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Thur

131 km langer Fluss in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich. Erstmals erwähnt 610 im Zusammenhang mit dem pagus Turensis. Die Thur entsteht bei Unterwasser durch die Vereinigung von zwei Quellbächen: die Wildhuser Thur entspringt in der Moorlandschaft Munzenriet am Passübergang vom Toggenburg ins Rheintal, die Säntisthur an den Hängen südlich des Säntis. Die Schlucht von Starkenbach schliesst die oberste Talkammer von Alt St. Johann ab. Der Oberlauf in die Talkammern von Nesslau-Krummenau wird durch drei Wasserfälle abgestuft. Gegen Ende des Oberlaufs fliesst bei Lütisburg der Necker zu. Im Mittellauf beginnt eine ausladende Flussschlaufe bei Wil (SG), die Thur wendet sich ostwärts. Bei Uzwil und Oberbüren (SG) fliesst die Glatt zu, nach der Grenze zum Kanton Thurgau mündet bei Bischofszell die Sitter in die Thur; dort wendet sich der Fluss nach Westen. Im Unterlauf fliesst bei Frauenfeld die Murg zu. Vor Andelfingen überquert die Thur die Grenze zum Kanton Zürich und mündet bei Flaach in den Rhein.

Der Fluss wurde schon durch die Römerstrasse von Winterthur nach Pfyn überwunden. Bis 1976 bestand bei Krummenau eine aus Felsen gebildete Naturbrücke, die im 19. Jahrhundert von Kunstmalern und Reisenden besucht wurde. Zum Rickenpass gelangte man im Mittelalter über Furten und Brücken bei Kappel, Wis (Gemeinde Wattwil), Wattwil und Lichtensteig. Die Flussübergänge befinden sich meist an Stellen, wo die Thur durch Felsen eingeengt ist. Erstmals schriftlich erwähnt werden Brücken bei Andelfingen (1354), bei Schwarzenbach (1453) und bei Lütisburg (1460). 1487 entstand die achtjochige Steinbrücke bei Bischofszell. Seit dem 19. Jahrhundert wurden nebst zahlreichen Strassenbrücken und den Eisenbahnbrücken bei Ulisbach (Gemeinde Wattwil), Schwarzenbach (Gemeinde Jonschwil), Weinfelden, Eschikofen, Ossingen und Andelfingen auch die Autobahnbrücken bei Henau, Müllheim und Andelfingen gebaut.

Die Dörfer und Städtchen bildeten sich an Querrippen zum Thurtal auf Terrassen und Schuttkegeln der Seitenbäche. Insbesondere im Toggenburg entwickelte sich im 19. Jahrhundert entlang der Thur die Spinnereiindustrie. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte ein Saumweg entlang dem Oberlauf der Thur, 1826 wurde der Fels rechts der Thur für eine Strasse durchbrochen. Seit 1835 führt die Strasse dank Kunstbauten durch das Engnis von Dietfurt (Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil).

Vor allem im Bereich des Mittellaufs trat die Thur immer wieder über die Ufer. Grössere Überschwemmungen erfolgten 1664, 1755, 1789, 1852, 1876, 1881 und 1883. Eine Thurkorrektion als gemeinsames Projekt der betroffenen Thurgauer und Zürcher Gemeinden wurde 1874-1893 vorgenommen. 1907-1913 fand im Kanton St. Gallen zwischen Ebnat-Kappel und Lichtensteig eine Korrektion statt. Bei Hochwassern im 20. Jahrhundert, nämlich 1910, 1965, 1977 und 1978, brachen jedoch einige Dämme. 1979 erstellten die drei Anrainerkantone gemeinsam das Thurrichtprojekt. 1983-2005 wurde die Thur von der thurgauischen Grenze bis Andelfingen naturnah saniert. Das Projekt Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung begann 2007. Die Landschaft von Lichtensteig bis Schwarzenbach mit Auen und Altläufen wurde 1983 ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen.

Quellen und Literatur

  • Der Thur auf der Spur, hg. von H.W. Salathé, 1997
  • Die Thur, ein Fluss mit Zukunft für Mensch, Natur und Landschaft, 2001
  • A. Spaltenstein, Zwischen Freiheit und Zwang, 2004
Von der Redaktion ergänzt
  • Suter, Meinrad: Die Thur und das untere Thurtal in den Kantonen Zürich und Thurgau. Die Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2022.
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Hans Büchler: "Thur", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.03.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008764/2017-03-16/, konsultiert am 08.08.2022.