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Matterhorn

Berg und Wahrzeichen von Zermatt VS, 4478 m. Matterhorn Französisch Mont Cervin, italienisch Monte Cervino. Die Felsenpyramide aus Gneis überragt den schweizerisch-italienischen Grenzkamm um gut 1000 m. An deren Nordfuss, auf der obersten Stufe des Mattertals, liegt der bedeutende Fremdenverkehrsort Zermatt, auf deren Südseite der italienische Touristenort Breuil-Cervinia im Valtournanche. Während im 16. Jahrhundert die Namen Augstthalerberg oder Mons Sylvius von Aegidius Tschudi für die gesamte Gletscherwelt im Hintergrund der Vispertäler sowie für den Theodulpass gebraucht wurden, bezeichneten sie ab ca. 1740 nur noch das Matterhorn.

Ausstellungsplakat von Martin Diethelm, 1974 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
Ausstellungsplakat von Martin Diethelm, 1974 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). […]

Dessen eigentliche Entdeckung fällt mit dem einsetzenden Alpinismus Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen. Die Erstbesteigungen in den Vispertälern (Dom, Lyskamm usw.) wurden hauptsächlich von Mitgliedern des englischen Alpenclubs in Begleitung von einheimischen Bergführern in Angriff genommen. Um die Erstbesteigung des Matterhorns entspann sich ein Wettlauf zwischen zwei Gruppen, die den Berg von Italien bzw. von der Schweiz aus (Südwest- bzw. Nordostgrat) zu bezwingen trachteten. Am 14. Juli 1865 erreichte Letztere den Gipfel; die erfolgreiche Seilschaft bestand aus den Engländern Edward Whymper, Francis Douglas, Robert Hadow und Charles Hudson unter Führung von Michel Croz aus Chamonix sowie Peter Taugwalder aus Zermatt und seinem Sohn. Der Abstieg forderte vier Todesopfer, was eine gerichtliche Untersuchung über die Unfallursache nach sich zog. 1875 erfolgte die erste Winterbesteigung des Matterhorns über den Hörnligrat unter der Leitung des italienischen Bergführers Jean-Antoine Carrel. Die erste Alleinbegehung der Westwand schaffte 1929 der Wiener Fritz Herrmann, die Nordwand bezwangen erstmals 1931 die Gebrüder Franz und Toni Schmid aus München. Bis 1962 wurden alle vier Grate (Hörnli-, Lion-, Zmutt- und Furggengrat) und Wände des Matterhorns erobert, 1969 gelang die Erstbegehung der Zmuttnase. Weitere Routen und Matterhornrekorde (u.a. erste Skibefahrung der Ostwand 1975, erste Snowboardabfahrt 1987) folgten.

Im 20. Jahrhundert zum nationalen Symbol geworden, erfuhr die markante Bergspitze eine weltweite Vermarktung: sie mutierte zum Werbeträger für unzählige Gebrauchsartikel (z.B. Schokolade, Kreditkarten). Nicht ausgeführt wurden die Pläne einer auf das Matterhorn führenden Strasse (1859), einer Bahn (1892) sowie zur Beleuchtung des Berges (1988). Der populäre Gipfel machte das Bergdorf Zermatt zum Bergsteigermekka und zu einem der berühmtesten Touristenorte der Schweiz (Tourismus). Das Matterhorn wird während einer Sommersaison von 1000-1500 Menschen erklommen (die Versuchsquote liegt bei ca. 2500), die Tageshöchstzahl beträgt ca. 100-140 Besteigungen.

Quellen und Literatur

  • A. Julen, «Die Namen von Zermatt und seinen Bergen», in BWG 11/1, 1951, 3-58
  • Y. Hostettler, Matterhorn Gipfel der Werbung, 1990 (franz. 1990)
  • H. Taugwalder, M. Jaggi, Der Wahrheit näher, 1990
  • B.P. Truffer, 125 Jahre Erstbesteigung Matterhorn, 1990
  • P. Borer, Matterhorn, 1999
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Alma Treyer: "Matterhorn", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 29.01.2007. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/008780/2007-01-29/, konsultiert am 23.05.2024.