organisierten sich gegen die raubend, mordend und schändend umherstreifenden Gruppen und fügten ihnen in nächtlichen Angriffen beträchtliche Verluste zu, so wahrscheinlich am 24./25. Dezember bei Buttisholz, am 25./26. Dezember bei Ins und in der Nacht darauf bei Fraubrunnen. Die Unerschrockenheit der einheimischen Bevölkerung, vor allem aber die Winterkälte und Kargheit des Landes bewogen die Gugler zur Rückkehr, ohne dass diese ihr von de Coucy geführtes Hauptheer zum Einsatz bringen konnten.

Im Vergleich mit Albrecht III. von Habsburg erhielt de Coucy 1387 unter anderem die Herrschaft Büren (BE) und die Hälfte der Stadt Nidau als Pfänder zugesprochen. Doch schon im folgenden Jahr verlor er diesen Besitz im Seeland an die Städte Bern und Solothurn.

Quellen und Literatur

  • Lang, Beatrix: Der Guglerkrieg. Ein Kapitel Dynastengeschichte im Vorfeld des Sempacherkrieges, 1982.
Weblinks
Kurzinformationen
Kontext Enguerrand de Coucy

Zitiervorschlag

Lang, Beatrix: "Gugler", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.05.2021. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008731/2021-05-19/, konsultiert am 02.12.2021.